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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-12-10 · Heft 50 (10.12.1897) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 50 (10.12.1897)
Date
1897-12-10
Page
Seite 600 (sequence 12)
Language
German
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600 Da sprang der Ritter, der bis dahin mit Mühe an sich gehalten, auf den Alten los, schleuderte ihn bei Seite und zückte den Dolch gegen ihn. „Laß sie, sonst stirbst Du!" „Es ist mein Vater!" rief Rachel, ihm in den Arm fallend. „Laß mich, er hat kein Recht mehr auf Dich; denn Du bist mein." „Wer hat sie Euch geschenkt?" schrie der Jude erbittert. Der Ritter hob aufs Neue den Dolch, da faßte Rachel ihren Vater an der Hand, und zog ihn rasch durch die Thür des Hauses,, die hinter ihnen zusiel. Der Ritter blieb vernichtet zurück, das Eisen entfiel klirrend seiner Faust, und kraftlos sank er an die kalte Wand. (Fortsetzung folgt.) Litterarische MittheUungen. annpn Weltliche Gedichte des Abu Ajjub Soleiman b. Jahja Jbu Gabriel. Unter Mitwirkung namhafter Gelehrter nach Handschriften und Druckwerken bearbeitet und mit Anmerkungen und Einleitung versehen von Dr. H. Brody (Heft 1.) Berlin, Verlag von M. Poppelauer, 1897, gr. 8 °. In gleicher Form und Ausstattung wie der Divan des R. Jehuda Ha-Levi im Verlage des Vereins Mekize Nird&mim erscheinen die weltlichen Gedichte des Salomon Gabirol im Verlage der Poppelauer'schen Buchhandlung in Berlin. Der Herausgeber beider Sammelwerke ist der rühmlichst bekannte junge Gelehrte Dr. Brody. Es ist eine Ehrenschuld, welche dem Dichterfürsten in würdigster Weise abgetragen wird. Die Ausgabe ehrt die Dichter wie die Verleger. In bessere Hände konnte sie auch nicht gelegt werden. Die vorliegende erste Lieferung der neuen Gabirol-Ausgabe enthält vier Gedichte zu Ehren Jekuthiels Jbn Hassan, des Gönners des Dichters, dann ein kleineres über das getrübte Verhältniß und endlich ein Klagelied über Jekuthiels Tod, im Ganzen 20 Seiten Text. Darauf folgen auf 12 Seiten hebräische Anmerkungen. Diese geben Aufschluß über das Versmaß der Dichtungen, Inhaltserklärungen und eine fortlaufende Erläuterung der einzelnen Verse, vorläufig bis III 18. Das ganze Werk soll ungefähr acht Lieferungen von je zwei Bogen umfassen. Der Preis jeder Lieferung beträgt für Abonnenten 1,20 Mk. Abonnements können bis zum 1. Februar 1898 in jeder größeren Buchhandlung aufgegeben werden. Das Erscheinen des Werkes ist von der günstigen Aufnahme abhängig. Es ist daher dringend wünschenswerth, daß es zahlreiche Abonnenten findet. Sicher dürfte es eine Zierde jeder Bibliothek bilden. — cli. DISK ^"12' Sprüche der Väter, in jüdisch-deutscher Schrift übersetzt und erklärt von Rabbiner Dr. S. Bamberg er in Schrimm. — Zu beziehen von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. und Schreiber in Schrimm. Das Buch, dem Empfehlungen des Herrn Rabbiners Dr. Feilchenfeld zu Posen und des Herrn Kirchenraths Dr. Kroner zu Stuttgart beigegeben sind, verfolgt hauptsächlich den Zweck, die Schüler und besonders die Schülerinnen in das Lesen der jüdisch-deutschen Schreibweise einzuführen. Der Verfasser verfährt hierbei, indem er als Lesestoff „die Sprüche der Väter" gewählt hat, recht pädagogisch, da er dadurch das „Interesse" in den Mittelpunkt des Unterrichtes stellt. Aber auch sonst ist diese Auswahl eine recht glückliche zu nennen, weil in vielfacher Beziehung eine Konzentration der Unterrichtsfächer dadurch herbeigeführt werden kann. Vor allem sind die in den „Pirke Aboth" enthaltenen herrlichen Weisheits- und Sittenlehren das beste Fundament für einen anschaulichen systematischen Religionsunterricht, der dadurch recht fruchtbar gemacht wird; fernerhin wird der Unterricht in der jüdischen Geschichte durch die werthvollen geschichtlichen Angaben des Verfassers um ein Bedeutendes gefördert; sodann wird der Schüler, mit der Sprache und dem Geiste der Mischnah vertraut gemacht; endlich erlangt er eine gewisse Fertigkeit im Lesen des Jüdisch-Deutschen. Die Uebersetzung ist recht gut und treffend, die Erklärungen sind anschaulich und sehr belehrend. Nach dem Grundsätze: „Vom Bekannten zum Unbekannten, vom Leichten zum Schweren" hat der Verfasser im Anhänge auch eine Einführung in die Kursiv- und Raschischrift gegeben und so dem Schüler die Wege geebnet, sich an das Lesen der verschiedenen Ritualwerke in der Urschrift selbst zu begeben. Die Ausstattung des Buches ist schön, der Druck deutlich und übersichtlich, der Preis sehr wohlfeil; die Schulausgabe kostet nur 90 Psi incl. Porto 1 Mark. Mit Recht können wir daher dieses überaus praktische Buch, das für den Unterricht 10—14 jähriger Schüler sowie für den Selbstunterricht Erwachsener bestimmt ist, der allgemeinen Beachtung recht angelegentlich empfehlen. — v — Berichte über die neuesten Erscheinungen der jüdischen Litteratur dürften den Lesern Ihrer Zeitung nicht unwillkommen sein. Bor uns liegt das soeben erschienene Supplement IV. der „ R e a l - E n c y k l o p ä d i e des Judenthums für Bibel und Talmud" von Dr. I..Hamburger, Ober- und,Landesrabbiner in Strelitz (Mecklenb.), das rühmlichst hervorgehoben zu werden verdient. Unermüdlich arbeitet der Verfasser an der Vervollständigung seines verdienstvollen Werkes. Von den vielen lehrreichen Artikeln dieses Supplements nennen wir: „Angeberei", „Denk-, Lehr- und Redefreiheit", „Gesetzesstudium", „Gottesreich", „Erwählung", „Jesus von Nazareth", „Karäer", „Mafforak", „Messianisches im Gebet", „Parsismus und Judenthum", „Religion", „Religionspfleger", „Religion im Dienste der Menschheit", „Rabbiner", „Schiilchan-Aruch", „Sekten", „Symbolik" u. s. w. Die Supplemente, sagt der Verfasser in seiner Vorrede, bringen die in Abtheilung I wie Abtheilung II dieses Werkes vermißten Artikel, aber auch die der späteren nachtalmudifchen Litteratur bis zur Gegenwart; sie sollen diese „Real-Encyklopädie", die erst nur für Bibel und Talmud angelegt war, zu einer „Real-Encyklopädie des Judenthums" erweitern. Mögen diese Arbeiten die weiteste Verbreitung finden. I. B. Sprechfaul. Sehr geehrter Herr Redakteur! Medes ausgesprochene Wort erregt den Gegensinn." Nach Dr. Engen Fuchs tritt Dr. H. M. Cohn in die Schranken gegen meinen Aufsatz „Jüdische Politik" und stürmt mit dem Einsätze seiner ganzen Kraft gegen denselben an. Herr Dr. Cohn lehnt es wohl ab, „Persönliches zu behandeln"; das hält ihn jedoch nicht ab, bei der grimmen Attacke auch einige Seitenhiebe gegen die Person des Verfassers zu führen. Derlei Angriffe lassen mich indessen, der ich seit fast einem halben Jahrhundert im Dienste öffentlicher und insbesondere glaubensgenössischer Interessen stehe, vollkommen kalt. Insofern aber die Auslassungen Cohns die Sache selbst berühren, bewegen sie sich in einem Kreise flagranter Widersprüche. Er giebt zu, „seine Kenntniß der österreichischen Verhältnisse sei nicht ausreichend genug, um sich zum Richter über dortige Zustände zu machen", hält sich hinwiederum „für genügend mit denselben bekannt", um diese nicht nur zu schildern, sondern auch über sie mit einer keine Anfechtung duldenden Sicherheit abzuurtheilen. Herr Dr. Cohn findet es befremdlich, daß ich für meine „Wiener Klagen" (?) „Gastfreundschaft in einem Berliner Blatte suche", und nimmt trotz seines Berlinerthums, das er mit so vielem Stolze und Behagen hervorhebt, keinen Anstand, in einem Athemzuge den Oesterreichern Rathschläge zu ertheilen, von denen er aber in merito sagt, „daß ein solches Verfahren in Deutschland durchaus verfehlt wäre". Hieraus ergiebt sich der zwingende Schluß, daß Herr Dr. Cohn — allerdings im Widerspruch mit seinen sonstigen Bekenntnissen — nur vom Standpunkte der ihm „fremden" österreichischen Verhältnisse „Ihre Leser versichern kann", „daß meine Ausführungen in sachlicher Beziehung verfehlt sind". Mit welchem Rechte er dieses Verdikt fällt, bleibt sein Geheimniß. Wien, 28. November. Emanuel Baumgarten. * dem Artikel „Ueber Bibellesen" in der vorigen Nummer muß es S. 582, erste Zeile, oben, anstatt „dem guten, milden Seume" „dem guten, wilden Seume" heißen. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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