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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-12-10 · Heft 50 (10.12.1897) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 50 (10.12.1897)
Date
1897-12-10
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
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598 vollkommen, und auch die „Protestrabbiuer" anerkenne ich willig als Führer. Diese Männer alle sind berufenere Vertreter des Judenthums als ich. Ich begnüge mich vielmehr damit, meine langjährigen, aber trotzdem noch immer bescheidenen Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Ich mache also deshalb öffentlich den Vorschlag, daß sich einige, etwa zwei oder drei, Häupter der Zionisten-, Partei und ebenso viele antizionistische „Protestrabbiner" und andere Notable zu einer Besprechung etwa' im Januar 1898 in Berlin' einfinden mögen. 5 oder 6 Herren genügen vollständig, also etwa^ 2 Zionisten, 2 Rabbiner und 2 sonstige Notable, die der Sache Interesse entgegenzubringen geneigt sind. Einen Kongreß beabsichtigen' wir natürlich nicht. Es wird deshalb das Beste sein, daß diejenigen Herren der genannten Kategorien, welche berufen zu sein glauben,' an dieser privaten Besprechung theilzunehmen, der Redaktion diesem Zeitschrift ihre diesbezügliche Absicht bekannt geben. Nach Mit-' theilung der Namen durch die Redaktion an mich werde ich die Ehre haben, die Herren über Zeit und Ort der Berliner Zusammen-, kunft zu verständigen. I MlMWMll i—I I—^--1 MMMlMMMMIllWMIM MIWIMtilMLMlll UMM1M i—i i-— mmmnmi mmm m k | FEUILLETON | 1 1 götlMiiHÜiällj WikkmMW! -Is I-1 MMMsMMMsM'MMMMMMIMMMiMMMsIWMMnMMiMM i--1?»'—-1 l—l nittUfflniütinss? uiumumiizzs I-- Kaiser und Uabtri. Historische Erzählung. II. Rabbi hatte seinen Gast gebührend begleitet, und war zu JgXz seinem Studium zurückgekehrt, als sein Diener neuerdings mit verdrießlichem Gesicht herein kam, und dein hohen Meister anzeigte, daß ihn ein Weib zu sprechen verlange und sich^ nicht abweisen ließe. Obwohl ein solches Begehren, zu solcher, Stunde besonders, ein seltsames, und in Betracht der damaligen Verhältnisse unziemliches erschien, gebot der Rabbi doch, sie in das anstoßende.Gemach zu führen. Damals waren die Rabbiner überhaupt, namentlich aber ein Mann von solchem Ansehen wie Rabbi Löb, ihren eigenen Glaubensgenoffen bei weitem schwerer zugänglich, als jetzt. Es mußte eine Sache von Wichtigkeit sein, die ein Weib bewegen konnte, einen solchen Schritt zu wagen. Als der Rabbi in die Stube trat, fand er eine verschleierte Gestalt, mit gebeugtem Haupte und merklich zitternd. Auf sein Geheiß schlug sie den Schleier zurück und zeigte eines jener holden Gesichter, auf denen die ganze Pracht orientalischer Schönheit schimmert. Des Rabbi Auge hing eine Weile prüfend und theilnehmend zugleich an den roth übergoffenen Zügen. „Wer bist Du, und was willst Du, Jungfrau?" Leise und verschüchtert antwortete sie: „Vergebt, hoher Herr und Meister. Euerer Magd, die sich zu Euch und vor Euer strahlendes Angesicht zu drängen wagt." „Fasse Muth, und sprich!"; „Ich bin Rachel, die Tochter Löbs ben Isaak." „Dein Vater ist ein frommer, gottesfürchtiger Mann." Rachel preßte beide Hände an ihre Brust und stammelte: „Ihr seid so gnädig, und doch vermag ich's nicht."; „Fasse Muth," sagte der Rabbi mild, „und sage mir, was Dich drückt. Hast Du gegen das Gesetz gesündigt?" Rachel faßte sich gewaltsam und erzählte, durch die milden Worte des Meisters ermuthigt: „Vor drei Monaten, hoher Rabbi, ging ich meine Base zu besuchen, eilig und wohl verschleiert, wie es einer Jungsrau geziemt. Die Base war aber plötzlich so schwer erkrankt, daß ich mich entschließen mußte, ihren- Vater vom Trödelmarkt zu holen. Auf dem Wege dahin begegneten mir zwei Junker, die meiner kaum ansichtig, mich verfolgten, bis Einer es wagte, meinen Schleier zu fassen. Als ich mich sträubte, wollte der Andere meine Hände halten, ich riß mich aber los und floh, von ihnen verfolgt, bis ich über einen Stein stürzte und bewußtlos liegen blieb. Wie aus einem dumpfen Traum erwachend, fand ich mich in einem Prunkgemach wieder, auf einem kostbaren Lager, an dessen Füßen ein Ritter stand, leuchtend im Schmuck der Waffen, wie Gideon, der Held unseres Volkes. Er neigte sich mild zu mir, und ich erfuhr, daß er mich, die bewußtlos auf der Straße gelegen, aufheben und in sein Haus hatte tragen lassen. Meine .verletzte Stirn war verbunden worden, und da der Abend mittlerweile .hereingebrochen war, .geleitete er mich selbst bis an die Thür meiner Base. Seit jenem Tage sah ich den Ritter oft, er harrte meiner x auf jedem meiner Wege, und — ihre Stimme war durch die Scham des Geständnisses und das überwallende Gefühl fast erstickt — er gestand mir seine Liebe. Seid mir ein milder Richter, hoher Herr, ich habe die Wahrheit gesprochen." . Der Rabbi hatte sie ernst und schweigend angehört und sprach noch immer gütig und mild: „Und Du liebst ihn auch? und hast es Deinem Vater verschwiegen?" „Wüßte er's, so würde er mir fluchen in seinem Zorn," antwortete erschreckt das Mädchen. „Ich habe seit jenem Abend keine ruhige Stunde gehabt, und mein letzter Trost ist die Strafe, die Ihr, hoher Meister, über mich verhängen werdet." „Wenn Du bereust und Deiner Liebe entsagst, werde ich Dich nicht strafeu, aber ich fürchte, daß Deine Kraft geringer als Dein Wille ist, und daß Du von Deiner sündhaften unb thörichten Liebe noch nicht geheilt bist. Sei standhaft, Mädchen, den kurzen Augenblick des Kampfes wiegt Deiner Zukunft Glück und Ruhe auf. Wenn Dich der Glanz des Gedankens verblendet, daß ein Ritter um Deine Liebe wirbt, so bedenke, welch' eine Kluft Euch Beide scheidet, und daß, wenn Du auch das Ziel Deiner Wünsche erreichen könntest, dies nur durch den schnöden Abfall vom Glauben Deiner Väter möglich ist. Wenn Dir Dein Vater fluchte, würde die Gerechtigkeit des Himmels ein flammendes Schwert seinem Zorne leihen. Du würdest mit Recht verachtet werden von den Deinigen, weil Du um zeitlicher Ehre Willen undankbar und unkindlich an Deinem Vater gehandelt und Dich in die Gemeinschaft der Feinde unseres Volkes begeben hättest. Du würdest aber auch verachtet werden von Deinen neuen Genossen und in ihrer Meinung die Jüdin bleiben, die durch Zauberkünste einen edlen Herrn bethört und verblendet hat; kurze Zeit blüht die Rose der Leidenschaft, aber auf Dornen müßtest Du gehen bis zu Deinem Grabe. Willst Du entsagen?" Rachel sank zu des Rabbi Füßen nieder und stammelte: „Ich will!" Er hieß sie aufstehen, legte die Hand auf ihr Haupt, und als sie das Gemach verlassen, stützt er wehmüthig die edle Stirn in die Hand und sprach in den weichen Flötentönen, in denen die Dichter seines Volkes dessen unglückliches Loos beklagen: „Wir büßen schwer die Sünden uns'rer Väter, Einst hing das Schwert des Zornes über uns; Der Tempel war. zerstört durch fremde Krieger,

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