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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-12-03 · Heft 49 (3.12.1897) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 49 (3.12.1897)
Date
1897-12-03
Page
Seite 587 (sequence 11)
Language
German
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Da Alle vor der Führung feig erbeben, - Ward Moses sie auf seinen Wunsch gegeben. Der Sturm war abgeschlagen, und als Sieger Kehrt Moses ruhmgekrönt. alsdann zurück^ Wir haben hier di§ Sage, die schon Josephus in seiner Geschichte und später die Agada im Tanchuma, bringen. Größere Verwendung der Sage finden wir bei ihm in Heft I, S. 17, § 37- 40 in der Darstellung des Lebens Abrahams., Von begeisterndem Schwung sind S^ 104 bis 109, wo er eine ganze Mosaide uns giebt. Schön ist es, was der Verfasser vom „Wunder" sagt: . Die,größten Forscher suchten zu erklären \ Den Durchzug Israels durchs rothe Meer; Doch können sie das Wunder nicht zerstören. Und mangelhaft bleibt die gebot'ne Lehr. Vom Forscher wir nicht Phantasie begehren. Und die Beweise brachte keiner her. Den Jrrthum sehen wir bei allen walten, Drum müssen wir an unsre Schrift uns haltend) So in Heft II. S. 112, § 312. Mehr darüber in Heft I, S. 56, § 152; daselbst S. 14, § 30. Ueber den Gottesglauben und das Gesetz finden wir in Heft I, S. 22, § 59: Der Glaube weht^von Zions hoher Zinne, Der Abraham geführt nach Kanaan, Der Geist der Freiheit und der Menschenrechte, Der Männer will und keine nied're Knechte. Diesem reihen wir an II. § 113, § 317: Die all zusammen nach der Einheit streben : Ein Gott, ein Volk, ein Recht in ihnen leben. Der Plan des Verfassers ist, wie er mir schreibt, vorläufig die erste Abtheilung bis Esra in drei Heften herauszugeben. Bis Esra läuft klares Wasser aus der Quelle. Von da ab geht der Stoff in Gährung über.' Vom Exils bis 5O0 läuft alles wieder zu Gunsten, auch später über das Mittelalter hinaus. Die Skizze, sagt ferner der Verfasser, soll junge Talente ausmuntern (ich füge hinzu: auch die Jugend anregen). Es spricht Heft I: « 1, Vom Eden; 2. von den Sethiten und Kainiten; 3. der großen Fluth; 4. Abraham; 5. Isaak und Jakob. Das Heft II bringt: 1. „Der große Prophet"; 2. „Die Richter"; 3. „Jehud und Debora"; 4. „Gideon und Jephta"; 6. „Saul und David". So mögen diese Hefte sich der weitesten Verbreitung erfreuen und besonders die Jugettd für unseren Glauben anregen und gewinnen helfen. Dr. I. Hamburger in Strelitz (Mecklenb.) Kprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! f ie Erwiederungdes Herrn Kollegen Friedmann-Berlin erscheint zwar ziemlich post ksstuln, sie ist jedoch .trotz ihrer Verspätung immerhin der Beachtung werth, weil sie ein charakteristisches Gegenstück bildet zu den Ausführungen des Herrn Kollegen Rosenhanpt-Nürnberg. Die jüdischen Melodien, um welche es sich in beiden Fällen handelt, sind schon vielfach der punotum saliens zu gelehrten und auch ungelehrten Disputationen gewesen, und es will dem objektiven Beurtheiler fast erscheinen, als obgerade in unseren Tagen die Frage gelöst werden müßte: „Welches sind die traditionellen Melodien, die süddeutschen oder die norddeutschen?" — Wenn ich nun zur Beantwortung dieser Frage das Wort ergreife, so geschieht das nicht etwa aus Gehässigkeit gegen die eine oder aus Vorliebe für die andere Partei; nein, es ist mir vielmehr darum zu thun, einen anregenden Beitrag zu liefern.zur Beseitigung der in letzter Zeit scheinbar so brennend gewordenen Streitfrage. Prinzipiell stehe ich auf'dem Standpunkte Rösenhaupts, mit dem ich mir sage, dAß das wie es bei uns im Abendlande leibt und i) Mehr darüber Heft I, S. 56, § i52, I. 'S. 14, § 30.. vf tt. gk* Vrv-ü v- >. «£f' vb* Ater f lebt-; als „deutsch" (afchkenafisch) zu bezeichnen ist; was außerhalb desselven existirt/ bezeichne ich mit dem Ausdruck „polnisch". Ich unterscheide daher zwischen aschkenasischem und polnischem Das aflchkenasische ist uralt, selbst dem Witze des Herrn Friedmann gegenüber, der von den Gesängen am Berg Sinai spricht; es ist mindestens älter als das ganze polnische Judenthum, denn erst von Deutschland aus ktzmen die Juden nach Polen und nach Rußland, und zwar zu einer Zeit, als das deutsche Judenthum, namentlich aber das süddeutsche, seine Geschichte schon nach Jahrhunderten zählte. Die ersten jüdischen Kolonien befanden sich am Rhein, in Köln, Mainz, Worms, Speyer rc , und es ist schwer anzunehmen, daß sie bei der Sorgfalt, die sie dem Gemeindeleben im Allgemeinen angedeihen ließen, die Pflege des Gottesdienstes im Besonderen vernachlässigt haben sollten. Wenigstens treffen wir schon sehr früh in Mainz einen würdigen Vertreter des der unter dem Namen Maharil große Popularität genießt. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, unterliegt es auch nicht dem geringsten Zweifel, daß das Recht der Ancie'nnetät dem aschkenasischen rYtttn zuerkannt werden muß, ein Recht, das den solidesten Beweis erbringt für die Haltlosigkeit dessen, was man gemeinhin unter polnischem versteht. — Wohlverstanden, ich spreche nicht von polnischen sondern von polnischem jTüjn* — Dieser JUJfn ist, wie bereits angedeutet, aus dtm Aschkenasischen hervorgegangen oder richtiger gesagt, das aschkenasische ist mit den nach Polen und Rußland verschlagenen Emigranten exportirt worden und hat sich im Laufe der Zeit mächtigen, slavischen Strömungen gegenüber mit ihren wehmüthigen und weinerlichen Weisen verschmolzen. Das polnische riDTn kennt infolge dessen keinen Ausdruck der Freude, keinen Ton der Hoffnung und keinen, des Trostes, des Lobes und des Dankes, es beschränkt sich vielmehr in seiner Hauptsache aus das Gebiet der Bitte, und hierin besieht seine eigentliche Größe, seine Virtuosität. Und wenn Rosenhaupt behauptet, daß der polnische jjn — ich meine den Vertreter des polnischen nDiPi —, nicht im Stande sei, an Wochentagen vorzubeten, so gebe ich meinem verehrten Nürnberger Kollegen vollkommen Recht; ich habe auch schon des Oefteren Gelegenheit gehabt, polnische an Werktagen zu hören, wobei jeder einem jeweils eigenartigen HUlfl Ausdruck verlieh; übereingestimmt haben sie aber , alle nur in dem einen Punkte, daß man unwillkürlich meinte, es sei und nicht '2NN Damit soll jedoch keineswegs gesagt sein, daß der aus Polen stammende pn überhaüpt nicht im Stande wäre, sich ein anständiges JYDfn anzueignen; weit entfernt, denn ich kenne selbst einige in Deutschland sehr ehrenhaft wirkende polnische Kantoren, die sich allerdings erst im Laufe der Zeit, und zwar in Deutschland, zu dem herangebildet haben, was später aus ihnen geworden ist. Was nun Herr Kollege Friedmann über die Ausübung und Bedeutung des polnischen Werktags- und Sabbath-Gottesdienstes sagt, beweist gerade das Gegentheil von dem, was er mit seinen Ausführungen bezwecken wollte; es beweist, daß dem Werktags- und dem Sabdath- Gottesdienste in Polen gar kein Werth beigemessen wird, es beweist ferner, daß man ihn dort nicht versteht und ihn infolgedessen nicht kultivirt. Dessenungeachtet ist es nicht unmöglich, daß Herr Friedmann, nachdem er schon so und so lange in Deutschland fungirt, ein ganz gutes für Werktage und Sabbathe geschrieben hat; es erscheint mir jedoch im Zusammenhang sehr auffallend, daß man denselben Werken Rösenhaupts von mancher Seite gern etwas am Zeuge flicken möchte; — und das wird so leicht nicht gelingen. Jedenfalls steht so viel fest, daß Rosenhaupt auf dem Gebiete der Forschung wie auf dem der aktuellen Bethätigung in Kantorat und Musik schon viel Hervorragendes geleistet hat. - ... Und nun allen Ernstes, verehrte Kollegen im Süden wie im Norden, lassen wir das grausame Spiel; sind wir doch in unserer exponirten Stellung schon Anfeindungen aller möglichen Arten nach außen preisgegeben, wozu sollen wir uns auch noch in unserem, eigenen Lager bekriegen und bekämpfen? — Lasset uns daher für jetzt, und alle Zukunft; an dem festhalten, was uns eint, und nicht an dem, was uns trennt. Hochachtend . r Düsseldorf, 14. November. Hermann Zivi. , ■ .■ H

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