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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-26 · Heft 48 (26.11.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 48 (26.11.1897)
Date
1897-11-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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sie stets den Jahrzeitstag zu halten, an welchem der Vorstand des Vereins' beim Gottesdienste vertreten, ist Die Feier des 75 jährigen Bestehens ffoll--kauh.NHimr^Wg^des.-'erfierrlSorstehers)--dev.„Chewra", Herrn Meyer Landßberger, durch dinen gütesdienstlichen Akt. in der Synagoge und auf dem Friedhofe begangen werden. Die „Chewra", welchedurch Stiftungen gut funbirt ist, dürfte in ihren Einrichtungen und Satzungen selbst größeren Gemeinden zum Muster dienen. - . _ i E. N. Breslau, 20. November. Am 13. d. M. beging der berühmtePflanzen-Physiologe Geh. Reg.-Rath Prof. Dr. F erdin and C o hn die. Feier des goldenen Doktorjubiläums. Dieser Ehrentag brachte dem gefeierten- Gelehrten, der auch in kurzer Zeit seinen 70. Geburtstag begeht, ganz außergewöhnliche Ovationen Geheimrath von Frankenberg überreichte dem Jubilar im Aufträge des Kaisers den Rothen Adler-' orden III. Klasse mit der Schleife und übermittelte die Glückwünsche des Kultusministers wie des Oberpräsidenten. Namens der Universität, deren Lehrkörper fast vollzählig erschien, überreichte Rektor magnificus Geheimrath Förster eine kostbare tabula gralulatoria uni) feierte in seiner Rede Cohn als würdigen Nachfolger Humboldts. Geheimrath Küstner begrüßte im Aufträge der medizinischen Fakultät den Jubel-Kollegen, und Prof. Kölbing überreichte für die philosophische Fakultät eine Adresse. Noch zahlreiche andere Deputationen erschienen, so für den schlesischen landwirthschaftlichen Centralverein, der den verdienstvollen Naturforscher zum Ehrenmitglied ernannt, Oekonomierath Kutzleb, für die: schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur Geheimrath Polak und Dr. Asch- Die größte Ehrung wurde Herrn Geheimrath Cohn seitens seiner Vaterstadt, der Stätte seines fast fünfzigjährigen Wirkens, zutheil. Herr Oberbürgermeister Bender überbrachte an der Spitze einer Deputation der städtischen Körperschaften die Ernennung zum Ehrenbürger. Auch die hiesige Studentenschaft brachte dem hochverdienten Lehrer eine außer?, gewöhnliche Huldigung in Gestalt eines Aufzuges sämmtlicher sarben-' tragender Verbindungen,. auch Korps und Burschenschaften, in deren Aufträge fünf Chargirre dem Jubilar ihre Glückwünsche darbrachten. Herr Geheimrath Cohn dankte in ebenso liebenswürdiger als geistvoller und treffender Weise für alle Ansprachen. Unter den zahllosen Telegrammen ist besonders eins von Professor Treub, Direktor des botanischen Instituts in Builenzorg auf Java, und ein ganz besonders herzliches des früheren Kultusministers von Goßler zu erwähnen. Auch der Vorstandder hiesigen Cynagogengemeinde sandte ein Glückwunschschreiben an ihr berühmtes Mitglied, und der Verein zur Erhaltung der Denkmäler jüdischer Kunst und Wissenschaft in Wien gratulirte ebenfalls. Ein solennes Festdiner, an dem außer dem Lehrkörper der Universität u. A. auch Oberbürgermeister Bender theilnahm, beschloß am folgenden Tage die seltene Feier. Bei demselben wurde der. Jubilar in zahlreichen Reden gebührend gefeiert, wofür er in längerer Rede dankte. Geheimrath Prof Felix Dahn hatte ein launiges Festlied in „modernem Latein" verfaßt, das er sogleich in deutsche Verse übertrug) Möge Herrn Professor Cohn noch ein recht langes segensreiches Wirken im Dienste seiner Wissenschaft vergönnt sein. — Auch eine andere bekannte und beliebte Persönlichkeit Breslaus, der Senior der hiesigen Aerzte Dr. S. A s ch, ein alter Achtundvierziger, der noch heute im politischen Leben, eine führende Stelle einnimmt, feiert in diesen Tagen, sein fünfzigjähriges .Doktorjubiläum, das von dem Verein der Breslauer Aerzte, dessen Vorsitzender er ist, besonders feierlich begangen werden soll. - Königshütte O.-S., 16. November. Es dürfte Ihre Leser interessirendaß bei der jüngsten Anwesenheit des Kaisers in unserer Stadt (12. Nov.) mit den übrigen Geistlichen der Stadt auch Herr'Rabbiner Dr. Goldschmidt die Ehre hatte, vom Kaiser empfangen zu werden. Se. Majestät ließ sich die Geistlichen einzeln vorstellen und zog alle in ein besonderes Gespräch. Er erkundigte sich nach dem Geiste der jüdischen Gemeinde, nach dem Beruf und der hauptsächlichen Beschäftigung der Gemeindemitglieder, und bemerkte, taßl er bei der kurzen Rundfahrt durch die Feststraße auch an" der Synagoge vorbeigekommen sei. In Nürnberg habe er die Synagoge besucht, welche einen sehr guten Eindruck in ihm zurückgelassen habe. Die Auszeichnung, die unserem Rabbiner durch den deutschen-Kaiser zutheil wurde, hat in unserer Gemeinde aufrichtige Genugthuung erweckt. y. Köln, 19. November. Eine Vereinsgründung, die zeitgemäß und von Bedeutung ist, vollzog sich jüngst in unserer Stadt, nämlich die Gründung eines „Vereins jüdischer H andwe rksgeseilen ". Der Verein bezweckt, die jüdischen jungen Leute, welche dem Handwerk als Gesellen obliegen, enger aneinanderzuschließen, den^Ortssrernden wenigstens ' für einige Abende in der Woche ein Heim zu bieten und alle seine Mitglieder fortzubilden. Letzteres wird erreicht durch gegenseitige Anregungdurch belehrende Vorträge und Unterrichtskurse; zu Vorträgen und Unterricht hat sich bereits eine Anzahl dazu berufener Herren bereit erklärt. Zu den Vorträgen hatdie hiesige Rheinland -Loge ihre Räume gern zur Verfügung, gestellt, und so findet die junge Vereinigung wohlverdiente Sympathie und Unterstützung wir wünschen ihr bestes Gedeihen. T Wattenscheid, 22. November. Eine, ruchlose Zerstörungswuih haben einige Burschen in-vergangener Nacht an der neuen israelitische n Schule auf der Vödestraße bewiesen. Heute Morgen fand Herr Lehrer Rothschild Fenster und Thüren der Schule und der Klassen-. zimmer geöffnet, die Wände der letzteren in gemeiner Weise beschmutzt, die kostbaren neuen geographischen Wandkarten in zahllose Fetzen zerschnitten, den Ofen auseinandergenommen und die Dachrinne gänzlich zerstört. Nicht genug hiermit, haben die Thäter, wie die „W.Z." mitthült, sogar die Kaiserbilder in.den Klassenzimmern nicht verschont) sondern dieselben in hier nicht wiederzugebender Weise beschmiert und besudelt. Auf die Ermittelung der Thäter behufs gerichtlicher Bestrafung ihrer Gemeinheit hat der Synagogenvorsteher eine Belohnung - von 50 Mark ansgesetzt. t. Frankfurt a. M., 29. November. Im Montefiore-Verein hielt am letzten-Mittwoch Herr Charles L. Hallgarten, der rühmlichst bekannte Philanthrop, einen Vortrag, in welchem er Stellung zu den zionistischen Bestrebungen nahm. Die Motive ihrer Entstehung behandelnd, zeigte . er, daß der Zionismus in keiner Weise zur Lösung der Judenfrage in einem praktischen Sinne ein Mittel abgeben könne. Im Gegentheil, der Zionismus sei zur Zeit'nicht nur unpraktisch, sondern auch unklug. Jeder verständige, einsichtsvolle Jude müsse Protest gegen den Zionismus, den man nicht ohne Berechtigung jüdischen Antisemitismus nennen könne, als unmoralisch und verwerflich-erheben. Wirksam wurden die Darlegungen des Referenten unterstützt durch Citate aus einem soeben erschienenen Werke: „Das Erwachen derjüdischen Nation", von F. Hemann, einem positiv christlichen Theologen, verfaßt,' welches gerade durch seine Vertheidignng das Verwerfliche des Zionismus vielleicht drastischer vor Augen führt, als es von den zahllosen Gegnern des Zionismus unicr den Juden geschehen könnte. In der Diskussion suchten einige Vertreter des Zionismus mehr durch Geschimpfe als durch Argumente zu wirken. - Sehr eindrucksvoll cntgegneten diesen Herr Rechtsanwalt Plotke und insbesondere der streng orthodoxe Rabbiner Dr. Horovitz, der im Anschluß an die Rabbiner-Erklärung besonders hervorhob, daß auch im religiösen Sinne der Zionismus auf Irrwege führe. X Wiesbade«, 21. November. Schon mehr als zwei Jahrhunderte besaßen die israelitischen Gemeinden des Rheingaus einen gemeinschaftlichen Friedhof in der Nähe von Hallgarten. Da der Zugang zu demselben überaus beschwerlich, so legte die israelitische Gemeinde Rüdes - heim schon vor einigen Jahren einen eigenen Friedhof an. Nunmehr , ist auch die israelitische Gemeinde Eltville dem Beispiele ihrer Schwestergemeinde gefolgt. Am 11. November ist der neue Friedhof durch beu Bezirksrabbiner Herrn Dr. Silberstein.aus Wiesbaden bei Gelegenheit einer Beerdigung geweiht worden- und machte die Weiherede beffeiben ans die dichtgedrängte Versammlung einen tiefen Eindruck. , r * Oesterreich-Ungarn. Wien, 22.. November. Sie haben vor einiger Zeit über die am 24. Mai d. I. im Abgeordnetenhause eingebrachte Interpellation des seither verstorbenen Abgeordneten Dr. Ambros Mayr bezüglich der . Konsessionslosigkeits - Erklärung jüdischer Mittelschüler berichtet. Dies veranlaßte den Vorstand der „Union", sich mit dieser Angelegenheit eingehend zu beschäftigen. Aus den statistischen Daten, die die Kuüusgemeinde dem Vereinsvorstande zur Verfügung stellte, gewann derselbe die Ueberzeugung, daß diese Sache, wie so viele andere, aus bekannten Gründen aufgebauscht wurde, und' beschloß, an den- -Kultusvorstand mit der Bitte heranzutreten, diese Daten an kompetenter - Stelle zur Kenntniß zu bringen. Aus dem Material wurde festgestellt, daß von durchschnittlich 2550 jüdischen Mittelschülern in den Jahren i 1892 - 11,1898 — 12, 1894 — 15,1895 —10, 1896 - 11,1897 - 6 sich konfessionslos erklären ließen. Von diesen 2550 Mittelschülern sind es

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