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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-26 · Heft 48 (26.11.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 48 (26.11.1897)
Date
1897-11-26
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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-ss* ° 61. Jahrgang. Nr. 48. Lerlin, 26. November 18»7. Weikage zur „Aktge meinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenten und Nachrichten, Deutschland. §L Berlin- 24. November. Im Verein für jüdische Geschichte uM Litteratur hielt gestern vor einer auserlesenen und zahlreichen Corona Herr Professor Emil Breslaur, diesmal in dem bereitwilligst überlassenen Saale der K. Hochschule für Musik, einen hochinteressanten Vortrag über die viel umstrittene Frage: „Giebt es altjüdische oder mationaljüdische Melodien?" Da der sehr wichtige Vortrag bald im Druck erscheinen wird, dürfte eine kurze Inhaltsangabe sich erübrigen, und" wir begnügen uns für heute damit, kurz zu bemerken, daß Herr Professor Breslaur jene Frage in ablehnendem Sinne beantwortete, vielmehr den slavischen und magyarischen Ursprung vieler Melodien und seine gewichtigen Argumente durch vortrefflich ausgeführte Solo- und Chorgesangsvorträge mit Begleitung der Orgel in äußerst wirksamer Weise erörterte. Der Vortrag fand allgemeinen und lebhaften Beifall. Die Gesänge wurden .ausgesührt vom Synagogenchor der jüdischen Reformgemeinde, den Damen Frau M. Kornatis und Fräulein Luise Reimann, den Herren Franz Rosenthal und Kantor Nathan. L2 Berlin, 23. November. Wie wir hören, ist nunmehr das Resultat der von Herrn Gustav Levinstein unternommenen Enquete betreffend einen-Sonntagsgottesdienst neben dem Sabbathgottesdienst in einer der Gemeindesynagogen ziemlich festgestellt? Für die Einrichtung eines solchen haben sich ausgesprochen ca. 8000 Gemeindemitglieder, gegen denselben ca. 1200. Es soll nunmehr eine Petition an die Gemeindebehörden um Einführung dieser Institution gerichtet werden. <^2 Berlin, 22. November. Der Bericht für 1896/97 über das Reichenheim'sche Waisenhaus der jüdischen Gemeinde zu Berlin .(Weinbergsweg Ile) ist soeben erschienen und diesmal besonders interessant. Außer dem alljährlichen Rechenschaftsbericht enthält derselbe einen Bericht über die am 9. Mai d. I. begangene Feier des 25jährigen Bestehens und bringt die bei diesem Anlaß gehaltenen Reden, in denen Geschichte und Erziehungsgrundsätze der Anstalt dargelegt werden, statistische Angaben über frühere Zöglinge und Erzieher, Abbildungen des Waisenhauses und der Stifter Moritz und Sara Reichenheim. — In der Anstalt wurden 76 Zöglinge (46 Knaben, 30 Mädchen) verpflegt. Die Gesammtausgaben für die Anstalt betrugen in diesem Geschäftsjahr 54 590 Mark, die durch Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuß von 36 302 Mark aufgebracht wurden. Die Ausgaben für Beköstigung betrugen, auf Kopf und Tag vertheilt, 41,9 Pfg. (gegen 42,6 im Vorjahr). — Von den in diesem Jahre 'entlassenen Knaben widmen sich zwei dem kaufmännischen Beruf, einer wird Tapezierer; von den abgegangenen Mädchen wird eine Verkäuferin, zwei Buchhalterinnen, eine Wäschezuschneiderin, eine Schneiderin, eine erlernt die Haushaltung. — Das Waisenhaus steht unter der bewährten Leitung des Direktors Dr. Jutrosinski und unter der Verwaltung eines Kuratoriums, das aus folgenden Herren besteht: Louis M. Bamberger, Vorsitzender, Rudolf Masse, stellvertretender Vorsitzender, Geheimer Sanitätsrath Dr. Julius Boas, Protokollführer, Ernst Meyer, Kontroleur der Kasse und Verwalter der Sparkasse, Julius Rosenheim, Verwalter der Nebenfonds, James Simon, Stellvertreter des Kassenkontroleurs, Professor Dr. Louis Lewin. Die Ehrendamen des Waisenhauses sind die Frauen: Mathilde Berend, Kommerzienräthin Julie Gerson, Anna Meyer-Gerson, Dr. Anna Ginsberg, Hedwig Lachmann, Gertrud Mosse, Margarethe Rosenheim, Kommerzienräthin Louise Speyer, Stadträthin Mathilde Wolff. 8 Berlin, 21. November. Zu der vom Verein Mädchen Haus Pankow einberufenen ordentlichen Generalversammlung, welche heute Vormittag in den Wohnräümen des vor Kurzem verschiedenen Begründers Herrn Justizrath Makower stattfand, hatten sich zahlreiche Mitglieder und Gönner nebst ihren Damen eingefunden. Nach einleitendem.'Gesange des aus den Zöglingen des Mädchenhauses und des Knabenhauses zusammengesetzten Chores widmete der Vorsitzende des Vereins, Herr Rechtsanwalt Breslauer, dem verstorbenen Justizrath Makower einen warm empfundenen Nachruf. In großen Zügen entwickelte er die Erziehungsgrundsätze, nach denen der Verblichene in seinen beiden Stiftungen, dem Knaben- und Mädchenhaus, verfuhr, und die sich als so glänzend bewährt hätten, daß sie bereits für andere Institute als vorbildlich gelten. Mit einem Appell an die Zöglinge, dem Dahingeschiedenen dankbar zu sein für das/ was er für sie gesorgt und geschaffen, dankbar zu sein durch ihre Thätigkeit, und mit der Aufforderung an die Mitglieder und Freunde des Vereins, weiter zu arbeiten in dem Sinne des Verblichenen, schloß der Vorsitzende seine wirkungsvolle Gedächtnißrede. Nach abermaligem Chorgesang gab er alsdann den allgemeinen Bericht über die Thätigkeit des Vereins und berichtete über den Umbau des zweiten Theiles des Hauses, was wir beides bereits an der Hand des gedruckten Berichtes unseren Lesern in der vorigen Nummer mitgetheilt haben. Zu Punkt 4 der Tagesordnung harte der Vorstand vorgeschlagen, den § 6 der Satzungen dahin zu ändern, daß statt fünf nunmehr acht Vorstandsmitglieder gewählt und zu den männlichen drei Damen hinzugenommen werden sollen. Die Versammlung erklärt sich mit dieser Statutenänderung einverstanden und erwählt Frau Landgerichtsrath Loewe, Frau Direktor Grünwald und Frau Gertrud Masse. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder werden alsdann durch Akklamation wiedergewählt. Zum letzten Punkt der Tagesordnung lag ein Antrag aus Einführung von Schutzdamen vor. Es hat sich als nothwendig herausgestellt, die entlassenen Mädchen in der ersten Zeit zu beaufsichtigen. Die Zöglinge sollen ein halbes Jahr unentgeldlich in Dienst gegeben werden. Ein weiblicher Beirath, aus fünf Damen bestehend, soll die Auswahl der Schutzdamen treffen und die Unterbringung und Beaufsichtigung der Mädchen während des ersten halben Jahres in sachgemäßer Weise durchführen. Zwei aus der Mitte der Versammlung kommende Anregungen, die Mädchen nur ein viertel Jahr und auch nicht unentgeltlich in den Dienst zu geben, sollen auf Wunsch des Vorsitzenden den weiteren Beschlüssen des Ausschusses anheimgegeben werden. Nachdem noch für die Wahl zum Ausschuß die Damen Eisner, Louis Bamberger, Ernestine Mecklenburg, Reich und Saulmann vorgeschlagen waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung, indem er seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß der letzte Antrag, der die Thätigkeit des Vereins in weitere Kreise dringen zu lassen geeignet ist, solchen Anklang gefunden hat. 8. Berlin, 20. November. In den Räumen der Philharmonie fand heute das von dem Vorstand der Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte, zu Gunsten deren Wittwen und Waisen in Deutschland, veranstaltete Konzert statt, das recht gut besucht war und einen glänzenden Verlauf nahm. Waren es doch nur hervorragende Kräfte, welche ihre Mitwirkung zugesagt hatten, so Frau Kammersängerin Rosa Sucher, Hofopernsänger Stammer, ferner die von ihrem Berliner Gastspiel rühmlichst bekannte belgische Hofopernsängerin Frl. Sophie Heimann; den musikalischen Theil hatte Herr Professor G u st a v H ol l ä n v er, den deklamatorischen das Künstler-Ehepaar Herr Otto Sommerstorfs und Frau Teresina Geßner übernommen. Kurz nach 11 Uhr trat der Tanz in seine Rechte, der die junge Welt bis zum frühen Morgen vereinte. Während der Pause sorgten Herr Georg Kaiser vom Centraltheater und Herr Alfred Schmasow vom Schillertheater für die Erheiterung der Gäste. Möge der Ueberschuß im Interesse der guten Sache ein recht reichlicher sein! *** Berlin, 22, November. Es ist bekannt, daß viele unserer fremden Sitten" und Gebräuchen huldigenden Glaubensgenossen für Weihnachtsbäume eine besondere Vorliebe haben und das Weihnachtsfest strenger als ihre eigenen Feste feiern. Es ist ferner bekannt, daß sich Sylvester in jüdischen Familien bereits Bürgerrecht erworben, daß selbst sogenannte Orthodoxe an diesem Abend Punsch und Pfannkuchen

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