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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-19 · Heft 47 (19.11.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 47 (19.11.1897)
Date
1897-11-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Eifer ein. Möge es dem Jubilar, der an demselben Tage mit seiner edlen Gattin auch das Fest der silbernen Hochzeit im Kreise der Seinen feiert, vergönnt sein, noch viele Jahre sein Amt zur Erbauung der Gemeinde zu verwalten. §2 Berlin, 17. November. Dem Verein zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen ist von dem Inhaber eines ersten hiesigen Handlungshauses aus Anlaß des glücklich überstandenen Wochenbettes seiner Gattin die namhafte Summe von 2000 Mark zugegangen. Möchte doch dieser Akt von Hochherzigkeit in den Kreisen unserer jüdischen Mitbürger bei Gelegenheit freudiger Familien-Ereignisse Nachahmung finden! L2 Berlin, 15. November. Einer unserer Mitarbeiter, welcher die Bewegung für Knaben Handarbeit in Deutschland von Beginn an mit in die Wege geleitet hat, wünscht jetzt eine Erhebung darüber anzustellen, an welchen jüdischen Schulen, Seminarien und sonstigen Anstalten der Handfertigkeitsunterricht inzwischen zur Einführung gelangt ist. Wir ersuchen unsere Freunde im In- und Auslande, hierauf bezügliches Material, Rechenschaftsberichte u. dgl. uns zur Uebermittelung gefälligst zugängig zu machen. Wir werden später darüber berichten. Lp. Aus der Provinz Posen, im November. Der Vorstand des israelitischen Frauenvereins in Ostrowo in Gemeinschaft mit dem Vorstande des Vereins „Chewra Kadischa" daselbst hat beschlossen, dem Mitglieds Lotte Scheyer für deren 50jährige Thätigkeit auf dem Gebiete der Krankenpflege und Leichenbestattung rin Ehrendiplom zu überreichen. — Das Klempnermeister Moritz Marcus'sche Ehepaar in S chroda feierte Anfangs d. M. seine goldene Hochzeit. Herr M. war früher langjähriges Mitglied des dortigen Magistrats. — Bei der kürzlich erfolgten Wahl von Repräsentanten für die jüdische Schulgemeinde in Schildberg sind die Herren Moritz Schwarz, Moritz Unger jr., Elkan Lewy, Albert Hirsch, Leopold Freyer und zu deren Stellvertretern die Herren Karl Schwarz, Julius Süßmann I und Moritz Altmann gewählt worden. — Bankier Liepmann in Danzig, seit 1862 Mitinhaber der Bankfirma Baum und Liepmann, ist gestorben. Als Vorsteher der Synagogengemeinde in Danzig hat der Verstorbene, der auch Aufsichtsrathsmitglied der Marienburger Thonwaarenfabrik war, sehr zum Zustandekommen des neuen Synagogenbaues beigetragen. — Der Vorstand des Holzvereins in Ostrowo, welch letzterer den Zweck hat, bedürftigen Gemeindemitgliedern unentgeltlich im Winter Brennmaterialien zu liefern, hat beschlossen, demnächst das 70 jährige Bestehen des Vereins zu feiern. — Lehrer Läufer in Jarotsch in ist zum Mitgliede des jüdischen Schulvorstandes gewählt und als solcher von der Regierung bestätigt worden. — Der Verein zur Förderung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden in Posen hat im letzten Jahre 19 Lehrlinge, von denen einige sogar die dortige Baugewerkschule besuchen, unterstützt. Die Einnahmen im letzten Geschäftsjahre betrugen 2339,38 Mark und die Ausgaben 2240,90 Mark. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Kommerzienrath Milch, Auktionskommissarius Mannheimer und Generalagent Meyerstein wurden in der jüngst stattgehabten Generalversammlung des Vereins wiedergewählt. R. Bremen, 12. November. Durch den plötzlichen Tod des ersten Vorstehers, des Herrn Gerson Bloch, erlitt die hiesige Gemeinde einen harten Verlust. Die Trauer um den Hingeschiedenen ist außergewöhnlich groß, denn Bloch hat seit 30 Jahren ohne Unterlaß für das Wohl der Gemeinde gewirkt, zehn Jahre als Repräsentant und 20 Jahre als erster Vorsteher. Es ist kein Wunder, daß die Theilnahme eine solche allgemeine ist und daß die Trauer um den Hingeschiedenen sich über den engen Kreis der Familie hinaus der weitesten Kreise bemächtigte, denn der Heimgegangene hat so gelebt, daß sein Tod eine weite Lücke zurückläßt. Was an Abraham sich erfüllt, das ist auch, wie der „Bremer Courier" aus der Trauerrede des Rabbiners Herrn Dr. Rosenak u. a. hervorhob, an dem Verblichenen zur Wahrheit geworden: Er ist zum Segen geworden. Die allgemeine, große Betheiligung bei der Beerdigung ist wohl ein eklatanter Beweis für die allgemeine Beliebtheit, welcher der Hingeschiedene sich in weiten Kreisen hiesiger Bevölkerung erfreute. In diesem Sinne wird die imposante Leichenfeier in den hiesigen Zeitungen auch besprochen. So schreiben die „Bremer Nachrichten" vom 3. November: Erwähnenswerth ist die innige Theilnahme, welche den Hinterbliebenen u. a. auch von einem hiesigen protestantischen Geistlichen entgegengebracht wurde, der sich nicht nur damit begnügte, schriftlich sein Beileid auszudrücken, sondern auch persönlich im Trauerhause erschien, um in inniger Theilnahme zu kondoliren. So betrauert die Gemeinde nicht allein einen Führer, der nach innen bestrebt war, den Frieden aufrecht zu erhalten, sondern auch den bewährten Vertreter, der nach außen hin die Eintracht gefördert hat. Hoffentlich gelingt es der Gemeinde, die Lücke auszufüllen durch einen Mann, der mit einer gleich vollen Thatkraft einzutreten weiß, und dessen Wirken ebenso segensreich wird wie das des verblichenen Vorstehers, des Herrn Gerson Bloch. QL Sondershaufen, 9. November. Am 22. v. Mts. verschied im fast vollendeten 86. Lebensjahre die Gattin des ehrwürdigen Rabbiners * Professor Heidenheim. Der Tod endete das glücklichste, reich gesegnete Bündniß zweier Menschen, die über 58 Jahre in Treue und Liebe den Kampf des Daseins mitsammen trugen. Die edle Entschlafene war das Urbild eines echt jüdischen Weibes, ihr Haus war gegründet auf Frömmigkeit, Fleiß und Frieden. Sie sorgte als unermüdliche Hausfrau vom dämmernden Morgen bis zum späten Abend mit weiser Sparsamkeit für die große Wirthschaft; aber sie war auch die geistige Genossin ihres Mannes, seine Helferin im Wohlthun, seine Trösterin und Pflegerin in kummervollen Zeiten. Nicht nur sechs eigene Kinder lenkte ihre sorgende Mutterliebe zy dem Pfad der Pflicht, auf dem sie als brave, tüchtige Menschen den Eltern zur Freude wandelten, sondern gegen dreihundert Knaben erzog sie vereint mit ihrem Gatten voll Aufopferung und Liebe. Mancher Zögling in fernen Landen wird den Heimgang der verehrten Pflegemutter durch diese Notiz erfahren und ihrem Andenken eine Thräne der Erinnerung weihen, des Lehrers gedenkend, der seine treue Gefährtin verloren. Und wenn es einen Trost giebt, so ist es der, daß nicht nur Kinder, Enkel und Urenkel mit ihm trauern, sondern alle Heimathsgenossen, alle Freunde in der Ferne. Die Theilnahme der Gemeinde, der Kollegen der fürstlichen Schule, aller christlichen Mitbürger zeigte am Begräbnißtage die Werthschätzung, die das rastlose Wirken ihm erworben. Ueber 63 Jahre ist Rabbiner Heidenheim ja der Seelsorger der Gemeinde, und noch jetzt waltet er in ungetrübter geistiger Frische seines Amtes als Prediger. Sechsundvierzig Jahre unterrichtete er in den höheren Klassen der Realschule. Welch eine Welt von Arbeit und Mühen, aber auch von Genugthuung und segensreichen Erfolgen. Nun, da er sein bestes Erdengut dem Schooße der Erde vertraute, mußte der beredte Mund schweigen, der so oft ein Tröster der Trauernden geworden an der letzten Ruhestätte. Am Grabe der Frau Lina Heidenheim sprach der Kantor Schönlank in ergreifender Weise den Scheidegruß. Er schilderte die Tugenden der Heimgegangenen und betete für Die, die sie auf Erden verlassen. Ihr Lebenslicht ist verglüht, aber das Werk ihres Lebens wird bleiben! Die Verblichene ward die Stammmutter einer weit verzweigten Familie, und ihre Unsterblichkeit ist, daß sie das Vorbild ihrer Nachkommen bleiben wird in allen Eigenschaften einer wahrhaft frommen, edlen jüdischen Frau. Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 45. November. Einer althergebrachten Sitte gemäß wurden auch am 11. November wie alljährlich am Martinitage von der israelitischen Kultusgemeinde in Preßburg die für den Hof bestimmten Martinigänse abgegeben. Die aus drei Mitgliedern des Kultusvorstandes bestehende Deputation wurde auch später vom Kaiser empfangen. — Die Reichsgerichtsverhandlung über die Beschwerde unseres Kultusvorstandes gegen den Erlaß des Ministeriums, womit die Gründung eines israelitischen Gemeindebundes verboten wurde, hat nicht stattgefunden, da das Ministerium sich entschlossen hat, diese Gründung unter bestimmten Modalitäten zuzulassen. — Die jüdischen akademischen Studenten geriethen mit den deutschakademischen Burschenschaften „Fidelitas" und „Hedone", denen meistens jüdische Studenten angehören, an der Universität in Streit, weil diese an den letzten Demonstrationen in der Aula theilgenommen hatten. Die hier bestehenden vier jüdisch-nationalen Verbindungen empfingen deshalb beim heutigen Bummel die genannten zwei deutsch-akademischen Verbindungen mit „Pfui"- und „Pereat"-Rufen und suchten sie aus der Aula hinauszudrängen. Es entwickelte sich ein heftiger Kampf, wobei beide Theile auf einander mit Stöcken losschlugen und Viele verwundet wurden. Als sich den beiden deutsch-akademischen Verbindungen die deutsch-nationalen I Studenten anschlossen, wurden die jüdischen Nationalen aus der Vor-

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