Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-19 · Heft 47 (19.11.1897) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 47 (19.11.1897)
Date
1897-11-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3228202-3228250--54162-3268127
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

einer Durchschnittszahl von 171/« Zöglingen, 9114,73 Mark betragen, so daß die Gesammtunkosten, einschließlich des Gehaltes und Unterhaltes der Vorsteherin und des Gärtners, pro Kopf 547,48 Mk. (727,07 im Jahre 1694/5, 628,07 im Jahre 1895/6) betragen haben. Hierbei beliefen sich die Verpflegungskosten für Kopf und Tag auf 57,33 Pf. (67,25 im Jahre 1894/5, 60,67 im Jahre 1895/6). Die Ausbildung der Zöglinge erfolgte in der bisherigen Art und Weise. Auch in diesem Jahre sind wieder zahlreiche Gesuche um Ueberweisung von ausgebildeten Mädchen eingegangen. Die Unterbringung der Zöglinge hat sonach keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Andrerseits wird aber zu erwägen sein, ob sich nicht ein Mittel finden läßt, auch nach der Entlassung der Zöglinge aus der Anstalt, während der ersten Zeit ihres Uebertritts in den Dienst, ihre weitere Ausbildung zu beaufsichtigen oder wenigstens im Auge zu behalten. Das Institut hat sich also in weiteren Kreisen des gebildeten Publikums bekannt gemacht, und das Interesse für dasselbe ist gestiegen. Der Vorstand des Vereins bestand in der ersten Hälfte des verflossenen Jahres aus den bisherigen Mitgliedern. Später wurde für den dahingeschiedenen Vorsitzenden Herr Rechtsanwalt Felix Makower zugewählt und Herr Rechtsanwalt B. Breslauer zum Vorsitzenden gewählt, so daß der Vorstand gegenwärtig besteht aus den Herren Rechtsanwalt B. Breslauer, E. Mosse, H. Eisner, I Grunwald und Rechtsanwalt F. Makower. Es wird beabsichtigt, der Generalversammlung vorzuschlagen, auch einige Dan'.en in den Vorstand zu wählen. Der Rechnungs- Abschluß weist an Einnahmen 31368,15 Mk.,anÄusgaben 26 565,63 Mk.auf. L2 Berlin, 16. November. In den jüdischen Litteraturvereinen Deutschlands herrscht bereits reges Leben. Leider sind wir auch diesmal nicht in der Lage, ausführliche Referate über die einzelnen Vorträge bringen zu können, und wir müssen uns deshalb mit einfacher Registrirung der uns darüber zugehenden Mittheilungen begnügen. In Köln hat Prof. Dr. Cornill die Reihe der Borträge eröffnet, in Düsseldorf sprach Herr Rabbiner Dr. David über „Das Problem der sittlichen Weltordnung im Buche Hiob", in Aachen und in den westfälischen Geschichtsvereinen Herr Dr. Adolf Kohut, in Leipzig Direktor Frauberger aus Düsseldorf über „das Aufsammeln und die Verwendung jüdischer Alterthümer", in Eisenach Prediger E. Meyer über „die Geschichte der Emanzipation der Juden in diesem Jahrhundert", in Schwedt a. O. Rabbiner Dr. Vogel stein über Uriel Acosta, in Ostrowo Rabbiner Dr. Pleßner über „Moses in der Kunstgeschichte" und Dr. A. Kohut: „Friedrich der Große und Joseph II. über Juden und Judenthum". — In Kolmar i. P. wurde ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur begründet. Derselbe zählt schon 45 Mitglieder. Im Vorstande sind die Herren Rabbiner Dr. Zolinski, Rentier Jacob Rothmann, Lehrer Moses, Salomon Gerson und Obst. Die Eröffnungssitzung findet am 28. d. M. mit dem Bortrage „Judenthum und Wissenschaft" von Dr. Zolinski statt. — Die Fortbildungskurse des Berliner Vereins finden auch in diesem Jahre an drei Abenden in der Woche, und zwar am Montag, Mittwoch und Donnerstag, vonL^-Li/z Uhr in den Räumen der Jüdischen Lesehalle, N. Oranienburger Straße 28, Hof parterre statt, und zwar wird am Montag Hebräisch^ am Mittwoch Geschichte der Juden und am Donnerstag Einführung in die leitenden Ideen des Judenthums vorgetragen.. Anmelvungen nimmt entgegen Herr Dozent Dr. E. Baneth, Wallnerthearerstraße 21. Ter Unterricht, der natürlich unentgeltlich ist, begann am 15. November. Hoffentlich melden sich sehr viele Theilnehmer. 8. Berlin, 14. November. In den Räumen des Konzerthauses, Leipzigerstraße, fand heute die 25jährige Jubelfeier des Humanitätsvereins „GewulTauw" statt. Außer sehr zahlreich erschienenen Mitgliedern hatten sich viele Freunde und Gönner des Vereins eingefunden. Nach einem einleitenden Orgelspiel und dem Vortrage des von einem Männerquartett gesungenen Psalms: Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre, ergriff der Vorsitzende des Vereins, Herr Gustav Michaelis, das Wort. Er begrüßte zunächst die Anwesenden, die sich zu festlicher Stunde vereint hätten, um an dieser Jubelfeier theilzunehmen. Sodann berichtete er in ausführlicher Weise über das Wirken des Vereins und. gab eine statistische Uebersicht über die Leistungen desselben seit der im Jahre! 872 erfolgten Begründung. Zum Schluß legte er das Gelöbniß ab, daß der Verein treu und unentwegt an seiner Devise festhalten würde, die da lautet^ „Krankenpflege, Wittwentrost und Humanität". Nach einem Sologesang hielt das Ehrenmitglied des Vereins, Herr Rabbiner Dr. A. Blumenthal aus Ratibor, die Festrede: Zehn schlichte Männer aus dem Volke, von denen die Mehrzahl nicht mehr unter den Lebenden weile, so führte er etwa aus, hätten sich vor einem Vierteljahrhundert zusammengethan, um dieses Werk der Menschenliebe ins Leben zu rufen. Als Sinnbild wählten sie zwei ineinander verschlungene Hände als Zeichen dafür, daß sie einander beistehen wollten im harten Kampfe des Daseins, in, der Stunde der Noth. Aus kleinen Anfängen heraus habe sich der Verein zu seiner jetzigen-Größe (er umfaßt gegenwärtig 750 Mitglieder) entwickelt und sei ein bedeutender Faktor im Vereinsleben Berlins geworden. An ihm sei das Wort des Herrn in Erfüllung gegangen: „Ich will dich groß machen, und du sollst ein Segen werden." Das heutige Fest habe uns in eine Werkstätte der Menschenliebe geführt, die das Wort des Römers sich zu eigen gemacht: „Ein Mensch bin ich und nichts Menschliches ist mir fremd." So ward den Kranken Heilung, den Wittwen Trost und den Bedürftigen Rath und Hilfe. Bon zwei Dingen lebe der Mensch, von der Erinnerung und von. der Hoffnung. Mit Stolz und Befriedigung könne der Verein auf seine Vergangenheit und die in ihr erzielten Erfolge zurückblicken und mit Hoffnung auf die Zukunft schauen. „Arbeiten Sie weiter," so schloß der Redner, „im Dienste des Menschenthums, bis die ganze Menschheit sich zu einem Humanitätsoerein zusammengethan. Der Weg ist weit, das Ziel ist fern, doch vorwärts zur Wahrheit, vorwärts zum Licht." Jubelnder Beifall lohnte die wirkungsvollen Worte des Redners. Nach abermaligem Chorgesang ehrte der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Krön er, die anwesenden drei Begründer desselben durch eine besondere Ansprache und überreichte ihnen als Ausdruck des Dankes für ihr Wirken künstlerisch ausgeführte Adressen. Als Vertreter des Repräsentantenkollegiums überbrachte sodann Herr Leonhard Sachs die Glückwünsche der Gemeindevertretung, die mit Stolz auf derartige Institute blicke. Als Vertreter der Bürgerschaft Berlins und der Stadtverordnetenversammlung gab Herr Hammerstein dem Wunsche Ausdruck, daß die humanitäre Wirksamkeit des Vereins auch die konfessionellen Gegensätze ausgleichen möge. Es kamen sodann die Deputirten verwandter Logen und Vereine zum Wort, so der Montefiore- Loge, der Deutschen Reichs- und Leopold Zunz-Loge, der Odd-Fellow- Loge u. a. m. Nach einem kurzen Schlußwort des Schriftführers des Vereins und dem Psalm „Heilig ist der Herr" endete die schöne, wirkungsvolle Feier. A. Fr. Berlin, 14. November. Am 28. d. feiert der bekannte erste Kantor der Synagogengemeinde zu Potsdam, Herr Zamach Schönberger sein 25jähriges Amtsjubiläum. Herr Schönberger bereitete sich schon früh in seiner Heimath Kurland für seinen Beruf vor. Neben umfangreichen Musikstudien lag er auch fleißig der talmudischen Wissenschaft ob. Daher genoß er auch bei den dortigen Rabbinern wie in den Gemeinden hohes Ansehen und wurde der „feine Meschaurer" genannt. So bereitete sich Herr Schönberger würdig für seinen Beruf vor. Gleich vielen feiner strebsamen Landsleute wurde auch er von innerem Drange getrieben, seine musikalischen Kenntnisse in Deutschland zu bereichern. Er ging daher nach Königsberg und studirte dort einige Jahre bei dem berühmten Weintraub. Nachdem er dort seine Studien mit Erfolg absolvirt hatte, heirathete er die Tochter des in der rabbinifchen Litteratur rühmlichst bekannten R. Nachan Friedland und wurde nach Czarnikau zum Nachfolger ihres Kantors, Herrn E. Sänger, der in Rußland einen großen Ruf genoß und zur Zeit in Berlin an der Potsdamer Brücke-Synagoge als Oberkantor fungirt, berufen. Herr Schönberger bekleidete mehrere Jahre in Czarnikau zur vollsten Zufriedenheit das Borbeteramt und folgte dann einem ehrenvollen Rufe als Oberkantor nach Potsdam. Die Nähe Berlins sollte Herrn Schönberger Gelegenheit geben, seine Studien unter Leitung großer Musiker fortzusetzen, um seinem Kantorate eine höhere künstlerische Seite zu verleihen. Herr Schönberger studirte einige Jahre bei den Professoren der königlichen Hochschule Otto und Schulz Gesang und Musik. Oft wurde er von den Gesangvereinen in Potsdam aüfgefordert, in Oratorien die Solopartien zu singen. Herr Schönberger folgte diesem Rufe und sang mit großem Erfolge die Solls in „Zerstörung Jerusalems", „Schöpfung" und „Ellas". Herr Schönberger lebt voll und ganz seinem Berufe und ist ein ganz ausgezeichneter Chasan. Er besitzt eine sonore Baritonstimme. Seine Vortragsweise ist edel und künstlerisch abgerundet. Auch für seine Standesgenossen trat er stets mit großem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.