Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1897)
- Date
- 1897-11-19
- Page
- Seite 555 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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37SE1 kaunt, und wandte prinzipiell ein, der Schächter gehöre nicht zu den Synagogenbeamten^ da er seine Thätigkeit außerhalb der Synagoge verrichte. Diesen Einwand erkannten die ersten Instanzen als berechtigt an und sprachen den Vorsteher frei. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Im Termin vor dem Strafsenat des Kammergerichts beantragte der Ober-Staatsanwalt die Aufhebung des landgerichtlichen Urtheils. Der Vorderrichter habe die fragliche Bestimmung zu eng ausgelegt. Der. Begriff Synagogenbeamter sei identisch mit dem des Kultusbeamten. Da nun aber der Schächter ein jüdischer- Kultusbeamter sei, so müsse er au^ als Synagogenbeamter gelten. Das Kammergericht folgte dem Anträge und hob die Vorentscheidung auf. Der.Begriff des Synagogenbeamten im Sinne des citirten Gesetzes sei thatsächlich zu eng ausgelegt worden. Es wäre nicht anzunehmen, daß zu den .Synagogenbeamten nur die Leute gehörten, die in der Synagoge selbst zu thun hatten. Das Gericht sei der Meinung, daß jeder Kultusbeamte einer Synagogengemeinde, also auch derSchächter, als Synagogenbeamter anzusehen sei. Hoffentlich wird man.nunmehr in den betheiligten Kreisen nach dieser Richtung hin vorsichtiger sein, um unnöthige Prozeffe und noch weniger nöthige Strafen zu vermeiden. .. * Die jüdischen Abgeordneten in Oesterreich fangen nun endlich an, sich zu schämen— und das ist auch der Anfang einer hoffentlich bald sich vollziehenden Besserung. In einer der letzten Sitzungen des Polen-Klubs brachte der Abg. Dr. Byk die Beschwerden jüdischer Rechtspraktikanten in Galizien wegen Uebergehung bei der Ernennung zu Gerichtsauskultanten zur Sprache. An der Hand der von ihm im Abgeordnetenhause und im Polen-Klub überreichten Petitionen beleuchtete er das Vorgehen der beiden galizischen Ober-Landesgerichts-Präsidien durch eine Reihe von drastischen Fällen. Ein gleiches, den Staatsgrundgesetzen hohnsprechendes Vorgehen sei auch bei den anderen staatlichen Behörden in Galizien wahrzunehmen. Dr. Byk brachte zur Kenntniß des Klubs,, daß die jüdischen Abgeordneten aus Galizien noch im Juni durch Schritte bei der Regierung die Initiative zur Abhilfe ergriffen haben, welche leider, trotz gegentheiligen Zusagen, wenig günstige Resultate aufweisen, und kündigte an, daß diese Schritte nun mit Energie erneuert werden sollen, wobei man auf die loyale und Werktätige Unterstützung des Klubs und seiner parlamentarischen Kommission zähle. Weitere Anträge sich vorbehaltend, ersuche Dr. Byk, die Petitionen mögen dem Justizreferenten des Budgetausschuffes (Abg. Pientak)' zur Berichterstattung zugewiesen werden. Im Verlaufe seiner Ausführungen verwies Redner auf-die in letzter Zeit so stark zunehmende antisemitische Bewegung in Galizien und erinnerte den Klub sowie alle anderen öffentlichen Faktoren an ihre Pflicht,? derselben entgegenzntreten. Sodann besprach er das Ergebniß der Gerichtsverhandlung wegen der Arbeiter-Exzesse in Chodorow, in welcher das laue und ganz merkwürdige Verhalten' des politischen Kommissärs festgestellt wurde. Das Verhalten dieses Regierungsorganes habe die argen Exzeffe gegen die jüdische BevölkeKrng begünstigt und gefördert, weshalb Redner die Einbringung einer neuerlichen Interpellation über die Chodorower. Exzeffe Vorschläge. Ferner beantrage er die Einbringung einer Interpellation wegen der . Ausschreitungen, welche im September laufenden Jahres Soldaten gegen die jüdische Bevölkerung in Tarnow und Przemyslany verübt Habens Nach einer kurzen Debatte wurden-, die Petitionen, dem Antrags des Dr. Byk gemäß, dem Abg. Dr. Hientak zur Berichterstattung zugewiesen und die weitere Diskussion seiner Anträge vertagt. O diese edlen Bolen! * ' \ . . .. ^~*&te**ir*. r : Die Ankunft des neuen Generalgoüverneurs von Algier beranlaßte den Vorstand der dortigen Gemeinde. denselben aufzusuchen und seine Glückwünsche darzubringen. Der Vorsitzende des jüdischen Konsistoriums, Monsieur Honel, hielt bei dieser Gelegenheit die folgendeAnrede, an den Generalgouverneur Löpin.e: „Wir freuen uns über Euer Exzellenz Ernennung zu dem Vertrauensposten, auf den Sie die Regierung der Republik gestellt hat. Wir hoffen, nachdem die Vorfälle, welche in der Hauptstadt so lebhaften Widerhallgefundenhaben, vorüber sind, daß wir auf Eure Exzellenz rechnen können, damit die Exzeffe vermieden werden, die die drei Provinzen Algier, Oran und Konstantine beunruhigt haben. Zum Dank für den Schutz, um welchen wir bitten, und auf den wir Anspruch haben, versichern wir Sie unserer tiefsten Anhänglichkeit, und kein Opfer wird uns zu groß sein, unsere Liebe zu unserem Vaterlande zu bezeugen." Monsieur Löpine antwortete darauf in wenigen Worten, indem er gleiche Gerechtigkeit für Jedermann versprach und versicherte, daßer jederzeit die Religion achten werde. Zwei wichtige Versetzungen haben bereits stattgefunden, der Generalschulinspektor von Oran, Monsieur Eidenschenk, und der Unterprüfekt von Mostagenem sind auf untergeordnete Stellungen versetzt worden. Bei der Munizipalwahl in Relizane siegte zwar noch dieantisemitische Partei, aber nur noch mit zehn-Stimmen Majorität, und in Mascara vermochte sie ' bei der Neuwahl von drei Stadtverordneten nur einen durchzubringen. Beides sind Symptome für einen kleinen Rückgang Her Judenhetze. <$ Ueber die neuesten englischen Preßtreibereien schreibt man uns aus London: Nachgerade kommen wir hier auf einen Vorgeschmack, was antisemitischer Lärm in der Presse bedeutet. „Pall Mall Gazette", immer ein Outsider in dem politischen Leben unserer Presse, hat sich der judenfeindlichen Richtung angenommen und sekundirt dem „Daily Chronicle". Von jüdischer Seite führen die Bertheidigung in Briefen an die Zeitungen Maurice Jacobs, der das bekannte Urtheil von Gladstone über den kontinentalen Antisemitismus ansührt, ferner Zängwill, Dr. Schidrowitz, Lueien Wolf und Oswald I. Simon. Es sind immer wieder dieselben Beschuldigungen und Angriffe (Mangel an Patriotismus re.), die Sie aus Ihren Kämpfen dort genau genug kennen, und die ich deshalb nicht zu erwähnen brauche. Auch die Bertheidigung wird mit den gleichen Argumenten und zum Theil sogar mit dem. von Ihnen in Berlin gesammelten Material (Juden als Verbrecher, Soldaten re.) geführt. Ich ,beschränke mich daher auf die Konstanrung dieser Diskussion. 7; General - Versammlung des Vereins;ur Verbreitung der Handwerke unter den-Inden. Elberfeld, 31. Oktober. einer Zeit, die Ernst macht mit der Lösung der sozialen Frage auf allen Gebieten, ist es erfreulich, einen Verein an der Arbeit zu sehen, der seit 17 Jahren für die Verbesserung der Lage unserer ärmeren Glaubensgenossen thätig ist. Wir meinen den Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden (mit dem Sitze in Düsseldorf). Derselbe hielt am 31. vorigen Mynats im hiesigen Central-Hotel seine ordentliche Generalversammlung ab, auf der die rheinischen Großgemeinden besonders zahlreich vertreten waren., Ein übersichtliches Bild von-der Gesammtlage des Vereins gab der geschäftliche Rückblicks mit dem der Vorsitzende, Herr G. Herzfeld-Düsseldorf, die Verhandlungen einleitete. Danach befinden sich gegenwärtig 96 Lehrlinge in der Obhut des Vereins,- die den verschiedensten Zwergen des Handwerks zugeführt worden sind und diesem wohl auch erhalten bleiben werden. Die Massenabschlüffe in Düsseldorf sowohl wie in den Abtheilungen Köln und Aachen sind durchaus günstig.; Die Anregung, in Köln an Stelle des unzureichenden alten ein neues Lehrlings heim zu. errichten, .hat über Erwarten lebhaften Anklang gefunden, und haben