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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-12 · Heft 46 (12.11.1897) · p. Seite 551

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
Seite 551 (sequence 11)
Language
German
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551 um ihn wahrscheinlich der armen Dienerin an den Kopf zu werfen, da kommt Herr Meyer mit dem Hute in der Hand in die Küche und sagt: „Regen sie sich nicht zu sehr auf. Fräulein Wolf! Was mich anbetrifft, so ist mir der Appetit zum Essen wirklich vergangen! Ich danke Ihrem Herrn Vater herzlich für die erwiesene Gastfreundschaft und rathe Ihnen aber, sollte wieder einmal Jemand zu Ihnen zur Schau kommen, etwas klüger zu sein und sich etwas zu beherrschen." Sagte es und verschwand, nachdem er noch für die alte Sara ein Zeichen der Anerkennung auf den Küchentisch niedergelegt hatte. Vor der Hausthür athmete er tief auf. Dein gütigen Schicksal sei Dank, der mich vor dieser Megäre gerettet! Möge Demjenigen, welchem die Gans in die Hände fiel, dieselbe so gut bekommen, wie ich's ihm von Herzen wünsche! Man wunderte sich sehr in der Gemeinde, als man Wolf zum Minchagottesdienst ohne seinen Gast sah. Freilich hatte man sich schon gewundert, als der sonst so ruhige Mann aufgeregt um die Essenszeit von Haus zu Haus lief, seinen Blick über jeden Mittagstisch wandern ließ und sich dann sofort wieder entfernte, ohne ein Wort zu sagen. Nur am Ende des Städtchens, in einem kleinen, armseligen Häuschen, welches von dem alten Schammes bewohnt wurde, soll es eine furchtbare Szene gegeben haben. Schon draußen strömte Wolf der Duft des Gänsebratens entgegen. Er stürzte in das kleine Stübchen und sah den alten Mann mit Frau und Kindern vergnügt die letzten Knochen einer Gans unter sich vertheilen, deren abgenagtes Gerippe noch auf der Schüssel lag. „Wie ommt Ihr zu der Gans," schrie Wolf? „Die hat der Schabbesengel uns bescheert," sagte der Schammes, vergnügt schmunzelnd. Der Sabbathengel aber schaute froh lächelnd aus den Wolken herab auf sein frommes Ghetto! Er sah. daß er etwas Gutes angerichtet hatte und freute sich dessen. Aber welches Mittels wird er sich beim nächsten Freier von Wolfs Lene bedienen? Ich fürchte, es hilft ihm alles nicht — denn sie hat zwanzigtausend Thaler Mitgift! Fitterarische Mittheltungen. — The original Hebrew of a portion of Ecclesiasticus (XXXIX. 5 to XLIX. 11) together with the early versions and an English translation followed by the quotations from Ben Sira in rabbinical literature edited by A. E. Cowley and Ad. Neubauer with two facsimiles, Oxford 1897. Das Buch Sirach ist, wie jetzt allgemein zugegeben wird, in der Zeit 200 bis 170 vor Christi von Jesua ben Sirach (StiQu/, aus Jerusalem in hebräischer Sprache verfaßt worden. Im Jahre 132 vor Christi übersetzte es sein Enkel ins Griechische. Obwohl das Buch nicht in den Kanon ausgenommen wurde, so stand es doch bei den zeitgenössischen und nachfolgenden Rabbinen in sehr hohem Ansehen, wie denn auch die beiden Talmude, besonders der babylonische, und die Midraschim vielfach die Sprüche Sirachs theils direkt und theils ohne Nennung der Quelle citiren. Die Existenz des hebräischen Originals läßt sich bis zur Zeit Saadjas (920 nach Christi) mit Sicherheit Nachweisen. Saadja citirt in seinem (ed. Harkavy, St. Petersburg 1891) mehrere Sprüche Sirachs in der Originalsprache. Von da an verliert sich die Spur des hebräischen Originals, und der Einfluß des Buches läßt sich nur vermuthungsweise in manchem mittelalterlichen Werke erkennen. So nach Reifmann (Heasif III, S. 230) in dem Jbn Gabirol zugeschriebenen Buche E^^QN irDB und im täglichen Gebete (s. Reifmann E^ttHn Prag 1860, S. 3 ff.). In neuerer Zeit versuchte man, das hebräische Original auf Grund der erhaltenen griechischen, syrischen und lateinischen Uebersetzung zu rekonstruiren?) Hieraus läßt *) So S. I. Frankel E^NNX D’OlfD' Hagiographa posteriora. Lipsiae 1830. und Ben Seeb, ... p JNpUT Wien 1814. sich zur Genüge ersehen, welch hohe Bedeutung man der Auffindung des hebräischen Originals zumessen muß, und das große Interesse, welches die-meisten Fachgelehrten an der vor einigen Monaten erfolgten Herausgabe des Manuskripts bekundet haben, erscheint mehr als gerechtfertigt- Leider erstreckte sich der aufgefundene hebräische Text, wie der Titel anzeigt, nur auf zehn Blatt (ca. zehn Kapitel enthaltend), es ist aber mit den Herausgebern zu hoffen, daß es der nunmehr geweckten Aufmerksamkeit der Kundigen mit der Zeit gelingen wird, auch den übrigen Text unter den morschen Blättern zu entdecken, die der Orient von Zeit zu Zeit den europäischen Bibliotheken liefert. 0 Es ist nun sehr erfreulich, daß das Manuskript in die Hände von zwei tüchtigen Gelehrten gekommen, welche eine Edition veranstalteten, die in jeder Beziehung mustergiltig ist. Dem hebräischen Text wurde eine wörtliche englische Uebersetzung gegenübergestellt. Zur genaueren wissenschaftlichen Vergleichung wurde auch die syrische, griechische und lateinische Uebersetzung der betreffenden Kapitel beigegeben. Die Sprache des Textes ist zuweilen rein biblisch (so z. B. Kapitel XLIV), enthält aber auch sehr dunkle und auffallende Ausdrücke und Redewendungen, deren Verständniß durch den oft defekten Zustand der Handschrift noch vielfach erschwert wird. Die gelehrten Herausgeber haben daher gut gethan, daß sie ein ausführliches Glossar zum hebräischen Text gegeben. Die in der talmudischen und rabbinischen Litteratur zerstreuten, nachweislich oder vermuthlich dem Sirach entnommenen Sprüche sind hier ebenfalls von den Herausgebern gesammelt und mit der entsprechenden griechischen Version nebst einer englischen Uebersetzung nach der Reihenfolge der Kapitel veröffentlicht worden. Zur Vervollständigung des Ganzen folgt auch noch die Veröffentlichung des wahrscheinlich am Ende des elften Jahrhunderts verfaßten sogenannten k'TE p*T XJVS XS^X und der in den oben erwähnten ÖTJEiT identifizirten Sprüche nebst englischer Uebersetzung (zu letzteren auch die griechische Version). Eine ausführliche Einleitung, Litteraturangaben und zwei Facsimiles erhöhen wesentlich den Werth dieser Edition, während Druck und Ausstattung derselben nichts zu wünschen übrig lassen. Erwähnenswerth ist noch ein Spezimen der von Ben Seeb, Fränkel u. A. versuchten Rückübersetzungen ins Hebräische. Keine dieser Uebersetzungen stimmt mit dem gegenübergestellten Original, und es zeigt diese Gegenüberstellung recht deutlich, wie wenig zuverlässig spätere Versionen sind, wenn man nach ihnen den ursprünglichen Wortlaut des verlorenen Originals seststellen will. Berlin, 20. Oktober. Dr. H. Malter. — Das Oktoberheft des 41. Jahrgangs der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums (Verlag von I. Calvary u Co. in Berlin) hat folgenden Inhalt: D. Feuchtwang, Assyriologische Studien. III. Die Chabiri. D. Simon sen, Erklärung einer Mischnastelle. M. Weinberg, Die Organisation der jüdischen Ortsgemeinden in der talmudischen Zeit. W. Bacher, Bari in derPesiktha rabbathi, Berytus in Bibel und Talmud. David Kaufmann, Das Freundschaftsepigramm Juda Halewis an Salomo Jbn Almuallim. G. Wert heim, Ernanuel Porto§ Porto astronomico. Besprechungen. Aspects of Judaism being Eighteen Sermons by Isr. Abrahams and Claude 6. Montefiore. Von Professor Dr. B. Badt. Sprechsaat. Geehrter Herr Redakteur! Z^err Kollege Rosenhaupt sprach in seiner Erwiederung an Herrn Kollegen Dubowski-Berlin s. Z. von „unseren echt traditionellen Melodien". Ich erlaube mir, wenn auch verspätet. Folgendes zu erwiedern: Die jüdischen Melodien, welche ich in meiner Heimath Polen gelernt, habe ich in Deutschland in den Werken von Sulzer, Lewandowski, Weintraub und Deutsch niedergeschrieben vorgesunden. Wie kann daher i) Auch diese zehn Blätter wurden im Orient aufgefunden. Blatt 1 brachte Mr. Levis im Juni 1896 nach England. Professor Schechter identifizirte es dann mit Sirach 39,15 bis 40,7. Die folgenden neun Blätter, die sich an Blatt 1 anschließen, wurden von den Herausgebern in der Bodlej. Bibl. in einer Kiste von hebräischen und arabischen Manuskripten entdeckt, die Professor Sayce kurz vorher aus dem Orient brachte.

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