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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-12 · Heft 46 (12.11.1897) · p. Seite 543

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
Seite 543 (sequence 3)
Language
German
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543 an Ansgrabungen zu archäologischen oder kunsthistorischen Zwecken, das Judenthum betreffend,'betheiligen. Endlich will sie eine umfaffende wissenschaftliche Erforschung des heiligen Landes anstreben. Zu all diesen Arbeiten gehört aber Geld, viel Geld, sehr viel Geld, und es ist dringend zu wünschen, daß endlich einmal die so oft herbeigewünschten und so sehnsüchtig erwarteten Mäcene erstehen möchten, um diese wahrhaft großen Zwecke zu fördern. Wir bemerken nur noch, daß der Präsident der Wiener Gesellschaft der ausgezeichnete, thatkrüftige und für das Judenthum innig begeisterte k. k. Baurath Wilhelm Stiaßny ist; zu Vizepräsidenten wurden Adolf Ritter von Sonnenthal und Professor Dr. Adam Politzer, zum Schriftführer Herr Architekt Max Fleischer, zum Kassenverwalter Herr Baurath Theodor Ritter von Goldschmidt, zum Kassenkontroleur k. k. Ober-Baurath Sigmund Taussig gewählt; außerdem wurden die Herren Dr. Moritz Güdemanu, Oberrabbiner, und Professor Ignaz Brüll, Tonkünstler, als Mitglieder des Kuratoriums kooptirt. In der That eine erlauchte Gesellschaft! Dem Bericht ist auch ein Katalog der Sammlungen nach folgender Eintheiluug beigefügt. I. Graphische Darstellungen. 1. Darstellungen nach der heiligen Schrift. 2. Darstellungen aus dem religiösen und bürgerlichen Leben der Juden. 3. Abbildungen von plastischen Werken des Alterthums und der neueren Zeit. 4. Abbildungen von Bauwerken für rituelle und kommunale Zwecke. 5. Landkarten und Stadtpläne. 6. Grab sch riften und Abklatsche von Grabsteinen. 7. Porträts. II. Plastische Darstellungen. 8. Inschriften in Stein oder in Gipsabgüssen, Modelle in Thon oder Gips. 9. Büsten und Porträt-Medaillons. III. Gegenstände für rituelle Zwecke. 10. Arbeiten in Metall: Silber, Bronze, Messing. 11. Arbeiten in Fayence, Majolika, Porzellan, Thon. 12. Textilarbeiten. IV. Münzen und Medaillen. 13. Münzen und Medaillen. V. Handschriften. 14. Handschriften zu rituellen Zwecken. 15. Handschriften zu allgemeinen Zwecken. 16. Hebraika und Judaika. 17. Zeitschriften. 18. Bücher von jüdischen Autoren. 19. Publikationen von jüdischen Gemeinden. 21. Musikalien. 22. Diverse Bücher, Zeichnungen, Stiche. Eine Zierde des Berichtes bilden die wissenschaftlichen Beiträge von Abraham Epstein: „Ueber eine Simeons-Münze", welche sich im Besitze des Verfassers befindet und aus der Zeit das Aufstandes unter Hadrian herrührt, und von Professor Dr. David Kaufmann: „Zur Geschichte der Kunst in den Synagogen". Die Bitte des Vorstandes an Alle, welche Interesse für die Wissenschaft und Kunst des Judenthums, für historische Denkmäler und Alterthümer besitzen, die neue Schöpfung, sei es durch Widmung von Objekten, welche in den Rahmen der Sammlungen paffen, sei es durch den Beitritt zur Gesellschaft, zu unterstützen urib dadurch zur Gründung einer Sammelstelle für jüdische Kunst und Alterthümer beizntragen, verdient unter diesen Umständen die wärmste Unterstützung. Aber nicht nur in Oesterreich, sondern auch bei uns in Deutschland ist jetzt diese Angelegenheit um einen wichtigen Schritt der Verwirklichung näher gerückt. Auch in Frankfurt a. M. hat sich vor Kurzem eine Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunst- Denkmäler gebildet, welche soeben den folgenden Aufruf erläßt: Die Unterzeichneten sind zu einem Komitee für die Gründung einer Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunst-Denkmäler zusammengetreten. Die Anregung zu diesem Unternehmen gab der Vorschlag des Direktors des Kunstgewerbemuseums in Düsseldorf, Herrn Frauberger, ein großes Vorlagewerk über israelitische Kultusgegenstände herauszugeben. Herr Direktor Frauberger hat seit längerer Zeit vorbereitende Studien für dieses Werk gemacht und hat auf seinen Reisen ein unerwartet großes Material von jüdischen Kunstdenkmälern aus früheren Jahrhunderten vorgefunden. Schon diese vorläufigen Forschungen haben gezeigt, daß hier ein im Wesentlichen noch unerschlossenes Feld brach liegt, welches reiche Schätze birgt, dessen Bebauung Kunde von dem Geistesleben der Juden in biblischer wie nachbiblischer Zeit bringen und die Kenntniß des Judenthums und seiner geistigen, sittlichen und künstlerischen Bedeutung vertiefen und erweitern wird. Solche Forschungen übersteigen aber die Kräfte und die Mittel Einzelner; es ist deshalb erforderlich, daß eine Gesellschaft sich diesen Arbeiten widme. Zu diesem Zweck ist beabsichtigt, hervorragende, sachkundige Gelehrte in allen Ländern der Welt zur Mitarbeit heranzuziehen, welche diese Forschungen betreiben und dieselben wissenschaftlich durch Berathung und Begutachtung fördern sollen, und ferner ein Organ zu. schaffen, in welchem alle Ergebnisse der Nachforschungen mitgetheilt, neue Anregungen gegeben werden und ein Austausch der Ansichten der Forscher und Sachkundigen erfolgt. Der Redakteur dieses Blattes würde zugleich die wissenschaftliche Centralstelle bilden, während die technische Leitung des Unternehmens in den Händen des Herrn Direktor Frauberger liegen würde. Zur Ausführung sind größere Summen nöthig, welche wir hier wie in allen größeren europäischen und außereuropäischen Städte^ ausbringen wollen. Wir bitten Alle, welche sich für dieses große kulturgeschichtliche Werk interessiren, uns mit reichlichen (zunächst einmaligen) Beiträgen zu unterstützen und damit ein Unternehmen zu fördern, welches der allgemeinen Erkenntniß und Aufklärung und der gerechten Würdigung jüdischer Kultur zu dienen geeignet ist. Das Komitee: Charles L. Hallgarten. Georg Speyer. Rechtsanwalt Julius Plotke. Jos. Baer. Max Baer. Simon L. Baer. Direktor Dr. Herm. Baerwald. Eduard Cohen. Konservator Otto Cornill. Stadtbibliothekar Dr. Fried. Ebrard. Justizrath Dr. S. Fuld. Julius Goldschmidt. Leopold Hamburger. Rabbiner Dr. M. Horovitz. Julius H. Jeidels. Moritz Oppenheim. Rabbiner Dr. Rud. Plaut. Jacob L. Posen. L. A. Ricard-Abenheimer. Philipp Schiff. Leopold Sonnemann. Inzwischen hat Herr Direktor Frauberger (s. Gemeindeboteu) hier über dieses Thema gesprochen. Wir brauchen wohl nicht erst zu sagen, wie sehr wir uns über die Verwirklichung einer Idee freuen, die wir schon seit Jahren in diesem Blatte empfohlen, und wie herzlich wir die rege Betheiligung an der Ausführung dieses Plans allen Gönnern und Förderern jüdischen Geisteslebens empfehlen. Die Affaire Dreyfus zieht in Frankreich immer weitere Kreise. Uns interessirt die Sache natürlich nur insoweit, als das Judenthum davon berührt wird, was ja ziemlich unvermeidlich, ist. So schreibt der berühmte Professor Gabriel Mo nod in seinem von allen Zeitungen mitgetheilten Brief Folgendes: Ich glaube nicht, daß ich, ein Nachkomme von Verfolgten, durch die Entrüstung blind geworden sei. die ich empfand, als ich sah, wie religiöser und Rassenhaß sich in eine Frage der Gerechtigkeit und des Patriotismus mischten. Ich glaube nicht, daß ich durch den Wunsch mich habe verführen lassen, in einer Zeit, wo die Juden der Gegenstand grausamer Vorurtheile und kleinlicher Verfolgungen sind, einen Juden zu vertheidigen." Geradezu komisch sind die Ausbrüche der „Libra Parole“. Herr Drumont tischt u. a. seinen gläubigen Lesern das Märchen auf, daß ein Syndikat von Juden beider Welten zusammeugetreten sei und fünzig Millionen für den Feldzug zu Gunsten Dreyfus' eingeschossen habe. Die Männer, die diese Geschichten mit wichtiger, manchmal bestürzter Miene erzählen, wiederholen, glauben, sind Gesetzgeber und Volksregierer und halten das Schicksal eines Großstaates in der Hand. Aber es geht noch weiter. Der „Gaulois" erzählt, ein ausgezeichneter jüdischer Offizier habe aus Gram über den Fall Dreyfus den Abschied genommen. Nachdem ein Freund von ihm, der in dem über Dreyfus Gericht haltenden Kriegsrathe gesessen hatte, gleichfalls aus der Armee ausgetreten

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