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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-12 · Heft 46 (12.11.1897) · p. Seite 542

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 46 (12.11.1897)
Date
1897-11-12
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
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£42 diese Zahlen anzugreifen. Die Lehrerbildungsanstalten besuchten 18, die Privatbildungsanstalten für Kindergärtnerinnen 7 Mädchen. Merkwürdig hoch ist die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen im Konservatorium für Musik und darstellende Klinst. Die Ziffer beträgt 229. Die Anzahl der jüdischen Schüler an den gewerblichen Lehranstalten beträgt 466, barunter solche, welche die Fachschulen für 'Anstreicher und Wagenlackirer, für Packer, Buchbinder, Buchdrucker, Drechsler, Fleischer, Gastwirthe, Juweliere, Schneider, Schlosser, Tischler, Tapezierer, Ziinmerleute u. s. w. besuchten. In den Volksschulen beträgt die Zahl der jüdischen Kinder 15541. Demgemäß finden wir auch 104 männliche und 84 weibliche Lehrkräfte jüdischen Glaubens. Von diesen waren 2 Bürgerschuldirektoren, 3 Oberlehrer, 23 männliche unb 8 weibliche Bürgerschullehrer, 64 männliche und 33 weibliche Volksschullehrer, 6 männliche und 14 weibliche definitive Unterlehrer, 5 männliche und 27 weibliche provisorische und Aushilfslehrer. In dieser Beziehung stellt sich also das Verhältniß viel günstiger als bei uns in Berlin. Das Gleiche gilt vom Religionsunterricht,;.den 34 Lehrer ertheilten. In den Kindergärten waren 946 jüdische Kinder untergebracht. Die Schulen für den Unterricht in weiblichen Handarbeiten besuchten 241 Mädchen, das israelitische Taubstumnieninstitut 80 und das Blindeninstitut 47 Kinder. Es dürfte auch von Interesse sein, die Anzahl der jüdischen Armen zu erfahren, welche dort aus den Mitteln der Kommune unterstützt wurden. Es sind 53 216 Personen, davon 142 männliche und 113 weibliche jüdischen Glaubens, also 2,09 Prozent; dauernd mit sogenannten Pfründen aus den Mitteln der öffentlichen Armenpflege wurden von 21136 Personell im Ganzen 20 männliche und 15 weibliche jüdische Bittsteller hetheilt, eine Ziffer, die auch für sich selbst spricht. Im städtischen Asyl waren unter 1368 Personen 9 jüdische, im städtischen Arbeitshause unter 998 Personen 11 Juden, in den städtischen Versorgungshäusern 4165 Personen, darunter 43 Juden. Unter den 5978 Personen, die von der Armenkinderpflege unterstützt wlirden, befanden sich gar keine jüdischen Killder. Das sind so die illtereffantesten Zahlen aus der Statistik der Wiener Juden, aber nicht weniger interessant sind jene Zahlen, welche die Privatwohlthätigkeit derselben beleuchten, und die wir vielleicht ein anderes' Mal vorführen. Aus der Zusammenstellung beider Gruppen erklärt sich so manches, was uns unverständlich ist in der Bewegung, welche seit einigen Jahren gegen die Juden Wiens sich richtet. Manches, wenn auch lange nicht alles, deim das Gallze erscheint aufmerksamen Beobachtern wie ein Theil jenes Riesenkampfes, der jetzt in Oesterreich ausgefochten wird, nicht nur zwischen Nationalitäteil, sonderli zwischen Weltanschauungen, und wir können deshalb auch die Ansicht Theodor Mommsens darüber keineswegs theilen, daß die Frage der Stellung der Juden im Staate die Einigkeit der Deutschen gefährde; ebensowenig, wie wir diese Frage als eine „relativ so nebensächliche" betrachten können, wie der große Historiker, der über Judell und Judellthum so merklvürdige und widersprechende Urtheile schon ausgesprocheil hat. Die sogenannte Judenfrage erscheint im Lichte der heutigen österreichischen Verhältnisse allerdings nur als ein Theil, aber keineswegs als ein nebensächlicher, der allgemeinen, den Kaiserstaat bewegenden Lebensfragen und wird sicher erst mit diesen ihre völlige und befriedigende Lösung im Sinne der Humanität und Freiheit finden. Vre Woche. Berlin, 10. November. ochdem vor kurzer Zeit der vierte Jahrgang des Kalenders ÖkL, für das höhere Schulwesen Preußens, herausgegeben (&^s> von Prof. Dr. Toeplitz und Oberlehrer Malberg, erschienen ist, deffen Angaben sich auf den Staild vorn 1. Mai 1897 beziehen, wollen wir, wie in früheren Jahren, auch diesmal die Daten über die an den höheren Lehranstalten Preußens und einiger Nachbarstaaten beschäftigten oder in den Dienstalterslisten aufgeführten Lehrer jüdischer Religion unseren Lesern Ulittheilen. Ganz fallen aus die Provinzen Pommern, Westfalen, die Rheinprovinz, Oldenburg, Sachsell-Altenburg und Hamburg, von Schularten das Kadettenkorps und die Landtvirthschastsschulen. In Ostpreußen finden wir nur einen Hilfslehrer, der an einem kgl. Gymnasium eine nicht etatsmäßige Hilfslehrerstelle inne hat. Westpreußen bietet uns nur Prof. Dr. Josua Horowitz in Thorn am kgl. Gymnasium und Realgymnasium und drei Hilfslehrer; bei einem der Letzteren ist unbekannt, wo und ob er unterrichtlich beschäftigt ist. Posen hat drei Oberlehrer und einen Hilfslehrer, Schlesien vier Profefforen, einen Oberlehrer und zwei Hilfslehrer, Brandenburg (ohne die städtischen Anstalten von Berlin) nur einen Oberlehrer in Frankfurt a. O. In Berlin zählten wir an Gymnasien drei Professoren und einen Oberlehrer, an Realgymnasien sechs Oberlehrer, an einer Oberrealschule einen und an den Realschulen zehn Oberlehrer und an einer städtischen höheren Mädchenschule einen ordentlichen Lehrer. Unter den Hilfslehrern der Provinz Brandenburg incl. Berlin befinden sich 23 Juden, unter den Probanden und den Seminarmitgliedern je einer. Sachsen hat zwei Oberlehrer, Hannover und Schleswig- Holstein je einen Probandus. Heffen-Nassau hat infolge der bekannten Thalsache, daß in Frankfurt a. M. zwei jüdische Realschulen bestehen, eine große Zahl jüdischer Oberlehrer aufzuweisen: 21, deren sieben den Professortitel haben. Dazu kommen die beiden Direktoren des Philanthropins, der stiftischen Realschule der israelitischen Gemeinde und der stiftischen Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft, fünf Hilfslehrer und zwei Seminarmitglieder. Was die Lehrbefähigung betrifft, welche die 38 Herren erworben haben, so sind alle Fächer vertreten: Klassische und neuere Sprachen, Geschichte und Erdkunde, Religion, Hebräisch, Deutsch, Mathematik, Physik beschreibende Naturwiffenschaften, philosophische Propädeutik und auch uiehrfach Turneu. Einen Vergleich der aus den verschiedenen Jahrgängen sich ergebenden Resultate zu ziehen, wird sich vielleicht später einmal geeignete Gelegenheit bieten. * Die Idee, in einem jüdischen Museum alles zu vereinigen, tvas Kunst und Wissenschaft für die Erhaltung des Judenthums geleistet haben, rückt ihrer Verwirklichung immer näher. Zunächst hat die Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunstnnd historischen Denkmälern des Judentums in Wien soeben den ersten Bericht über ihre Thätigkeit in den Jahren 1895 und 1896 veröffentlicht, und aus diesem Berichte schöpfen wir die Hoffnung, daß das große und schwierige Werk, dank der hingebungsvollen Thätigkeit jener Männer, welche es unternommen, in absehbarer Zeit als ein Denkmal treuer Pietät für das alte Judenthum auch wirklich zu Stande kommen wird. Die Ziele der Gesellschaft gehen aber noch weiter. Sie will, wenn ihr ausreichende Mittel zu Gebote stehen, Reisende und Gelehrte unterstützen, deren Bestrebungen auf Erforschung jüdischer Alterthümer und Kunstdenkmäler gerichtet sind. Ferner will sie sich selbständig oder im Anschluß an bestehende Vereine

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