Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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von der Würdigung der Predigt in hiesiger Gemeinde zeugt, muß es bezeichnet werden, daß der Vorstand die-vaterländischen Reden, die der Jubilar in diesem Vierteljahrhündert hielt, in wohlgetroffener Auswahl drucken ließ; und ihm ein Exemplar überreichte. Der zweite Redner, Herr I. Levy, sprach Namens, der Repräsentanten. Er feierte ebenfalls die Wirksamkeit des Herrn Dr. Rippner und knüpfte dabei an einen gutgewählten Satz aus dem Wochenabschnitt an. Herr Justizrath Cohn sprach im Namen der Chewra Kadischa. Sie schulde dem Jubilar tzänz besonderen Dank, denn allezeit gab er den Führern die Richtung an, nach 'welcher sie ihre Thätigkeit zu entfalten haben, und seine Rathschläge bewiesen sich stets als die bewährtesten. Hertz Lubowski überreichte mit paffenden Worten, die den Jubilar als Lehrer feierten/ eine Adresse der ehemaligen Schüler und Schülerinnen. Eine Sammlung^ derselben ergab eine ansehnliche Summe, die als Kapital einer Rippner-Stiftung dienen soll. Dem Jubilar spendeten außerdem die Schüler eine Uhr, , auf welcher sich die Statue Michel Angelos (Moses darstellend) erhebt. Es folgten dann noch die Uebergabe der Adressen des Frauenvereins und der Lehrer. Herr Dr. Rippner erwiederte auf all diese Kundgebungen mit Worten des Dankes. Mehr als das Lob, das'ihm heute gezollt, erfreue ihn die Liebe, die aus den Ehrungen hervorgehe. Seine mit geistreichen Gedanken und trefflichen humoristischen Blüthen gewürzte Rede kann hier nicht wiedergegeben werden. Er habe das Wort seines ehemaligen Lehrers Dr. Frankel : „Nurnicht wandern l" stets beherzigt. Nur dann kann der Rabbiner dauernd Gutes schaffen, wenn er diesen Ausspruch beherzigt und dadurch mit den meisten Gliedern der Gemeinde in steter Fühlung bleibt. Mit den besten Wünschen für das fernere Gedeihen der Gemeinde schloß der Jubilar. Auch die städtischen Behörden sandten ein Glückwunschschreiben, in welchem hervorgehoben wurde, daß die Bürgerschaft die segensreiche Wirksamkeit des Jubilars zu würdigen wisse; es wäre wesentlich seinem Einfluß zuzuschreiben, wenn die konfessionelle Eintracht hier niemals gestört wurde. Die Lehrerkollegien der höheren Schulen, viele Freunde aus Nah und Fern erfreuten durch Grüße den Jubilar. Möge es Herrn Dr. Rippner bis ins höchste Alter vergönnt sein, in unserer Gemeinde rüstig wirken zu können. ''Ä/"Dtzoßstrtzhtttz, 28. Oktober. Am 1. Oktober d. I. trat Herr Lehrer W olfs nach 40 jähriger Amtsthätigkeit in den wohlverdienten Ruhestand. Die Verdienste eines pflichttreuen, im Amte ergrauten Mannes lassen sich im engen. Rahmen einer kurzen Zeitungsnotiz nicht schildern. Für seine stets treue, gewissenhafte Arbeit in der Schule ist Herrn Wolff die Anerkennung der Behörde nicht ausgeblieben. Es wutde ihm der Hausorden der Hohenzollern verliehen, welchen ihm Herr .Kreisschülinspeltor Dr. Hahn leider am Krankenlager, überreichte. Wste.MrH 8VM' recht bchld^ genesen und sich eines langen, freundlichen Ltzhensabends erfreuen. Aachen, 1. November Äm 22. v. M. feierte Herr Js. H erz Hierselbst seinen 70,- Geburtstag. Dem Jubilar, welcher seit vierzig Jahren ununterbrochen dem Repräsentanten-Kollegium (seit 15 Jahren als dessen erster Vorsitzender) angehört, der auch durch das Vertrauen seiner Mitbürger seit einer Reihe von Jahren Mitglied des Stadtverordneten-Kollegiums ist, wurden zu seinem Ehrentage von vielen Seiten Ovatipnen dargehracht. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich djMige.der Synagogen-Gemeinde, deren Gesammtvertretung (Vorstand und> Repräsentanten) vollzählig in Begleitung des Rabbiners Herrn Dr: Jaulus zur Beglückwünschung erschien. Letzterer sprach Namens der Gemeinde dem Gefeierten dm Dank und die Anerkennung derselben für das aufopfernde Wirken und die seltene Pflichttreue des Jubilars aus, dem Gott eine lange Reihe ungetrübter Jahre schenken möge, damit seine bewährte Kraft .noch lange der Gemeinde erhalten bleiben möge. Die Repräsentanten ließen durch ihren stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn D. N. Marx, ihre Glückwünsche ausdrücken und als äußerliches Zeichen der Anerkennung. und der. Würdigung der Verdienste desJubilars ein prächtiges Geschenk in Silber, mit einer, entsprechenden Widmung versehen, überreichen. Im Aufträge des Vorstandes verlas der erste Vorsitzende, Herr. Jac. Lippmann, eine Adresse, in welcher die seltene Begabung, und das Wirken des Gefeierten für das Wohl der ganzen Gemeinde gebührend gewürdigt wird; diese Adresse soll noch künstlerisch ausgeführt -und später dem Jubilar überreicht werden. Sichtlich gerührtdankte Herr Herz für die ihm dargebrachte Ehrung, lehnte indessen inseiner bescheidenen Weise jedes Verdienst von sich ab und führte aus, daß wenn wirklich von seinen Verdiensten und Erfolgen die Rede sein könne, so sei dies in erster Reihe dem Geist 'des Friedens und der Eintracht zu danken, welcher seit Jahren in der Gemeinde herrsche. Er habe die Absicht gehabt, seine Ehrenämter niederzulegen und sie jüngeren Schultern anzuvertrauen, aber diese herzliche Kundgebung des Vertrauens veranlasse ihn, auszuharren und so! lange seine Kräfte reichten, dieselben dem Wirken für die Interessen der Synagogen-Gemeinde zu widmen, Sein Bestreben sei es, den Geist des friedlichen Einvernehmens ferner zu pflegen, und auf die Erhaltung des Friedens und der Eintracht in der Gemeinde bringe er ein kräftiges Hoch. Diese Worte des Gefeierten fanden lebhaften Beifall, und sprechen wir wohl den Wunsch der ganzen Gemeinde aus/daß es dem verdienten Männe vergönnt sein möge, seine/hervorragenden Kräfte noch lange> Jahre in geistiger und körperlicher Frische dem Wohle der Aachener Gemeinde widmen zu können. Oesterreich-Ungarn. Q Wien, 1. November. In Prag hat am 26. v. M. unter Vorsitz des Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld eine Rabbinerkonferenz stattgefunden, welche beschlossen hat, die nöthigen Schritte zur Gründung eines Oesterreichischen Rabbiner-Verbandes-einzuleiten. An der Konferenz haben theilgenommen: der Ausschuß des „Böhmischen Rabbiner-Verbandes", die provisorischen Ausschußmitglieder des im Entstehen begriffenen „Verbandes der Rabbiner Mährens", ferner Dr. Güdemann aus Wien, Dr. Friedmann aus Linz. Der Vorsitzende brachte zur Kenntniß, daß die Herren Oberrabbiner Melli aus Triest, Dr. Mühsam aus Graz, Dr. Blüh aus Troppau ihre Abwesenheit schriftlich entschuldigt haben: In längerer Ausführung zeichnete er die Ziele und Aufgaben des zu kreirenden Oesterreichischen Rabbiner-Verbandes in zweifacher Hinsicht durch korporatives Auftreten nach außen und durch einträchtiges Zusammenwirken aller Berufsgenossen nach innen, unter Hintansetzung aller trennenden Momente. Dr. Güdemann hielt hierauf in gleichem Sinne eine Ansprache an die Konferenz-Theilnehmer, in welcher'er darlegte, daß er auf der Basis des von Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld klar gezeichneten Pro grammes der Einladung gern Folge geleistet; er hegt die Zuversicht auf eine segensreiche Wirksamkeit des Rabbiner-Verbandes unter den dargelegten prinzipiellen Voraussetzungen. Hierauf wurde der Antrag, den Oesterreichischen Rabbiner-Verband ins Leben zu rufen, zum prinzipiellen Beschluß erhoben und Dr. Ehrenfeld mit den weiteren einleitenden Schritten betraut. Eine lange Diskussion entwickelte sich über die Frage, obdie einzelnen Landesverbände dem Gesammtverein korporativ oder durch Delegirte beitreten sollen. Es wurde beschlossen, die. Entscheidung hierüber offen zu lassen. Sämmtliche Theilnehmer .der Konferenz sind über deren Resultat äußerst befriedigt. —Bei dem November-Avancement in der Armee wurden zahlreiche jüdische Offiziere befördert, so zum Rittmeister in der Traintruppe Oberlieutenant Berthold Jellineck, in der Feldariillerie zum Hauptmann Hermann Bloch u. A. m. — Im August d. I. erregte hier die Verhandlung gegen ein elfjähriges Mädchen großes Aufsehen. Das' Kind hatte eine Nachbarin, eine Christin (die'sie aber für eine Jüdin hielt) beschuldigt,, sie habe sie ins Haus gelockt, um sie zu ermorden, wie es-die Juden mit den Christenkindern zu thun pflegten;' nun stellt sich heraus, daß das verlogene Mädchen wahnsinnig ist, sie würde auch in eine Heilanstalt gebracht. — Der in Krakau jüngst verstorbene Kaufmann Salomon Liebling testirte zwei Häuser im Werthe von ca. 70 000 fl.-zur Erziehung vorwiegend jüdischer Knaben und Mädchen, 500 fl. für-das. israelitische Spital, 300 fl; für das Rekonvalescentenheim dieses Spitals, 1000 fl. dem Greifen-Verein, je Z00 fl. dem Tempel- und dem Handwerkerverein, 500 fl. ^zur Vertheilung an jüdische Arme, 200 fl. für christliche Armeferner ansehnliche Legate dem Studentenverein, dem Allgemeinen Kinder-, spitaldem St. Josefs-Verein und anderen Humanitären Anstalten. L. Budapest, 20. Oktober. Der einstige Antisemitenführer Victor Jstüczy verbreitete vor mehreren Wochen die Nachricht, daß an dem frühen Tode seines erwachsenen Sohnes der ordinirende Arzt Dr. Josef Kelen Schuld trage. Jstdczy äußerte diese seine Ansicht. ' nicht nur mündlich, sondern gab auch, derselben in seinem Blatte ,Fözigazgätäsi Közlöny" Ausdruck, indem er hinznfügte, der Arzt habe