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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-05 · Heft 45 (5.11.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 45 (5.11.1897)
Date
1897-11-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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WV L2 Berlin, 2. November. Der wohlbekannte jüdische Humanitäts-Verein Gewul - Tauw feiert Sonntag, den^ 14. November,, Vormittags 10 Uhr, im Konzerthause, Leipzigerstraße 48,<sein, fünf-- undzwanzigjähriges Bestehen durch eine Jubelfeier, die durch Orgelt und Gesangsvorträge sowie durch eine - Festrede begangen wird, die^ das Ehrenmitglied des Vereins Herr Rabbiner Dr. Blum'enthal aus Ratibor halten wird. L2 Berlin, 1. November. Am 27. v Mts. ist hier im 81. Lebens?' jahre der Malermeister Michael Jacob nach einem arbeitsreichen Leben gestorben. Derselbe hat verschiedenen Instituten unserer Gemeinde, vor allem aber der „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen" seine hingebende Thätigkeit gewidmet. Seit dem Jahre 1845 Mitglied dieser Gesellschaft, bekleidete der Heimgegangene fast drei Dezennien das schwierige Amt eines Krankenversorgers mit einer Pflichttreue und einem Eifer, daß er ohne Rücksichtnahme aus sein Alter sich der ihm lieb gewordenen Arbeit und Mühe, welche besonders dieses Amt mit sich bringt, bis an sein Lebensende freudigen Herzens unterzog. Als Anerkennung für diese unermüdliche Thätigkeit hatte der Vorstand-beschlossen, aus Anlaß seines 80. Geburtstages der Generalversammlung seine Ernennung zum immerwährenden Ehren- . Mitglieds und Amtsjubilar in Vorschlag zu bringen, was allseitig mit Freuden begrüßt und einstimmig genehmigt wurde. Die Beerdigung des vortrefflichen Mannes fand am 29. v. Mts. unter allgemeiner Theilnahme statt Ehre seinem Andenken! P Königsberg i. Pr. Am 31. Oktober er. fand auf dem neuen, jüdischen Friedhof eine Feier zur Enthüllung des Denkmals für den verewigten Rabbiner Dr. Nürnberger statt. Neben dem Vorstande und den Repräsentanten der Gemeinde sowie den Vorständen, der diversen jüdischen Wohlthätigkeits-Bereine hiesiger Stadt hatte sich zu dem Akte..eine imposante-Trauergesellschaft eingefunden. ' Sie alle, umstanden mit wehmuthsvöllen Gefühlen die baumbekränzte Grabstätte, welche heute zum ersten Male der granitene Denkstein zierte, den eine dankbare Gemeinde ihrem hochgeschätzten und verehrten Rabbiner als. letztes, würdiges Liebeszeichen geweiht hat. Was seines Lebens herrlichste Blüthe gewesen und wodurch er seiner Gemeinde und einem großem Berehrerkreise außerhalb derselben für ewige Zeiten werth und theuer geworden, das hat man ihm mit den Worten der Freunde des großen Dulders Hiob in Goldschrift auf diesen Stein geschrieben: „Siehe, du hast viele unterwiesen, und schlaffe Hände hast du gekräftigt." Dies Wort, es klang auch aus den Reden wieder, die von berufenem Munde heute an seinem Grabe gesprochen worden. Zuerst bestieg der Vorsitzende des Gemeinde-Vorstandes, Herr Prof. Dr. Samuel/ das Podium, um unter Hervorhebung der unvergeßlichen Verdienste des theuren Verblichenen die Bestimmung zu erläutern, die der Grabstein für kommende Generationen der Gemeinde haben soll. Namens der beiden Gemeinde-Kollegien übergab er darauf den Denkstein der Hut und Pflege der treuen Hand, welche auch den Lebenden einst mit so viel Aufopferung und Liebe gehütet, — der Hand der trauernden Wittwe des Entschlafenen. — Die eigentliche Weiherede hielt Herr Rabbiner Dr. Vogelslein. Redner zeigte noch einmal in lebensvollem Bilde, was' der Verstorbene der Gemeinde und einem weiten Kreise gewesen, und. leitete davon ab, was er einem dankbaren Geschlechts für alle Zeiten bleiben müsse zu dessen eigenem Wohl'und Besten. Bambergers Name sei unvergeßlich, weil er nicht blos an die Erinnerung der Menschen geknüpft, die ihn gekannt, sondern weil er in den Werken weiter lebe/ die er geschaffen. Der eindrucksvollen Rede folgte ein El molerachamim,- in herzbewegenden Tönen von Herrn Kantor Birnbaum vorgetragen, Einleitung und Schluß, der Feier bildeten Gesänge des Synagogenchors. — Der Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeindebesteht nach seiner neuen Konstituirung aus folgenden Mitgliedern: Prof, Dr, Samuel Vorsitzender, .Stadtrath S. Magnus, stellvertretender Vorsitzender, Rechtsanwalt Holz, Schriftführer, Prof. Dr. Falkenheim, stellvertretender, Schriftführer, Kommerzienrath Cohn, Synagogenvorsteher, Kommissionsrath Laser, stellvertretender Synagogenvorsteher und Kaffenkurator; Kaufmann Julius Lazar, stellvertretender Kassenkurator, Geheimer. Medizinalrath Prof. Dr. Jaffö, Mutier A. Kadisch, Zimmermeister^ Lewensohn," Kaufmann Hermann Seelig und Kaufmann Joseph Simonsohn Beisitzer. — Einer der ersten Beschlüsse des neu konstituirten Vorstandes war die Bewilligung einer ansehnlichen Pension an die Wittwe des jüngst verstorbenen dritten Kantors der hiesigen Gemeinde. — Der ..Verein für Mische Geschichte undLitteratur erüffnete am 2. November seine Wintersaisbn mit einem Diskusstonsabend^ der von Herrn Kauf^ ' mann Feinstem durch eine „Jahresrundschau" eingeleitet wurde und eine lebhafte Debatte hervorrief. Den nächsten größeren Mor'tMg hat Herr Rabbiner Dr. Pick übernommen. — Anfang Januar k. I. findet hier die Jahresversammlung des freien Vereins^ jüdischer Religionslehrer - Ostpreußens statt. V v ' ■ R. Posen, 28. Oktober. Der Verein zur Förderung desHandwerks und des Ackerbaues unter den Juden hielt am Sonntag- * Vormittag seine.diesjährige Generalversammlung ab, die. in Behinderung des Vorsitzenden, Kommerzienraths Milch, von Herrn Rechtsanwalt Plaezek geleitet .wurde.. Aus dem von dem. Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht ist Folgendes hervörzuheben: Der. Verein hat in der kurzen Zeit seines Bestehens, recht.erfreuliche Erfolge gehabt; abgesehen von vereinzelten Geldunterstützüngen, hat er 19 Kinder bedürftiger Eltern in seine Fürsorge genommen. 3 Kyaben werden Schlosser, 2 Schneider, 1 Buchbinder, 4 Uhrmacher, 1 Steinmetz, 2 Schuhmacher, 1 Maschinenschlosser, l Elektrotechniker, 1 Bäcker, .3 Maurer. Die Lehrlinge sind bei tüchtigen Handwerksmeistern in die Lehre gegeben, zum Theil werden ihnen die Mittel zum Besuch der Baugewerkschule gewährt. Nach dem von Herrn Bankier! Hamburger erstatteten Kassenbericht betrugen die. Einnahmen im letzten Geschäftsjahr 2339 Mark 38 Pfg., die Ausgaben 2240 Mark 80 Pfg. Da die übernommenen Verpflichtungen für die Lehrlinge die Einnahmen überschreiten, .so ersuchte der Vorstand dringend, falls nicht der Reservefonds angegriffen werden solle, Mitglieder für den Verein zu werben, damit die segensreiche Thätigkeit des Vereins recht vielen Kindern zugewanbt werden könne. Gleichzeitig erklärte sich Herr Baumgardt, Friedrichstraße 33, bereit, getragene Kleidungsstücke in Empfang zu nehmen oder abholen zu lassen, um die großen Kosten der Bekleidung der Lehrlinge herabzümindern Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Kommerzienrath Milch, Auktiouskommissarius Manheimer und Generalagent Meyerstein wurden wiedergewählt. Nachdem noch die Frage der Ausbildung und Ansiedkung von jüdischen Ackerbauern erörtert worden, regte Herr Julius L. ^acobsohrr .an, daß die Mitglieder des Vereins, welche vor 2 Jahren aus dem älteren Verein zur Förderung des Handwerks und Vorschußverein ausgeschieden seien, dem Verein,, welcher nur noch als Vorschußoerein weiter bestehe, aber sehr wenige Mittel besitze, wieder beitreten möchten. Vom. Vorsitzenden wurde bestätigt, daß der alte Verein seine Statuten geändert, die Ausbildung von Handwerkern ganz aufgegeben habe und nur noch als Vorschußverein existire. Da die jetzige Zusammensetzung des Vorstandes die Gewähr biete, daß die Geschäftsführung in toleranter Weise erfolgen werde, das Bestehen eines Vorfchuß- ' Vereins auch dringendes Bedürfniß sei, so sei der Wiedereintritt in .den Verein zu empfehlen. Damit schloß die gut besuchte Versammlung. S. Glogau, 3 November. Eine kleine Feier war es, die am verflossenen Sabbath unserem verehrten Rabbiner' Dr. B. Rippner zu Ehren begangen wurde. Ein vorübergehendes Unwohlsein ließ eine größere Veranstaltung nicht zu. Dennoch war sie groß in dem Tribut der Dankbarkeit, der Verehrung und Liebe, welcher dem Jubilar nach fünfundzwanzigjähriger-Thätigkeit dargebracht wurde. In der Synagoge konnte Herr Dr. Rippner nicht anwesend sein, weshalb auch dort von einer Feier Abstand genommen wurde. Herr Kantor Fränkel trug daher nur ein selbst verfaßtes Gebet vor. Gegen 12 Uhr erschienen die verschiedenen Deputationen im blumendurchdufteten Heim des Jubilars. Den Reigen der Huldigungen eröffnete der Vorsitzende des Vorstandes, Herr I. Landsberger, mit einer nach Form und Inhalt gleich bedeutsamen Ansprache, in welcher auf die Antrittsrede des Jubilars vor 25 Jahren Bezug genommen wurde. Sie klang in dem Gedanken aus, daß vor allem das Herz des Jubilars mit Stolz und Freude erfüllt sein kann. Der heutige Tag bringe es Allen, die die Thätigkeit des Herrn Dr.' Rippner auf dieser langen Wegstrecke zu würdigen wissen, zum Bewußtsein, daß er sich selbst stets treu geblieben ist, die Richtung des einmal'vorgezeichneten Weges nicht verloren hat, und daß sein Wissen und. Können nicht nur seiner Gemeinde , zugute kam, sondern daß er besonders seine Feder erfolgreich im Dienste der Menschheit geführt hat. Hierauf-überreichte der. Redner eine Huldigungsädresse,, welche in ihrer vornehmen Einfachheit doch ein Meisterstück der Zeichenkunst und. Buchbinderarbeit ist. . Als sinnige -Gabe, die zugleich

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