Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- Seite 538 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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(gemeinsame Sache *) machen, schmuse (flattiren, den Makler spielen), tsas'res (Maklerlohn), meikach (Preis), mäies, mesume (Geld), meschulme (bezahlen), gimel pschitim (drei Pfennig), gimel schuk (drei Mark), alti beheime (altes Luder, Schinlpfwort für eine Kuh),! sckmu traiwe (Schwindel treiben), machulle (bankerott) u. m. a.' Durch den Verkehr der jüdischen Hausirer und Viehhändler mit der bäuerlichen Bevölkerung ist die größte Zahl dieser Wörter in t>en: Dialekt ein gedrungen. 1 In der überwiegenden Mehrheit klingen die Wörter nach Lenzens Angabe so, wie man sie aus dem Jargon kennt. Nur in einzelnen Fällen — und das ist gerade interessant zu bemerken — hat sich die Form einiger Wörter oder ihre Bedeutung im Munde der Bevölkerung geändert. Daß das auslautende n schwindet, z. B. mesume — meschulme, ist überhaupt fränkische Spracheigenthümlichkeit. Vokalisch auslautende Wörter werden mit m oder auch mit s zutveilen geschloffen: mischpach’m2), sclitikem („ein ruhiger, aber kluger Mensch") (oder aus schtikener?], moulem (neben moule mole, voll) stark betrunken, vielleicht nach Analogie von oulem, das Hier in der Bedeutung „eine große Menge", z. B. Geld, gebraucht wird. Mit s: mores, Angst, pschoi es,(Hebräisch pschoro, Vergleich), vielleicht analogisch nach mschores, „Einer, der alles kann, Hauptkerl". Daß der rnschores eines Pferdehändlers zu dieser Bedeutung wohl Anlaß geben kann, weiß der Kundige. Klafte gilt als Schimpfwort auch für eine alte Kuh. - Goie ist ein schmutziges Frauenzimmer. Kaljes machen (hebräisch kolo, Vernichtung) hauptsächlich „Verleumdungen über Verlobte Vorbringen, in der Absicht, die Verlobung zu hintertreiben". Ob hier das Wort volkselymologisch an kalle angelehnt wird? . Der appellativisch gebrauchte Name schlaume Taugenichts wird vielleicht mit schlau. Schlaumeier in Verbindung gebracht. Interessant ist noch das Wort rewinen unverständlich, reden, „ursprünglich wohl wie ein Rabbiner (rewine), wenn er hebräisch spricht." Zu bschores mache bemerkt Lenz: „Eine Kleinigkeit des Gewinnes für sich behalten. Die Bauernmädchen machen auf dem Markte in Heidelberg „Bschores", indem sie von dem eingenommenen Gelde etwas für sich behalten, meist so viel, als sie über den jeweiligen Marktpreis hinaus erhalten haben. Das so „ersparte" Geld verwenden sie zu Putz und zu Geschenken für den Geliebten. Da es Alle thun, so wird das Bschores machen nicht als Betrug angesehen." Das von Lenz angeführte schpores rasl, baares Geld, Vermögen, kann ich mir aus dem Hebräischen nicht erklären, hingegen ist das auf Seite 14 als Wort unbekannter Herkunft notirte achprosch, Spitzbube, Jargonwort.. Bei dem Worte meikach giebt Lenz den Beispielsatz an: Was hot ti klmu fa in meikach? Hört sich das nicht an wie gemauschelt? Es ist ja bekannt, wie viel Aehnlichkeit der Dialekt dieser Gegenden mit dem „Judendeutsch" hat; ich erinnere an Heines Aeußerung über das Frankfurter Deutsch. Die Juden, die im Mittelalter aus ihrer mittelrheinischen Heimath auswandern mußten, dürften das Grundelement des Deutschen geliefert haben, das der Jargon bei seiner Ausbildung im Osten im Großen und Ganzen bewahrt hat. Ich glaube nun nicht, daß die von Lenz angeführten Wörter Sprachgut aller Handschuhsheimer sind. Ueberall giebt es ja einige J) Ich gebe die Bedeutung an, die nach Lenz das betreffende Wort bei den Bauern hat, die ursprüngliche Bedeutung setze ich als bekannt voraus. 2) Das Wort wird in einigen von Lenz angeführten Orten volksetymologisch umgedeutet zu -- mariaschprach. sprachkundige Christen, die zu ihrem eigenen Gaudium und dem ihrer jüdischen Freunde ihre Rede mit korrekt ausgesprochenen jüdischen Brocken schmücken. Dazu kommt noch, daß gerade die Bewohner dieses rheinfränkischen Gaues sehr sprachgelehrig und gewandt sind. Es herrscht förmlich eine Lust — bei unseren norddeutschen Bauern ist das ganz anders — fremdsprachliche Elemente aufzunehmen. Bei den englischen Fremdwörtern bemerkt Lenz : „Einige der im Folgenden aufgezählten Worte sind erst neueren Datums, und es ist leicht möglich, daß sie ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie aufgetreten sind. Ein geborener Handschuhsheimer kehrte nach löjähriger Abwesenheit im Jahre 1896 aus Amerika in die Heimath zurück. Er spricht fließend englisch und liebt es, lebhaft und witzig, wie er ist, seine Rede mit allerhand englischen Brocken zu spicken, von denen viele Gemeingut der Handschuhsheimer geworden sind." Aehnlich wird's mit den hebräischen Fremdwörtern sein. Zum Glück ist ja überhaupt der Jargon in Deutschland im Allssterben begriffen. Die „redlichen" Bemühungen der Antisemiten zu seiner Konserviruug werden wohl vergeblich sein. Allerdings hinterläßt er genug Spuren — auch in der Hochdeutschen Schriftsprache —, die die Erinnerung an diese Ghettosprache wach halten können. Aber die guten Handschuhsheinier werden ihren Reichthum an hebräischell Wörtern, so leicht sie ihn bei ihrer Aufnahmefähigkeit und Gewandtheit gewoilnen habe, zlnil größten Theile auch bald wieder verlierell. Und so mögen sich denn die Antisemiten trösten. Mit der Verjuduug Handschuhsheims ist's nicht so schlimm, wie es aussieht. » -1 UuM 1—I i--——i 1— I imnrnnimiiiN>7 1 * | FEUILLETON 1 1 522MüflÜlÜlIi 88ÜIMMM -! 1—1 1-.—^-1 l-H 1- Baruch Chaim. Eine wahre Geschichte. Von Magda Spaeth. (Schluß.) uch Gregowitsch ist erstaunt über die wunderbare Pracht der Perlen. „Echte Venetianer," murmelte er, „wunderbar!" Auch er glaubt nicht an die Erzählung, aber was geht es ihn an, Geschäft ist Geschäft, möge Jeder sehen, wo er mit seiner Haut bleibt. „Wenn uilsere allergnädigste Kaiserin oder sonst eure hohe Fürstiil am Hofe Deine Perlen llicht kauft, wirst Dll sie schwerlich los werden, Freund," sagte er endlich. „Ich kann eine so große Summe nicht aus meinem Geschäfte herausziehen. „Laß mir die Perleil, ich werde Dir geben einen Empfangschein und dann versuchen, sie unserem allergllädigsten Müttercheil vorzulegen." „Wie hoch schützest Du denn den Schmuck?" stanimelte Baruch. „Wie hoch?" es flimmert listig in den Augen des Rlissen. „Nun, vielleicht 200 000 Rubel! Die Geschäfte gehen flau und Mütterchen ist sparsam." Baruch kämpft mit einem Ohnmachtsanfall. Großer Gott, dies Glück, dies Glück! Wie er den Nachmittag in der elenden Herberge zugebracht, weiß er nicht. Rlihelos ist er umher gewandert, immer den glühenden Kopf in die zitternden Hände gepreßt, immer den Namen seines Weibesseiner Kinder auf den Lippen, immer nur den einen Ge-