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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-11-05 · Heft 45 (5.11.1897) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 45 (5.11.1897)
Date
1897-11-05
Page
Seite 537 (sequence 9)
Language
German
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537 zunehmen, daß nur Fleisch, Eier und Milch Nährstoffe enthalten. Wir finden dieselben in hinreichender Menge in den Vegetabilien, den grünen und sogenannten trockenen Gemüsen (Reis, Gries, Hafergrütze) und dem Obst., In der Bibel wird sogar der Mensch, wie die Vegetarier immer hervorheben, ganz ausdrücklich aus Früchte hingewiesen. Im 1. Buch Mosis, Kapitel 1, heißt es : „Und Gott sprach: Sehet, ich gebe euch alles Kraut, das Samen trügt, auf der ganzen Erde, und alle Bäume, daran Baumfrüchte sind, die Samen in sich tragen, euch sollen sie sein zur Speise, und allen Thieren der Erde und allem Gevögel des Himmels und allem, was sich reget auf der Erde, darin eine lebendige Seele ist, gebe ich alles grüne Kraut zur Speise." Es wird also genau unterschieden zwischen Früchten und Samen einerseits für den Menschen und Kräutern andererseits für die Thiere.') Von Fleisch ist keine Rede. Und wenn später davon gesprochen wird, so geschieht das mit einem etwas unangenehmen Beigeschmack. Denn nachdem bemerkenswertherweise den. Juden wieder eine Frucht, Manna, als Nahrung zugewiesen war, die ihnen nicht behagte, heißt es. 4. Mos. 11, 18:. „Und Jehova will euch Fleisch geben, daß ihr esset! Nicht einen Tag sollt ihr essen, nicht zwei, nicht fünf Tage und nicht zehen, nicht zwanzig Tage; bis zur Zeit eines Monden, bis daß es euch zur Nase heransgehet und euch zum Ekel wird." Und nicht anders machen es viele unserer Glaubensgenoffen, die unglücklich sind, wenn sie nicht täglich ihren Braten haben. Man. vergleiche auch die intereffante Geschichte Daniels. Weit entfernt nun, hier als Apostel des Vegetarismus aufzutreten, möchte ich nur dazu beitragen, daß allmälig eingesehen wird, daß die Vegetabilien mindestens so wichtig wie Fleisch sind; und ohne einen mäßigen Fleischgenuß zu perhorresciren, möchte ich nur betonen, daß manche Hausfrau ihrem Manne und ihrer Familie sehr nützen könnte, wenn sie einmal wöchentlich kein Fleisch auf den Tisch brächte. Einem ähnlichen Vorurtheil begegnen wir bei unseren Glaubensgenossen in Bezug auf die Fleischbrühe. Sie wird für außerordentlich kräftigend und nährend gehalten und darf an keinem Tage auf dem Tisch fehlen. Und doch ist diese Ansicht, die, ebenso, wie die übermäßige Bevorzuguiktz eiweißhaltiger Nahrungsstoffe, von Liebig herrührt, falsch. Es ist längst festgestellt, daß die Fleischbrühe zwar eine ganz angenehm schmeckende und den Appetit erregende Flüssigkeit, aber durchaus kein Nahrungsmittel ist. Nahrhaft wird sie erst durch Zusatz von Reis. Gries, Nudeln, Eiern u. s. w., ist aber im Verhältniß zu ihrem Werth viel zu theuer. Es ist praktischer, wenn unsere Hausfrauen die in der Brühe befindlichen schmeckenden Bestandtheile lieber im Fleisch lassen und letzteres geschmort oder gebraten auf den Tisch bringen. Schließlich sei es mir gestattet, noch auf ein Drittes aufmerksam zu machen. Während wir uns rühmen, nüchtern zu sein und keinen oder wenig Alkohol zu genießen, glauben wir, unsere Kinder dadurch zu kräftigen, daß wir ihnen Wein oder Bier zu Tisch oder sonst im Laufe des Tages geben. Es ist dies ein verhängnißvoller Jrrthum, über den jetzt, nachdem er allerdings Jahre lang von den Aerzten nicht erkannt war. unter den kompetentesten Männern der Wissenschaft nur eine Stimme herrscht. Es würde zu weit führen, hier näher darauf einzugehen, man vergleiche, was in Bezug auf den Alkoholmißbrauch bei Kindern Männer wie Senator, Ebstein, Baginsky u. s. w. gesagt haben.3) Es ist dringend erwünscht, daß sich die Familienväter unter uns über die schädlichen Einwirkungen des Alkohols in jeder Form auf unsere Kinder 1) S. auch Kap. 2, 4—16. 2) In: „Zum Schutz unserer Kinder vor Wein, Bier und Branntwein." Von Dr. Bode (Hildesheim). Preis 20 Pf. und' ihren empfindlichen Organismus unterrichten. Denn es ist keine Frage, daß die ganz unnatürliche und echte fin de siecle- Erscheinnng „nervöser Kinder" außer durch die Erblichkeit hauptsächlich durch den unzeitigen Genuß des Alkohols veranlaßt wird. Wie man in Handschuhsheim mauschelt. Von Dr. M. Spanier in Hamburg. n eine prächtige'Zeichnung Oberländers in den Fliegenden nmß ich denken. Dem kleinen Isidor solls Mauscheln abgewöhnt werden. Man schickt ihn aufs Dorf. Was ist die Folge? Nach einem Vierteljahr mauschelt das ganze Dorf. Und Oberländer zeigt nun, wie die Bauern mit Händen und Füßen mauscheln. Dieses Dorf, so scheint mir, ist Handschuhsheim. Es liegt ganz in der Nähe Heidelbergs. Und wenn in Hendeshe (so wird dort Handschuhsheim genannt) Kirbe (Kirchweih) ist, pilgert mancher Heidelberger Student in das freundliche Nest, um mit den Dorfschönen oder mit Heidelberger Mädchen, mit denen man auf neutralem Boden ungenirter verkehren kann, sich im Tanz zu erlustiren. Wie sehr man ilun in diesem rebenumkränzten Dörfchen mauschelt, ersehe ich aus einer kleinen, eben erschienenen Schrift von Professor Dr. Lenz: Die Fremdwörter des Handschuhsheimer Dialektes. II. Theil. Beilage zum Jahresbericht der höheren Mädchenschule zu Baden-Baden für 1896/97. Professor Lenz hat die Mundart seines Geburtsortes schon vor Jahren gründlich wissenschaftlich dargestellt, nun pflegt er in Schulprogrammen allerhand Ergänzungen zu seiner für die Germanistik recht werthvollen Arbeit zu veröffentlichen. Aus der mir vorliegenden Broschüre interessiren uns an dieser Stelle nur „die hebräischen Fremdwörter", die auf Seite 3 bis 7 aufgeführt werden. Es sind ungefähr hundert Wörter. Man wird mir zugeben,^daß man damit schon ganz anständig mauscheln kann. Ich erinnere mich noch sehr wohl, wie mir Professor Lenz — es mögen fünf Jahre her sein —, als wir im Cafe Haeberlein im schönen Heidelberg über unsere Arbeiten plauderten, eine Etymologie des Wortes ruiess mittheilte, die mich recht erheiterte. Er führte es auf einen Plural vom inittelhochdeutschen muozze, Unthätigkeit, Unannehmlichkeit, zurück. Anders wußte er sich nicht zu helfen. Damals machte ich ihn auf den hebräischen Ursprung mancher Wörter , aufmerksam, und seit jener Zeit hat er mit Eifer gesammelt. Lenz hat die Wörter in genauer phonetischer Schreibung wiedergegeben. Sogar die Abweichungen der Aussprache^in^den benachbarten Ortschaften hat er notirt, was mir allerdings meistens recht überflüssig scheint. In Handschuhsheim soll man z. B. meschugge und in Hettingen bei Buchen maschugge sagen. Aber man wird wohl auch in Hettingen bei Buchen einmal rnesedugge und in Handschuhsheim masetiugge hören können. Allerdings kann man im Jargon dialektische Verschiedenheiten konstatiren, über solche und ähnliche Abweichungen sind hierfür nicht charakteristisch. Sehen wir einmal vom kleinen Isidor ab und fragen wir uns, wie sind diese hebräischen Wörter in die Mundart gedrungen. Meines Wissens wohnt in Handschuhsheim kein Jude, und die Heidelberger Juden mauscheln nicht. Die Antwort liegt nahe, das Wortmaterial -selbst kann sie geben.. Eine große Anzahl der aufgeführten Wörter bezieht sich auf den Handel, besonders auf den Viehhandel. Kipe

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