Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- Seite 531 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Claude Montefiore hat sich mit einem Brief an diese Zeitung .gewendet, in dem er den radikalsten Assimilatiolisstandpunkt vertritt und damit sogar den Widerspruch von Zangwill wachruft, wenn er sagt, daß alle leitenden jüdischen Ideen in der arischen Cjvilisation absorbirt worden sind. Viel bemerkenswerther als die einzelnen Details dieses öffentlichen Streites ist es aber, daß in England eine solche Diskussion über das Bürgerrecht der Juden überhaupt möglich ist, und es ist die große Aufregung der englischen Juden über dieses erste Auftauchen einer judeiffeindlichen Bewegung wohl begreiflich. Seltsam muß die Haltung des Gladstone'schen Organs berühren, welches offen sagt: Wenn die Juden nicht die liberale Partei, die Partei Gladstones unterstützen, sondern die Konservativen, und die liberalen Unionisten, so verdienen sie die Emanzipation nicht, sondern sollten wieder in das Ghetto gesperrt werden. Vor der Erregung durch solche Ausbruche alten Judenhasses tritt alles andere in den Hintergrund, auch die frühere Diskussion über den Zionismus. Ans Ostpreußen. Von Moritz Scherbe!. f ie Leser dieses Blattes werden sich noch des Raubmordes erinnern, von welchem ungefähr vor einem Jahre an dieser Stelle berichtet worden ist, des Raubmordes an einer jungen, russischen jüdischen Auswandererin. Während nun der eine der Theiluehmer an dieser Blutthat bereits seine Strafe seit einem halben Jahre im Zuchthause abbüßt, blieb das Schicksal des Hauptschuldigen, Schade,' bisher noch unentschieden, weil, da, wie die. Jnsterburger Zeitungen noch in voriger Woche mitzutheilen wüßten, keine Zeugen bei Ausführung des Verbrechens vorhanden und der Spruch der Geschworenen sich lediglich auf Indizienbeweise gestützt, die Bestätigung des Todesurtheils auf Schwierigkeiten gestoßen sei. Nun aber berichtet die in Insterburg erscheinende „Ostdeutsche Volkszeitung" vom 19. Oktober: .. „Die Hinrichtung des Raubmörders WjlhÄin Schade aus Eydtkuhnen wurde heute früh 7VS Uhr durch den Scharfrichter Reindel, welcher zu diesem Zwecke gestern Vormittag mit seinen Gehilfen aus Magdeburg hier eingetroffen war, auf -dem Hofe des ^anogerlchtsgesangnlpes ausgesuyrt. Vor etwa 5 Jahren war die damals 21jährige russische Jüdin Rina Rocha Bendurra Galwa von Mir im Gouvernement Minsk nach London ausgewandert und wollte im Mai vorigen Jahres, nachdem sie sich in England einige Hundert Rubel erspar! hatte, in ihre Heimath zurückkehren, um sich zu verheirathen. Da sie. keinen ordnungsmäßigen Paß hatte und deshalb von den russischen Behörden nichtüber die Grenze gelaffen worden' wäreso ^wollte sie dieselbe-heimlich bei Eydtkuhnen überschreiten.' Dabei hätte sie sich in^der Nacht-zum 12. Mai vorigen Jahres des 'Schade als Führer bedient. Dieser. hat das Mädchen nicht über die Grenze geleitetsondern mittelst eines Spatens Zerschlagen und die Leiche unweit der Eydtkuhnen-Nikelnischker Landstraße in eurem Weizenfelde vergraben. Bei der am 12. Mai Nachmittags müfgefundenen Leiche ist das Geld nicht mehr .vorgefunden worden. . Das hiesige Schwurgericht hat in dieser Sache am 12., 1L und 14. November v. I. verhandelt und den am 20. März 1874 geborenen, übrigens verheiratheten Schade zum Tode verurtheilt. Ev hat gegen dieses Urtheil die Revision und auch ein Gnadengesuch eingelegt. Erstere ist verworfen worden, und hat der Kaiser am 4.'Oktober d. I. bestimmt, daß dem Gesetze freier Lauf zu lassen ist. Dieses wurde Schade gestern Abend mitgetheilt. Er hat die Nacht hindurch nicht geschlafen, sondern einen langen Brief an seine Frau geschrieben. Dabei hat er eine Flasche Wein getrunken, ein Butterbrod verspeist und' sechs Cigarren geraucht. Die. Ruhe^ die er in der Nacht noch bewahrt, hatte er aber vollständig verloren, als er zur Vollstreckung des Todesurtheils vorgeführt wurde. Sein ganzer Körper arbeitete in furchtbarer Bewegung u. s. w." — So hat denn ein Verbrechen seine Sühne gefunden, wie es nicht das letzte sein wird in den Annalen des russischen Grenzverkehrs. Ein junges, kräftiges Leben, das froh und Hoffnungsvoll der Heimath sich, zuwandte, ist diesmal ein Opfer der dort waltenden Zustände geworden. Aber wer möchte sie zählen, .die nicht an den Tag gekommenen Unthaten, welche die unselige Grenzsperre schon geboren, wo dem Hange zur geheimem Täuschung oder offenen Gewalt so sehr Thür und Thor geöffnet sind! Es wäre noch viel, was über diesen wunden Fleck der Grenzverhältniffe zu sagen wäre, trotz der fortdauernden Verheißung einer Verbesserung derselben, allein es gereicht eben nicht zum Vergnügen, sich, damit zu beschäftigen, ebenso wenig wie-es zur Befriedigung gereichen kann, von denselben zu lesen; wir wenden uns deshalb einer anderen, erfreulicheren Wahrnehmung zu. Es ist die Art und Weise,' wie das Hebräische bei unseren Glaubensgenossen in Rußland noch gehegt und gepflegt, ja gleichsam als Verkehrssprache in Anwendung gebracht wird. Wir hatten vor einiger Zeit ganz besonders Gelegenheit, uns davon zu überzeugen. Das Frappirende dabei war jedenfalls der Umstand, daß wir es mit einer jungen Frau unseres Stammes zu thun hatten, einer Dame, die ihrem Bruder einzelne von diesem an sie gerichtete Fragen auf dem Gebiete der Reformbestrebnngen beantwortete. Wir lasen das Schreiben und hatten darin zu bewundern die universelle Gewandtheit, mit welcher die Verfasserin uns mit ihren Ansichten und Anschauungen in einer Sprache bekannt machte, die wenigstens^ uns Deutschen als eine unbekannte erscheint'; uns überraschte die ideale Auffaffung einzelner mosaischer Gesetze. . Wie überhaupt dort drüben jenseits der Grenze die Extreme sich berühren, so vereinigte sich auch, wie der Empfänger des Briefes mir mittheilte, in der Person seiner Schwester die' dem' Alther- ’ IaX ' Uj.lXiu.d CV.'iS. J.. . AA.I t ' aIiaSiA. georacyien nocy pmalvou gegenuverneyenoe ^zumn um oer ewrg philosophirenden, bie j-d-M religiösen 'Gesetze auf den Grund zu kommen für ein Gebot der menschlichen'Vernunft hält. War nun, wie geiagif oer >znyair oes Bneses icyon geeignet, oer «cyreiverm Clmit luDOl tilüuS TütnieiDuTull, uDCt DOCH 1 vDCHTCEU9 ClCDlUnfl5lU0ltncn Anstrich in ihrem Charakter zu verleihen, ffo erregte ihre Handyaoung oes yevrancyen Idioms gewiiiermagen Bewunoerung, oenn Eund Korrektheit indem Ausdruck thaten sich in einer Weise Zusammen, wie es nur bei dem fgediegeiisten Journalisten änzütrcssen ist. .. ix*-? ' -