Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1897)
- Date
- 1897-10-29
- Page
- Seite 520 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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520 MM? Das Volk denkt aber vielfach anders auch in Rußland über die Juden, wie die folgenden Tatsachen beweisen: Der Distrikts-Rath von Odessa hatte an den Gouverneur eine. Petition gerichtet, den Juden zu erlauben, in den Dörfern Aeniewka und Olgino zu wohnen, aber der Gouverneur hatte diese Bitte abgelehnt. Die beiden Dörfer sind Kurplätze in der Nähe von Odessa und leiden "sehr durch die gezwungene Abwesenheit der jüdischen Kurgäste. Infolgedessen haben kürzlich die gesamnüen Distriktsräthe des GouvMements Cherson beschlossen, neuerdings dem Gouvernement dieselbe Petition noch einmal zu unterbreiten. Der Erfolg bleibt abzuwarten. Ebenso hat der Gouverneur von Taurien den Juden erlaubt, sich in Sudak und anderen kleinen Plätzen des Distrikts von Jalta, aufzuhalten, so lange die Weinlese dauert, weil durch die jüdischen Händler höhere Preise für den Wein zu erzielen sind. * Sehr ungünstige Nachrichten kommen neuerdings aus Korfu, wo die Juden wiederum Angriffen ausgesetzt sind, welche sie nach keiner Richtung hin provozirt haben. Die jüdische Gemeinde in Korfu erfüllt ihre Pflichten gegenüber dem griechischen Staate auf die beste Weise. Während des Krieges mit der Türkei fochten alle waffenfähigen Leute im griechischen Heere, und die Zurückgebliebenen sammelten einen Fonds für die Kranken und Verwundeten der ganzen Armee, der in wenigen Tagen die Höhe von 24000 Mark erreicht hat. Mit Rücksicht darauf, daß die ganze Gemeinde keine reichen Leute zählt, ist der Betrag ein sehr respektabler. Trotz dieser Leistungen werden die Juden von dem griechischen Pöbel auf den Straßen fortwährend insultirt, ohne daß die griechische Regierung bisher eingeschritten ist. Selbst in ihrem abgeschlossenen Quartier im Ghetto leben die Juden in steter Furcht vor größeren Exzessen, während kleinere Belästigungen kaum noch auffalleu. Mr. F. D. Mocatta hat die Aufmerksamkeit der Anglo Jewish. Association auf diese Vorfälle gelenkt. Protokoll über Lie XHI. Konferenz des Vereins der ifrorlitischrn Lehrer der Larrdrabkinatsbrzirckr Emden und Oidrndurg? ‘ 1 y UW ifef £ ■&; Anwesend waren die Herren: Landrabbiner Dr. Löb-Emden und " Dr. Mannheimer-Oldenburg als Ehrenmitglieder, Rabbiner Dr. Rosenack-Bremen als Gast; ferner die Kollegen: Levy- Norden, Vorsitzender, Löwenstein-Jever, stellvertretender Vorsitzender, Abt-Weener, Abt-Emden, Bernheim-Varel, Eisemann-Bentheim, Fink- Neustadt-Goedens, Frankenstein-Osnabrück, Gottschalk-Esens, Herzberg- Oldenburg, Klein-Norden, Lachman-Wittmund, Lotheim-Dornum, Oberschützky-Osnabrück, Popper-Lingen, Selig-Emden, Strauß-Papenburg, Wolff-Aurich, Schriftführer. Entschuldigt fehlten: Speyer-Söögel und Weinberg-Delmenhorst. Begrüßungstelegramme waren eingelaufen aus Berlin vom Gemeindevorsteher Jakob Fels-Emden und aus Meppen vom Lehrer Ludwig. Erste Sitzung am 5. September, Nachmittags 4 Uhr, in Nordheimers Hotel zu Emden. Zur festgesetzten Stunde eröffnet der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Levy-Norden, die heutige Hauptversammlung mit warmen Begrüßungsworten. Im Verlaufe feiner Rede bemerkt er, daß in früheren Konferenzen stets das Ideelle in den Vordergrund getreten sei; wenn er aber bei der diesmaligen Konferenzeröffnung gleich aus die materielle Seite Hinweise, so bestimmten ihn dazu das bereits in Kraft getretene Lehrerbesoldungsgesetz vom 3. März d. I., das den Konserenzbesuchern, soweit sie dem preußischen Staatsgebiete, angehören, ein gesetzliches Fundament für ihre Gehaltsverhältnisse biete? Er spricht der königlichen Regierung für das bei Ausführung des Gesetzes den Lehrern bewiesene Wohlwollen seinen Dank aus und schließt mit einem Hoch auf Se. Majestät den deutschen Kaiser, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Auch Herr Dr. L ö b begrüßt die Anwesenden, giebt einzelne Aufklärungen über das genannte Gesetz und fordert dabei die Lehrer auf, von ihren Rechten nichts aufzügeben. Es folgt nun der Jahresbericht des Vorsitzenden. Am Schluffe desselben macht dieser Mittheilung über den vom Verband gewährten Reisezuschuß, sowie über die Errichtung einer Pensions- und Reliktenkaffe, die demnächst ins Leben treten^soll. Nun erhält Herr Gottschalk- Esens das Wort zu feinem Bortrage: „Inwieweit läßt sich das Gebetbuch beim systematischen Religionsunterricht auf der Oberstufe verwerthen?" Referent erklärt einleitend den Ausdruck „beten"' in seinen verschiedenen Bedeutungen, führt die verschiedenen Bezeichnungen in der heiligen Schrift für dieses Wort an und kommt dadurch auf die Unterscheidung der Gebete nach Inhalt. Er weist darauf auf den Inhalt unseres Gebetbuches hin, das neben Lob-, Dank- und Bittgebeten auch noch Stücke aus der schriftlichen und mündlichen Lehre enthalte. Besonders eingehend verbreitet er sich über die verschiedenen über deren Wichtigkeit viele Aussprüche unserer Weisen angeführt werden. Bor Behandlung .der Gebete in der Schule verlangt der Referent überall, wo es angängig, die Angabe des Verfassers seitens des Lehrers, um so nebenbei das Interesse für die großen Männer der Vergangenheit zu wecken. Auch die verschiedenen Gelegenheiten, bei welchen die Gebete eingeführt wurden, will er den Schülern mitgetheilt wissen, weil er behauptet, der Inhalt eines Gebetes werde klarer, wenn man wisse, bei welcher Gelegenheit das Gebet entstanden sei, und unter welchen Verhältnissen der Verfasser gelebt habe. Sodann zieht der Vortragende aus dem Tischgebet, Sch'ma und Sch'mone eßre eine Fülle von Stoff, den diese Gebete für den systematischen Religionsunterricht enthalten. In der Diskussion, an der sich namentlich die Herren Löwenstein. Selig, Dr. Löb u. A. betheiligen, wird hervorgehoben, daß, wenn auch der Bortrag sich nicht streng im Rahmen des Themas gehalten habe, die Ausführungen des Referenten doch von großer Sachkenntnis; zeugen und mit anerkennenswerthem Fleiße ausgearbeitet seien. Nachdem die Resolution des Referenten mit einer redaktionellen Aenderung angenommen ist, spricht Vorsitzender demselben im Namen der Anwesenden den Dank aus. Die Resolution lautet: Für den systematischen Religionsunterricht ist es zu empfehlen, bei den Glaubens- und Pflichtenlehren außer auf die Quellenschriften auch möglichst auf die betreffenden Stücke in dem Gebetbuche hinzuweisen. Es. folgt der Antrag des Verbandsvorstandes: „Nochmalige Erörterung der Frage über die definitive Anstellung sämmtlicher jüdischer Lehrer, ihre Pensionirung und Versorgung ihrer Hinterbliebenen." Der Vorsitzende und Herr Dr. Löb beantragen die Annahme der vom Provinzialverein zu Hannover aufgestellten Thesen bezw. deren Ergänzung. Zur Prüfung derselben ernennt die Versammlung eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Mannheimer, Selig, Bernheim, Oberschützky und Strauß. Bei den freien Besprechungen tritt wieder das Lehrerbesoldungsgesetz in den Vordergrund der Erörterungen. Hierauf giebt der Vorsitzende Kenntniß von dem Ersuchen des Verbandsvorstandes, nach welchem bei allen die Gesammtheit oder einen Theil derselben betreffenden Angelegenheiten die einzelnen Mitglieder nicht eher mit Petitionen und Anträgen an die Staatsregierung oder den Landtag Vorgehen möchten, bis sie sich mit ihrem Vorstande ins Einvernehmen gesetzt haben. Zu diesem Ersuchen giebt die heutige Versammlung ihre Zustimmung. Zur Lesebuchfrage übergehend, bemerkt Herr Dr. Löb, daß der Entwurf bereits an die königliche Regierung zu Aurich abgegangen sei, und daß er wohl mit einiger Bestimmtheit auf dessen Billigung seitens der kompetenten Behörden rechnen dürfe. Die Religionsbuchangelegenheit habe geruht, weil die Arbeiten des Lesebuchs viel Zeit erfordert hätten. Auf Vorschlag wird die im Vorjahre mit der Ausführung betraute Kommission aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden wählen. Schluß 31/2 Uhr Abends. Zweite Sitzung am 6. September 1897, Morgens 8% Uhr, in der jüdischen Volksschule zu Emden. Herr Lehrer Klein-Norden hält eine Lehrprobe „über Silbentrennung" mit den Kindern, der Mittelstufe. Die Besprechung ergiebt das Einverständniß der Konferenztheilnehmer mit der Behandlung des Lehrstoffes, wie es auch der Vorsitzende in seinen Dankesworten gebührend hervorhebt. Unmittelbar darauf referirt Herr Hauptlehrer Selig über das Thema: „Ueber den Unterricht in der