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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-22 · Heft 43 (22.10.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 43 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 lautet: 1. Bericht über unsere Thätigkeit im sechsten Geschäftsjahre. 2. Kassenbericht des Rendanten und Ertheilung der Decharge. 3. Antrag der Synagogen-Gemeinden Witten und Neunkirchen, die Gründung einer jüdischen Altersversorgungsanstalt für Westfalen betreffend. Referenten: Herr Ostwald-Witten und Herr Vorsanger-Neuenkirchen. 4. Antrag der Synagogen-Gemeinde Herford, die Herausgabe eines Nachtrags zu dem II. Theile des Vogelsteinschen Gebetbuches betreffend. Referent: Herr Dr. Hulisch-Herford. 5. Antrag des Ausschusses, die Theilnahme der Kultusbeamten an den Sitzungen der Gemeindevertretung betreffend. Referent: Herr Freund-Dortmund. 6. Neuwahl der sechs durch das Loos ausscheidenden Mitglieder des Verbandsausschusses. 7. Wahl des Ortes für den nächsten Verbandstag. 8. Freie Besprechungen. X Mannheim, 15. Oktober. Siegmund Bensheimer, der Mitverleger der „N. Bad. Landesztg.", ist, 52 Jahre alt, gestorben. Die „N. Bad. Landesztg." widmet dem Verstorbenen einen Nachruf, worin es heißt: „Ein treuer Anhänger der demokratischen Bestrebungen, trat er in -guten und bösen Zeiten ohne Menschenfurcht für seine politische Ueberzeugung ein und scheute sich auch trotz aller Anfeindungen niemals, das, was er im Interesse der freiheitlichen Sache als nothwendig und wünschenswerth erkannt, zu bekennen und zu bethätigen. Jahre lang bekleidete er das Amt eines Stadtverordneten, das ihm auch im vorigen Jahre durch das Vertrauen seiner Mitbürger neuerdings übertragen wurde. Gründlich vertraut mit der Geschichte, den Verhältnissen und den Bedürfnissen unserer aufstrebenden Handelsstadt, vermochte er> dem städtischen Gemeinwesen durch seinen Rath und seine Anregungen vielfach zu nützen und auf manchem Gebiete fördernd zu wirken." Die Beerdigung fand am 17. d. Mts. unter allgemeiner Theilnahme statt. In der Leichenhalle des israelitischen Friedhofs hielt Rabbiner Dr. Steckelmacher die Grabrede, anknüpfend an den Schriftvers: „Süß ist der Schlaf des Arbeiters" und das arbeits- und segensreiche Leben des Verstorbenen getreulich schildernd. Dann sprachen der Obmann des Stadtverordnetenvorstandes, Max Stockmann, der Stadtverordnetenvorsteher Fulda, die Redakteure Dr. Gerard und Becker. Damit schloß die erhebende-Todtenfeier für den unvergeßlichen Mann. Möge er in Frieden ruhen! Oesterreich-Ungarn. O Wien, 17. Oktober. Unser Vizebürgermeister Dr. Neumayer hat bekanntlich aus Anlaß der letzten Ernennungen im Richterstande in der Gemeinderathssitzung am 1. d. Mts. den Antrag gestellt, eine Petition gegen die Beeidigung von Christen durch jüdische Richter an die Regierung zu richten. In der Motivirung dieses Antrages hatte Dr. Neumayer unter anderem bemerkt, daß durch die erwähnten Richterernennungen die „Verjudung des Richterstandes" plötzlich eine ganz besondere Steigerung erfahren habe. Im weiteren Verlaufe der Motivirung erklärte Dr. Neumayer: „Eine bedenkliche Folge dieser Ernennungen wird sein, daß weit öfter, als dies früher der Fall war, Juden über Christen zu Gericht sitzen und Recht sprechen sollen, obwohl die allgemeine Erfahrung lehrt, daß dem Juden das Verständniß, das Gefühl für sittlich-religiöse und nationale Bedürfnisse und Anschauungen der verschiedenen Nationen fast vollständig fehlt." Der Wiener israelitische Kultusvorstand hat nun in seiner am 10. d. Mts. abgehaltenen öffentlichen Sitzung einhellig folgende Resolution beschlossen: „In der öffentlichen Sitzung des Wiener Gemeinderathes vom 1. laufenden Monats wurden im Wege eines von einem Mitglied des Präsidiums eingebrachten Antrages und der Begründung desselben gröbliche Verdächtigungen und Schmähungen gegen das Judenthum, gegen dessen religiös-sittliche Grundlagen, sowie gegen die religiösen und sittlichen Anschauungen unserer Religionsgenossen gerichtet, und wurde diese Kundgebung wörtlich und vollinhaltlich — ungeachtet erhobenen Widerspruches — von dem Herrn Bürgermeister zur öffentlichen Kenntniß gebracht, beziehungsweise dessen Vorlesung verfügt. Nachdem diese Kundgebung durch das nunmehr erschienene, vorliegende „Amtsblatt der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien" in Nr. 80 offiziell festgestellt ist, erachtet es der Kultusvorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien für seine Pflicht, dagegen öffentlich und feierlich Protest zu erheben, Der Kultusvorstand hat seit Jahren, ungeachtet des Andrängens unserer Religionsgenossen, insolange es sich um noch so empfindliche materielle Schädigungen handelte, wie beispielsweise die Nichtbeförderung von altgedienten, bestbewährten Kommunallehrern, nur deshalb, weil sie Juden sind,- die Verweigerung von Schulgeldbefreiungen für arme jüdische Kinder, die Uebergehung verdienter jüdischer Kommunalbeamten, die Zurücksetzung jüdischer Gewerbsleute bei öffentlichen Arbeiten, die Verweigerung von Subventionen an jüdische Wohlthätigkeitsanstalten u. s. w. — jede Protesterklärung unterlassen. Wohl aber erachtet sich der Kultusvorstand für verpflichtet, die vorliegende Verunglimpfung der jüdischen Religion mit Entrüstung zurückzuweisen. Der israelitische Kultusvorstand sieht sich zu der Erklärung veranlaßt, daß das Judenthum hoch erhaben ist über das Niveau der in der Eingangs erwähnten Kundgebung enthaltenen Verdächtigungen, und verzichtet im Hinblick auf die im Judenthum streng vorgeschriebene und unter den Juden zu allen Zeiten beobachtete Heiligkeit des Eides selbstverständlich darauf, den gegen diese notorische Thatsache gerichteten Anwürfen die Ehre einer Widerlegung zu erweisen." — Bei der Landtagswahl in Pöggstall ist Vergani durchgefallen. — Die Strafverhandlung gegen Bruno Wille dürfte in 14 Tagen stattfinden. Die Anklage lautet, daß Wille in Wien und Graz Unglauben verbreitete und die „christliche Kirche und die jüdische Religionsgesellschaft" herab würdigte. — In Galizien hegt man Besorgnisse vor den Folgen des Antisemitismus. Die Gazeta Narodowa, welche sich ganz offen als das älteste antisemitische Blatt Galiziens bezeichnet, betont heute, es mache einen widerlichen Eindruck, daß sich jetzt einzelne Personen und ganze Gruppen in Galizien durch anderwärts erzielte Erfolge ermuntert sehen, aus dem Antisemitismus zu persönlichen Zwecken ein Geschäft zu machen. Unter antisemitischem Aushängeschilde werde nunmehr ein sinnloser Rassenhaß geschürt und das jüdische Element zur Gegenwehr in geschlossenen Reihen gereizt, was für die nationalen Interessen der Polen sich keineswegs als vortheilhaft erweist. Infolge der antisemitischen Agitation haben jetzt die Juden, die man wohl wirthschaftlich isoliren mag, in den meisten galizischen Städten bei den Wahlen in die Erwerbsteuerkommissionen unter Ablehnung jedweder Kompromisse ausschließlich Stammesgenossen gewählt. Es sei auch zu befürchten, daß die Juden, die in einzelnen Wahlkörpern über die Majorität verfügen, den Polen für die Bethätigung ihrer Judenfeindschaft künftig entsprechend heimzahlen und bei den Wahlen in Stadtvertretungen, in den Landtag und den Reichsrath die polnischen Kandidaten zu Fall bringen werden. — Dem Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Adolph Bach rach ist vom Kaiser taxfrei der Titel eines Regierungsrathes verliehen worden. Herr Dr. Bachrach, Mitglied des Disziplinarrathes der niederösterreichischen- Advokatenkammer, gehört zu den angesehensten Vertretern des Wiener Barreaus. □ Wien, 20. Oktober. Die Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern desJudenthums hat seit der Generalversammlung eine außerordentliche Förderung durch ven Beitritt zahlreicher Stifter und Mitglieder erfahren. Unter den Stiftern seien die Freiherren Albert und Nathaniel von Rothschild hervorgehoben, welche in munificenter Weise die Bestrebungen der Gesellschaft fördern; sodann der erste Vize-Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Herr Dr. Alfred Stern, welcher eine Stiftung unter dem Titel der Brüder Julius und Alfred Stern errichtet hat, ferner die israelitische Kultusgemeinde Lemberg. Die Wiener israelitische Kultusgemeinde hat bereits seit 1895 der Gesellschaft eine größere Jahressubvention zukommen lassen. Unter den neu beigetretenen Mitgliedern heben wir die Kultusgemeinden Brünn, Czaslau, Krakau, Linz, Teschen, Troppau, Wiener Neustadt hervor. Dem Museum der Gesellschaft sind abermals werthvolle Geschenke zugekommen: Porträts von historisch denkwürdigen und berühmten Persönlichkeiten des Judenthums, ferner Darstellungen aus der heiligen Schrift, Ansichten und Pläne von Palästina von den Herren Dr. Bruno, von Frankl-Hochwart, Frau Regierungsrath Fanny Gintl, Hugo Jacobsohn-Breslau, Frau Henriette Kerpel, Bernhard .Kohn, Siegfried Oppenheim, Kommerzialrath Alfred Pollak Ritter von Rudin, Moriz Waizner u. Sohn. Bücher und Musikalien, Handschriften und Manuskripte von den Herren Mathias Bersohn-Warschau, Frau Wittwe A. Berlijn-Amsterdam, Mayer Brunner, Kultusgemeinde Wien, Moses Feßler, Dr. Bruno von Frankl-Hochwart, Wilhelm Freyberg, Staatsrath Dr. A. Harkavy-Petersburg, Direktor S. Heller, Hugo Jacobsohn-Breslau, Emil Jelinek, B. Kanitz, Professor Dr. David Kaufmann-Budapest, Oberkantor Philipp Kläger, D. Kornfeld- Bezirksrabbiner Dr. Moriz Lewin-Malaezka, Dr. Johann Lichtenstadt, M. Maison, Frau Sofie Mondolfo, Professor Dr. Adam Politzer,

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