Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 zu verbinden gedenkt. Die Dame hat nicht nur vortreffliche Lehrkräfte für den Unterricht in jüdischer Religion, in Sprachen, Wissenschaften, Kunst, Litteratur rc. angeworben. sondernauch für die Leitung und Beaufsichtigung des wirthschastlichen Lebens die Wittwe eines s. Z. hoch geachteten Rabbiners gewonnen. s. Potsdam,. 17. Oktober. Dem von hier nach Berlin übersiedelnden emeritirten Rabbiner Dr. T. Cohn hat die Gesellschaft „Litteraria", die die geistige Elite unserer Stadt umschließt, als Erstem seit ihrem sechsundfechzigjährigen Bestehen die Würde eines Ehrenmitglieds ertheilt. Zur Feier der Ueberreichung der kunstvoll gearbeiteten und die Verdienste des Dr. Cohn um die Gesellschaft höchlichst preisenden Adresse hielt die „Litteraria" vorgestern eine Festsitzung ab, zu der die Mitglieder nahezu vollzählig erschienen waren. Von dem Rednerpulte verherrlichte der Vorsitzende, Sanitätsrath Hausmann, bei der darauf folgenden Festtafel gerade ein christlicher Geistlicher, Herr Pastor Karrenmacher, den Jubilar. In unserer Zeit ein doppelt erfreulicher Vorgang! 8 Pasewalk, 15. Oktober. Der Pasewalker Anzeiger schreibt unterm 2. Oktober: „Eine besondere Ehrung wurde gestern Abend dem Kontroleur des hiesigen Vorschuß-Vereins, Herrn G. Lehmann, zutheil, welcher mit dem heutigen 1. Oktober nach 35 jähriger Thätigkeit im Vorstande des Vereins aus seinem Amte scheidet. Als Zeichen der Anerkennung, welche Herr Lehmann sich um den Vorschuß-Verein erworben, wurde ihm seitens des Vorstandes und Verwaltungsraths nach Schluß der gestrigen Verwaltungsraths - Sitzung ein prachtvoll gearbeiteter silberner Pokal mit entsprechender. Widmung durch den Vorsteher in feierlichster . Weise als bleibendes Andenken an den Verein überreicht. Der derartig Ueberraschte sprach tiefbewegt dem Vorstand seinen Dank aus." Herr Götz Lehmann war auch Jahre lang erster Vorsteher der jüdischen Gemeinde; er wird, seines edlen Charakters wegen in christlichen und in jüdischen Kreisen gleich hochgeachtet und verehrt Bekanntlich ist. Pasewalk ein Hort des Antisemitismus, denn in dem kleinen Städtchen erscheint schon seit Jahren ein antisemitisches Blättchen. A Ratibor, 15. Oktober. Der konservative „Oberschlesische Anzeiger" vom 16. September schreibt: „Oberamtmann Cohn verläßt in der nächsten Woche den Kreis Ratibor, er siedelt nach Berlin über. Zu Ehren des Scheidenden fand gestern Abend im Erikssonffchen Saale ein vom landwirthschaftlichen Verein veranstaltetes Abschiedseffen statt. Der Verlauf des Abends legte Zeugniß ab von der Beliebtheit des Scheidenden, von der hohen Achtung, die ihm in Stadt und Kreis gezollt wird. Der Vorsitzende des landwirthschaftlichen Vereins, Major von Wrochem-Czerwentzütz, würdigte die Verdienste des Scheidenden um den Verein. „Mit größtem Bedauern," sagte Herr von Wrochem, „sehen wir Alle Herrn Oberamtmann Cohn aus dem Verein scheiden, dem er seit der Begründung angehört hat. Der Verein verliert in ihm ein außerordentlich thätiges Mitglied. Herr Cohn hat sich den Interessen des Vereins stets mit ganzer Hingebung gewidmet, wir werden ihn vermissen. Auch durch seine liebenswürdigen Charaktereigenschaften und geselligen Talente ist er uns lieb und werth geworden, er hat uns viele fröhliche Stunden bereitet, und auch in dieser Hinsicht wird er uns fehlen. Im Namen des Vereins sage ich ihm nun Dank für alles, was er im Interesse des Vereins gethan. Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren. Möge er in seinem neuen Wirkungskreise volle Befriedigung finden." Major von Wrochem schloß mit einem Hoch auf den Scheidenden. Hierauf ergriff Geheimer Regierungs- und Landrath Pohl das Wort. Er nahm von Herrn Cohn Abschied im Namen des Kreises und rühmte dessen Verdienste um den Kreis Ratibor. „Seit 1873 hat er die mühevollen Geschäfte des Amtsvorstehers in einem schwierigen Bezirk mit Treue und Hingebung geführt. Besonders ist seiner Thätigkeit für die Nothleidenden im Jahre 1879 zu gedenken. Fünf Nothstandsküchen waren ihm,unterstellt. Daß er in jener schweren Zeit dem Bedürfniß auf der einen Seite und den Interessen des Kreises auf der anderen Seite Rechnung zu tragen vermochte, zeugt für seine Herzensgüte unv für seine Pflichttreue." Geheimrath Pohl gedachte ferner der Thätigkeit des Oberamtmanns Cohn im Kreistage, in den Geschäften der Generalkommisston und beim Grunderwerb für die Bahn Ratibor - Troppau, knüpfte daran die wärmsten Dankesworte und schloß mit einem Hoch auf den Scheidenden und seine Familie. Oberamtmann Cohn gab seinem Danke Ausdruck. Das Scheiden aus dem Verein und aus dem Kreise, der ihm 27 Jahre Heimath gewesen, werde ihm schwer. Die Nothwendigkeit zwinge ihn, fortzugehen. Was er in der Ferne finden werde, wisse er noch nicht, er wisse aber, was er zurücklasse. Gerade das Bewußtsein aber, daß er in der alten Heimath so viele Freunde zurücklaffe, flöße ihm Muth für die Zukunft ein. Oberamtmann Cohn schloß mit einem Hoch auf den Verein. Im Verlauf des Festes sang die Tafelrunde ein dem Scheidenden gewidmetes von R. H. gedichtetes launiges Lied, das zur Erhöhung der Stimmung viel beitrug. Die schöne Abschiedsfeier. wird dem Gefeierten gewiß nicht aus der Erinnerung schwinden." Bielefeld, 17. Oktober. Der Bericht über die Thätigkeit des Verbandes der Synagogen-G emeinden Westfalens während seines sechsten Geschäftsjahres ist eben als Vorlage für den siebenten ordentlichen Gemeindetag zu Münster i. W. am 31. Oktober ausgegeben worden. Wir entnehmen dem vom ersten Vorsitzenden, M. Katzenstein, erstatteten Bericht folgende Details von allgemeinem Interesse: Die Zahl der Verbandsgemeinden ist auf 38 gestiegen. Inzwischen ist die Synagogen-Gemeinde Lipjfftadt ausgeschieden, wofür jedoch zwei neue Mitglieder, die Neue Israelitische Gemeinde zu Lippstadt und die Synagogen-Gemeinde Gütersloh gewonnen worden, so daß der Verband jetzt 39 Gemeinden umfaßt. Die wichtigste Angelegenheit innerhalb der Verbandsthätigkeit ist augenblicklich zweifellos die geplante Gründung einer Beamtenpensionskasse, die nunmehr, nachdem alle Bedenken der Behörden beseitigt, sicher ins Leben treten wird. Was die Inspektion des Religionsunterrichtes betrifft, so wurde auf Wunsch des D.-J. G.-V, soweit die Verbandsgemeinden und die vom D.-J. G.-B. subventionirten Gemeinden dabei in Betracht kommen, Westfalen in bestimmte Jnspektionsbezirke eingetheilt, eine Einrichtung, die sich vortrefflich bewährt. In die Reihe der Inspektoren ist neu eingetreten Herr Hauptlehrer Kaufmann-Gelsenkirchen. Jnspizirt wurde der Unterricht in 15 Gemeinden. Indessen sind für die allernächste Zeit noch drei Inspektionen in Aussicht genommen, über deren Termine schon mit den betheiligten Faktoren Vereinbarungen getroffen sind; weitere Inspektionen werden im Laufe des Winters stattfinden. Die Schulausgabe des Gebetbuches, welche vor Jahresfrist erschienen ist, hat nunmehr auch die Genehmigung der drei westfälischen Bezirksregierungen gefunden. Das Buch kostet jetzt bei Neueinführungen nur 60 Pfg., und in Anbetracht seiner Reichhaltigkeit — auch ein Anhang für den Jugendgottesdienst ist ihm beigefügt — kann es wohl als das billigste Schulgebetbuch bezeichnet werden. Auch in Oesterreich ist dasselbe durch Reskript des Kultusministeriums zur Einführung in sämmtlichen höheren und niederen Schulen genehmigt worden. Die im Aufträge des Verbandes herausgegebenen Lehrpläne für den Religionsunterricht haben sich im Laufe der letzten Jahre in Westfalen und auch über unsere Provinz hinaus in vielen Schulen eingebürgert. Doch soll auf Anregung aus Lehrerkreisen demnächst eine Revision der Pläne durch die Schulkommission des Verbandes stattfinden. In der Lese buch frage ist es endlich gelungen, eine voraussichtlich allgemein befriedigende Erledigung der Angelegenheit herbeizuführen, indem die Herren Lehrer Ostwald in Witten, Seminardirektor Dr. Gutmann und Seminarlehrer Coblenz in Münster, denen sich bereits eine Anzahl bewährter, auch außerwestfälischer Kräfte zur Mitarbeit zur Verfügung gestellt hat, mit der Bearbeitung des von der Arnsberger Regierung herausgegebenen Lesebuches beauftragt wurden. Die Negierung hat sich bedingungslos, die Verlagsbuchhandlung unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Plane einverstanden erklärt. Die Vorarbeiten sind bereits soweit gediehen, daß die Fertigstellung des Buches bis Ostern 1898 in Aussicht gestellt werden kann. Zur. Ermöglichung eines geordneten Religionsunterrichtes wurden auch im verflossenen Jahre vier leistungsunfähige Gemeinden materiell unterstützt. Der erste Theil des Gebetbuches hat sich bereits in fast allen Verbandsgemeinden eingebürgert, der zweite Theil wenigstens schon in allen großen und zahlreichen Mittelgemeinden. Auch außerhalb Westfalens sind die Bücher schon in vier Orten, unter denen sich eine der Großgemeinden Deutschlands befindet, eingeführt. Die von vielen Gemeindebeamten mit Sehnsucht erwartete Agende ist nunmehr im Manuskript fertiggestellt. Da der Verband demnächst ein für den gottesdienstlichen Gebrauch während des ganzen Jahres ausreichendes Gesangbuch herausgiebt, so werden auch die Melodien nebst dem dazugehörigen Texte der deutschen Lieder des Gebetbuches in demselben ihre Stelle finden. Die Tagesordnung der Generalversammlung