Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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WWW "-r7/^ WWW PWWWMWW WmMm if Dr. Jacob Zipser-Büdäpest. Gegenstände für rituelle Zwecke, und zwar .Arbeiten in Metall, Textilarbeiten, ferner Büsten, Münzen und Me-, daillen von den Herren Wilhelm Freyberg (silberne > Gewürzbüchse), Carl Goldschmidt (silberner Becher mit plastischen Darstellungen), Adolf I. Grün, Maler D.Kohn (Sabbathlampe), Julius Kopstein (Menoräh)) Hofmaler Josef Kott (siebenarmiger Leuchter), GeMeindesekretär M. A. Landau-Wiener Neustadt, Dr. Johann Lichtenstadt, M. Maison, Professor Dr. D. H. Müller, Moriz Waizner u. Sohn. Das Kuratorium spricht allen Spendern den wärmsten Dank aus. Großbritannien. 8. London, im Oktober. Eine merkwürdige Petition ist bei der englischen Regierung eingegangen. Wir wollen sie im Wortlaut wiedergeben, um ihren Eindruck nicht abzuschwächen: An ihre Majestät die Königin Viktoria! Wir bitten, daß Eure Majestät freundlichst. die Bitte solcher armen Arbeiter, wie es die Unterzeichneten sind, nicht! zurückweise. Wir wagen, gewöhnt an harte Arbeit und Fleiß seit! unserer Kindheit, jetzt aber im größten Elend, im Vertrauen auf die erhabene Güte Eurer Majestät, von der wir so viel gehört haben, die ergebene Bitte an Eure huldvolle Majestät, mit uns Mitleid zu haben und für uns eine Ackerbaukolonie auf der Insel Cypern zu gründen. Wir sind nicht wie Jene, welche sich dort vor einigen Jahren niederlassen wollten, wir sind bekannt als kräftige, ruhige und maßvolle Arbeiter und würden uns glücklich fühlen, wenn wir nur unser tägliches Brod für unsere Familien hätten. O Gott! Gieb der großen Königin , von England den Willen ein, unserem Wunsche zu willfahren, und mache uns glücklich durch ehrenhafte Arbeit. Mit größter Unterthänigkeit Jerusalem, 20. Oktober, (folgen die Unterschriften). Es ist ein ehrendes Zeugniß für den Arbeitseifer der jüngeren Generation in Jerusalem, daß sie sich nach der schweren landwirthschaftlichen Arbeit sehnen und, da auf den Kolonien in Palästina wegen Mangel an Mitteln nicht für alle Bewerber Platz ist, die hier Zurückgewiesenen sich auch außerhalb des ' heiligen Landes Beschäftigung im Ackerbau suchen. Wie es heißt, ist. die Petition der Jerusalemer Arbeiter bet Jewish Colonisation .< Association überwiesen worden. Rußland. X Odessa, 15. Oktober. Ueber die Exzesse gegen die Juden in Südrußland im Frühjahr hat nunmehr das Gericht entschieden. Bekanntlich haben am 17. April d. I. im Flecken Kontakusowka, Kreise Ananjew, Gouvernement Cherson, Demonstrationen und Unruhen statt- , gefunden, die am 11. September im Jelissawetgradschen - Bezirksgerichte (vor einer Deputation des Odessaer Gerichtshofes) den Gegenstand einer^ langdauernden Verhandlung bildeten. Es waren 87 Zeugen, meiste Juden, die unter den Unruhen zu leiden gehabt hatten, vorgeladen. Der Sachverhalt war folgender: Gegen 60 bis 70 Bauern zogen am 17. April unter der Führung eines gewissen Wassili Jakowlew aus Kantakusowka nach dem gegenüberliegenden Wosnessensk am Bug, um dort eine Judenhetze in Szene zu setzen. Rechtzeitig dort getroffene ' Vorsichtsmaßregeln vereitelten jedoch dieses Bubenstück, und der Haufe' zog wieder nach Kantakusowka zurück. Auf der die beiden Orte verbindenden Brücke trafen die Bauern mit einer Gruppe Juden zusammen. -. Der Urjadnik Stryshalkowski, welcher sich ebenfalls auf der Brücke■; befand, forderte die Leute auf, aus einander zu gehen, doch leisteten sie seiner Aufforderung nicht Folge, sondern antworteten mit Schmähreden. Dann stürzten die Bauern in den Flecken und zertrümmerten Thüren und Fenster. Einige Juden, die sich nicht hatten verstecken können, wurden verprügelt; der Skandal begann um 11 Uhr Abends, und daher schliefen die Meisten schon. Aus dem Schlafe geweckt, liefen die erschreckten Juden, hauptsächlich Frauen, Kinder und Greise, aus dem Städtchen aufs freie Feld und verbrachten dort die Nacht. Sie kehrten erst am Morgen, als wieder Ruhe herrschte, in ihre Wohnungen zurück. Die Hetze begann gleichzeitig an mehreren Punkten. Der Dorfgeistliche s trat den Unruhestiftern mit . einem Heiligenbilde in den Händen entgegen, wurde aber bei Seite gestoßen, und der Lärm dauerte bis zum frühen > Morgen fort. Es wurden 66 Häuser zerstört, und der Gesammtschaden j beläuft sich auf mehr als 6000 Rubel. Am Morgen wurden von der! Polizei über. 100 Personen verhaftet. Viele wurden dann wegen mangelnder Beweise für ihre Theilnähme an den Unruhen wieder freigeläffen-und ein Dheil vom Gemeindegericht verurtheilt. Jn Jelissawet-; grad saßen am 11. September die 14 Hauptanstifter und Rädelsführer auf der Anklagebank. ' Außer Dreien wären sie alle Bauern aus Kantakusowka — meist ' junge Leute, manche erst 18 Jahre alt. Wassili Jakowlew wurde zur Einreihung in die Arreftantenkompagnie auf dje Dauer vdn zwei Jahren verurtheilt. die übrigen 13 zu einjähriger Gefängnißstrafe. Allen Berurtheilten wurden außerdem sämmtliche Rechte aberkannt. ' : Kon Nah und Fern. — Professor Dr. H. Steinthal feiert am 1. November sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. — Der im Sommer verstorbene Geheime Rath Goldschmidt hat der Universität 1000 Mark für den Freitischfönds, 1000 Mark und die für ihn noch eingehenden gestundeten Honorare zu Gunsten der Hilfskasse und seine sehr werthvolle rechtsunb! staatswifsenschaftliche Bibliothek vermacht. — Am 21. d. Mts. begeht der Direktor des Physiologischen Instituts in Halle, Professor Dr. Julius Bernstein, sein 23 jähriges Jubiläum als ordentlicher Professor der Physiologie. Bernstein, am 8. Dezember 1839 in Berlin als der älteste Sohn von Aaron Bernstein geboren, wurde 1869 außerordentlicher Professor der Physiologie in Heidelberg, ging 1871 als solcher nach Berlin und wurde 1872 zum ordentlichen Professor der Physiologie an. der hiesigen Universität ernannt; er übernahm damit auch die Leitung des Physiologischen Instituts. Im Studienjahre 1890/91 bekleidete'er das Rektorat! der Universität Halle-Wittenberg. — Wie die „Antis. Korr." mittheilt, sind in der Zeit von 1890—1897 36 antisemitische Zeitungen gegründet worden, wovon 29 wieder eingegangen sind. Die übrig gebliebenen sieben lebten „auch nur unter vollständig veränderten Verhältnissen, zürn Theil unter anderen Namen, und an anderen Orten". Die „Antis. Korr." räth dringend von Neugründungen ab. — Bei der am 9. d. Mts. stattgehabten Abgeordnetenwahl zur sächsischen Zweiten Kammer haben die Antisemiten eine weitere Enttäuschung erfahren; Zweifelhaft waren, nach dem Ausfall-der Wahlmännerwahlen, der 10. ländliche und der 1. Chemnitzer Kreis.. In letzterem gaben die Sozialdemokraten den Ausschlag; sie hatten die Wähl zwischen einem Konservativen und einem Antisemiten, stimmten für Keinen von Beiden, und so siel der Antisemit durch. Die Antisemiten sind nunmehr aus dem sächsischen Landtag gänzlich verschwunden. — Der Kaiser von Oesterreich hat dem Pianisten Alfred Grün seid in Wien das Ritterkreuz des Franz- Joseph - Ordens verliehen. — Laut „Aften'posten" befinden sich jetzt ca. 600 Juden in Norwegen, davon 250 bis 300 in Christiania. Dieselben sind aus Dänemark und Deutschland eingewandert, auch aus Rußland und Polen. Die jüdische Einwanderung — welche ja lange Zeit in Norwegen ganz verboten war — soll in den letzten Jahren zugenommen haben, und Diejenigen, welche jetzt ankommen, „werden auch immer besser" — wie das genannte Blatt sich ausdrückt—, während die, welche früher ins Land kamen, in kultureller Beziehung nicht sonderlich hoch standen. — Eine neue jüdische Poliksinik (Jewish President Dispensary) wurde im Osten von London Eröffnet! Die Hauptanregung war der Umstand, daß ein großer Theil der armen Juden in Whitechapel sich bei den Aerzten der schon bestehendes Polikliniken nicht verständlich machen konnte. Die neue Poliklinik wird den Armen nun die große Wohlthat gewähren, daß sie ohne Hindernisse ärztliche Hilfe werden genießen können, denn das Aerzteperson^l muß so viele Sprachkennlniffe besitzen, daß diese Schwierigkeiten ausgeschlossen sind. — Das Testament des verstorbenen Barney Barnato hat ergeben, daß das Vermögen desselben eine Million Pfund b^rggt. Seine Frau, seine Tochter, seine beiden Söhne und andere Verwandten sind als Erben eingesetzt, und zwar erhielten die drei Kinder je 230000 Pfund, die von der Vormundschaft zu verwalten sind, seine Tochter Leah Primrose erhielt außerdem 25 090 Pfund. Seine Frau erht 5000 Pfund und erhält ein Jahresgeld von 10 000 Pfund. Sie erMt ferner alle Lebensversicherungspolieen, alle Einrichtungsgegenstänhe, Wagen, Pferde, Bilder, Silber, Porzellan rc. Die Tochter erhält die 250 000 Pfund an ihrem Hochzeitstage, die 25 000 Pfund am Tage ihrer Volljährigkeit. ' Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. 7 Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin. 1 61 - > < Wo Lehi Jüd Pro Lissc <3 In! Herz die dev Rel jeni und heh! sein tret beri und wel foni M-> erfo gehl Orc gele wir! fein: rath mm Rüc