Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- Seite 508 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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MW WWWWZ^UZWWWDWW WWW t M •' » 508 Ein Angriff auf drn Antisemitismus mit alten und neuen Waffen. Bon R. Landsberg. (Schluß.)v ^uch hinsichtlich der anderen nationalen Vorwürfe gegen die Juden findet sich in den Ausführungen von Leroy-Beaulieu nichts Neues. Er erkennt in der Abschließung der Juderr die natürliche Folge ihrer Ausschließung und klagt den Antisemitismus an, zur Kräftigung des Judenthums beigetragen zu haben. Er nimmt die Juden in Schutz gegen die Anklage des Kosmopolitismus, den er nur bei den zugewanderten Abenteurern von jenseits des Rheins zugiebt, und auch nicht ihnen allein Schuld giebt. Er warnt davor, den Vorwurf des Kosmopolitismus gegen die Juden zu erheben, da er auf den Katholizismus zurückfällt. „Wenn die Katholiken als7 Bürger von Herzen ihrem Vaterlande gehören, die Kirche ist kosmopolitisch, international oder, besser gesagt, superuational. Ich wage sogar zu behaupten, daß jede grqße Religion kosmopolitisch ist, und eine der Thatsachen, welche die Stärke und Ueberlegenheit des Katholizismus ausmachen, ist, daß er, wie schon sein Name sagt, vor allen Dingen eine universelle Kirche ist. Diesen universellen Charakter kann, man nicht leugnen, ohne zugleich den Namen eines Katholiken zu verleugnen. Wir können nicht bestreiten, daß die Geistlichkeit ihr Oberhaupt im Auslande hat, und daß die meisten großen religiösen Orden eine internationale Organisation haben." „Daher rührt es." fügt er weiter hinzu, „daß die gegen die Juden erhobenen Anklagen gar seltsam an die im 18. Jahrhundert und auch später gegen die Jesuiten geschleuderten Verdächtigungen gemahnen. Wenn Sie den Diskussionen des englsichen Parlaments über die Katholikenemanzipation zuhören, so werden Sie dort dieselben Argemunte gegen die Anhänger der römischen Kirche wie anderswo gegen die Emanzipation der Inden Vorbringen hören. Und sollten Sie jenseits des Ozeans den Versammlungen des amerikanischen Bundes zum Schutze gegen die römische Kirche beiwohnen, Sie würden an den Ufern des Hudson und des Mississippi denselben Anklagen und derselben Kampfesweise begegnen. Darum ist dieser schändliche Vorwurf des Kosmopolitismus eine jener zweischneidigen Waffen, welche die Freunde der religiösen Unabhängigkeit und des Katholizismus gar vorsichtig handhaben sollten, wofern sie sich nicht selbst verwunden wollen." Mit dieser eindringlichen Warnung beschließt Leroy-Beaulieu das Kapitel der nationalen Beschwerden gegen die Juden und wendet sich zu den wirtschaftlichen, „welche für den unbewußten Materialismus der Massen dte ganze Frage beherrschen." Auf diesem Gebiete sind die Angriffe gegen die Juden am heftigsten und am meisten verletzend. Sie werden Parasiten genannt, „weil sie mit Vorliebe Berufe ausüben, die, wie der des Maklers, Händlers, Bankiers, als schmarotzend gelten, weil sie gewöhnlich Zwischenhändler sind." Leroy-Beaulieu bezeugt zunächst, daß der Zwischenhandel weder entbehrlich noch an sich schädlich ist. Auch daß er einträglich und bequem ist, giebt er nicht zu. Wer nur körperliche Arbeit als ehrenwerth und produktiv gelten lassen wolle, müsse schließlich jede geistige Thätigkeit, auch die des Gelehrten, als geineinschädlich brandmarken. „Darin," so meint er, „begegnen sich die Antisemiten mit den Sozialisten, daß sie ihren schnöden „Blocktheorien" gemäß ganze Kategorien von Berufen, deren kein Land entrathen kann, schmarotzerisch schelten, nur daß für den Sozialdemokraten der Parasit nicht der Jude, sondern der Bürger überhaupt ist." Genau so verhalte es sich mit dem an die Geschäftstätigkeit der Juden geknüpften Vorwurf der Entartung. „Während die Anti^ semiten aus dem Panamäskandal folgerten, daß alle Juden bestochene und bestechliche Menschen seiei.i, haben die proletarischen Massen daraus geschloffen, daß alle Bürger Spitzbuben und der ganze Bürgerstand verrottet ist." Leroy-Beaulieu bestreitet dann nachdrücklich die Richtigkeit der Behauptung, daß die Juden zumeist diese schmarotzerisch gescholtenen Berufe ausfüllen und in überwiegender Zähl reiche Leute sind. „Nach der Art, wie ihre Feinde von ihnen sprechen, von ihren Reichthümern, ihrem Luxus, ihrem Einfluß in der Welt, wäre man in Versuchung, zu glauben, daß alle Juden millionenreiche Bankiers sind. Wenn man sich die Mühe nimmt, die Verhältniffe der Israeliten näher kennen zu lernen, so kann man nicht umhin, einzugestehen, daß sowohl in Frankreich wie im Auslande die meisten von ihnen sich nicht mit Geldgeschäften befassen, aus dem einfachen Grunde, weil die Zahl der Bankiers, sowohl der großenals der kleinen, in jedem Lande naturgemäß eine beschränkte ist, und daß nicht alle Finanziers, den gegenteiligen Behauptungen zum Trotz, Juden sind." Um zu beweisen, wie hinfällig die Ansicht von den großen Reichthümern der Juden ist, wie vielmehr gerade bei ihnen eine im Verhältniß zur Kopfzahl große Masse von Armen vorhanden ist, erinnert er an die traurige Lage der russischen Juden. „Ihre Entblößung von dem Nötigsten ist oft derart, daß ein Besuch gewisser jüdischer Stadttheile das Herz unserer wüthendsten Antisemiten beklemmen würde." Er mahnt ferner daran, daß gerade diese armen Juden des Ostens, die in der Heimath meistens durch die Arbeit ihrer Hände als Schneider und Schuhmacher ihr erbärmliches Dasein fristen, ihre Noth und ihr Elend nach England und über das Weltmeer nach Amerika geschleppt haben. „Dieim East-End und in Whitechapel wimmelnde zerlumpte Bevölkerung besteht zumeist aus Juden. Unter all den Elenden dieser Gegenden sind die Söhne Jakobs die Elendesten. Das Sweating-System (Ausbeute-System) wird hauptsächlich auf Kosten der Juden geübt. Daß viele dieser Ausbeuter Juden sind, ist zwar richtig, aber das. beweist nur, haß sich die Juden im Kampf ums Dasein kein Gewissen daraus machen, ihre Mitbrüder auszubeuten, daß sie nicht besser sind als die Christen, daß die vielbesprochene jüdische Solidarität sich nicht bewährt." Ja, in London und in New-Aork hat sich gerade infolge der kläglichen Armuth der Juden eine besondere Art von Antisemitismus gebildet. Nicht, daß sie die einträglichen Berufe monopolisiren, wirft mau ihnen vor, sondern im Gegenteil, daß sie „die Standard of life, die Lebenshaltung des Arbeiters, herabdrttcken, daß sie die Löhne schmälern, indem sie sich mit einer geringeren Bezahlung begnügen." Solchen Thatsachen gegenüber hält sich Leroy-Beaulieu nicht länger ^verpflichtet, die Behauptung der Antisemiten zu widerlegen, daß die Juden eine angeborene Anlage haben, sich rasch und mühelos fremde Reichthttmer anzueignen, sondern er begnügt sich damit, zu untersuchen, welche Umstände den Juden im Handel und speziell in Geldgeschäften eine so große Gewandtheit verschafft haben. Wenn die Juden, die in Palästina vor der Vertreibung ein ackerbauendes Volk waren, jetzt weder im Westen noch im Osten Europas als Bauern leben, so liegt das daran, daß sie durch Zwang zu Städtern gemacht, auf städtische Gewerbe beschränkt worden sind: So ganz ist der Jude dem Bodenbau eiitfrembet worden, daß er auf dem Lande höchstens als Roßtäuscher. Schänkwirth oder Hausirer sich ernähren kann, und daß die Versuche, die Juden wieder zu Bauern zu machen — wie sie beispielsweise Baron Hirsch unternommen — ein zwar sehr löbliches, aber nicht allzu aussichtsvolles Unternehmen sind. Die Geschicklichkeit in Geldgeschäften aber verdanken sie den christlichen Gesetzen des Mittelalters. Jahrhunderte lang, war den Ehri Judi wir ande für i Besä Fähil weist den t hältn und um spiele dem urthe einigt Silbe so sto zahlre Sie besitze ersten der (ä allzu begab fahre) Engst spruck ein c Frani Protes <- vcräch Börse Jude, Klage erfolg alter barer Antisi Er v« ebenst 5 sucht Talm daß t gabt setze f ihm e empöi oder erklär mich Spitz