Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1897)
- Date
- 1897-10-22
- Page
- Seite 507 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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507 V istav! die des ltion lsien, d sie tzlich ren, eitet, inem ionslande unihre daß rgeneiner nternden und derrnden i der Ziens leider laben und an- )ings mische h ist. eine rtikel ugen von urige jener t die ilend man ngseinden ihre die seine mter >eren t, in i in Mittel- und Westeuropa ist der Antisemitismus in ununterbrochenem Vorrücken begriffen. In Amerika breitet er sich unter der Oberfläche rapide ans, und selbst in England ist er heute schon nicht mehr wegzuleugnen. So argen Verhältnissen gegenüber ist die Kolonisation, sei es Palästinas, sei es Argentiniens, ein Tropfen auf den heißen Stein, nach Whites Auffaffung; auch die Kraft einer einzelnen Großmacht reicht nicht auch nur zur partiellen Lösung der Judenfrage aus. nur alle Großmächte können einen Versuch machen, die Frage in ihrer Gesammtheit zu lösen. White plädirt dafür, daß England die Initiative ergreift, einen Kongreß der Großmächte einberuft und die Judenfrage auf die Tagesordnung stellt. Dieser Vorschlag wie die gesammten Ausführungen des bekannten Vertrauensmannes des Baron Hirsch erregen berechtigtes Aufsehen. * In der letzten Sitzung der Anglo Jewish Association gelangten die Briefe zur Verlesung, welche das Auswärtige Amt an die Gesellschaft in der Angelegenheit der persischen Juden gerichtet hatte. In dem ersten, vom 26. Mai datirten, theilt der englische Gesandte in Persien mit, daß am 14. Mai abermals heftige Judenexzesse stattgefunden hätten, und die Juden heftig angegriffen, geschlagen und mißhandelt wurden. Der Gesandte wandte sich an Said Abdullah, einen der einflußreichsten Geistlichen in Teheran, und dessen Einfluß gelang es. die Krawalle zu beendigen. In einem zweiten Briefe vom 24. September berichtet das Auswärtige Amt, daß nach dem Bericht des englischen Konsuls in Jspahan die Juden in dieser Stadt Anfangs September auf das Heftigste bedroht wurden. Sobald sie sich auf der Straße sehen ließen, wurden sie bedroht, ihnen ihre Habe weggenommen und Viele geschlagen. Der Rädelsführer der Muhamedaner war ein gewisser Agha Nedjify. Der englische Gesandte Mr. Hardinge wandte sich an das persische Ministerium des Auswärtigen und erhielt von dem Großvezier die Zusicherung, daß die strengsten Anweisungen an den Gouverneur von Jspahan ergangen seien, den Zusammenrottungen ein Ende zu machen. Zur größeren Sicherheit wandte sich aber Mr. Hardinge auch an Scheik Abdullah, einen Mollah von großem Einflüsse, um ihn zu bitten, auch seinerseits seine ganze Kraft daran zu setzen, daß die Juden nicht ferner belästigt würden. Da er auch von diesem die gewünschte Zusicherung erhielt, so hofft Mr. Hardinge, daß die Exzesse endgiltig beseitigt sein werden. Aber die ganzen Vorgänge charakterisiren die traurige, prekäre Situation der Persischen Juden zur Genüge. Aum 100 jährigen Todestag des Elia Mitna. Von Albert Katz. er fünfte Tag des Laubhüttenfestes, der 19. Tischri d. I., war der Todestag eines Mannes, dessen Name von einem großen Theil des jüdischen Volkes noch immer mit Stolz und Ehrfurcht genannt wird: Ich meine den Wilnaer Gaon oder, wie Grätz ihn einfach nannte: Elia Wilna. Freilich in Westeuropa, auf dem Markte des kulturellen Lebens, ist dieser Name wenig bekannt, haben die Söhne und Töchter Israels kaum irgend welche Kunde von.dem Leben und Wirken dieses Geisteshelden erhalten, allein unter der großen jüdischen Masse des Ostens, wo die talmudische Wissenschaft noch hoch im Kurse steht, bildet der. Name des Wilnaer Gaon noch bis auf den heutigen Tag ein Programm. Elia Wilna (geboren 1720, gestorben 1797) war einer jener alten Lehrer in Israel, die ihre Gelehrsamkeit weder als Krone gebrauchten, um sich damit zu schmücken, noch als Spaten, um damit zu graben. Er hatte ein schlichtes und einfaches Wesen, und schlicht und einfach war auch seine ganze Geistesthätigkeit. Ein Feind aller Spitzfindigkeiten und Haarspaltereien, war er von seiner frühesten Jugend an bestrebt, in das talmudische Studium System und Methode hineinzubringen. Der Talmud sollte nicht ein Spekulationsfeld für überkluge Köpfe, sondern Gemeingut der jüdischen Gesammtheit sein. Er verscheuchte daher den pilpulistischen Geist aus den Talmudschulen und verwies die Jünger auf die Lebensquelle der Bibel, ohne deren Kenntniß sich Niemand an das Talmudstudium wagen dürfe. „Er bemühte sich," — wie Grätz ihn richtig charakterisirt — „in den einfachen Sinn des Talmudtextes einzudringen, machte auch einen Ansatz zur Prüfung und Vergleichung der Lesearten und blies solchergestalt durch die Ermittelung eines sinngemäßen Wortes in dem verdorbenen Texte die Kartenhäuser um, welche die Talmudbeflissenen in ihrer Sucht nach Klügelei auf Flugsand .aufgebaut hatten." Auch begnügte sich Elia Wilna nicht mit dem Talmudstudium allein, sein nach Wissen und Erkenntniß dürstender Geist befaßte sich auch mit andern Wissenschaften, in deren Pflege er, im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen, keinen Verstoß gegen die Satzungen des Judenthums erblickte. Er befaßte sich mit Mathematik und schrieb ein Buch über Raumlehre, Algebra und mathematische Astronomie, ein Unterfangen, das einem Anderen an seiner Stelle zur damaligen Zeit Ruhe und Frieden gekostet und an den Pranger gebracht hätte. Daß die Finsterlinge mit ihrem Ketzergericht sich an ihn nicht heranwagten, beweist, welche große Autorität er genoß, und wie makellos sein Lebenswandel war. Der Ruf des Wilnaer Gaon drang auch bis zu den Inden der entferntesten Länder, und ganz Israel war stolz auf diesen seinen Lehrer, der, wie einst der Prophet Elia, für Gott und seine Lehre eiferte. Ja, er eiferte für Gott und seine Lehre und kannte in seinem Eifer für die Beseitigung aller trüben Schatten, die das helle Licht des Judenthums zu verdunkeln drohten, keine Grenze, keine Schonung und keine Milde. Ihm war die Lehre in ihrer Reinheit ein unantastbares Erbe der Gemeinde Jakobs, und in gleichem Maße, wie er die spekulativen Haarspaltereien der Pilpulisten bekämpfte, führte er auch einen erbitterten Kampf gegen die Ehassidim und ihre Wortführer, in deren Lehre und Lebensführung er mit Recht oder Unrecht eine große Gefahr für den Fortbestand des rabbinischen Judenthüms erblickte. Man mag diesen seinen Kampf, besonders gegen den ihm ebenbürtigen. ja vielleicht ihm überlegenen Rabbi Schneor Salman von Liadia, das Oberhaupt'jener Ehassidim, deren Lehrsystem auf Weisheit. Vernunft und Erkenntniß" ('T2"rO beruht, gut heißen oder nicht, so ist doch das Eine gewiß: Elia Wilna hat viel, unendlich viel zur Fortentwickelung des Talmudstndiums beigeiragen, und seine Anhänger und Verehrer übertreiben nicht, wenn sie von ihm behaupten: Er habe, wie einst der Schriftgelehrte Esra, den Juden von Neuem die Thora richtig erklärt, „deutlich, mit Hiueinlegung des Sinnes und Erläuterung der Schristverse". Ehre auch ferner seinem Andenken! mm