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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-15 · Heft 42 (15.10.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 42 (15.10.1897)
Date
1897-10-15
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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61. Jahrgang. Wr. 42. fierltn, 16. Oktober 1897, Weitage zur „Attgemeinen Zeitung öes IuöenkHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 10. Oktober. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung verlief ziemlich ruhig und geschäftsmäßig. Handelte es sich doch hauptsächlich um Rechnungsabschlüsse oder um Vorlagen, die bereits in früheren Sitzungen Stoff genug zu erregten Debatten gegeben hatten. Nach Erledigung mehrerer geschäftlicher Präliminarien kam die Vorlage betr. die Satzungen der Kommission für die Friedhofsangelegenheiten, die die Versammlung schon so oft beschäftigt, wieder auf die Tagesordnung, um diesmal endlich ihre Erledigung zu finden. Nur ein Paragraph der Vorlage, ob nämlich bei etwaiger Abänderung der Satzungen die Kommission selbst mitzub^rathen habe, rief noch eine kleine Debatte hervor. Schließlich aber wurde sowohl dieser Paragraph wie die ganzen Satzungen nach Befürwortung durch den Berichterstatter, Herrn Rechtsanwalt Apolant, nach der Vorlage des Vorstandes genehmigt. Dagegen wurde Punkt II der Tagesordnung, die Vorlage betr. die Satzungen für das Waisenhaus in Pankow, abermals vertagt. Punkt III, Rechnungsabschlüsse von Spezialverwaltungen, füllte den Haupttheil der ganzen Sitzung aus. Den Bericht für die Waisen-Kommission erstattete Direktor Isidor Sachs; dieselbe hatte einen Mehrverbrauch von 445,42 Mark. Die Armen- Kommission schloß mit einem Minderverbrauch von 6222,20 Mark. Dieser erklärt sich daraus, daß beoeutende Zuwendungen ganz am Schluffe des Jahres noch eingegangen, und daß in das vergangene Berichtsjahr kein Pessachfest gefallen. Den Bericht erstattete Herr M. I. Bodenstein, während Herr G. Löwenberg denselben nach verschiedenen Richtungen erläuterte. Das Reichenheim'sche Waisenhaus schließt mit einem Minderverbrauch von 6010,71 Mark ab. Auch dieser Bericht wurde von Herrn Bodenstein erstattet. Tie Koscherfleisch- Berwaltung, Namens welcher Herr Isidor Sachs referirte, hatte eine Minderausgabe von 2097,53 Mark. Eine längere Debatte entspann sich nur über den Bericht des Krankenhauses, das mit einem Minderverbrauch von 8t7 Mark abschließt. Professor Baginsky, der Referent, ließ in seinem ausführlichen Bericht zunächst der Verwaltung uneingeschränktes Lob zutheil werden, namentlich weil sie durch rechtzeitige Abschlüsse für Lebensmittel den Satz für die Verpflegung sehr billig herzustellen verstanden hat. Die Sterblichkeitsziffer belief sich in der inneren Station auf 15 pCt., in der äußeren auf 8^ pCt. Im Ganzen wurden verpflegt innerhalb des Berichtsjahres 1534 Kranke, davon 54,16 pCt. — also mehr als die Hälfte — unentgeltlich. Dagegen stehe das Krankenhaus infolge seiner räumlichen Verhältnisse nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Inwieweit hierin eine Aenderung eintreten könne, werde Sache späterer Erwägung sein müssen. An der Debatte betheiligten sich die Herren L. Sachs, Professor Lewin und Moritz Manheimer. In dieser Debatte wurde u. a. auch die Frage, ob eine Erweiterung des Krankenhauses auf dem jetzigen Platze oder eine Verlegung nach einer mehr peripherisch gelegenen Gegend vorzuziehen sei, gestreift. Ebenso die Frage, ob das pneumatische Kabinet beizubehalten oder aufzuheben sei. Schließlich wurde der Bericht genehmigt und zugleich beschlossen, an den Vorstand das Ersuchen zu richten, die Verhältnisse des Krankenhauses durch eine gemischte Kommission beralhen zu lassen. Der Bericht des Hospitals, der sich nur auf zwei Monate (Februar und März) erstrecken konnte, wurde vom Sanitätsrath Dr. Jastrowitz erstattet und erhielt gleichfalls Decharge. Ebenso der Bericht der Schulverwaltung, über die Herr L. Sieskind referirte. Eine Mehrbewilligung von 1879 Mark für das Talmud-Thora-Jnstitut und von 64,63 Mark für die Präparandenklasse wurde genehmigt. Auch dem Bericht über die Alters Versorgungsanstalt, die mit einem Ueberschuß von 4552 Mark abschließt, wurde die Decharge ertheilt. Hierbei entspann sich eine kurze Debatte über die Frage der Buchung einiger der Anstalt gehörigen Synagogenplätze zwischen den Herren Sieskind und Manheimer. Es kamen noch zwei dringliche Vorlagen, die nicht auf der Tagesordnung gestanden, zur Verabschiedung, nämlich die Subvention für den Religionsverein Oranienburger Vorstadt, der im Berichtsjahr erhöhte Ausgaben gehabt hatte, mit 2200 Mark und für den Israelitischen Religionsverein in Steglitz mit 600 Mark. Damit war die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erledigt. In der geheimen Sitzung wurden die Vorlagen, betr. die Verlängerung der Anstellung einiger Kantoren und Organisten, nach den diesbezüglichen Vorschlägen angenommen. ^2 Berlin, 10. Oktober. Wie wir bereits früher mitgetheilt, haben Vorstand und Repräsentanz der jüdischen Gemeinde beschlossen, den Jahresbeitrag zum Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, in Anbetracht von dessen gemeinnützigem Wirken um die Sache der deutschen Judenheit, von 600 auf 2000 Mark zu erhöhen. Es wäre zu wünschen, daß andere deutsche Gemeinden diesem löblichen Beispiele im Verhältnisse ihrer Mittel Nachfolge gäben, und daß diejenigen Gemeinden, die dem Bunde noch nicht angehören, ihm nunmehr ihre moralische und materielle Unterstützung widmeten. Die schon durch die Statuten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes gewährleistete Parteilosigkeit desselben in allen kulturellen und rituellen Rücksichten wird durch die Thatsache erhärtet, daß auch die konservative Gemeinde Halberstadt sich jetzt bewogen gefunden hat, dem Bunde beizutreten. — In diesen Tagen versendet das Büreau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an sämmtliche Vorstände jüdischer Gemeinden Frageblätter für die 13. Auflage des im April künftigen Jahres erscheinenden „Statistischen Jahrbuchs für 1898". Auf Wunsch bewährter Mitarbeiter haben folgende Fragen zum ersten Male Aufnahme gefunden: Welche Gemeindebeamten sind definitiv angestellt? Wie hoch beläuft sich Ihr Gemeindeetat in Einnahme und Ausgabe? Welcher Betrag kommt jährlich im Durchschnitt durch indirekte Gemeindesteuern ein? Wenn auf diese Fragen eine ausreichende Zahl von Antworten eingeht, so ist zu erwarten, daß die Neuauflage ein interessantes Bild von der Lage des Gemeindewesens und seiner Beamten bieten wird, das auch praktisch von großem Nutzen sein wird. Es ist darum lebhaft zu wünschen, daß die geschätzten Vorstände beziehungsweise die Gemeindebüreaus in eigenem Interesse die Anstrengungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes durch sorgfältige und baldige Beantwortung der Frageblätter belohnen mögen. L2 Berlin, 13. Oktober. Der Vorstand des Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens versendet an alle hiesigen Vereine das folgende Rundschreiben, das wir der allgemeinen Beherzigung wärmstens empfehlen: „Die ergebenst Unterzeichneten wenden sich vertrauensvoll an die geehrten Vorstände der jüdischen Vereine mit der höflichen Bitte, Nachstehendes im Kreise Ihrer Mitglieder cirkuliren zu lassen, nachdem Sie von dem Inhalt Kenntniß genommen haben. Mehr und mehr wird Klage geführt, daß der jüdische Handwerker seinen erlernten Beruf fallen lassen muß, um durch Handel seinen und seiner Familie Unterhalt zu bestreiten. Worin liegt die Ursache, daß der jüdische Handwerker nicht als solcher bleiben kann? — und wodurch ist das Uebel zu beseitigen? — Hier die Antwort! Leider herrscht gegen den jüdischen Handwerker ungerechterweise ein Vorurtheil, welches selbst die Mehrzahl unserer Glaubensgenossen sichtlich zu erkennen giebt, indem sie dem jüdischen Handwerker die Fähigkeit seines Handwerks abspricht und lieber einen Nichtjuden bei Vergebung von Arbeiten bedenkt. Ist es da ein Wunder, daß schließlich unsere Glaubensgenossen gezwungen sind, das Handwerk von sich zu stoßen und dem Handel (welcher den Juden zum Vorwurf gemacht wird: „sie handeln, um nicht arbeiten zu müssen") sich zuzuivenden? Sollte es daher nicht unsere Aufgabe sein, den jüdischen Handwerksmeister vor diesem Vorwurf zu schützen? Wir richten daher die Bitte an alle

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