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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-15 · Heft 42 (15.10.1897) · p. Seite 504

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 42 (15.10.1897)
Date
1897-10-15
Page
Seite 504 (sequence 12)
Language
German
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504 Gestalt und Ansehen, und der Vornehmste trug ein Kissen von Goldstoff, und darauf lag, mit Goldfäden sorgfältig umwunden, ein Brief, verschlossen mit königlichem Wappen. Die Crethi und Pelethi, die treuen Leibwachen des Königs von Juda, stolz einherreitend auf schnellfüßigen Roffen, führten den glänzenden Zug in die Burg Davids ein. Unterdessen hatte sich, heraufströmend aus der Stadt, unendlich viel Volk versanunelt, die Pracht mit anzusehen. 'Bon ihnen erfuhr nun Nathanaja, daß es eine Gesandtschaft sei, Berodachs Baladon ben Baladon, des mächtigen und gewaltigen Königs von Babylon, die da komme, um dem Könige Hiskijahu zu seiner Genesung Glück zu wünschen und ihm Briefe und Geschenke des großen Herrschers zu bringen. Die Jüngeren im Volke freuten sich des Glanzes ihres Königs, aber die Alten sprachen: Wenn die Könige Gesandtschaften empfangen, so haben sie keine Zeit, die Klage des Unglücklichen zu hören. Tief schnitt das Nathanaja durchs Herz, denn ihr Vertrauen beruhte ja nächst Gott nur auf dem Könige, dem keiner seiner Vorfahren an Gottesfurcht glich. Sie wandte sich an die Wächter und begehrte den König zu sprechen, beim sie gedachte, ihm sogleich das Unrecht zu klagen, das dem unglücklichen Benoni widerfahren war. Aber die Thürsteher lachten und sprachen: „Glaubst Du, der König werde die babylonischen Gesandten entlassen, denen er jetzt eben die Schätze seines Palastes zeigt, sein Silber, sein Gold, seine Edelsteine und seine Gewürze, seine Rüstkammer und alles Herrliche, worüber er gebietet, um die Klagen einer niederen Magd anzuhören? Geh, in den kommenden sieben Tagen darf Niemand vor den König." Eine unbeschützte Fremde, weit entfernt vom Mutterhause,' einsam, unbekannt in der großen Gotte^-stadt, sollte sie nun noch länger hier bleiben, weil jetzt der König, der sonst so gottesfürchtige, liebevolle, kein Ohr für das Klagegeschrei der Unterdrückten hatte. Jetzt, zum ersten Male ward ihr bang, und thrünenden Auges stieg sie die tiefe Querschlucht hinab. Dort eilte sie vorüber an den Gräbern der Könige, die in ihren unterirdischen, prachtvoll in Felsen ausgehauenen Gemächern im ewigen Schlafe des Todes ruhten. Thränen der Bangigkeit und der Wehmuth strömten über die Wangen der Jungfrau, und jenseits des Königsgartens sank sie nieder bei der lebendigen Quelle Siloa, die die Gottesstadt tränkt, und mischte ihre Thränen mit dem Wasser, das aus dem Kalksteinfelsen quoll. (Schluß folgt.) •Amt Litterarische Mittheilungen. Löwenstein, Dr. med. Ludwig. Die Beschneidung im Lichte der heutigen medizinischen Wissenschafr mit Berücksichtigung ihrer geschichtlichen und unter Würdigung ihrer religiösen Bedeutung (S.-A., 75 S.), Trier 1897, Kommissionsverlag von Heinr. Stephanus. Wenn die Beschneidung als ritueller Brauch, welcher die gemeinsame religiöse Abstammung der Juden bedeutet, erhalten bleiben soll, so ist es unbedingte Nothwendigkeit, daß selbe als Operation jeglicher Gefahr für das Leben und die Gesundheit des Kindes entbehre. Abgesehen von den tragischen Folgen im Familienkreise selber, kann ein einziger Unglücksfall viele rechtliche und gläubige Juden davon abhalten, ihren neugeborenen Sohn einer Operation unterziehen zu lassen, welche demselben Schaden an Leben und Gesundheit bringen, und ohne welche er schließlich — nach ihrer Meinung — auch ein braver Jude werden kann, falls er nur danach erzogen wird. Auch das Gesetz, für welches die Beschneidung eine Luxusoperation bedeutet, denn Niemand kann hierzu gezwungen. Niemand hiervon abgehalten werden, ohne vor dem Gesetze als Jude zu gelten oder nicht, fordert es, daß hierbei jede Gefahr ausgeschlossen sei, und verfolgt den Schuldigen, falls eine Schuld nachweisbar ist. Dr. Lörvenstein in Trier hat in einem lesenswerthen Essay über die anzustrebenden Reformen der Circumcision sehr empfehlenswerte Vorschläge gemacht, und es ist nur zu begrüßen, wenn von ärztlicher Seite diese Operation, deren chirurgische Bedeutung in den meisten Fällen nicht so sehr in der Schwere des Eingriffes als vielmehr darin besteht, daß das Operationsobjekt ein zartes, achttägiges Geschöpf ist, einem Studium und einer Reform unterzogen wird. Die Vorbildung der Mohelim ist auch bei uns in Oesterreich eine ganz ungenügende, die von den Laien geübte Methode, welche traditionell von einem Mohel auf den anderen übergeht, entspricht ganz und gar nicht den modernen chirurgischen Ansprüchen, die hierbei vorgenommene sogenannte Mezizah birgt bedeutende Gefahren in sich, die Behandlung der frischen Wunde resp. die Blutstillung und erster Verband geschehen noch immer in primitivster Weise und sind daher nicht gefahrlos, es ist daher nothwendig, wenn der Mohel, dessen religiöse Qualifikation dem Theologen unbenommen bleibe, von autoritativ ärzlicher Seite zur Vornahme der Beschneidungen zugelassen wird, wobei es sich aber stets empfehlen würde, daß, wo die Operation nicht von einem Arzte selbst vorgenommen wird, wenigstens ein Arzt hierbei anwesend sei, und dieser kann ja schließlich andersgläubig sein. Daß die Methode dann entsprechend modifizirr wird, daß sie bei den Laien-Mohelim eine einheitliche, typische sei, ist dann selbstredend, wobei es natürlich einem Arzt unbenommen bleibt, bei den von ihm selbst ausgeführten Circumcisionen Modifikationen eintreten zu lassen, sei es, um die Operation rasch zu machen (darauf hält, wie sich Referent sehr häufig überzeugt hat, das Publikum sehr viel), sei es, um den Gebrauch mehrerer Instrumente zu vermeiden, denn speziell der Naht, wie sie Dr. Löwenstein vorschlägt, hat Referent in zahlreichen Circumcisionen, die er gemacht, nie benöthigt und unter strengster Berücksichtigung der Antiseptik eine glatte, rasche Heilung erzielt. Die überaus interessanten historischen und theologischen Details, bei welchen der Referent auf den Originalauffatz verweisen muß, machen letzteren zu einer anregenden, interessanten Lektüre, welche Allen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, Aerzten und Theologen, aufs Beste empfohlen werden kann. Karlsbad, im Oktober. Dr. med. Klemperer. * Sprerhsaat. Löbliche Redaktion! f ezugnehmend auf die Bemerkung über das Wort u. s. w., die in der letzten Nummer (vom 16. d. M.) Ihrer geschätzten Zeitung erschien, erlaube ich mir, in gedrängter Kürze hier Folgendes zu ergänzen. bedeutet im Aramäischen „Licht", siehe Aruch zur Stelle. Der Gebrauch, vor dem Worte KJflty das Wort ‘17^ vorzusetzen, sollte blos die Uebersetzung des letzteren aramäischen Wortes anzeigen. Die Anwendung des Tü'Dfo für diesen bei den deutschen Juden eingebürgerten Eigennamen mit: E^^E, oder: ^E^E entstand aus dem mythologischen Namen <P,nß/]ioq, welches Wort Dr. Karl Ernst Georges in seinem lateinischen Wurzelwörterbuche folgendermaßen erklärt: Zum Phöbus oder Apollo gehörig rc. re., der Sonne u. s. w. Mithin haben die Worte W\yp und E^E^E die gleiche Bedeutung. Die Veränderung der Endsilben in den Worten ^E^E ETE^S kommen auch bei dem pßlEJE von PtTliT vor als ^e^ tÜTE’’*? E^- Warum die deutschen Juden aber dem Namen EtEllT den KJHtP nilEÖ gaben, hat seine geschichtliche Unterlage in den Worten der Schrift: dTT ,122^2 Josua 10, 12. Budapest, den 21. September 1897. Kaim Pollak. £ der Korr. Berlin in Nr. 41 über den Jugendgottesdienst hat sich ein „sinnentstellender" Schreibfehler eingeschlichen. Es muß statt „hat gewährt" heißen „war unterbrochen"! Der Jugendgottesdienst an den Hauptfesten wurde in der Reform in den Jahren 1886 bis 1892 und 1896 sowie 1897 abgehalten. Nur von 1893 bis 1895 war er unterbrochen,, weil durch den neu eingerichteten Filialgottesdienst im Bechsteinsaal die Kräfte absorbirt waren. Ihr ergebener G. M. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Vauchrvitz in Berlin.

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