Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- Seite 502 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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bot zurückzu führen, die Gottheit oder Göttliches sich unter irgend einem Bilde .vorzustellen (2. M. 20,4,5. M. 4,17—19, 27,15 u. ct. n. O.). Unter den Juden fand sich darum auch in früheren Jahren im Allgemeinen wenig Sinn für die bildenden Künste, wozu ja die heilige Geschichte so reichlichen Stoff bietet. Dieser ist denn auch von nichtjüdischen Malern und Bildhauern gehörig ausgebeulet worden, und erst der neueren Zeit gehört das Bestreben auch jüdischer Künstler an, religiöse Gegenstände und Szenen ans der Bibel malerisch und plastisch zu gestalten. Das Fehlen eines allgemein anerkannten Symbols für das Judenthum scheint übrigens doch unter seinen Bekennern als ein Mangel empfunden zu sein, dem abzuhelfen man verschiedenen Versuchen begegnet. So sieht man häufig z. B. über dem Hauptportale einer Synagoge eine hellstrahlende Sonne oder die zwei Bundestafelu, um die Bestimmung des gottgeweihten Hauses anzudeuteiü Sehr häufig findet man zu diesem Zwecke auch eine Figur verwendet, die unter dem Namen Magen Dawid -Davidsschild bekannt ist. Es besteht diese sinnbildliche Figur aus zwei ineinander geschobenen Dreiecken, von deren Spitzen die eine nach oben, die andere nach unten gekehrt ist. Der Davidsschild soll indischen oder persischen Ursprungs sein. Bei den Indern würde nämlich Wischnu, der Gott des Guten, in einem Dreieck angedeutet, dessen Spitze nach oben wies, wie das Gute nach dem Himmel strebt, Schiwa aber, der Gott des Bösen, in einem Dreieck, welches mit dev Spitze nach unten deutet, auf Untergang und Vernichtung. Es gab aber Sekten und Genossenschaften, die beides Sinnbilder mit einander verschmolzen und so das Gute wie das Böse durch ein gemeinsames Symbol darstellten. Nach der Lehre Zoroasters bekämpfen sich zwar unablässig das Licht und-die Finsterniß; aus diesem Kampfe aber wird schließlich >das Licht als Sieger hervorgehen. Wie aus Persien sich so manches in das Judenthum hiuübergezogen hat, so mag auch das obige schöne Bild aus Persien auf uns gekommen sein, wo es in der Lehre der Propheten und in den Volksanschauungen für sein Verständniß fruchtbaren Boden gefunden hat.' So lehrt schon der Prophet Jesaia (45, 7): — „Ich mache das Licht und schaffe die Finsterniß; ich gebe den Frieden und schaffe das Uebel." — „Kommt nicht aus des Höchsten Munde das Böse und das Gute?" sagt Jeremia in den Klageliedern (3, 38), und in unseren täglichen Gebeten preisen wir Gott (in Anlehnung an die oben angeführte Stelle aus Jesaia) jozer or uworä choscliacli, „der das Licht bildet und die Finsterniß schafft". -1 I—I ----1 1-1 ÜÜH 1 i FEUILLETON 1 I 1 pyaHMinnnitui). -1 i—, |-----:-1 I-1 1- Nathanapr. Eine altjüdische Novelle von Carl Weil. (Fortsetzung.) ührend war es zu sehen, wie die Bewohner Jerusalems die fremden Brüder empfingen. Kaum wurde. es bekannt in der Stadt, daß die Erstlinge eingebracht würden, da schloß freiwillig der Kaufmann den blinkenden Laden, der Handwerker die ruhige. Werkstätte, um hinzugehen und die Brüder zu empfangen. Die Fenster der Häuser füllten sich, und die Straßen wurden lebhaft, und ^WWGWMWUMWMWWWMWWZW^KWW^MWWWWWBM 502' —— als der Zug herbeikanfi da rief man den Fremden von allen Seiten die Worte zu: „Willkommen, ihr Brüder,- Gottes Segen über Euch!" Fort ging es unter Schall der Zimbeln und Posaunen dem Tempelberge zu. Unkerdeffen hatten sich die Einwohner Jerusalems zerstreut, und dieser den einen, jener den anderen Fremden eingeladen, das Wochenfest'in seinem Hause zuzubriugen. Der Zug näherte sich dem Tempelberge, da nahmen die Eigenthümer, selbst wenn sie aus königlichem Geschlechte waren, die. Körbe von den Wagen, luden sie auf die Schulter und bestiegen den Berg unter Gesang : . „Halleluja! Lobet Gott in seinem Heiligthume, Lobet ihn in seiner Allmacht Feste! Lobet ihn in seinen Wunderthaten, Nach seiner großen Herrlichkeit! Lobet ihn mit Posaunentönen! Lobet ihn mit Harf' und Psalter! Lobet ihn mit Pauk' und Reigen, Mit Saitenspiel und Flöten! Lobet ihn mit hellem Zimbelklange, Mit schmetterndem Getös' der Zimbeln! Lobet den Ew'gen, was nur Odem hat, Halleluja! y Als sie sich aber dem äußeren Vorhof nahten, da verstummte plötzlich der Gesang aus Ehrfurcht vor Gottes Nähe, aber dagegen schallte von dem Tempel her der bewillkommnende Gesang der Priester und Leviten, die den frommen Brüdern zu Liebe den heiligen Gesang, den David einst dichtete bei der Einweihung des Altars, anstimmten. Die Leviten: „Ich will dich. Ewiger, erheben. Daß du mich aus der Tiefe hast gezogen. Daß meine Feinde sich nicht freuen über mich. Die ihr ihn -liebt, lobsingt dem Herrn, Rühmet seinen heil'gen Namen!" Die Opfernden: „Die ihr ihn liebt, lobsingt dem Herrn, Rühmet seinen heil'gen Namen!" Die Leviten: „Sein Zorn währt einen Augenblick, Doch seine Huld fürs Leben. Des Abends kehrt das Weinen ein. Des Morgens Jubelsang. Mit Ehrfurcht sing' ich dir, o Gott, Mein Lied, es endigt nie.! Drum dank' ich auch, o Herr, mein Gott, Auf ewig, ewig dir!" Die Opfernden: „Wir danken dir, o Herr, o Gott," Auf ewig, ewig dir." Die Leviten: Unsrer denk', o Ew'ger, segnend! Segne, Gott, Israels Haus; Segne deine heil'gen Priester, Segne alle, die dich ehren! Segne alle, groß und klein! Mehre Euch Jehova alle. Euch sowohl wie Eure Kinder. Gesegnet seid Ihr dem Jehova, Der Erd und Himmel schuf! Die Todten preisen nicht den Herrn, Nicht die zur Hölle fahren; Wir aber, wir, wir preisen Iah, Von jetzt an bis in Ewigkeit, Halleluja! h Der letzte Psalm.