Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1897)
- Date
- 1897-10-15
- Page
- Seite 496 (sequence 4)
- Language
- German
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496 schon, daß sie recht vollständig gemacht werde. Eine Beleuchtung der Ergebnisse der Berufszählung in Deutschland ist daher schon lehrreich, wenn auch freilich der sehr wünschenswerthe Vergleich mit den Verhältnissen der Juden in anderen Ländern ausfallen muß. Manches alte Vorurtheil kann dadurch beseitigt werden. Kommen wir zur Sache. Die Berufszählung vom 14. Juni 189g> hat folgende Tabelle: Erwerbsthätige waren im Hauptberuf: Christen Bekenner anderer A. ■ Landwirthschaft, Gärtnerei u. Thier- Evangelische Katholische Andere Israeliten Religionen zucht. Forstwirthschast und Fischerei 4703752 3566588 18455 3371 , 526 ~ L. Bergbau u. Hütten- . wesen, Industrie u. Bauwesen .... 5344497 2862491 25753 45993 2486 C. Handel und Verkehr 1538397 659684 5975 133461 1004 ' v. Häuslicher Dienst (einschließlich per- , iönliche Bedienung), aucy rwynaroen wechselnder Art . . 297333 133375 - 836 889 58 L. Militär-, Hof-, büraerlicheru. kirchlicher Dienst, auch sogenannte freie Berufsarten ...... 748808 458951 3138 14641 423 F. Ohne. Beruf u. Berufsangabe. . . - 1369946 726605 5661 39870 726 6. Gesinde für häuslichen Dienst, im Haushalt der Herrschast lebend, aus allen Berufszweigen. 875822 451378 2630 6371 115 15078555 8662072 62448 244586 5338 Diese, Tabelle lehrt uns, daß freilich noch immer, wie dies ja die historische Entwickelung selbstverständlich macht, ein sehr hoher Bruchtheil,- fast 55 pCt. aller Erwerbsthätigen, bei den Juden sich im Handel befinden. Aber auch die anderen Berufe sind namhaft vertreten, besonders in der Industrie sind sie zahlreich. Eine Ueberraschung ist sicher für die Meisten, selbst unter den Juden, daß 3371 Erwerbsthätige unseres Glaubens, also mit den Angehörigen fast 10 000 Seelen, ihre Hauptnahrung in der Landwirthschaft finden, während man doch glaubte, daß die Juden in Deutschland nirgends Bauern seien. Noch interessanter wird diese Ziffer, wenn man auf weitere Details eingeht: Diese Zahl von 3371 erwerbsthätigen Juden in diesem Beruf setzt sich zusammen aus 1197 männlichen, 419 weiblichen Besitzern oder Pächtern, 73 Inspektoren, 3 Wirthschafterinnen, endlich 893 Knechten und 786 Mägden. Eine weitere Ueberraschung ist die Rubrik G, denn daß es in Deutschland 73 männliche und 6298 weibliche jüdische Dienstboten giebt, hat wohl auch von unseren Glaubensgenossen kaum einer gewußt. Es ist aber ebenso wie die vorige Rubrik ein Beweis dafür, daß die Juden allmälig in , alle Berufe eindringen und dabei auch die schwere Arbeit nicht scheuen. Die Rubrik E, das Sammelbecken für zahlreiche Berufe, die aber das eine Kennzeichen gemeinsam haben, daß sie alle eine höhere als Durchschnittsbildung beanspruchen, diese Rubrik muß zerlegt werden, damit man sich ein Urtheil bilden kann: Christen Evangelische Katholische Andere Israeliten Religionen 1. Armee und Kriegsflotte, auch Armee- und Marineverwaltung, einschliehlich Militärärzte . 422889, 2. Hofstaat, Diplomatie,' Reichs-, Staats-, Gemeinde-, standesherrliche und grundherrliche Verwaltung, sowie Rechtspflege, einschließlich Aufsichtsii. Dienstpersonal in Gefängnissen, Strafnnd Besserungs-, in Armen- und Wohlthätigkeitsanstalten 207810 204564 555 2878 92 81879 633 2520 67 3.Kirche, Gottesdienst, Mission, auch Personal in Anstalten für religiöse Zwecke Evangelische 24741 4. Bildung, Erziehung und Unterricht, Bibliotheken.wissenschaftlicheundKunstsammlungen . . . 156649 5. Gesundheitspflege u. Krankendienst. . . 73207 6. Privatgelehrte, Schriftsteller und Journalisten . . 3767 7. Stenographen, Privatsekretäre, Nechnnngsführer, Schreiber ic. 11503 8. Musik, Theater. Schaustellungen aller Art. 48242 Christen Katholische Andere Israeliten Bekenner; andere Religionen 33611 588 1219 17 72427 544 3186 40 45115 493 3252 17 1150 138 412 40 3998 52 276 11 16207 135 896 85 Unter den 2878 Juden im Militär sind - als Offiziere und Militärärzte aufgeführt 38, die anderen 2840 sind Mannschaften. Diese Ziffer erscheint klein, ist es aber nicht, denn man muß bedenken, daß in Deutschland die große Mehrzahl der Juden als Einjährige dienen, während von den anderen Konfessionen die ungeheuere Mehrzahl als Zwei- resp. Dreijährige ihrer Militärpflicht genügt. Daher wird von den Juden bei einer solchen Zählung nur ein Jahrgang gefaßt, während bei den Christen 2ya Jahrgänge bei der Fahne gezählt werden. So muß der Prozentsatz 0,475 eigentlich mit 21/2 multiplizirt werden, er ergiebt dann 1,187, d. h. eigentlich mehr, als auf das Durchschnittsverhältniß bei den Juden kommt, wenn man die Bevölkerungsziffer 1,102 in Anrechnung bringt. Keinesfalls stehen weniger Juden im Heere, als ihnen llach dem allgemeinen Bevölkerungsverhältniß zukommt. Im Jahre 1882 wurden in Preußen 919 jüdische Soldaten gezählt, das ergab einen Prozentsatz von 0,373, so daß sich demnach der Alltheil der Juden am Heere um 25 pCt. mehr gehoben hat als der der Christen. Sehr bemerkenswerth ist, daß 1219 Juden nur für Zwecke der Religion leben, d. h. 0,5 PCt. aller erwerbsthätigen Juden, während bei den Evangelischen das Verhältniß nur 0,166, bei den Katholiken 0,38 beträgt. Die Juden, die alle Lasten alleiil tragen müssen, erhalten also im Verhältniß dreimal mehr Diener der Religion als die Evangelischen und ein Drittel mehr als die Katholiken, obwohl die beiden christlichen Konfessionen sich der Staatsuntersiützung aus dem Säckel aller Steuerzahler erfreuen. Man sieht, welche.Opfer der Jude seiner Religion bringen muß. Sehr bemerkenswerth ist auch die große Anzahl der Juden, welche sich dem Berufe: Bildung, Erziehung und Unterricht gewidmet haben, obwohl gerade in diesem Berufe den Juden so viel Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Es sind übrigens 2098 Männer, 1090 Frauen. Bekannt ist dagegen die hohe Ziffer der jüdischen Aerzte, dagegen neu, daß sich auch 301 jüdische Frauen und Mädchen dem Krankcnpflegerinnenberuf gewidmet haben. Die große Ziffer der jüdischen Schriftsteller und Journalisten hat nichts Ueberraschendes, immerhin charakterisirt sich die Fabel von der jüdischen Preffe, wenn man bedenkt, daß es 12ya mal mehr christliche als jüdische Berufsgenoffen in dieser Thätigkeit giebt. Erwähnenswerth ist endlich noch, daß in Rubrik F ohne Beruf und Berufsangabe, wo also die Rentiers rc. ihren Platz finden, unter den Juden 18274 männlichen, 21596 weiblichen Geschlechts sind. Ueberhaupt sind unter den insgesammt 244 586 erwerbsthätigen Juden 183 563 männlichen. 61 023, d. h. 25 pCt., weiblichen Geschlechtes, während bei den Evangelischen 31 pCt., bei den Katholiken sogar 33 PCt. dem weiblichen Geschlecht angehören. Freilich würde sich das Bild wohl ändern, wenn wir gleiche soziale Schichten