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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-08 · Heft 41 (8.10.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 gewissen Betrage, je nach Gehalt und Dienstalter. Schließlich wurden noch von den Jubilaren zur Umwährung der israelitischen Friedhofsmauer 500 Mk. und ein gleicher Betrag für die Armen der Gemeinde Schwetz gespendet. —.Kaufmann Joseph Holländer in Samter hat der israelitischen Schule daselbst 3 kostbare Bilder der letzten 3 Kaiser überwiesen. Herr H. ist langjähriger Vorsteher dieser Volksschule; außerdem ist er Mitglied des Synagogenvorstandes und des Stadtverordnetenkollegiums daselbst. — Am Abend des ersten Neujährstages verstarb plötzlich am Herzschlage der Buckdruckereibesitzer Salomon Meyer in Kosten im Alter von 57 Jahren. Der Verstorbene gehörte 12 Jahre dem Repräsentantenkollegium und 7 Jahre dem^Vorstande der dortigen Synagogengemeinde an. . o. Breslau, 3. Oktober. Am 1. d. M, ist hier Dr. Leopold Auerbach, Professor an der hiesigen Universität, gestorben. Auerbach zählte zu den ältesten Mitgliedern der Breslauer medizinischen Fakultät. Im 70. Lebensjahre stehend, seit 1850 Arzt und seit den fünfziger Jahren Dozent an der schlesischen Hochschule, war Auerbach, ein geborener Breslauer, geradezu eine lebendige Chronik des medizinischen Breslau im letzten halben Jahrhundert. Er legte auf verschiedenen Gebieten Hand an. Man verdankt ihm anatomische, physiologische, entwickelungsgeschichtliche und allgemein biologische Untersuchungen. Mehrfach hat er auch Zeit- und Streitfragen aus der klinischen Medizin in den Bereich seiner Arbeit gezogen. Im Vordergründe stehen unter den wissenschaftlichen Leistungen Auerbachs seine Forschungen über den feineren Bau und die Entwickelung der Gewebe. Forschungen auf diesem Sondergebiete beschäftigten Auerbach während seiner ganzen Schaffenszeit. Eine Frucht dieser Arbeit waren ganz neue Aufschlüsse über die frühzeitige Anlage des Geschlechtes bei den Organismen, die Auerbach im hohen Alter gewann. , K. Hannover, 25. September. Der Reichstagsabgeordnete Ah l wardt hielt am Donnerstag den 16. d. M. im Saale des Arbeitervereins in einer von dem „deutschen Gastwirth" Bodeck aus Berlin geleiteten Versammlung einen Vortrag, worin er in der bekannten Weise zu Felde zog. Zwischen 800 und 1000 Personen hatten sich eingesunden und opferten 30 Pfennig, um den Rektor aller Deutschen nach seiner Amerikafahrt einmal wieder zu sehen und zu hören. Daß er in einer Stadt wie der unsrigen unter den Antisemiten und Neugierigen, eine solche große Zuhörerschaar, gefunden hat, ist nicht überraschend, wohl aber ist es überraschend und muß als bedeutsames Zeichen der hiesigen Verhältnisse vermerkt werden, daß hiesige Lokalblätter, welche sich weiter Verbreitung in jüdischen Kreisen erfreuen, und deren Spalten mit Annoncen jüdischer Firmen gefüllt sind, den Vortrag mit breiter Behaglichkeit Wiedergaben und über die Ausführungen der gegnerischen Redner kurz hinweggingen. Der Hörer waren nur Hunderte, aber der Leser sind Tausende. In rühmlicher Ausnahme schreibt der „Hannöversche Courier" nach kurzer Andeutung des Vortrages: „Interessant war der Schluß der Versammlung. Ein sozialdemokratischer Redner erklärte, daß die Phantasien der Antisemiten sich nicht erfüllen würden. Ahlwardt habe die Juden als Betrüger bezeichnet, und er sei selbst ein Betrüger, indem er durch seine Reise nach Amerika seinen Wahlkreis um die Vertretung im Reichstage betrogen habe. Dagegen verwahrte sich Ahlwardt, seine Wähler hätten ihn nicht gewählt, um den Wahlkreis im Reichstage zu vertreten, sondern um der ganzen Welt Aufklärung über die schädliche Wirkung des Judenthums zu bringen; die nächste Wahl werde zeigen, daß er fast einstimmig wiedergewählt werde." Das ist wieder eine Ahlwardtsche Leistung! Hut ab vor dem Manne, der eine solche Auffassung von der Ehre hat, als Reichstagsabgeordneter einen ganzen Kreis zu vertreten. Interessant und neu ist auch die nachfolgende Blüthe seines Vortrages: „An elf Stellen in der Bibel stehe, daß der Mann, der die Juden zurückbringen werde ins Land der Väter, aus Silo kommen werde, und da müsse er der Versammlung doch mittheilen, daß er in Silo geboren sei". Den Schluß bildeten Aufforderungen an die Versammelten, sich der nationalen deutschen antisemitischen Vereinigung anzuschließen, dafür zu sorgen, daß die Existenz der Führer aufgebessert werde, und freiwillige Gaben am Saalausgang zu opfern! — Die Strafanstalts-Direktion Celle berichtigt die durch die Zeitungen gegangene Mittheilung betreffs des abgelehnten Gnadengesuchs des Antisemitenführers Leuß dahin, daß es sich nur um einen Antrag auf vorläufige Haftentlassung, der von Leuß persönlich ausgegangen war, gehandelt hatte, und der zurückgewiesen wurde.—Der Vorstand der israelitischen Erziehungs-Anstalt in Ahlem versendet demnächst einen zweiten Jahresbericht, aus dem die zahlreichen Freunde der Anstalt ersehen werden, daß inzwischen der innere Ausbau derselben in erfreulicher Weise weit fortgeschritten ist. Es wird darin aber gerechtfertigte Klage über die geringe Unterstützung und Förderung erhoben, die dieses zeitgemäße, hilfsbedürftige Institut findet, selbst in den Kreisen, in denen Verständniß für die Nothwendig- . keit der Erziehung der Jugend zum Handwerk und zu positiver Arbeit erwartet werden darf. Hoffentlich hat der erneute Appell den erwünschten bislang leider ausgebliebenen Erfolg! — Herr Emil L. Meyer, Mitinhaber der Vankfirmaj Ephraim Meyer u. Sohn, ist zum stellvertretenden Handelsrichter ernannt worden, ein Beweis, daß sein ehrenfester Charakter und seine Geschäftstüchtigkeit in weiten Kreisen anerkannt wird. Oesterreich - Ungarn. LZ Wien, 4. Oktober. Die Gemeinderathssitzung vom 1. Oktober begann wieder einmal mit einem großen Sturm. Auf liberaler Seit^ und selbst bei einem Theile der Deutschnationalen war man der Ansicht, daß die wilden Szenen, deren Schauplatz der Gemeinderathssaal im Rathhause gewesen, von der Majorität absichtlich hervorgerufen wurden, und zwar darum, weil die stumme Haltung der Christlichsozialen im Abgeordnetenhause die Unzufriedenheit eines Theiles der Wähler erregt hat, und man daher wieder von sich reden machen wollte, indem man eine neuerliche Judendebatte inszenirte. In rascher Folge wendete Herr Lueger den Ausschließungsparagraphen gleich gegen drei Gemeinderäthe an. Es geschah dies während der Verlesung eines Antrages, den ein Mitglied des Präsidiums, der zweite Vizebürgermeister Dr. Neumayer, gestellt hatte, und der heftige Ausfälle gegen die Huden enthält. Zunächst protestirte Gemeinderath Brunner gegen diese Auslassungen — er wurde auf drei Sitzungen ausgeschlossen; dann kam Dr. Mittler an die Reihe — er wurde ebenfalls von drei Sitzungen ausgeschlossen. Gleich darauf machte Gemeinderath Wrabetz einen Zwischenruf — die Folge war die Ausschließung auf vier Sitzungen, um eine mehr, als das Gemeindestatut erlaubt. Freilich mußte der Bürgermeister die letztere Maßregel als übereilt sogleich wieder zurücknehmen. Diese Ausschließungspraxis entfesselte natürlich einen furchtbaren Sturm. Es schien mehrere Minuten lang, als ob es zu einem Faustkampfe kommen wollte. Die Interpellation Neumayers betraf die zahlreichen Ernennungen jüdischer Gerichtsbeamten, über die ich' Ihnen auch jüngst berichtet habe, und die den Beweis gebracht haben, daß in Oesterreich denn doch nicht Alles dem Antisemitismus verfallen sei. — In Klattan in Böhmen drohten vergangene Woche große Judenkrawalle. Der Lederhändler Lederer wollte seiner Magd einen Abzug bei der Lohnzahlung machen, weshalb ihm Thüren und Fenster eingeschlagen wurden. Abends war Gendarmerie und Militär konfignirt. Vor dem Hause Lederers fanden Menschenansammlungen statt, Kinder warfen Sand in die Fenster, und die oorthin entsendeten Polizisten bemühten sich vergebens, die Leute zum Verlassen des Platzes zu bewegen. Die Menge wich nicht, ja wuchs immer mehr an, und als Herr Lederer jun. die Leute durch gütliches Zureden bewegen wollte, abzuziehen, nahm die Menge eine solch drohende Haltung an, daß er in das Haus flüchten und das Thor schließen mußte. Bald klirrte eine zertrümmerte Fensterscheibe im Erdgeschoß, und nach zwei Stunden gab es in der ganzen Front des einstöckigen, nur von Juden bewohnten Hauses kein ganzes Fenster mehr. Im Ganzen wurden achtzig Scheiben eingeschlagen,. und auch im Inneren der Wohnungen wurde durch die : geworfenen Steine vielfach Schaden angerichtet. Inzwischen hatten Namens der jüdischen Bewohner von Klattau der Advokat Dr. Fleischer und Weinhändler Greiflinger beim Bürgermeister und Bezirkshauptmann um Schutz angesucht. Die städtische Polizei und zwei Gendarmen säuberten endlich die Gasse. Zwei junge Leute wurden verhaftet. Gegen 6 Uhr herrschte Ruhe, doch blieb Wache auf dem Platze, und da man für den Abend eine Fortsetzung der Unruhen befürchtete, wurden Vorsichtsmaßregeln getroffen. — Wieder Einer! Der Oberlehrer und Sparkassendirektor von Kagran, Leopold Mittermayer, ein Anhänger der christlich-sozialen Partei, wurde von dem Bezirksgerichte Floridsdorf wegen Veruntreuung zu einer Arreststrase von einer Woche verurtheilt. — Am 25. v. M. fand

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