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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-08 · Heft 41 (8.10.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2f Grundlage wird die Dankbarkeit für ihre Wohlthäter, verbunden mit voller Hingabe an das Herrscherhaus, dessen fördernden Schutz die Anstalten stets ganz besonders genossen haben, und mit lebendiger, opferfreudiger Vaterlandsliebe, in die Herzen der Zöglinge gepflanzt, und diese Saat hat schöne Frucht getragen. Mit einem Dank an die Vorgesetzten Behörden und an die Gönner der Anstalten schloß die Festrede, nach der vom Chor Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte rc.", in einer Komposition von Alexis Holländer vorgetragen wurde. Dr. Meyer Dienstfertig, Neligionslehrer und Prediger der Anstalten, sprach alsdann ein kurzes Weihegebet, auf das der Vortrag des Beethoven'schen „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" rc. als Schlußgesang folgte. An " die Einweihungsfeier schloß sich eine Besichtigung der Anstalten, die für einen größeren Kreis nochmals wiederholt werden wird. 22 Berlin, 1. Oktober. Das diesjährige Rosch haschanah-Fest brachte uns den ersten Versuch, die israelitische Jugend auch während der hohen Feiertage in einem besonderen Gottesdienste zu vereinigen. Wir können wohl heute schon diesen Versuch als vollständig geglückt bezeichnen. Rechtzeitig waren die Kinder in den für den Jugendgottesdienst bestimmten Räumen, der Aula der jüdischen Knabenschule, Gr. Hamburgerstraße 27, und dem Saale Beuthstraße 20 erschienen und hatten in vollkommenster Ruhe und Ordnung ihre Plätze eingenommen. Man bedenke: kein Plätzchen war unbesetzt geblieben. Pünktlich um 10 Uhr, der festgesetzten Zeit, begann der Gottesdienst unter andachtsvoller Stille, die auch im weiteren Verlaufe weder durch Nachzügler noch durch sonst etwasgestört wurde. Wahrhaft herzerfreuend blieb die Andacht der Kinder. Mit ungetheiltem Interesse folgten sie der Liturgie, jetzt betend, dann mit regstem Antheil den weihevollen Melodien und schlichten Gebeten lauschend. Da erblickte man weder die Köpfchen zum Plaudern gegen einander geneigt noch irgend eine Haltung, durch die sich Langeweile, Theilnahmlosigkeit oder Ueberdruß kundthut. Mit vollster Aufmerksamkeit folgten vielmehr die Kinder bis zuletzt auch den Ansprachen. Sie hingen förmlich an den Lippen der Redner. War es doch der Kinder Sprache, die sie verstanden, wurden doch Dinge berührt, die in ihrem Gesichtskreis lagen, für die sie Interesse hatten. Dem fruchtbaren Boden des Kindesherzens wurden die Samenkörnlein der Religion, der Sittlichkeit in ersprießlicher Weise eingepflanzt. Wir können deshalb nur auf das Lebhafteste wünschen, daß dieser so wohlgelungene Versuch zu einer dauernden Einrichtung führe. — Bei dieser Gelegenheit wollen wir jedoch nicht unterlassen, im Interesse der historischen Gerechtigkeit zu konstatiren, daß die Reformgemeinde hier zuerst, und zwar schon im Jahre 1886, einen Jugendgottesdienst zunächst für die hohen Feiertage einrichtete. Erst später folgten die Hauptgemeinde mit dem Sabbathnachmittagsgottesdienst und die Adoth- Jisroel. Der Jugendgottesdienst der Reform hat nur von 1893—1895 gewährt, weil durch den Filialgottesdienst im Bechstein-Saale alle disponiblen Kräfte absorbirt waren. In diesem Jahre fand wieder, und zwar unter sehr zahlreicher Betheiligung, ein Jugendgottesdienst in der Reform statt, der von dem neugewählten Prediger Dr. Jelski abgehalten wurde. Berlin, 3. Oktober. Gestern früh ist der Redakteur der „National-Zeitung" Max Horwitz nach schweren Leiden gestorben. Am 7. November 1843 in Berlin als der Sohn des bekannten Rektors Horwitz geboren, ist Max Horwitz kaum 54 Jahre alt geworden. Er war in früher Jugend nach Amerika gegangen und in Chicago in die Redaktion der „Illinois Staats-Ztg." eingetreten, des großen deutschen Blattes, das H. Raster herausgab; dort hatte er sich die schätzbaren Eigenschaften des amerikanischen Journalismus angeeignet, ohne daß er seine ernste Auffassung des publizistischen Berufes verloren hätte, von der er vielmehr bis zum letzten Athemzuge erfüllt war. Aus Amerika war er in den siebziger Jahren nach Berlin zurückgekehrt und hier an verschiedenen Zeitungen thätig. Max Horwitz hat sich durch seine Thätigkeit als Lokalredakteur unbestreitbare Verdienste erworben; sein reger Geist sah bei jedem Gange durch die Straßen das Bedürfniß und die Möglichkeit von Verbesserungen, und jeder derartige Eindruck verwandelte sich bei ihm sofort in einen Zeitungsartikel; so hat er namentlich unablässig aus die Verbesserung der Berliner Verkehrsmittel gedrungen, und vieles, was er in dieser Beziehung angeregt, ist verwirklicht worden. Als die Berliner Gewerbe-Ausstellung vorbereitet wurde, wurde ihm die Organisation und Leitung des internationalen | Preßbüreaus derselben übertragen; was er in diesem „Nebenamte" geleistet hat, um in der Presse der ganzen Erde Interesse für die Ausstellungzuerwecken und in dieser selbst der Berichterstattung das höchste Maß von Bequemlichkeit und Förderung zu verschaffen, ist von allen Seiten anerkannt worden. Die Anstrengungen, welche er sich bei dieser Thätigkeit auferlegte, haben den Keim eines schweren Nierenleidens wohl zu der schnellen verhängnißvollen Entwickelung gebracht, von der seine Familie ebenso wie seine Freunds überrascht wurden. In Max Horwitz ist ein auf seinem Gebiete müstergiltiger Journalist dahingegangen. 22 Berlin, 3. Oktober. Die jüdische Lesehalle befindet sich seit dem 1. Oktober d. I. in der Oranienburgerstraße Nr. 28., Hof parterre rechts, ganz nahe der neuen Synagoge. Zwei schöne Räume, im rechten Seitenflügel parterre gelegen, sind zur Lesehalle praktisch eingerichtet worden, dieselben sind hübsch ausgestattet und bieten einen komfortablen und zweckentsprechenden Aufenthaltsort. Die Eröffnung fand gestern Abend statt. Herr Kommerzienrath Jsaae wies in seiner Rede auf die Bedeutung des Instituts für die Verbreitung von Kenntnissen der jüdischen Geschichte und Litteratur hin. In gleichem Sinne sprachen auch die Herren Dr. Hildesheimer, Professor Breslaur und Andere. Der Besuch der jüdischen Lesehalle, der bis jetzt sehr rege gewesen ist und an manchen Tagen über 80 Personen betrug, wird sich in den neuen Räumen gewiß noch zahlreicher und lebhafter gestalten. Finden doch die Leser daselbst zur freien Benutzung mehr als 50 Zeitungen aus allen Gegenden der Welt, und was sich irgendwo ereignet und auf Juden und Judenthum Bezug hat, das können sie aus den vielen inländischen und ausländischen Zeitungen sowie aus den aufliegenden politischen Tageszeitungen erfahren. — Auch viele Nachschlagewerke, Lexika und viele bedeutende Werke, die auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judenthums erschienen sind, stehen den Lesern zur Verfügung,. und zwar an den Wochentagen von 7a2 bis 725 Uhr Nachmittags, am Sonnabend und Sonntag von 11 Uhr Vormittags bis 2 Uhr Nachmittags. Neben der Lesehalle erfreut sich auch die Bibliothek einer sehr eifrigen Benutzung; mehr als 150 Glaubensgenossen schöpfen ihre geistige Nahrung aus den ihnen hier frei zur Verfügung stehenden Büchern. 2000 Bände sind bis jetzt gesammelt worden, aber diese bilden nur den schwachen Anfang einer jüdischen Bibliothek, wie solche in London, Paris und Wien existiren. Es wäre ein verdienstvolles Werk, wenn unsere Glaubensgenossen dazu beitragen wollten, die Berliner jüdische Lesehalle weiter ausbauen zu helfen. Gar Biele haben in ihren Bibliotheken Bücher, die auf jüdische Wissenschaft sich beziehen oder jüdische Belletristik repräsentiren, und sie brauchen und beachten sie nicht, während solche für die jüdische Bibliothek von großem Werthe sein würden. An alle unsere Glaubensgenossen ergeht hierdurch die Bitte, derartige Bücher und Schriften der jüdischen Lesehalle und Bibliothek zuwenden zu wollen. Die Abholung erfolgt kostenfrei auf eine bezügliche Anzeige an den Schatzmeister der jüdischen Lesehalle, Herrn Benas Levy, Klopstockstraße 35, und nimmt derselbe auch Meldungen zum Beitritt in die jüdische Lesehalle entgegen. Das Institut der jüdischen Lesehalle verdient die allgemeinste und reichste Unterstützung, denn es dient der Bildung, der Belehrung und Aufklärung der erwachsenen jüdischen Jugend und hat somit eine hervorragende ethische und erziehliche Bedeutung. Xx. Aus der Provinz Posen, im Oktober. Bei der kürzlich erfolgten Wahl von Schulvorstandsmitgliedern der israelitischen Schule in Schildberg sind die Kaufleute I. Meißner, A. H. Unger und I. Niclas gewählt worden. — Fern von den Seinen ist auf einer Geschäftsreise der Stadtverordnete I. Cohn in Znin plötzlich am Herzschlag gestorben. — Auf einer Reise der Fürstin von Turn und Taxis, einer Erzherzogin von Oesterreich, von Krotoschin über Ostrowo nach Kälisch in Rußland hat dieselbe mit ihrem Hofstaat der Synagoge in Ostrowo einen Besuch abgestattet. — Die israelitischen Mühlenbesitzer I. und P. Bieber in Schönau bei Schwetz feierten jüngst ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum. Aus diesem Anlässe wurde ihnen von dem Gemeindevorsteher eine Adresse überreicht. Die Herren Lieber stifteten für ihre Beamten und Arbeiter die Summe von 10000 Mk., aus den Zinsen sollen Unterstützungen in Fällen, wo Unfall- und Krankenkasse nicht ausreichen, gewährt werden. Ferner richteten sie eine Sparkasse ein, und es erhielt ein jeder Arbeiter ein Sparkassenbuch mit einem

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