Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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4 das Leichenbegängniß des im 29. Lebensjahre verstorbenen Schriftstellers Dr. Otto Sachs, des Sohnes des Advokaten Dr. S. Sachs, unter zahlreicher Betheiligung von Mitgliedern des Advokaten- und Richterstandes und vieler Wiener Schriftsteller statt. Mit Dr. Otto Sachs ist einer der vielseitigsten Vertreter der jüngeren Wiener Schriftsteller - gemeinde aus dem Leben geschieden. Er hatte sich besonders auf dem Gebiete der Kunst- und Kulturforschung bethätigt. Sachs hat sich auch dichterisch mit Erfolg bethätigt, und im Manuskript ist noch ein Band eigenartiger Novellen vorhanden, welcher demnächst^.erscheinen wird. Einige Freunde, darunter auch Landtags-Abgeordneter Dr. Ofner, widmeten dem Dahingeschiedenen, der durch sein rastloses Bildungsstreben und durch seine persönlichen Eigenschaften die Achtung eines Jeden gewonnen hatte, am Grabe warm empfundene Nachrufe. — Der Kaiser von Oesterreich hat gestattet, daß der Wiener Journalist Siegfried Löwy den ihm vom. König von Serbien verliehenen Swetli- Sawa-Orden annehmen und tragen darf. — Bei dem letzten Avancement sind im Krakauer Oberlandesgerichtssprengel die Sekretäre.Dr.Ladislaus Drobner und Dr. Heinrich Goldmann zu Landesgerichtsräthen ernannt worden. — .In Szigetvar (Ungarn) ist am 21. v. M. der junge Rabbiner Dr. Armin Cohn nach qualvollem Leiden gestorben. Er hatte erst das 3.3. Lebensjahr erreicht und berechtigte, zu den schönsten' Hoffnungen. Friede seinem Andenken! Amerika. C. H. New-Aork, im September. Hier zwei Beispiele für amerikanische Zustände: Ein russischer Maggid kündigt durch großmächtige Plakate an, daß er eine Gedächtnißrede über Rabbi Mendel Giro aus Taüroggen halten würde. Mit dieser Rede reist er. von Stadt zu Stadt, bis ihm durch die Zeitungen der Wink gegeben wird, er sofle doch mit seinem „Hesped" warten, bis der Rabbi wirklich gestorben sein werde. Nr. 2. Herr Rabbiner I. Leonard Levy aus Philadelphia,^ bekannt durch seine hingebungsvolle Reklame in der Errichtung von Milchtrinkhallen, Sterilisirung von Gassenjungen u. s. w., hat einep Ruf nach einer Presbyterianerkirche in Schottland erhalten, den er VW. Umstande verdankt, daß ein dortiger Kirchenältester seine, Levys, Predigt: „Jesus, das Licht, der Welt" im Tempel , zu Philadelphia hörte. Ein Berichterstatter des Ledger hat den Brief gelesen, es ist ihm aber nicht gestattet worden, die. Namen der Stadt und der Kirche zu veröffentlichen: Herr Levy wird sich dem Judenthum erhalten, obwohl er, wie er neulich dem Reporter eines Chicagoer Blattes mittheilte, wiederholt ein Märtyrer seiner liberalen Ueberzeugungen — für 4000 Dollars jährlich — gewesen ist. — Gestorben sind: In Chicago Gerhard Foreman, ein angesehener Bankier, in New-Aork Lazarus Morgenthau am 31. August im Alter von 82 Jahren, der eine interkonfessionelle Brautausstattungsstiftung für deutsche Mädchen gegründet hatte, und am 29. August Emanuel B. Hart, geboren in New-Aork 1809, der Präsident des Mount-Sinai-Hospitals, Abgeordneter zum Kongresse gewesen war, das Amt eines Einwanderungskommissars und andere hervorragende Aemter bekleidet hatte. Die Loge „Freie Söhne Israels" gab am 18. v. M. ein großes Sommernachtsfest zu wohlthätigen Zwecken. Unter den anwesenden Gästen befand sich auch Mayor Strong, der die bei solchen Gelegenheiten übliche Rede zum Preise der jüdischen Wohlthätigkeit losließ. Dafür wurde er auch als erster Bürgermeister von Groß-New-Iork, welches im nächsten Jahre ins Leben tritt, proklamirt. Es ist immerhin bemerkenswerth, daß der Herr Bürgermeister zuerst auf einem jüdischen Feste Gelegenheit nimmt, dem Publikum sein „Schlepp mich; ich geh' gern" zu verstehen zu geben. — Am 15. August starb hier Herr Albert Bial, 56 Jahre alt, aus Berlin gebürtig, Besitzer der bekannten dramatischen Unternehmung: Kosterund Bial, am 18. August Mordechai Zalumstein,ausBialystock gebürtig, 62 Jahre alt, ein bekannter Mitarbeiter und Redakteur hebräischer und Jargon-Zeitungen. Von Nah und Fern. — Auf den staatlichen Schullehrer- und Lehrerinnen- Seminaren in Preußen befanden sich im vergangenen Sommersemester 11804 Seminaristen gegen 11647 im Wintersemester 1896/97, so daß eine Zunahme um 157 stattgesunden hat. Darunter befanden sich 8069 (im Vorjahre 7964). Evangelische, 3720 (3672) , Katholiken und 8 (11) Juden/ Die staatlichen Präparand<nanstalt en wurden von 2435 Präparänden besucht gegen 2422 im Vorjahr. Darunter befanden sich 1594 (1575) Evangelische, 841 (846) Katholiken und 0 (1) Jude. — Den Handelsrichtern bei dem hiesigen Landgericht I KommerzieNrath Kopetzky und Kaufmann Simon Li pp mann ist anläßlich des gestern erfolgten Ausscheidens aus ihrem bereits seit dem. Jahre 1879 bekleideten Amte der Rothe Adlerorden vierter Klasse verliehen worden. — In K öschm in verschied im Alter von 76 Jahren das ehemalige Vorstandsmitglied Herr Baruch Lippmann, der ein Bierteljahrhundert als Kultusbeämter thätig war und noch bis in die letzten Lebenstage an der Spitze vieler Wohlthätigkeits- Vereine stand. Das Trauergeleite, welchem sich eine große Menschenmenge aller Konfessionen anschloß, gab von dem Verluste, welchen die Gemeinde erlitten, beredtes Zeugniß. Rabbiner Dr. Heppner hielt eine tiefergreifende Grabrede, worin derselbe ein klares Bild der Vorzüge des Verblichenen entrollte. — Am 16. d. M. feiert der ehemalige Lehrer Wolfs Lo ewy in Lublinitz O.-Schl. seinen 70. Geburtstag. Durch seine vierzigjährige Thätigkeit in Militsch, Loslau, Rybnick u. s. w. hat sich derselbe einen so großen Kreis von Freunden und Schülern erworben, daß diese Mittheilung für Viele von Interesse sein dürfte. — In Braunschweig wurde der Anwalt Adolf Fischer wegen Unterschlagung amtlicher Gelder verhaftet. Fischer spielte eine Rolle als antisemitischer Agitator. — In Nürnberg ist am 30. v. M. der frühere hessische Kreisrabbiner Moses Le brecht im Alter von 87 Jahren gestorben. — Dem demnächst ausscheidenden Lord Mayor von London, Sir Faudel Philipps, ist es gelungen, während seines Amtsjahres die Summe von 700 000 Pfund Sterling (14 Millionen Mark) zu wohlthätigen Zwecken zu sammeln. Bon dieser Summe entfielen 547 000 Pfund Sterling auf den Indischen Hungernoth-Fonds, 40 000 Pfund Sterling für die Hospitäler, 30000 Pfund Sterling für die Ueberschwemmten der Grafschaft Essex, und der Rest wurde für verschiedene kleinere Hilfeleistungen gesammelt.. > Wie die englischen Zeitungen einstimmig melden, hat der Lord Mayor durch seinen Takt und seine Fähigkeiten zu dem Erfolge dieser Sammlung in bedeutendem Maße beigetragen. — Im Londoner Asyl für obdachlose Juden befanden sich während des Juli und August 682 Insassen, eine gegen das Vorjahr sehr erfreuliche Besserung, denn damals suchten 669 Obdachlose das Asyl' auf. 10136 Mahlzeiten wurden an die Armen vertheilt. ' Die dadurch verursachte Ausgabe betrug ' in diesen zwei Monaten 2600 Mark. — Zu den Festlichkeiten, die der Marquis v. Londonderry jüngst auf seinem, unweit von Belfast gelegenen Landsitze zu Ehren seines Gastes, des künftigen englischen Thronfolgers, veranstaltet, wurde auch Rev. Dr. Chotzner als Repräsentant der Belfaster jüdischen Gemeinde eingeladen. — Auch in Norwegen giebt es jetzt jüdische Restaurants,und zwar in Christiania B. Levin,17.Bez. Ankers Gade, und in Trondheim H. Biehme, 58 Mankegaden. Der Erstgenannte versendet Fleisch in Eis durch das ganze Land selbst bei Transporten, die acht Tage dauern. — Nach einer der Pol. Korr, aus gut unterrichteter Quelle zugehenden Mittheilung sollen demnächst in Rußland alle Beschränkungen, welche gegenwärtig für das Wohnen von Juden auf dem flachen Lande bestehen, aufgehoben werden. — G. A. Pola.ck in N i s ch n i - N o w g o r o d hat zum Bau einer Schule daselbst 25 000 Rubel geschenkt. Den gleichen Betrag spendete die jüdische Gemeinde in Bialystock zum Bau eines Gymnasiums daselbst. — Aus Marokko wird berichtet, daß ein Jude, der aus Jerusalem dahin gekommen, um milde Gaben für dortige Institute zu sammeln, bei Tadla getädtet worden sei. Allem Anschein nach, liegt ein Raubmord vor.— In Or an ist am 20. v. M. Falk, der ^frühere Direktor der Schule St. Felix, das älteste Mitglied des Instituts de France in Algier, gestorben. — In Buenos-Ayres ist Alexander Bernheim, der Begründer und langjährige Leiter des „Courrier de la Plata", des einzigen französischen Blattes in Argentinien, ein geborener Elsässer, gestorben. — Ply mp^to in Australien ist kürzlich mit städtischen Gerechtsamen DsHenkt word^ und der erste Bürgermeister wurde ein dortiger Advokat L/Moß, \ Glaubensgenosse. Auch in Freemantle ist der Bürgermeister ein Jut Mr. C. Solomon. Ferner giebt es in dortiger Gegend ein Handel schiff mit dem biblischen Namen „Rachel Cohen". ■.! / Druck und Verlag von Rudolf Mvsse in Berlin. - Verantwortlich für die. Redaktion: M a; B a u ch w i tz in Berlin: