Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- Seite 492 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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tV 492 waren zum Opfer am Altäre Gottes. Reinlich gewaschen und geglättet, ine Hörner mit Gold belegt, festlich geschmückt mit Olivenkränzen, brüllten sie freudig,' als ahneten sie, daß ihr Blut Jehovas^ heiligen Altar benetzen sollte. Auf den Wagen lagen, zierlich geordnet, die ersten Früchte des Jahres in. schön geflochtenen Körben von den biegsamen Zweigen der Weide. Mit Weinlaub waren die Körbe umrankt, und an den Ranken waren Schnüre befestigt daran flatterten junge Tauben, auch zum Opfer bestimmt, ein Sinnbild himmlischer Liebe. Hier und da erblickte man wohl auch, silberne und goldene Gefäße, welche die Reichen, sammt den Erstlingen, die , sie enthielten, darbrachten. Nathanaja erkannte unter der Menge Verwandte ihrer Mutter aus Hebron; auch Jene erkannten sie und freuten sich mit ihr. Sie erzählte ihnen, was sie nach Jerusalem führe; ihre Verwandten lobten sie darum, und sie schloß sich ^em Zuge an. Langsam ging es den Berg hinab; unten am Eingang in das Thal Hinnom machte man Halt, dicht bei einer großen Wasserleitung, die Salomo begonnen, Hiskijahu aber beendigt hatte. Man schickte Boten voraus in die Stadt und ließ sagen: „Ihr lieben Brüder, wir kommen, die Erstlinge zu bringen dem Herrn." Da machten sich die Aeltesten Jerusalems auf, seine Richter und Beamten und viele angesehene Männer und gingen dem Zug entgegen. Sie empfingen sie freundlich und hießen sie brüderlich willkommen und führten sie hinein in die Stadt. Jetzt ging der Zug durch die tiefe Schlucht des Gehenna, vorbei bei den heiligen Gräbern der Vorfahren bis an die liebliche Quelle Siloa, den von Gott gesegneten Born, der den Bewohnern der Gottesstadt ein unentbehrliches Erbtheil ist. Sie traten dann, nachdem sie die Prachtgärten des Königs durchschritten und durch das Thor, das gewaltige, gegangen, in den unteren Theil der Stadt ein. Kaum aber hatten sie den Boden innerhalb-der Mauern Jerusalems betreten, als der sämmtliche Chor mit lauter Stimme sang: „Nun stehen unsere Füße, Jerusalem, in deinen Thoren. O, wünschet Glück Jerusalem, Wohl geh' es deinen Freunden!" (Fortsetzung folgt.) Sprechsaai. . Mn Nr. 38 Ihres gefch. Bl. befindet sich ein meine Privat-Armenschule betreffender Artikel, welcher einer Berichtigung bedarf. Die Schule ist in dem durchaus massiv erbauten, in gutem baulichen Zustande befindlichen Gemeindehause untergebracht, woselbst sie zwei freundliche Zimmer besitzt, die erst im vergangenen Jahre einen neuen Oelfarbenanstrich erhalten Haben, mit guten Oefen ausgestattet find und im Winter mit Doppelfenstern versehen werden. Es sind dieselben Zimmer, worin auch zu geeigneten Stunden der Religionsunterricht den Schülern der Synagogen-Gemeinde ertheilt wird. Alle diese Thatsachen verschweigt der Verfasser. Der einzige r^t erhebliche Schaden, den ich jederzeit auf das Schwerste bedauert uüd beklagt habe, besteht darin, daß die beiden zu Schulzwecken angewiesenen Zimmer für die Zahl der Schüler viel zu klein sind. Es sind 60 Kinder, und die Räume reichen kaum für 50 aus. Außerdem haben mit der Zeit 20 bis 25 Kinder, die sich zur Aufnahme in die Schule gemeldet hatten, deswegen zurückgewiesen werden müssen. Alle die sonstigen Uebelstände, welche der Verfasser außerdem noch rügt, sind nur Erzeugnisse der Phantasie. Auf der anderen Flurseite des Hauses hat der Gemeindediener, der gleichzeitig Hilfsschochet ist, seine Wohnung. Der Mann hält-fich ein paar Hühner-, besitzt vielleicht auch eine Hauskatze, ist auch mit Kindern reich gesegnet, — das alles ist nicht schlimm und kommt anderwärts auch vor. Auf dem schmalen Schulhofe wird auch bisweilen ein Hühnchen geschlachtet, - mehr aber auch nicht, denn das Schlachthaus der Gemeinde befindet sich in einem Sanz anderenentlegenen Stadttheile. Auch das soll anderwärts voro'mmen, woselbst der Lehrer zugleich Schächter ist. Wenn am Neumondstage die Armen von der nahen russischen ^Grenze zu Dutzenden herüberkommen, um sich ihren Obolus zu holen/so ist dagegen auch nicht viel einzuwenden. Alles das ist nun einmal eine berechtigte Eigentümlichkeit unseres Ortes, der noch mehrdergleichen Eigenthümlichkeiten besitzt, die allesammt mit in den Kauf genommen werden müssen. - - ■ Auch der häufige Lehrerwechsel, so alle zwei, drei Jahre, besagt nichts. Dieser häufige Wechsel ist auch so eine berechtigte Eigenthümlichkeit unserer Lehrer und Kultus beamten, die, wenn sie bessere Stellen bekommen können, gewiß nicht zuzugreifen versäumeü. Alle an meiner Schule angestellten Lehrer haben von hier aus gute Stellen bekommen, und ich habe sie darin nach Kräften unterstützt. Die Schüler können aber doch nicht während der ganzen Schulzeit des Tages in den engen Räumen eingepfercht bleiben. In den Zwischenpausen müssen sie heraus in die freie Luft, die Fenster müssen geöffnet werden und die Schüler sich wacker herumtummeln. ’ Auch dafür ist gesorgt. Der schmale, nicht gerade sehr saubere Schulhof ist eine Abzäunung von der Synagogen-Anlage.. Die kleine, nette deutsche Synagoge — es befinden sich am Orte noch zwei weit größere russische Synagogen — steht mitten in einer Gartenanlage. Hier -bewegen sich die Schüler in lustigem Laufe neben der und um die Synagoge herum, daß es eine Freude ist, zuzuschauen. Da der umzäunte Schulhof mit der Synagogen-Anlage durch eine stets offene Pforte ’ verbunden ist, so dauert es nurwenige Augenblicke, und die Kinder be-' finden sich auf ihrem Tummelplätze. * Dieser Sachverhalt deckt sich nicht mit der Darstellung des Verfassers. Man muß eine Sache eben mit günstigem Auge anschauen und nicht mit verbitterndem Sinne. Ich unterrichte doch auch in denselben /Schulräumen, habe aber durch all die Jahre von den Mißständen und - Widerwärtigkeiten wenig gemerkt. 7 Dann sagt derselbe: „Es herrschen an der Schule Zustände, wie >. sie sich wohl an keiner jüdischen Schule Deutschlands finden." Ich kenne . aber die jüdischen Schulen Deutschlands besser und muß meiner Ueberzeugung gemäß sagen: Zwei Drittheile aller deutsch-jüdischen Gemeinden ' würden sich glücklich schätzen, wenn sie über dergleichen Schulräume verfügen könnten und ihre etwaigen Elementarschulen mit solchen trefflichen Lehrmitteln ausgestattet wären, wie die Memeler Armenschule. Sehr viel hat hierzu der gegenwärtige erste Lehrer der Schule- Herr Arndt,' beigetragen. Zwei wirklich erhebliche Uebelstände sind nicht wegzuleügnen: Die beiden Schulzimmer sind zu klein für die große Zahl der Schüler, was um so bedauerlicher ist, als nicht 60, sondern. 80 Kinder in die Schule ausgenommen werden müßten. Ferner befindet sich auch die Lehrerwohnung thatsächlich in schlechtem Zustande; allein was kann man von ' einer Privat-Armenschule verlangen? Ein Schelm giebt's besser, als er es hat. Wir können nur bieten, was wir haben — nicht mehr und nicht weniger. Vielleicht bescheert uns Gott auch noch einmal ein eigenes Schulhaus; mit 15—20 000 Mk. wäre das am hiesigen Orte zu' erlangen — dann wäre dem Lehrer und den Schülern geholfen. Memel, 19. September 1897. Rabbiner Dr. Rülf.; *;■V: ' v Sehr geehrter Herr Doktor! Nr. 36 der Zeitung des Judenthums bringen Sie die sensationelle Meldung eines von dem Papst an den Sultan gerichteten Briefes, betreffend die Zions-Idee! .. . . — Sie meinen, daß auch in der Bibel nichts von einer Zerstreuung der Juden Über die ganze Erde enthalten sei. Es ist aber im 5. Buch Mos., Kap. 28, B. 64 doch als Strafe für Ungehorsam gegen Gott zu finden, und hat wohl der Papst diese. Stelle im Auge gehabt. Ihr ergebener - H. Berliner. Druck und Verlag von'Rudolf Drosseln Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.