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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-08 · Heft 41 (8.10.1897) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 41 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
Seite 488 (sequence 8)
Language
German
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geschmälerten Bürgerrechte an die Juden ein und beantragte, daß, dieser' Wunsch der obersten Pariser Stadtbehörde ' der Nationalversammlung offiziell mitgetheilt werde. Dieser Antrag nZurde sofort - in Berathung gezogen und' der folgende Beschluß gefaßt: In Anbetracht dessen, daß alle Menschen, die in einem Reiche wohnen und^dessen Unterthanen sind, an den gleichen Pflichten und an denselben Rechten theilnehmen müssen, daß der Glaubensunterschied keinen Unterschied im bürgerlichen Leben erzeugen darf, und daß ein Volk in dem Augenblicke, da es sich anschickt, sich eine Verfassung zu geben, sich beeilen muß alle Vorurtheile aus dem llüege zu räumen ' und das verkannte Recht der Gleichheit herzustellen. In weiterer Rücksicht, darauf,^ daß die in Paris^ wohnenden Juden immer einen pflichtbewußten Lebenswandel geführt, und wahrend dieser Revolution/Höchst anerkennenswerthe Beweise ihres Patriotismus geliefert haben, wurde beschlossen: 1. Daß den Juden von Paris ein öffentliches und authentisches Zeugniß ausgestellt werde über ihre gute Aufführung, die sie, stets ' bekundet, über ihren Patriotismus, den sie bewährt und^ über die . Tugenden, die sie im Geheimen geübt haben. , 2. Daß der Wunsch, sie zu allen Rechten aktiver- Bürger zuzulassen, laut angesprochen werde, daß jedoch dieses Verlangen vor die Nationalversammlung erst dann gebracht werde, wenn es die Sanktion sämmtlicher Distrikte erhalten haben wird,, denn bei diesen steht : diesbezüglich alle Macht, und der. Wille aller, Distrikte oder der Majorität derselben wird ein viel feierlicherer und entscheidender-für . die Juden sein als der Wunsch der Vertreter der Kommune allein. Und dieser Schritt war dann thatsächlich überaus erfolgt, reiche Bald danach ward das folgende königliche Patentschreiben veröffentlicht: - '*■ , -, ji „Die Nationalversammlung hat am 28. Januar (1790) beschlossen und Wir wollen und befehlen: Alle Juden, die man in Frankreich unter demNamen der portugiesischen, spanischen" und avignonschen Juden kennt, sollen fortan die Rechte genießen, welche sie bisher genossen Hallen und die . ihnen durch Patente gesichert wurden. Infolge dessen werden sie' die Rechte aktiver Bürger genießen, wenn sie andererseits den durch die Beschlüsse der Nationalversammlung verlangten Bedingungen entsprechen." Die Juden von Elsaß - Lothringen und des ganzen östlichen Frankreichs blieben auch weiterhin von der Gleichberechtigung ausgeschlossen. Die Nationalversammlung, welche die Protestanten den Katholiken in jeder Beziehung gleichgestellt hatte, wagte es noch nicht, die Juden des ganzen Reiches an dem Segen' der unbeschränkten Freiheit Theil nehmen zu lassen, denn noch zu tief wurzelte das Vorurtheil in der großen Masse des Ostens gegen die Märtyrer der Weltgeschichte; die Nationalversammlung, die sich über althergebrachte Gewohnheiten, und erworbene Rechte in ihrem Nivellirungsstreben leichter Dinge hinwegzusetzen wußte, mochte nicht gegen erbgesessene Anschauungen religiösen und nationalen Eigendünkels ankämpfen. Erst das Ende des Jahres 1791 brachte den Juden die unbedingte Anerkennung aller bürgerlichen Rechte. Sie sollien die Früchte ihrer Ausdauer und ihres zielbewußten Vorgehens, nunmehr einheimsen. Was sie jedoch noch an Kämpfen zu befielen und an Mühen zu überwinden Hatten, das soll nach authentischen Berichten geschildert werden, wenn uns Robinet mit dem zweiten Theil seines sehr instruktiven, inhaltsreichen Werkes beschenkt haben wird. „Mo Menschen schweigt«." ' "er heute - durch die Straßen' von Feodosia oder Kertsch wandert, hat wohl keine Ahnung davon, daß von hier aus Entdeckungen zur Urgeschichte des Christenthums gemacht werden' könnten.' 'Zwar weiß jeder Geschich'tskundige, daß Feodosia, das alte Kassa, schon Ä00 Jahre v. Ehr. von milesischen Griechen begründet worden ist. Mit jenen ersten Ansiedlern zögen auch hellenistische Juden dahin, die mit ihnen in friedlichem Verkehr lebten. - In der alten Synagoge von Feodosia, die ich meinen gütigen Lesern im vorigen Jahre geschildert habe, deren Marmorsäulen wohl noch aus jener Zelt stammen, hat man--vor einigen Jahrzehnten eine Reihe, von Inschriften gefunden, die bezeugen/daß jene Juden, die dort vor fast 2000 Jahren wohntest, vollständig hellenisirt waren. Sie führtenwie alle hellenistischen Juden, griechische Namen; nur ihr Bethäuser hießen nicht Synagogen wie . die Jener, sondern Proseuchen. Noch interessanter ist das moderne Kertsch, das alte Pantikapaeum. Schon auf der' Seefahrt von Feodosia nach Kertsch bekommt man.einen Vorgeschmack dessen, was diese Stadt bietet.- Der Dampfer passirt Opuk, dessen Hügel mit mächtigen Felstrümmern aus alter Zeit bedeckt sind, Änapa, das alte Georgippia, Tanais und biegt dann zuerst östlich in die Straße von Kertsch oder Jenikale, die im Alterthnm der kimmerische Bosporus genannt wurde.' Die an der Vereinigung zweier Meere liegende, von den Russen echt modern umgebaute Stadt wurde von griechischen Ansiedlern im sechsten vorchristlichen Jahrhundert als ein unabhängiger Freistaat begründet. Später wurde Kertsch die Residenz des bosporanischen Reiches und blieb es lange. Aber nur noch die Trümmer des Mithridatesberges, von dem aus man die Bucht und das Meer auf der einen, die weite Steppe..aber auf der anderen Seite und am äußersten Horizont die wie Wolkengebilde sich abzeichnenden Bergriesen des Kaukasus überschauen kann/ erinnern an die einstige große Vergangenheit dieser Stadt. Das Museum am Fußedes Berges enthält besonders werthvolle Alterthümer aus der Vergangenheit der. dortigen Juden. Einzelne Drabsteine reichen bis in die hellenistische Zeitperiode hinauf. Auch -von diesen habe ich in meinen Reiseskizzen bereits gesprochen. Nach der Ansicht von A. Harkavy in Petersburg reichen jene Inschriften in Feodosia und diese Grabsteine in Kertsch allein schon aus, um die. Thaisache zu erhärten, daß hier - hellenistische Juden schon zu den Zeiten der hasmonäischen Fürsten gewohnt haben. Als ich im vorigen Jahre in Petersburg die alten Denkmäler der Krim gesehen und später in Feodosia-und' Kertsch, also an den Fundorten, wo meine Reise, ihren Abschluß fand, die ergänzenden Inschriften und Grabsteine in Augenschein nehmen konnte, - . ahntelich allerdings nicht, welche Bedeutung sie für die noch in. tiefes Dunkel gehüllten Ursprünge des Christenthnms haben könntem Um so freudiger war ich überrascht, als ich in den „Sitzungsberichten der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften -zu- Berlin - eine Abhandlung von Professor Emil Schürer, dem Verfasser der „Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi", : las, die -in der Sitzung der philosophisch historischen Klaffe vom 4. März d. J. zur Vorlesung gelangte, und die sich im Wesentlichen mit diesen Inschriften beschäftigt. lSie lautet: Die Juden im bosporanischen Reiche und die-Genossenschaften der o€ßo,usvoi Oeov vyiqxov (Anbeter des höchsten Gottes). Berlin, Georg Reimer, 1897. ' Schürer hat aus diesen Inschriften, die nun schon fast-über fünfzig Jahre bekannt sind, zuerst die Schlüffe gezogendie für die Vorgeschichte des Christenthums Don Bedeutung -sind. Er geht ebenfalls von der Idee aus, daß zwischen den Indem der Diaspora und

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