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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-01 · Heft 40 (1.10.1897) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 40 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 480 (sequence 12)
Language
German
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des Dieners zu thun. Nathänaja aber, die in den Zeiten der Trübsal bei den fünf armen Kindern, als die Mutter gestorben, der Vater weggeführt worden war in Sklaverei, Mutterstelle vertretend hatte, sie erhob jetzt, die schwache Jungfrau, ihre Stimme vor den Aeltesten Engedis am Thore der Stadt. Abex es waren schon die Zeiten, von denen Moses sprach: „Der Fremde wird zum Haupt? du aber wirst zum Schweif werden"; denn die Aeltesten Engedis' wagten es nicht, von dem reichen Ammoniten mit Gewalt zu erzwingen, was ihre Bitten nicht vermocht hatten. Die Klage des Mädchens wurde nicht. gehört, umsonst war das Jammern der hilflosen Kinder, und der Böse trug den Sieg davon. Da sprach Nathanaja in ihrem Herzen: „Ich will vorübergehen lassen das Freiheitsjahr, denn der Frevler könnte zurückkehren von seinen Wegen. Ist es aber verflossen, und der Fremdling läßt unseren Bruder nicht ziehen, so gelobe ich hiermit dem Herrn Jehova: Ich will nicht berühren Spindel und Spule, will nicht theilnehmen an den Tänzen meiner Gespielinnen in den Palmengärten Engedis, ja, ich will selbst nicht sehen das Angesicht meiner Mutter; sondern ich will mit meinen Füßen hingehen gen Jerusalem, in die heilige Stadt, nach welcher meine Sehnsucht ist, will dem König Hiskijahu das Unrecht klagen; denn ich weiß, er ist gerecht und wandelt vor Gott; er wird die Waisen nicht verlassen, und die Klage der Jungfrau nicht zurnckweisen, und der Herr, der Gott Israels, wird mit meinem Munde sein, so wie er mit dem Munde der Abigail war, die klüglich den Zorn Davids besänftigte mit verständigen Worten, und wird mir verleihen den Geist des Weibes von Thekoa, daß der König meine Klage gnädig anhören möge. Auch Mirjam wagte es, zu reden mit der Tochter Pharaos, und rettete dem göttlichen Bruder das Leben; ward nicht ganz Israel und Juda gerettet durch Deborah? Wie sollte ich es nicht wagen, mit dem Könige zu reden, der doch von meinen Brüdern ist aus Israel, und noch dazu aus memem Stamme?" (Fortsetzung folgt.) . Fitterarische Mittheilungen. :t — Wie bereits den geehrten Mitgliedern des Mekize-Nirdamim- Vereins im Cirkular vom Mai d. I. mitgetheilt worden ist, wird! der gegenwärtige Jahrgang mit der Doppelziffer XII ujx XIII bezeichnet, wodurch wir in den Stand gesetzt werden, mit dem folgenden XIV. Jahrgang' eine größere Pünktlichkeit Herstellen zu können. In der That hat bereits der Druck der Schriften des XIV. Jahrgangs begonnen, so daß wir hoffen dürfenkünftig die Lieferungsfrist pünktlich innehalten zu können. Der gegenwärtige Jahrgang XII u. XIII enthält folgende Schriften: 1. '"IÖD* Schlußband des Wörterbuches von Jbn Ganach, mit ausführlicher Einleitung und verschiedenen Jndiees.. 2. V'nisb 8IÜ1 nfiÖÜ* Einleitung in das Machsor Bitry, nebst Registern und verschiedenen Nachträgen. 3. -p »Dp- Sammelband, enthaltend: a) Kommentar zu Esra und Nechemia von dem Römer Benjamin b. Jehuda. b) Ergänzung einer Lücke in den Responsen Elia Misrachis. c) Fragment einer alten hebräischen Uebersetzung des ersten Buches der Makkabäer, d) Gedichte des Jsak ben Scheschet und Simon den Zemach Duran, nach einem Ms. in Algier, e) Die Statuten der Gemeinde Bamberg, f) Geschichtliches aus der Zeit Maria Theresias. 4. Divan des Jehuda Ha-Levi, enthaltend den ersten Theil des zweiten Bandes. Doch wird die Versendung dieses Buches, dessen Korrektur viel Zeit beansprucht, erst in einigen Wachen erfolgen können. Zugleich folgt mit als Geschenk des Verfassersdes Herrn Rabbiners Sal. Bamberger in Sennheim, seine Schrift: n^JÜ 'DÜ bv Hüb wofür demselben der Dank des Vereins hiermit ausgedrückt wird. Welche Schriften dev folgende XIV. Jahrgang enthalten wird, hoffen wir schon bei der Persendung des Divan resp. des Rechenschaftsberichtes angeben zu können. Dr. A. Berliner. — Festpredigt z ur Einw ei hu n g d er S y n a g o ge in Bochum von Prediger Laub heim.— Festpredigt zur Weihe der Synagoge in Oppeln von Rabb. Dr. L. Bäck. — Redner, die zut Einweihung eines Gotteshauses sprechen sollen, haben einer Schwierigkeit zu begegnen, ganz entgegengesetzt der, mit welcher sonst manche Redner zu kämpfen haben; gewöhnlich fehlt es den zum Reden Berufenen an Stoff; es giebt sogar eine Schrift über die Gefahr, sich auszupredigen; aber bei solchen Weihereden ist die Ueberfülle des Stoffes die Gefahr. Beide obenerwähnte Reden haben den Vorzug, daß die Verfasser schlichte, einfache Texte gewählt haben. Nicht das Absonderliche wirkt, sondern es gilt bei solchem Anlaß einfache Gedanken bedeutungsvoll zu wenden. Herr Laubheim wählte zum Text: „Gepflanzt im Gotteshause, in den Vorhöfen Gottes, blühen sie auf." Die Vorhöfe sind ihm die Schauplätze des praktischen Lebens. So ergiebt sich ihm ungesucht die Lehre, daß das Gotteshaus fürs Leben erziehen soll. Dr. Bäck geht von der Weiherede Salomo's aus und begründet die Wahl seines Textes damit, daß, was einmal die Gemüther der Menschen bewegt hat, fort und fort erbaulich wirken könne. Man merkt die Jugend des Redners auch an dem Schwung und dem Feuer der Diktion. R. -- Der alte Prager jüdische Friedhof. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des böhmischen Judenthums. Von Dr. Ad o lp h Kohut, Prag, I. B. Brandeis. Es war ein pietätvoller Gedanke des Verfassers, dem die jüdische Litteratur- und Kulturgeschichte schon so manchen werthvollen Beitrag zu verdanken hat, über einen der ältesten und geschichtlich bedeutsamsten jüdischen Friedhöfe eine eigene Abhandlung zu schreiben und gleichsam den seit vielen Jahrhunderten in Prag verborgenen Schatz im Interesse der Gesammtheit zu heben. Dr. Adolph Kohut hat das gesammte vorhandene gedruckte und handschriftliche Material benutzt und selbst an Ort und Stelle Studien gemacht. Die bekannte glänzende Schreibweise des Verfassers kommt hier in gewinnendster Weise zur Geltung, da Niemand das Büchlein zur Hand nehmen wird, ohne es bis ans Ende zu lesen. Das reiche Material gliedert sich in die Abschnitte: Vorwort — die kulturhistorische Bedeutung des alten Prager Gottesackers — Christliche Urtheile über den alten Friedhof — Ein Wort über die Geschichte der Juden in Prag — Das Alter und die Schicksale des Gottesackers — Berühmte und bedeutende Todte auf dem Prager Friedhof ~ Die Frauen des Friedhofs. — „Der alte Präger jüdische Friedhof" enthält so manche beherzigenswerthe Bemerkungen, die wir leider aus Raummangel nicht mittheilen können. Aus der Fülle derselben möge hier nur die eine mitgetheilt .werden: „Durch die Ausweisungen, Brände und vandalischen Verwüstungen trauriger Zeiten sind in zahlreichen Gemeinden alle urkundlichen Schriften vernichtet worden; deshalb sind die alteren Friedhöfe noch die einzigen, unschätzbaren Zeugen der verflossenen Ereignisse. Die Inschriften erweisen sich als kurzgefaßte Chroniken der untrüglichen Wahrheit, .denn am Grabe verstummt die Lüge und Fälschung. Es sollte die heilige Ehrenpflicht der jüdischen Gemeinden sein, die alten Friedhöfe nach Kräften zu konserviren, alle Grabinschriften zu sammeln und sie wissenschaftlich zu erläutern. Leider sind ja die meisten alten Friedhöfe schon längst säcularistrt und modernislrt, denn unsere lebenslustige Zeit will sich in ihrem Behagen durch die Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Irdischen nicht gern stören lassen, aber wo noch solche Gottesacker vorhanden sind, müßte alles aufgeboten werden, um nicht allein die Gräber zu unterhalten, sondern auch durch Ausgrabungen den einen oder den anderen versunkenen, aber wichtigen Stein au die Oberfläche zu befördern. Ist kein Schliemann da?" Dr. R. Birkfeld. — Heft 12 des 41. Jahrganges, September 1897, der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthum s (Berlin, S. Calvary & Comp.) hat folgenden Inhalt: Adolf B ü ch l e r, Das Sendschreiben der Jerusalemer an die Juden in Aegypten in II. Makkab. 1,11- 2, 18. (Schluß.) — Samuel Krauß, Bari in der Pesikta rabbathi. — A. Epstein, Die „Ergänzungen" und „Berichtigungen" Poznanskis zu meinem „Schemaja". — M. Grunwald. Handschriftliches aus der Hamburger Stadtbibliothek. (Schluß ) — Bibliographische Uebersicht über die im Jahre 1894 erschienenen Einzelschriften. (Fortsetzung.) Druck und Verlag von N n v o l s M o s s e in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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