Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 472 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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MRMWBWMWV 472 der Hoffnung Raum geben, daß ein« allseilige Zustimmung VM . Seiten der jüdischen Lehrer erfolgen würde,. denn ihre Interessen sollten doch vor allem gepflegt werden. Weit gefehlt! Nörgeleien verschiedenster Art ließen sich vernehmen. Da soll es der D.-J. G.-B. sem, der die Tendenz verfolgt, die Lehrer am Gängelbande zu führen und ihre Selbständigkeit zu vernichten. Wer den Vorsitzenden des D.-J.^Z.-B. kennt, weiß, daß ihm servile Lehrernaturew verhaßt sind. Nach 'meiner Ansicht würden die Zwecke und Ziele des Lehrerverbandes völlig im Sande verlaufen, auf Utopien sich zuspitzen, wenn ihm der D.-J. G.-B. nicht zur Seite.stände. Ich denke nur an die Lösung der schwerwiegenden Fragen betreffs Pensionsverhältniffe und Reliktenversorgung, Fragen,' bei denen wir, offen gesagt, des Gemeindebundes gar nicht entrathen können. Man komme ioch bei' dieser Gelegenheit nicht immer und immer wieder mit dem fadenscheinigen Grund, daß die Selbständigkeit .einzelner Lehrer und des gesammten Standes untergraben wird. Wer nicht bereits von niedriger Denkungsart ist, wird es nicht durch Anschluß an den Lehrerverband. Aber. nicht blos, daß viele Lehrer aus reiner Negirungssucht dem Allgemeinen nicht zu dienen vermögen, es wird .auch von anderer Seite agitirt, eine gegensätzliche Stellung zu dem Verbände anzunehmen. So lesen wir in jüdischen Blättern, daß auf dem Vereinstag der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums", zu Frankfurt a. M. mehrere Rabbiner beantragt haben, die Bestrebungen derjenigen jüdischen Lehrer, die sich gegenüber dem „Allgemeinen israelitischen Lehrerverband" als selbständige, unabhängige Lehrervereine konstituirt haben oder koystituiren werden, seitens der. Vereinigung durch Rath und That zu fördern ohne Beeinträchtigung der Selbständigkeit dieser Lehret vereine. — „Worte sind gut," wie Goethe sagt, „aber sie sind nicht das Beste; das Beste wird nicht klar durch Worte." Es läuft auf die ausgesprochene oder vielmehr unausgesprochene Tendenz hinauf:, vivicke et impera. Hier sehen wir den Keil, der zu religiösen Spaltungen führen toll. Bisher war so etwas in jüdischen Lehre^ vereinen unbekannt, Keiner nahm Anstoß ander religiösen Ueberzeugung des Einzelnen, denn wir sind pädagogische Berufsgenosien. Wir Lehrer können nicht oft genug beten: Gott, bewahre uns vor dem kuror theologicus! Der Antrag bezweckt weiter nichts, als Diejenigen zu prämiiren, die unverhohlen ihre orthodoxe Gesinnung zur Schau tragen. Bis jetzt kannte man so etwas nicht. Bis jetzt ist die jüdische Schule von dem Konflikt zwischen Theologie und Pädagogik/fast unberührt geblieben. . Gerade der orthodoxe Antrag bezweckt, daß durch Anlehnung an „natürliche Autoritäten" die selbständige Stellung der jüdischen Lehrer vernichtet, daß eine Zerriffenheit in der jüdischen.Lehrerwelt gezeitigt wird, die nicht zum Segen gereichen kann. Herr Dr. Minden stellt in seinem Aufsatz: „Zum Jahresschluffe" in Nr. 38 der „Allg. Ztg. des Judenthums" mit vollem Rechte die Forderung auf, „daß eine religiöse Minorität gerade einen ganz hervorragenden Lehrerstand nöthig hat". Nicht durch engherzige Anschauungen wird Gutes und Großes erzielt, sondern durch Hingabe an das allgemeine Wohl; der Lehrer soll nicht der Spielball einzelner Faktoren sein und von jedem Windstoß sich beugen lasten, sondern zielbewußt der Gegenwart leben und nach ihren Anforderungen füf. die Zukunft arbeiten — aber nicht einzeln, sondern gemeinsam mit Berufsgenoffen. „Wer stärker ist als ein Einziger, ist nicht so stark wie Zwei, und wer stärker als Zwei ist, ist nicht so stark wie Vier. Daher brauchen sich auch die Schwachen nicht zu fürchten; wenn sie sich nur unter einander lieben, so werden sie wehrhaft vereinigt bleiben." (Lamennais.) Aus Ostpreußen. Königsberg, im September. f ie Kommission zur Regel,ung der Anstellungs-, Besoldungs- und Versorgungsverhältnisse der jüdischen Kultusbeamten und Religionslehrer Ostpreußens, welche gegenwärtig,Me rege Thätigkeit für die Verwirklichung ihrer hochherzigen Ziele ’ entwickelt, hat uns kürzlich mit einer werthvollen, über ihren speziellen Zweck hinausreichenden Arbeit beschenkt, die auch für weitere Kreise von Interesse sein dürfte. Es handelt sich um eine statistische Darstellung .der ost'- preußischen Gemeinde- und Beamten-Verhültnisse. In zahlenmäßiger Deutlichkeit wird uns hier neben einander ' die Leistungsfähigkeit der ostpreußischen jüdischen Gemeinden wie ihre Willigkeit in der Aufwendung von'Mitteln für eine würdige Vertretung und Verwaltung ihres Kultus gezeigt und dadurch nicht , blos ein zutreffendes Urtheil über den Grad des hier herrschenden religiösen und idealen Sinnessondern gleichzeitig auch ein klares Gesammtbild der ostpreußischen Gemeinde- und Beamtenverhältnisse ermöglicht. Leider fehlt uns zur Zeit noch die Gelegenheit zur Vergleichung mit anderen Provinzen und darum die Möglichkeit, das hier gebotene Material auch für andere Zwecke auszunützen. Die von Rheinland und Westfalen vorliegende statistische Aufnahme beschränkt sich auf die dortigen Beamtenverhältnisse, ohne gleichzeitig die Lage der Gemeinden in Betracht zu ziehen. Vielversprechend war die vorn Vorstande des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche eingeleitete Statistik über die Gemeinde- und Beamtenverhältniffe in ganz Deutschland. Leider fand dieselbe bei den Lehrern nicht die Würdigung und Unterstützung, welche ihr eigenstes Interesse erheischt hätte. Noch liegt die Furcht und das Mißtrauen zu sehr auf dem Gemüthe dieser Beamtenkategorie, daß sie vor jeder näheren Berührung und Beobachtung ihrer Lage zittern und sich selbst ihren Freunden nicht ganz offenbaren. Es wird noch einer langen und hingebenden Arbeit der Lehrervereine bedürfen, um ihren Mitgliedern den für allen Fortschritt nothwendigen kollegialischen und einmüthigen Geist und ein starkes Selbstbewußtsein einzuflößen, -daß ihre Freunde an ihnen überall den Rückhalt finden, den sie zur erfolgreichen Vertretung ihrer Jntereffen bedürfen. Auch in Ostpreußen hat man augenscheinlich mit dieser Zurückhaltung gerechnet und darum in weiser Rücksicht die Auskünfte von beiden betheiligten Seiten, dem'Beamten und der Gemeindevertretung, eingefordert. Dadurch war es möglich, nicht blos eine im Wesentlichen vollständige, sondern auch im Ganzen zuverlässige Statistik zu gewinnen. Die Verhältnisse der 48 Hauptgemeinden . Ostpreußens sind nach drei verschiedenen Gesichtspunkten gezeichnet: nach der Zahl der steuerpflichtigen Mitglieder, nach der Höhe des Jahresetats und nach dem zur Erhebung kommenden Steuersatz. Zunächst dürfte intereffiren, zu erfahren, daß Ostpreußen im Ganzen circa-3000 steuerpflichtige jüdische Gemeindemitglieder zählt und in Summa jährlich gegen 180 000 Mark an Gemeindesteuern-aufbringt. Ueber ein Drittel davon absorbirt allein die Provinzialhauptstadt Königsberg, die 1250 Gemeindemitglieder aufweist und 68 500 Mark Steuern erhebt.. Danach folgen: - 4 Gemeinden mit 100 — 250 steuerpflichtigen Mitgliedern 1 „ „ 50 — 100 12 „ „ 25— 50 22 „ „ 10- 25 8 «5- ]0 Mitg fünf, gelter nächst 2000 Geml aufzr Zusch allgei 60 u anspr fünf verba wür me.ii Moh ihr z nur ' sich i der c und Mein hältr größl fteuei bürg, Prov Prot Ein mach religi wird heim die i ostp