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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-10-01 · Heft 40 (1.10.1897) · p. Seite 470

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 40 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 470 (sequence 2)
Language
German
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I Das dritte Thor ist mitten in Jerusalem; denn so heißt es: Eine Fackel ist dem Herrn in Zion und ein Feuerherd in Jerusalem., Jerusalem war eine Stadt hochentwickelter Kultur; nicht die religiöse Lehre allein fand in ihr Pflege, nein, auch jede sonstige geistige Arbeit, Dichtung und Sangeskunst wurde von der intelligenten Be-' völkeruyg geübt nnd geehrt. Der Herr hatte eine. Fackel in Zion, eine Fackel, welche Licht ausbreitete, welche die Weisheit mehrte und in den Schacht des Wissens den Forschern hineinleuchtete. Aber neben dieser Fackel war, wie es im Propheten heißt, ihm ein Ofen in Jerusalem, war der Herd der Hölle. Denn die Wissenschaft selbst kann dem Sterblichen zur Hölle werden, daß er sich aus dem Borne der Erkenntniß die Verzweiflung hinaufholt. Wer dürfte es wagen, nach dem ersten Dichter diese Hölle zu schildern, in der der Forscher schmachtet, weil er die Räthsel des Lebens nicht lösen kann, wie ihm schier das Herz verbrennt, weil er nichts wissen kann! Wie der Neidische seinen Besitz gering schätzt, weil nur das Gut, das ihm nicht gehört, für ihn Werth hat, so verachtet unersättlicher Wissensdurst die reiche Geisteshabe, welche die Forschung erworben hat. weil er nicht alles wissen kann. Wie groß ist das Gebiet, welches der Mensch beherrscht, welches er ständig in langsamem Fortschritt erweitert! Wie erhaben ist sein Wissen, wenn er zugleich bescheiden ist, wenn er der Religion Raum giebt und von ihr sich lösen läßt die Räthsel des Lebens,! Aber die Fackel Zions wird zum Feuer der Hölle, die Forschung wird zur Folter, wenn sie gewaltsam die Grenzen durchbrechen will, die dem menschlichen Denken gesetzt sind, und sich in dieser fruchtlosen Arbeit verzehrt. Ueberall lauert die Versuchung, und überall gähnen sie uns entgegen, die Abgründe der Unterwelt! Was hülfe es uns, wenn alle Welt uns ehrt, so wir uns . selbst verachten müßten; es ist die herbste Seelennoth, wenn unser Gewissen uns sagt: Warum hast du deine Tage vergeudet! Heil Dem, der hoffnungsfroh nach den Gesetzen der Natur und des Geistes forscht und dabei es nie vergißt, daß menschliches Wissen Stückwerk ist und nur vollendet und ein Ganzes wird durch den Glauben an Gott, denn „Gott fürchten, ijt Weisheit, und die Sünde meiden, ist Einsicht." Das ist die Lehre des Versöhnungstages. Die Woche. Berlin, 29. September. prwägungen und Betrachtungen ernster Art, die weitab liegen von dem Getriebe des Alltags, beschäftigen uns in diesen „zehn Bußetagen" zwischen dem Neujahrsfeste und dem Versöhnungstage: Die Lage unserer Glaubensgenossen in allen Ländern ihrer Zerstreuung, die Lage des Judenthums selbst unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Und wahrlich, der Ausblick ist, wohin wir uns auch wenden, kein rosiger. In vielen Ländern des bewohnten Erdenrunds, wie in Persien-, in Marokko u. a., werden die Juden noch immer furchtbar verfolgt, in anderen, wie in Rußland, Rumänien, Algier, werden sie in ihrer Existenz hart bedrängt, und selbst in den großen Kulturländern Europas werden sie trotz der gesetzlich ausgesprochenen Gleichberechtigung vielfach zurückgesetzt. Der Antisemitismus ist im Untergange begriffen, die Antisemiten aber leben fort und verhindern den konfessionellen Frieden, die Verwirklichung der Ideen, von welchen alle Vorkämpfer der Emanzipation ausgegangen sind. Nicht weniger unerfreulich ist die innere Lage des Judenthums: Abfall auf der einen, Jndifferentismus auf der anderen Seite, und in der Mitte Rathlosigkeit und Schwäche, Mangel an Einigkeit und Konzentration, -Unsicherheit und Muthlosigkeit. Unsere Wissenschaft, unser Gemeindeleben, unsere wichtigsten Institutionen leiden darunter, daß-Muns an Kraft, .an Eintracht fehlt, daß selbst der Kreis Derjenigen, die es ernst meinen mit dem Judenthum, immer kleiner wird, und die Heranwachsende Generation -sich unserer Sache immer mehr entfremdet. Es ist dringend nothwendig, daß wir uns in diesen ToM der Buße die äußere und innere Lage mit all ihren Schäden' und Gefahren vollständig klar machen, um zu der Ueberzeugung zu kommen, daß es so nicht weitergehe, soll nicht der Bestand des Gemeindelebens ernstlich gefährdet werden, um zu dem Entschlüsse zu gelangen, daß wir alle Hand anlegen wollen und müssen, um die Schäden und Riffe auszubessern, daß neuer Geist und frische Kraft in die verdorrten Gebeine des Hauses Israel einziehe. Nur so hätte" der Gedanke der Buße im höhern, religiösen Sinne einen nachhaltigen Werth, wenn wir der Erkenntniß, daß unser religiöses Leben krank ist, den festen Entschluß folgen lassen, an der Besserung desselben, Jeder nach seinen Gaben und Kräften, mitzuarbeiten. Wir alle aber wollen üns in diesen Bußetagen zu dem Abina Malkeuu-Gebet vereinigen: „Unser Vater, unser König, sende völlige Heilung Deinem kranken Volke!" * Eine der „Pol. Korr." von vatikanischer Seite aus Rom zugehende Meldung bezeichnet die in mehreren auswärtigen Blättern aufgetauchte Nachricht, wonach der heilige Stuhl infolge der Beschlüsse des jüngst in Basel abgehaltenen zionistischen Kongresses Schritte beim Sultan behufs Verhinderung der möglichen Ueberlassung Palästinas an die Juden unternommen hätte, als jeder thatsächlichen Begründung entbehrend. Der Vatikan habe sich weder bisher mit dieser Frage in irgend einer Weise beschäftigt, noch habe er die Absicht, die Verhandlungen des genannten Kongresses in Zukunft zum Gegenstände von diplomatischen Schritten zu machen. Es steht nun Jedem frei, entweder der römischen „Italic" oder der Wiener „Politischen Korrespondenz" Glauben zu schenken. * Vom elften internationalen Orie.ntalistenkoligreß in Paris erhalten wir noch folgendes Schlußreferat:' In der ethnographisch-folkloristischen Sektion brachte Danon- Adrianopel, der jugendliche Leiter des dortigen israelitischen Seminars, manche interessante Details über den Aberglauben der ottomanischen Juden, verschiedene Vorgänge der Wahrsagekunst, verschiedene Ceremonien zum Zweck der Vertreibung der bösen Geister, symbolische Formalitäten bei der Heirath u. a. m. In einem anderen Vortrag machte er Mittheilungen über eine jüdisch - mohamedanische Sekte der Türkei, die ihr Centrum in Saloniki hat und den Namen „Deumneh" führt, d, h. Bekehrte. Regnaud-Lyon machte einige Mittheilungen aus seinem Werke über den vedischen Ursprung der Sintfluthlegende. In der griechisch-orientalischen Sektion behandelte I. Levy-Paris die verschiedenen Versionen von dem Mythus des Ursprungs der Perle, bei dem der „erzeugende" oder „zerstörende" Blitz eine große Rolle spiele, und worin die christlichen Autoren ein Symbol erblickt haben von der Geburt Jesu oder der Taufe. Usener hat die Legende mit dem klassischen Mythus von der Venus erklärt. Levy glaubte im Gegensatz hierzu, die Legende sei semitischen Ursprungs und sei nur eine einfache Verwechselung der zwei arabischen Worte barak (Blitz) und bereket (Perle). ~ In der islamischen Sektion stand im Vordergrund des Interesses der Bortrag von Goldziher-Budapest über die schon auf dem Londoner Kongreß von dem verstorbenen Robertson Smith angeregte Publikation einer Encyklopädie der arabischen und mohamedanischen Philologie. Es wurde einstimmig die Konstituirung einer permanenten Kommission beschlossen, welche die Aufgabe hat, die nöthigen Schritte zur Sicherung des Projektes dieser Publikation zu thun, und die Regierungen mnd geleh, zu g und mit Lodz Stad einge von 1350 Diese fremd in P ebens, Terri nahezi den £ zufüh nicht Städt angen gebüh vertri quelle instinl riums Anger In SB Baute und ) Werkz das il moskr eine für „ extrav 1 dem : einem Ä und s, Ben 8 behanl 3 Wohl: wie ei setzte Israel träger gegen Arbeit Körbe Omar verab, der N Wund Es ist zn der Mac unsere tungen sie mi: Ü

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