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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-09-24 · Heft 39 (24.9.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 39 (24.9.1897)
Date
1897-09-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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4 “ '‘ vir** ■* "--'r 1 dürfte schwerlich an seinem Seelenheil und seinen moralischen Qualitäten Einbuße erleiden. Das Erschreckende an den Vorgängen/innerhalb ^der Burschenschaften ist vielmehr der Geist, der solche- Beschlüsse geboren und Zeugniß ablegt von der moralischen Vergiftung weiter und — leider — einflußreicher Kreise. Die Alten Herren, die, in „veralteten Vorürtheilen" von Gerechtigkeit und Anstand befangen, sich in die „modernen" Anschauungen der heutigen Burschenschaften nicht zu finden wissen, beginnen nun aber, auch die Konsequenzen aus ihrer Meinungsverschiedenheit zu ziehen: Die von der hiesigen Burschenschaft „Germania" auf dem letzten Burschentage zu Eisenach öffentlich ausgesprochene ablehnende Haltung gegen die Aufnahme jüdischer Studirender hat, wie die Germania dem A. D. C. in einem Schreiben mittheilt, 37 theils christliche, theils jüdische Alte Herren veranlaßt, aus ihrem Philistertum auszu scheiden. — Vivant seciuentes! — Im Laufe der Saison fand in Bad Land eck i. Schl, ein Wohlthätigkeitskonzert statt, dessen Ertrag zu einem Theil dem Fonds für die Erbauung einer Synagoge zufloß. Die Veranstaltung nahm unter sehr zahlreicher Betheiligung der Kurgäste einen glänzenden Verlauf; der Löwenantheil an dem künstlerischen Erfolge des Abends gebührt dem Oberkantor der hiesigen „Neuen Synagoge", Herrn Cerini, der in uneigennütziger Weise bei diesem wie einem zweiten Wohlthätigkeitskonzert in Graefenberg seine geschätzte Kraft zur Verfügung gestellt hatte. Nach dem Bericht des „Nied. Mär. Anz.", der die künstlerische Leistung des Herrn Cerini in den höchsten Ausdrücken des Lobes und der Anerkennung bespricht, errang der Sänger einen geradezu sensationellen Erfolg. Der reichliche klingende Erfolg dürfte wohl den Erwartungen der Veranstalter entsprochen haben. tz. Posen, 19. September. Verschiedene antisemitische Zeitungen veröffentlichten kürzlich eine Notiz, derzufolge^ das Kuratorium der Rohr'schen Stiftung zur Unterstützung jüdischer Handwerker in der Provinz Posen beschlossen habe, in Ermangelung von Bewerbern die Zinsen des Stiftungskapitals von 200 000 M. anderen Zwecken zuzuführen. Die Juden hätten keine Lust, Handwerker zu werden, obwohl sie in diesem Falle erhebliche Unterstützungen zu erwarten hätten, wurde hämisch hinzugefügt. Thatsächlich liegt aber die Sache ganz anders! Die Rohr'sche Stiftung zur Ausbildung von Handwerkern hat natürlich nicht alle Juden im Auge, sondern nur die Gemeinden Jarotschin, welches gegen 80 Familien zählt, und Bojanowo, welches etwa 15 Familien enthält, deren bedürftige Jugend dem Handwerk zugesührt werden und dadurch etwas Tüchtiges auf diesem Gebiet lernen soll) die jüdische Gemeinde Posen ist dabei wohl bedacht worden < aber aus Gründen, die nicht hierher gehören, nur spärlich. Für Jarotschin in erster Reihe ist für diesen Zweck ein beträchtlicher Grundfonds ausgesetzt, während für Posen nur eine -kleine Summe bestimmt ist. Die an Posen fallenden Zinserträge reichen nicht aus, und es sind stets weit mehr Bewerber als Mittel vorhanden. Anders stellt sich natürlich das Verhältniß in dem kleinen Jarotschin; aber auch hier fehlt es niemals an Lehrlingen, von denen gegenwärtig zwei die Klempnerei, einer die Schneiderei, einer die Uhrmacherei erlernen. Auch Mädchen von Jarotschin wurden in dieser Weise erwerbsfähig gemacht, von diesen lagen immer Gesuche vor, sie waren zahlreicher als die von Lehrlingen; dennoch schienen hierbei dem inzwischen verstorbenen Stifter die Resultate nicht günstig. Er trug sich daher mit der Absicht, die Mädchen überhaupt von dem Genuß der Stiftung auszuschließen und dieselbe nur auf Knaben zu beschränken; da indeß die Gemeinde Jarotschin schon ohnedies den auf sie entfallenden Zinsantheil nicht aufbrauchte, so hatte der verstorbene Moritz Rohr vor, noch andere Gemeinden der Provinz Posen in die Stiftung einzubeziehen. Dazu indeß bedurfte es einer Statutenänderung, gegen welche die Gemeinde Jarotschin, als ihre Interessen schädigend, mit Erfolg Verwahrung einlegte. Daraus sind nun die unrichtigen und verworrenen Gerüchte entstanden, aus denen die antisemitischen Blätter ihren Honig sogen. Lp. Aus. der Provinz Posen, im September. Fabrikbesitzer Fabian Fränkel in Ostrowo hat für den Fonds zur Errichtung eines Kaiser Wilhelm-Denkmals daselbst den Betrag von 1000 Mark gespendet. Herr Fränkel ist Vorsteher der Synagogengemeinde und Magistratsmitglied der Stadtgemeinde Ostrowo. — Kantor Schlaum in Thvrn ist in gleicher Eigenschaft nach Rogowo berufen worden. — Eine Stiftung von 3000 Mark hat der Stadtverordnete und Bankier Salomonsohn in Jnowrazlaw der dortigen Knaben-Mittelschule aus Anlaß des jüngsten Sedantages überwiesen. lieber die Art der Verwendung dieser Stiftung werden noch nähere Bestimmungen mit dem Magistrat ver-> einbart werdendoch steht soviel fest, daß die Zinsen für jährliche Schülerprämien und zur Förderung der Schüler, welche die Mittelschule mit gutem Erfolge besucht haben und dann gewerbliche Fachschulen besuchen wollen, Verwendung finden sollen. Der Gedanke,—der den Wohlthäter zu dieser Stiftung veranlaßte, war die Hebung und Kräftigung des Mittelstandes, die eine gute Schulbildung zur Voraussetzung hat. — Der Kaufmann Elias Zerenze in Rog asen, der .in Kürze nach Berlin übersiedelt, hat für Arme und wohlthätige Vereine der dortigen Synagogengemeinde 1000 Mark gespendet. — Der israelitische Verein „Eintracht" in Wrescheu, der seit einem Jahr besteht-und die Pflege der Geselligkeit durch Borträge, Gesang und Vergnügungen bezweckt, hielt jüngst Generalversammlung ab. Der Kassenbericht ergab für das erste Vereinsjahr eine Einnahme von 409,50 Mark und eine Ausgabe von 370,85 Mark. Nach einigen Statutenänderungen wurden die Herren Ziegel als Vorsitzender, Lehrer Cohn zu dessen Vertreter, Neumark zum Schriftführer und L. Radziejewski zum Kassirer gewählt. r. Hannover, 17. September. Durch Bemühen des Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann ist es den jüdischen Lehrern dieser Provinz, welche in diesem Jahre behufs einer zehnwöchentlichen Uebung zum Militärdienst einberufen werden, gestattet, nicht wie ihre christlichen Kollegen am 5., sondern des Jom Kippur wegen am 7. Oktober einzurücken. Die diesbezügliche Verfügung des Generalkommandos vom 6. September lautet: „Die Lehrer jüdischer Religion werden in diesem Jahre, unbeschadet der Verpflichtung, ihrer Dienstpflicht bezw. Uebung in vollem Umfange zu genügen, erst zum 7. Oktober d. I. einberusen werden." Es dürfte für die Lehrer anderer Provinzen von Interesse sein, hiervon Notiz zu nehmen, damit sie sich eventuell unter Bezugnahme auf diese Verfügung auch an das betreffende Generalkommando wenden können. o. Aurich, 15. September. Am 13. d. Mts. hat ein Herz voll edler Menschenliebe zu schlagen aufgehört. Frau Rieke Sternberg, geb. Simon, wurde aus diesem Leben in ein besseres Jenseits abberufen. Ihren Kindern ist die heißgeliebte Mutter und dem hochbetagten Gatten die treue Gefährtin des Lebens entrissen worden. Durch ihr ruhiges Wesen, Biederkeit ihres Charakters und wahre Herzensfrömmigkeit wußte sich die Heimgegangene die Liebe Aller in hohem Grade zu erwerben; denn mild und versöhnlich, wohltbätig und human waren die Grundzüge ihres Lebens. Und nicht allein bei Glaubensgenossen, sondern in der ganzen Stadt erfreute sie sich der größten Hochachtung. Davon legte ihr Leichenbegängniß das beste Zeugniß ab. Die ganze Gemeinde und viele Andersgläubige waren herbeigeeilt, um der Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Am Friedhofe sprach der Prediger in gedankenreichen Worten und wies noch einmal auf die Vorzüge der Entschlafenen hin. Sie ruhe in Frieden! ol. Frankfurt a. M., 21. September. Unsere Orthodoxie Hirsch'scher Observanz ist nun endlich da angelangt, wohin sie bereits seit 60 Jahren steuert. Schon vor einigen Wochen verschickten Vorstand und Ausschuß der israelitischen Religionsgesellschaft ein Cirkular an ihre Mitglieder, in dem sie diesen mittheilten, daß sie ein Gesuch an die Regierung gerichtet hätten, ihnen de jure bte Rechte einer Synagogengemeinde zu verleihen. Darauf habe die Regierung geantwortet, daß zunächst die Generalversammlung über das Gesuch Beschluß zu fassen habe. Am 19. d. M. hat nun diese Generalversammlung stattgefunden und mit großer Majorität den Antrag des Vorstandes angenommen. Da die prinzipielle Geneigtheit der Regierung für das Gesuch vorhanden ist, so steht die endgiltige Genehmigung desselben nunmehr außer Frage, und unser altes Frankfurt wird bald zwei Synagogengemeinden haben. x. Freiburg i. B., 17. September. Der erste Bericht über das Friedrichsheim für israelitische Sieche und arme Greise ist erschienen. Es wird darin berichtet, daß das Friedrichsheim in Gailingen gebaut wird, daß es noch im Laufe dieses Jahres unter Dach gebracht werden soll und im Laufe des Sommers 1898 schon, Pfleglinge aufnehmen wird. Unter dem 8. November 1896 hat der Großherzog mit Staatsministerial-Entschließung dem Verein die Körperschastsrechte verliehen. Am 13. Dezember 1896 fand in Karlsruhe die Borstandssitzüng

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