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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-09-17 · Heft 38 (17.9.1897) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 38 (17.9.1897)
Date
1897-09-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Gebräuche, mundartlichen Eigenthümlichkeiten u. s. w., 2. durch eine Sammlung von in einer Bibliothek bezw. einem Museum zu vereinigenden Kunsterzeugnissen jeder Gattung, die auf das jüdische Volksleben Bezug haben, 3.. durch regelmäßigen Bericht über die Zwecke, Ziele und Sammlungen der Gesellschaft in zwanglosen Heften, welche jedem Mitglieds kostenfrei zugestellt werden, und deren erstes bereits demnächst erscheinen soll. § 3. Der Sitz der Gesellschaft ist Hamburg. § 4. Die Festsetzung der Geschäftsordnung für den .Vorstand sowie der Entwurf von Vorschriften über die Benutzung und Verwaltung der Sammlungen bleibt späteren Bestimmungen Vorbehalten. § 5. Der Vorstand wird alljährlich im Monat Oktober durch einfache Stimmenmehrheit der sich an der Mahl betheiligenden Mitglieder auf ein Jahr gewählt. Wiederwahl ist gestattet. § 6. Der Vorstand wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden, einen Schriftführer, einen' Bücher- und einen Museumswart, einen Schatzmeister und je einen Vertreter derselben. Er hat das Recht, sich durch Kooptation zu ergänzen. § 7. Der Vorsitzende oder sein Stellvertreter vertritt die Gesellschaft nach außen, verwaltet das Archiv und leitet die Versammlungen sowie die Herausgabe der Gesellschaftsberichte. Alle Urkunden, die Geldangelegenheiten betreffen, zeichnet außer dem Vorsitzenden der Schatzmeister (oder sein Stellvertreter). § 8. Der Eintritt in die Gesellschaft erfolgt durch Anmeldung beim Vorstand. Personen, die das Ziel der Gesellschaft besonders gefördert haben, können durch Zweidrittelbeschluß des Vorstandes zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. § 9. Der Jahresbeitrag ist auf M. 3, für Volksschullehrer und Studirende auf M. 1,59 festgesetzt. Zahlt ein Mitglied auf zweimalige Aufforderung des Schatzmeisters nicht, so erlischt die Mitgliedschaft. § 10. Der Schatzmeister legt alljährlich in der zur Wahl des Vorstandes tagenden Versammlung Rechnung ab. Die Versammlung ernennt vorher Revisoren, auf deren Gutachten die Versammlung dem Schastmeister Entlastung ertheilt. § 11. Erreichen die Einnahmen der Gesellschaft nicht die Höhe der laufenden Ausgaben, so gilt die Gesellschaft für aufgelöst. Etwaige Ueberschüsse werden auf Beschluß des Vorstandes zu jüdisch-wissenschaftlichen Zwecken verwendet. § 12. Die Gesellschaft tritt ins Leben, sobald 200 Mitglieder sich gemeldet haben, spätestens abe.r am 1. Januar 1898. Beitrittserklärungen nimmt Rabbiner Dr. Grünwald, Hamburg, Grindelallee 128, entgegen. Oesterreich-Angarn. O Wien, 13. September. Dem Stadtrathe wurde davon Mittheilung gemacht, daß gegen die Entscheidung der Wiener Baudeputation, betreffend die Bewilligung zur Erbauung einer neuen Synagoge in der Neudeggergasse, Bezirk Josephstadt, der Rekurs an das Mini» sterium überreicht worden sei. Wie gemeldet, hat sich der Bezirksausschuß Josephstadt gegen diesen Bau ausgesprochen. Voraussichtlich wird also der Bau dieser Synagoge für den VIII. Wiener Bezirk bald in Angriff genommen werden. — Ein strammer Parteigänger des Antisemitismus war hier ein gewisser Simon Kern, der viele arme Leute durch Schwindeleien betrogen und deshalb vor Gericht kam. Es stellte sich dabei heraus, daß er einmal zu einem armen Manne, der ihm seine 'geringen Ersparnisse als Kaution anvertraute, gesagt hat: „Das Geld ist bei mir vollkommen sicher; ich bin kein Jude". Der Gerichtshof verurtheilte den gesinnungstüchtigen Mann zu 2-/2 Jahren schweren Kerkers. — Der enragirte Antisemit, Hausbesitzer Lipka, der kürzlich in Perchtoldsdorf seinen jüdischen Schwiegersohn Dr. Martin Sonnenschein angeschossen hat und vom Bezirksgerichte verhaftet wurde, ist dem Landesgerichte eingeliefert worden. — In Brüx wurde der Schriftleiter des antisemitischen Hetzblattes, Edmund Pummer, in dessen Blatte der Gastwirth Peter Leskovar Judeuknecht geheißen worden war, wegen dieses Schimpfwortes nach § 496 schuldig erkannt und zu vier Tagen Arrest, sowie zum Kostenersatz verurtheilt. — Ober-Sanitätsrath Professor Dr. Max Gruber wurde zum Vorstande und Dozent Dr. Gustav Schacher! zum Adjunkten der mit dem hygienischen Universitätsinstitute zu verbindenden staatlichen Untersuchungsanstalt für Nahrungs- und Genußmittel ernannt. — Ferner wurde dem neugewählten Präsidenten der Handels- und Gewerbekammer Albert Mendelsburg in Krakau in Anerkennung seiner vieljährigen, verdienstlichen Thätigkeit der Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. — Die Stelle des Direktors der zoologischen Universitäts-Untersuchungsstation wurde, dem Professor Dr. Berthold Hatscheck verliehen. — Auf der Durchreise nach Bistritz a. H. geruhte der Kaiser, in Hullein den Rabbiner Dr. Frankl als Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde in Kremsier huldvollst anzusprechen. Nachdem der Rabbiner dem Kaiser den Segen ertheilt hatte, stellte dieser noch einige Fragen, so über die Dauer seiner Amtswirksamkeit. B. Budapest, 10. September. Die Kunde von dem Hinscheiden Franz Pulszkys wird weit über die Grenzen Ungarns Trauer und Mitgefühl erregen. Die große Rolle, die der Verblichene in den verschiedenen Phasen der nationalen Entwickelung Ungarns spielte, fand ihre würdige Ergänzung in der hervorragenden Position, die er im Auslande eingenommen hat. Es gab eine Zeit, in welcher die Ideen der Aufklärung und Gleichberechtigung gleichsam eine Zuflucht unter den Fittichen der Autorität des alten Pulszky suchten und fanden. Unvergessen bleiben jene geradezu - epochalen Artikel, welche der „Universellik Magyare" in den trüben Tagen Tisza-Eszlars veröffentlichte. Mit flammendem Zorne trat er den damaligen antisemitischen Hetzern, den Jstoezys, Onodys entgegen. Mit einem Hagel von Sarkasmen überschüttete er die Verleumder. Seinem Einflüsse war es zum nicht geringen Theile zu verdanken, daß die Agitation der flnstersten Unduldsamkeit und Dummheit nicht zu größeren Kalamitäten führte und die antisemitische Fluth sich sehr rasch verlief. — Laut dem Berichte des österreichisch-ungarischen Generalkonsuls in Brüssel erwies sich die Vermuthung, daß Ilona (Marie) Schönhausen, die im Geheimen getauft wurde und bald darauf spurlos verschwand, in einem belgischen Kloster internirt sei, als irrig. Die Raaber Polizei glaubt Anhaltspunkte gefunden zu haben, daß das Mädchen in Wien verborgen gehalten wird. — Beim hiesigen Gerichtshöfe belangte Bernhard Fränkel den Händler Berko Zelmanovits wegen Verkürzung des Autorenrechtes. Fränkel gab nämlich einen jüdischen „ewigen" Kalender heraus, den Zelmanovits mit jüdischen Lettern in 1000 Exemplaren Nachdrucken ließ. — Die Debreziner Kultusgemeinde ließ in einer der schönsten Gassen der Stadt einen prächtigen Tempel erbauen. Das nach den Plänen des Architekten Jakob Gärtner in maurisch-byzantinischem Stile erbaute Gotteshaus wurde in Anwesenheit der ganzen Bevölkerung — der reformirte Bischof Acon Kiß erschien im Ornate — eingeweiht. Die Festrede hielt Rabbiner Wilhelm Krauß. — Rabbiner Dr. Isidor Heller wurde zum Professor der französischen Sprache an der Raaber Staats-Realschule ernannt. Rußland. □jrj Odessa, 9 September. Alle Zeitungen Südrußlands besprechen den Zuzug zahlreicher jüdischer Ackerbauhandwerker, die um Beschäftigung bei den Feldarbeiten bitten. Die Gutsbesitzer, selbst diejenigen, die behaupteten, daß die Juden nicht im Stande seien, neben den Bauern zu arbeiten, beschäftigen jetzt Hunderte von Juden, ebenso ist es bezüglich der jüdischen Frauen und Mädchen. Namentlich in dem Bezirk von Kiew finden zahlreiche jüdische Handwerker Beschäftigung, und ohne die Nörgeleien der Polizei wäre ihre Zahl schon eine doppelte. — In allen Städten des Territoriums haben die Direktoren der öffentlichen Sekundärschulen Zettel anschlagen lassen, in denen bekannt gemacht wurde' daß im Einklang mit dem Cirkular des Unterrichtsministers vom 30. Oktober 1896 die jüdischen Zöglinge nur im Verhältniß zu zehn vom Hundert aufgenommen würden. Infolgedessen bitten die Direktoren die jüdischen Eltern, sich jeder Bemühung zu enthalten und keine Eingaben zu machen, welche die Aufnahme von Zöglingen über die besagte Grenze zum Zweck hätten. Asten. % Jerusalem, im August. Ueber den Hospitalbau wird uns von hier berichtet: Am 13. d. Mts. ist mit der eigentlichen Ausmauerung des Untergeschosses begonnen worden, nachdem die erforderlichen Aussprengungen in der Hauptsache vollendet waren; nur im westlichen Theile des Terrains werden dieselben noch fortgesetzt, da der Felsen dort vorzügliche große Bausteine ergiebt. Die Arbeiten werden mit dem größten Eifer betrieben, und wir hoffen, daß es mit Gottes Hilfe gelingen wird, noch vor Eintreffen des Hauptregens im Kißlew oder Dezember das Kellergeschoß zu überwölben. Bereits in dieser Woche sind die Arbeiten um ein Beträchtliches vorgeschritten, und sind große TheUe der Seitenwände des die beiden Flügel verbindenden Längskorridors sowie der Außenmauern des östlichen Kellers fertiggestellt worden. Es bedarf keiner Wiederholung, daß die entsetzliche

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