Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1897)
- Date
- 1897-09-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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dargebracht und gleichzeitig ein prachtvolles Präsent überreicht. In warmen Worten gedachte der Vorsitzende des rastlosen Eifers des Jubilars, der zu aller Zeit mit voller Kraft für das Gedeihen des . Vereins eingetreten ist. Am eigentlichen Hochzeits- und Jubiläumstage strömten vom frühen Morgen bis späten Abend Gratulanten herbei, um ihre Glückwünsche darzubringen. Die jüdische Gemeinde überreichte^ ein namhaftes Geschenk, und die Lehrerschaft unseres Städtchens und der Umgegend brachte ihrem Kollegen ihre Liebe und Zugehörigkeit unter Ueberreichung eines sehr werthvollen Silbergeschenkes dar. Herr Kreis- Schulinspektor Pastor Osterburg hielt eine ergreifende, zu Herzen gehende . Ansprache. Von weit und breit liefen Depeschen und Gratulationskarten ein, ja sogar in Amerika erinnerten sich ehemalige Schüler und Freunde ihres Lehrers und Freundes und sandten ihm ihre Glückwünsche. Wir aber wünschen diesem braven Mann nebst seiner Gattin von ganzem Herzen ein langes und gesundes Leben. X. Kurnik, 12. September. Der Kaufmann S aTo m.'o n Katz und seine Frau feierten am 4. d. Mts. ihre Silberhochzeit, aus welchem Anlasse dem Jubelpaare von Nah und Fern viele ehrenhafte Kund-, gebungen dargebracht' wurden. Herr Katz, ein Sohn unserer Stadt, seit mehr als 25 Jahren hier etablirt, ist ein religiöser und human denkender Mann, der allezeit für die Institutionen unserer Gemeinde das regste Interesse bekundet hat und gegenwärtig in derselben das Amt eines Schulvorstehers sowie das eines Repräsentanten bekleidet. Sein Geschäft, das in der Branche das größte der Umgegend ist, war schon oft der Zielpunkt antisemitischer Anfeindungen, die jedoch gegen Katz, der aus religiösem Prinzip in seinem Wesen streng reell und rechtlich ist, nichts ausrichten konnten. Wie früher, so besitzt noch jetzt seine zumeist aus Nichtjuden sich rekrutirende Kundschaft gerade zu" ihm ein festes Zutrauen. Das ist gewiß ein ehrenvolles Zeugniß. z. Myslowitz, 10. September. Seit Monaten wurden hier Vorbereitungen für die Einweihung der neuen Synagoge getroffen, darunter besonders der durch Herrn Kantor Spandau gegründete und von ihm eingeübte gemischte Chor, und nun ist dieser Tag heute herangerückt. Hunderte von Fremden brachten die Züge im Laufe des Vormittags aus allen Richtungen in unsere Stadt, welche Zeuge dieses weihevollen Aktes sein wollten, und keiner derselben dürfte die Stadt unbefriedigt verlassen haben, denn war doch die Feier dieses Tages, trotz aller Anfeindungen, welche von einer Seite dem Komitee in ^den Weg gelegt wurden, herrlich gelungen. -Punkt 2i/z Uhr Nachmittags versammelten sich die überaus zahlreich erschienenen Andächtigen, darunter : Stadtverordnete und Kirchenvorstände der beiden anderen Konfessionen,, in der alten Synagoge, um an der Abschiedsfeier theilzunehmen. Zunächst begann Herr Kantor Spandau nach dem Mincha-Gebet, bei Oeffnung der heiligen Lade, .im Verein mit dem von ihm aufs Beste eingeübten Synagogenchor die Gesänge, nach deren Beendigung der Rabbiner Herr Dr. Sachs, welcher von der Gemeinde vorläufig auf zwei Monate engagirt wurde, die Kanzel bestieg und in ergreifender Rede von dem alten Gotteshause Abschied nahm; besonders zu Aller Herzen gingen die Worte der Anerkennung, welche er dem alten ehrwürdigen Rabbiner Dr. Jaffö, welcher fast ein Menschenalter in diesem Gotteshause wirkte und infolge hohen Alters und Krankheit emeritirt ist, zollte. Nach diesem weihevollen Abschiedsfest vom alten Gotteshause ordnete sich-außerhalb desselben der Festzug, voran die Schuljugend, hinter dieser die Musikkapelle, der Synagogenchor, drei weiß gekleidete Damen, wovon eine das Kissen mit dem vergoldeten Schlüssel der neuen Synagoge trug, der neue, vom Jungfrauenverein gespendete Baldachin, unter welchem von auserwählten Mitgliedern der Gemeinde sechs Thorarollen getragen wurden, anschließend daran folgten sämmtliche Vertreter der königlichen und privaten Behörden der hiesigen Stadt, darunter die vollzählig erschienenen Magistratsmitglieder und Stadtverordneten mit dem Bürgermeister an der Spitze,-die auswärtigen und hiesigen Synagogenvorstände und die nach Hunderten zählenden Mitbürger und Glaubensgenossen, um durch die festlich mit Ehrenpforten, Guirlanden, und Fahnen geschmückten Straßen nach dem neuen Gotteshause zu ziehen. Während des Festzuges waren außer den jüdischen Geschäften, welche an diesem Tage ganz geschlossen hatten, auch alle christlichen Geschäfte geschlossen. Vor der neuen Synagoge angelangt, sang der gemischte Chor „Seu sclieörim“, welches einen mächtigen Eindruck hinterließ; hierauf wurde von Fräulein Selma Nothmann ein Prolog gesprochen unter Ueberreichung des goldenen Schlüssels an den Erbauer der Synagoge, Herrn Regierungs - Baumeister Grünfeld, welcher denselben mit Worten des Dankes an all seine Mit-, arbeiter, die an diesem herrlichen Bau geholfen haben, an sich nahm und dem ersten Vorsteher der Gemeinde, Herrn Jsak Kuzniteki, überreichte. Derselbe richtete in kurzen Worten an den Bürgermeister Odersky die Bitte, den Schlüssel zu übernehmen' unb die Pforten des Tempels damit öffnen zu wollen, welches vom Herrn Bügermeister mit zu Herzen gehenden Worten vollzogen wurde. Die Eintretenden würden mit einem Choral der Musikkapelle empfangen, worauf Herr Kantor Spandau unter Orchesterbegleitung mit „Borüch habo. bischem adonoj“ die Andächtigen begrüßte; hierauf trug der Chor den Gesang „Wie schön sind deine Zelte" vor, nach dessen Beendigung Herr Rabbiner Dr. Bäck aus Oppeln das Weihegebet sprach und das Anzünden der ewigen Lampe vollzog. Herr Kantor Spandau sang hieran anschließend „Schemai Jisroel“ und andere übliche Gesänge, welche von Chor und Orchester während des Umzuges mit den Thorarollen in der Synagoge tadellos wiederholt wurden. Herr Rabbiner Dr. Sachs sprach hierauf das Kaisergebet, nach welchem Herr Kantor Spandau mit Orchesterbegleitung „Hi lelraeb low" sang; der Chor trug hierauf „Hasebürenu" vor. Währenddem bestieg Herr Rabbiner Dr. Bäck aus Oppeln die Kanzel und hielt die Festrede, welche bei allen Theilnehmern den tiefsten Eindruck zurückließ. Mit einem Schlußgesang des Chors endete die herrliche Feier der Weihe des neuen Gotteshauses. Abends 6'/2 Uhr fand in Grunwalds Hotel ein Festessen statt, an welchem circa 130 Personen theilnahmen, darunter die Geistlichkeit der anderen Konfessionen, hohe Beamte und andere christliche Mitbürger von Ferne und der Stadt. L. Lübbecke, 12. September. Am 28. v. Mts. fand die Einweihung der neurenovirten Synagoge statt, an welcher sich alle Gemeindemitglieder und viele ihrer Verwandten aus der Ferne betheiligten. Die Feier beschränkte sich auf einen Sabbathgottesdienst, verbunden mit einer Weiherede und mehrstimmigen deutschen und hebräischen Chorgesängen. In der Festpredigt, der die Textworte aus dem 2. Buch Moses 25, 8 zu Grunde lagen, wurde auf die erhabene Bedeutung des Gotteshauses hingewiesen, das, auf altem Fundament wieder errichtet, seine alte, hochheilige Bestimmung erfüllen möge, indem es fürder bleibe eine Pflanz- und Pflegestätte der wahren Frömmigkeit und Religiosität, des Friedens und der Eintracht, der Liebe und Gerechtigkeit. Das neugeweihte Gotteshaus, eine Zierde unserer Stadt, ist ein herrliches, ehrendes Denkmal des religiösen, hochherzigen und einträchtigen Sinnes der hiesigen nur aus 15 Familien bestehenden Gemeinde. Wer es betritt, dem mögen wohl die Segensworte Bileams von den Lippen strömen. Ist doch sein Inneres mit solchem Schmucke ausgestattet, daß es würdig jeder größeren Synagoge sich anreihen darf. Wände und Decke zieren prächtige Malereien und Stuckatureinfassung. Reiche. Ornamente schmücken die Ostwand. Die heilige Lade, vor welcher ein kostbarer Vorhang aus rothem, schwerem Sammet mit Goldstickerei prangt, umgiebt ein blaues Feld, reich mit Sternen besäet, und dieses umschließt wiederum ein kunstvoller Bogen, ruhend auf zwei vergoldeten Säulen. Acht große, bunte Bogenfenster gewähren dem Gotteshause einen herrlichen Lichteindruck. Es bleibt noch zu erwähnen, daß alle Gemeindernitglieder sämmtliche Ausgaben für die innere Ausschmückung der Synagoge durch freiwillige Stiftungen, die einen recht hohen Betrag ergeben, gedeckt haben; gewiß ein beredtes Zeugniß wahrer Religiosität und Opferwilligkeit und die sicherste Bürgschaft des besten Friedens und der unerschütterlichen Eintracht in hiesiger Gemeinde. X Hamburg, 12. September. Im November 1896 versandte ein hiesiges Komitee der Henry Jones-Loge Einladungen zu Sammlungen zur jüdischen Volkskunde nach einem gleichzeitig zugestellten Plane. Die günstige Aufnahme, welche dieses Unternehmen in der Presse sowohl wie an privater Stelle gesunden, gab nun die Veranlassung zur Gründung einer „Gesellschaft für jüdische Volkskunde^ unter nachstehenden Bedingungen: § 1. Die Gesellschaft für jüdische Volkskunde verfolgt den Zweck, die Erkenntniß des inneren Lebens der Juden zu fördern. Die Erörterung aller Zeit- und Streitfragen nicht rein wissenschaftlicher Natur in den Versammlungen und Veröffentlichungen der Gesellschaft ist grundsätzlich ausgeschlossen. § 2. Ihren Zweck sucht die Gesellschaft zu erreichen: 1. durch eine möglichst vollständige Sammlung aller in Wort und Schrift lebenden Sagen, jüdischen Märchen, Volkslieder, Sitten,