Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 5 Mechaniker, 4 Goldschmiede, 4 Tischler, 3 Uhrmacher, 5 Tapeziere, 4 Buchbinder, 2 Maurer, 1 Steinmetz, 3 Kunstgewerbebeflissene. Unter unseren gegenwärtigen Pfleglingen befinden sich 3 Schuhmacher, 1 Uhrmacher, 1 Mechaniker, 1 Buchbinder, 17 Schneider, 1 Kürschner, 1 Trechsler, 1 Steinmetz, 1 Sattler, 6 Bäcker, 3 Klempner, 1 Maler, 1 Buchdrucker, 1 Holzbildhauer, 2 Schlosser. Sämmtliche Lehrlinge stammen von auswärts und stehen außerhalb Berlins in Lehre. Studirende technischer Gewerbe wurden bis jetzt 31 unterstützt, davon sind noch 10 unsere Stipendiaten. Es befanden sich darunter Maschinenbauer, Elektrotechniker, Zahntechniker und Zahnärzte, Thierarzneischüler, Bildhauer, Chemiker, Hochbaumeister. In jüngster Zeit hat der Ausschuß den Beschluß gefaßt, fortan nur solche junge Männer zu unterstützen, welche eine mehr fachgemäße Vorbereitung, auf einem Technikum z. B., nicht aber eine wissenschaftliche Ausbildung als rite immatrikulirte Studenten einer Hochschule genießen, da es zu den Aufgaben der Hilfsvereine für jüdische Studirende gehört, sich dieser jungen Leute anzunehmen, während die Handwerksabtheilung sich die Förderung des Handwerks auch auf seinen höheren Stufen zur Aufgabe gemacht hat. In der Zeit vom 21. Juni 1896 bis 1. Mai 1897 haben von den damaligen 41Handwerksstipendiaten 9 ihre Lehrzeit beendet, 3 mußten entlassen werden, dagegen sind 16 neue Pfleglinge hinzugekommen, und zwar 2 Bäcker, 3 Barbiere, 1 Buchdrucker, 2 Fleischer, 1 Kürschner, 1 Lederwaarenarbeiter, 2 Schlosser, 2 Schneider, 1 Schuhmacher, 1 Uhrmacher, so daß wir zur Zeit 45 Lehrlinge unterstützen. Eine Reihe von Gesuchen, die voraussichtlich zu Bewilligungen führen werden, sind zur Zeit in geschäftlicher Behandlung. Von den durch den D.-J. G.-B. mit Stipendien zu unterstützenden Studirenden sind nach Absolvirung ihrer Studien im letzten Jahre in die Praxis getreten 2 Thierärzte, 2 Maschinenbauer, 2 Techniker und 1 Zahntechniker; neu ausgenommen wurden 1 Bautechniker und 1 Techniker. Diese Stiftung verdient somit die werkthätige Unterstützung edler Glaubensgenossen in jeder Weise, damit sie ihre hohen Ziele erreichen kann. Kp Ans der Provinz Posen, im September. In dieser Woche ist der Inhaber des Levy'schen Pensionats in Posen, Oberlehrer Dr. Levy, an das Gymnasium seiner Heimathstadt Allenstein in Ostpreußen als ordentlicher Lehrer berufen worden. — Lehrer Frankenstein in Crone a. Br. beging anfangs September cr. sein 25jähriges Amtsjubiläum, aus welchem Anlasse ihm zahlreiche Ehrungen und Aufmerksamkeiten zugingen. Herr Frankenstein ist seit Beginn seiner Lehrthätigkeit an der gehobenen Bürgerschule in Crone angestellt. — Vor Kurzem hat das Schöffengericht in Schw e tz einen jüdischen Lehrling, der am Jahrestage seiner Mutter den Unterricht in der Fortbildungsschule versäumt hatte, um das Kaddischgebet zu verrichten, und deshalb eine Polizeistrafe erhalten hatte, nach Anhörung des Rabbiners Dr. Nordheimer daselbst als Sachverständigen kostenlos freigesprochen worden. 522 Hannover, 4. September. Der von Herrn Konsul M Simon ins Leben gerufene Verein zur Förderung des Gartenbau- und Hand fertig keits Unterrichts in der jüdischen Volksschule in Hannover hat sich in den letzten Jahren kräftig entwickelt. Nachdem es den Bemühungen des Vorstandes gelungen war, ein 300 Quadratruthen großes Grundstück zu erwerben, und auf diesem das Gebäude der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer im Jahre 1692 errichtet worden war, waren die Bedingungen für die gedeihliche Entwickelung des Unterrichts in Gartenbau und Handfertigkeit erfüllt. Der Unterricht in diesen Fächern gehört zu den obligatorischen Lehrgegenständen der Anstalt. Unterrichtet werden die 3 Kurse des Seminars, die Präparanden und die Uebungsschüler. Für den Unterricht in Handfertigkeit sind die im Souterrain des Gebäudes liegenden Räume eingerichtet. In wöchentlich 12 Stunden werden die Schüler von Herrn Seminarlehrer A. Levy, der seine Ausbildung als Handfertigkeitslehrer in Leipzig genossen hat, in Papp- und Holzarbeit (Kerbschnitzerei und Laubsägearbeit) unterrichtet. Die Schüler arbeiten mit Eifer und Erfolg. Der aus unserer Anstalt hervorgegangene Lehrer A. Rothschild hat in seiner Schule in Achim bereits den Unterricht in Gartenbau und Handfertigkeit eingeführt, und es ist zu erwarten, daß andere junge Lehrer seinem Beispiel folgen und so unsere Bestrebungen immer weiter verbreiten werden. Eine zu Ostern 1896 veranstaltete Ausstellung der angefertigten Arbeiten fand großen Beifall. Das dem Verein gehörende Gartengrundstück ist an den Gärtner Hagedorn verpachtet, welcher die Schüler theils in seinem Garten, theils in der für die Schüler reservirten Abtheilung methodisch und rationell in allen Zweigen der Gärtnerei, als Düngen, Graben, Säen, Pflanzen, Jnstandhalten, Ernten unterrichtet und sie mit der Kultur der Nutz- und Zierpflanzen sowie mit dem Obstbau vertraut macht, so daß die Zöglinge der Anstalt in sechsjährigem Kursus mit allen für den Gartenbau nöthigen Kenntnissen theoretisch und' praktisch ausgerüstet sind. Auch Bienenzucht wird betrieben und hat bereits in diesem Jahre guten Ertrag an Honig geliefert. Die erforderlichen Bienenkästen wurden von den Schülern im Handfertigkeitsunterricht selbst angefertigt. Im Winter erhalten die Schüler nach wie vor eine Vesperspeisung, die aus Milch und Brod besteht. Der Verein darf mit den bisher erzielten Erfolgen zufrieden sein und eine weitere günstige Entwickelung seiner Bestrebungen erwarten. Z. Aus Hessen, im September. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß unsere Schulen und Lehrer an allen Bestrebungen, welche die deutsche Lehrerwelt seit Jahren beschäftigen, durch Wort und That den lebhaftesten Antheil nehmen und dadurch den besten Beweis liefern, daß sie in keiner Weise zurückstehen. Auch dem Gebiete des Handfertigkeitsunterrichts wandten sie ihre Aufmerksamkeit zu, und die in demselben erzielten Resultate fanden bald die Anerkennung von Laien und Fachleuten. Doch steht der Unterricht im Waisenhause zu Rybnik nicht vereinzelt. In aller Stille wirken auch an anderen Stellen Deutschlands Lehrer und Erzieher, die israelitische Jugend mit allen erdenklichen Handarbeiten vertraut zu machen. So darf das Waisenhaus in Kassel für sich den Ruhm in Anspruch nehmen. Großartiges auf genanntem Felde zu leisten. Schreiber dieses hatte neulich oft Gelegenheit, die Arbeiten jener Knaben bewundern zu dürfen. Wir können dem geschickten Leiter genannter Anstalt, Herrn Sch eye, nur rathen, aus der Reserve herauszutreten und die nach seiner Angabe und unter Aufsicht angefertigten Schnitz-, Kerb- und Papparbeiten zur Ausstellung zu senden; ihm würde dann noch anderer Lohn zutheil werden als der der Selbstbefriedigung. Unsere Gegner würden auch dann ein besseres Urtheil über die jüdischen Erziehungsanstalten erhalten. Erwähnt sei noch, daß Herr Scheye bei Götze in Leipzig zweimal Kurse mitgemacht und zu den wenigen Lehrern gehört, die bei dem berühmten Meister fachgemäße Ausbildung erhalten. P. Gießen, 1. September. In unseren beiden Gemeinden, der Religionsgemeinde und der Religionsgesellschast, ist nunmehr nach einer längeren Periode religiösen Haders und Parteikampfes der beiderseits ersehnte Friede wieder eingetreten, denn die Frage, ob Stadt und Land, wie feit Alters, mit nur einem Geistlichen ausreichen könne oder auch wolle, ist auf Antrag der Religionsgesellschaft und durch den Anschluß und die Unterstützung eines Theiles der Landgemeinden regierungsseitig dahin entschieden worden, daß für beide Richtungen, orthodox und liberal, je ein Rabbiner zu bestellen sei, was denn auch durch die Ernennung der Herren Dr. Sander, vormals in Karlsruhe, für die Religionsgemeinde und deren Landbezirk einerseits und andererseits die staatliche Bestätigung des Herrn Dr. Hirschfeld für die Religionsgesellschaft und deren Landgemeinden thatsächlich eingetreten ist. Damit hätte also jede Richtung ihren Willen, was aber freilich Stadt und Land das hübsche Sümmchen von rund 8000 Mark kostet, und das in einer Zeit, in welcher der pekuniäre Erwerb ein so schwerer ist. Aber wir wollen darüber nicht klagen, wenn fortan dafür Sorge getragen wird, daß der Friede gesichert bleibt. Man hat übrigens auch daran schon von vornherein gedacht und eine gewisse Grenze beiderseits abgesteckt, da die Gemeinden eine Erklärung dieserhalb abgegeben haben; indessen ist es bis jetzt doch schon vorgekommen, daß hier und da eine Gemeinde abgeschwenkt und sich um ihre Erklärung nicht weiter gekümmert hat. Indessen verbürgt uns der friedliche Sinn der derzeitigen Inhaber der Rabbinatsstühle hoffentlich einen dauernden Frieden. — Aber das war es eigentlich nicht allein, was ich Ihnen und Ihren Lesern heute berichten wollte. Es handelt sich vielmehr um ein Ereigniß freudiger Art. Am letzten Sonntag erlebte die Religionsgemeinde nämlich die Freude, den Weiheakt ihres neuerbauten prachtvollen Gemeindehauses feierlich begehen zu können. Das ist freilich für alte, große Gemeinden nichts Besonderes, aber für unser Gießen, das vor 20 bis 25 Jahren kaum 50 Haushaltungen zählte und sich erst eben streckt und reckt und einen Anlauf zur Kehila nimmt, ist das schon ganz