Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1897)
- Date
- 1897-09-10
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228202-3228240--53990-3267945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V 1 IE 444 So beschloß er im lieben Gemüth, zum reichsten Manne Wilnas zu gehen, der jedoch ein Kenner jüdischen Schriftthiims sein müsse,E damit er dem Pumpianer Rebben in seinen Gedankengängen folgen könne. Man wies ihn zum Monatsvorsteher. - Er ging mit stärrstaunendem Blick durch die Straßen.. Jede bot Hm neue Wunder dar. Die Häuser, das Trottoir, die Kutschen und Equipagen, und erst die Menschen! Was die alle für un-; verschämt ganze Kleider anhatten, was für weiße Wäsche und die schönen Ketten und Ringe! Es war ein Jammer. All die Pracht hatte ihn so verwirrt, so konfus gemacht, daß er fürchtete, im entscheidenden Moment alle die schönen Gedanken und ihre treffliche Durchführung zu vergessen. Endlich hatte er das Haus erreicht, in dem der Monatsvorsteher wohnte — und zwar im ersten Stock. Das war wieder eine Ueberraschung, denn in Pumpian war er sein Lebtag nicht Treppen gestiegen. Aber da ihm ja nun nichts anderes übrig blieb, so ging, .stieg, klomm, kroch er, an die Geländerfproffen sich krampfhaft festkrallend, die Treppe hinauf. . Hastig öffnete er die Thür und schrie, ohne einzutreten, kurzathmig ins Zimmer: „Ich bin der Pumpianer Rebbe und Hab' mit dem Monatsvorsteher was zu schmutzen!" Alle im Zimmer wandten sich höchlichst überrascht zu dem seltsamen Gaste um. Der Monatsvorsteher, ein Mann mit schon ergrautem Bart, stand auf und begrüßte den Rebbe, mit Höflichkeit und Würde und bat ihn, in den Salon einzutreten, da er noch ein N Weilchen mit seinen Kunden zu thun hätte. Und er trat ein, der Pumpianer Rebbe, in den Salon. O, welch ein grausenhafter Anblick bot sich ihm dar: Wunderbare Möbel mit den kunstvollsten Schnitzereien, große Spiegel, die auf goldenen Füßen ruhen, vor den Fenstern mit den großen, glänzenden Scheiben die Stores, in die Figuren eiugewedt waren, und die dunklen, schweren, faltenreichen Portiören, an den Wänden Gemälde, die biblische Szenen darstellten, und auf hohen, schwarzen Säulen Marmorstatuen. An der Decke hing ein vielarmiger Kronleuchter - mit Tausenden prismatischen Gläsern, in denen das voll einfluthende Sonnenlicht sich in bunten, schillernden Farben brach. Auf dem Boden konnte er kaum stehen. Sein Fuß versank in einen dickwolligen Teppich. Und wo kein Teppich lag, da konnte er nicht gehen, denn es war glatt wie eine Eisbahn. Aber am meisten erschreckte ihn ein Silberschrank. Als er all die Kostbarkeiten anschaute, die silbernen Pokale, die Tassen, die Gabeln und Messer, blitzendes Armgeschmeide, eine wunderbare P'sominbüchse mit Hunderten feiner Fähnchen und dann noch den siebenarmigen Leuchter, da, ja da . . konnte er sich der Thränen nicht enthalten. Mitleidinnig quollen sie ihm aus dem schier Qeblenbeteu Auge hervor und rieselten ihm die bärtige Wange herab.. „Großer Gott, wie kannst Du einen Menschen nur so strafen," so rang es sich ihm aus schluchzender Brust. Mittlerweile war der Monatsvorsteher eingetreten und fragte: „Was hat Euch hergeführt, Pumpianer Rebbe?" Der Rebbe fuhr verwirrt zusammen und sagte dann mit großer Emphase : „Ihr seid doch, nebbich, zu unglücklich." Der Monatsvorsteher sah ihn ganz erstaunt an, zuckte fragend die Schulter und sagte kein Wort. Nun begann der Rabbi des Langen und Breiten seinen Plan auseinanderzusetzen, um dessentwillen er nach Wilna gekornmen war. „Ja, ich muß es Euch offen gestehen," so beendete der Rebbe seine Ausführungen, „ich hätte es mir nie im Leben vorstellen können, wie groß das Elend auf Erden ist. Menschen, rettet Euch. Nehmt Euch, das zu Herzen. Das ist kein Spaß, solche Häuser, solche Reichthümer zu besitzen: Euer Unglück ist schrecklich. Nur mein Plan, nur meine Idee, das sehe ich mehr und mehr ein, ist tief berechtigt, und nur sie allein kann der Menschheit das Heil bringen." Der Monatsvorsteher hörte ihn erstaunt an. Zunächst mochte er den Rebbe für etwas verdreht halten. Aber als er ihm ins klare, treue, schwärmerisch-verklärte Auge blickte, da sah er, daß er es mit einem rührend-naiven, weltentrückten Menschen zu thun habe, dem man mit logischen Beweisen nicht beikommen konnte. „Ihr habt vollkommen Recht," sagte der Vorsteher. „Euer Plan ist wirklich — einzig dastehend. Aber wenn ich für meine Person nach Eurem Vorschläge handeln würde, so bin ich eben doch nur Einer. Zur wirklichen Durchführung des Planes muß man aber auch die übrigen Unglücklichen überzeugen. Aber auch Mit den Armen muß man darüber verhandeln, denn ein Unglück zu übernehmen, dazu kann man schwerer überreden, als eines los zu werden." „Gewiß, gewiß!" antwortete der Pumpianer Rebbe. „Na, dann will ich Euch einen Vorschlag machen," sagte der Vorsteher, „ich will den schwereren Theil übernehmen. Ihr geht und überzeugt die Reichen, daß es nothwendig ist, ihr Unglück loszuwerden. Und ich will zu den Armen gehen, daß sie es ihnen abnehmen sollen. Wenn Ihr mit den Reichen fertig seid, dann hoffe ich, daß auch die andere Partei zur Stelle sein wird."'^. Und glücklich ging der Rabbi von dannen. Leider kann ich nicht mittheilen, welchen Erfolg er hatte. So viel aber kann ich sagen: Zum Monatsvorsteher ist er nicht wieder gekommen. Kpverhsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! & dem sehr interessanten Leitartikel der Nummer 36 heißt es: „Andererseits hat ein moderner Gelehrter das paradoxe Wort gewagt: Der Mann ist, was er ißt. . . ." Mir scheint, daß dieses Wort bei Abr. ibn Esra III. B. M. Kapitel 11 Vers 43 schon enthalten ist. Er sagt dort: bn&H Ibn Esra (im 12. Jahr) ist aber nicht der Autor dieses „Wortes", da er hinzufügt "JJ'H'’ „Denn es ist bekannt". Gleichzeitig bemerke ich, daß die lehrreichen Ausführungen des Herrn Landrabbiner Dr. Feilchenfeld in Nummer 35 nicht mit den Ansichten der „alten Religionslehrer" übereinstimmen. Siehe More-Nebuchim II. 30. Das. 1,1. Ibn Esra zu Gen. II, 16. Kusari I. Nr. 96. (Cassel, S. 48. 49.) „Die Natur, die bei der Bildung des ersten Menschen zu einer schöpferischen Thatkraft wie nie wieder sich erhob, kann nur, da weder historische noch klimatische Hemmnisse hindernd entgegentraten, das Ideal der Menschengattung erstrebt und hervorgebracht haben." Hirschfeld: Der Geist der talmudischen Auslegung der Bibel. I. Theil, Seite 67. Hochachtungsvoll Dresden, 31. August. M. Auerbach. * Geehrter Herr Redakteur! Sn Nr. 36 der „Allg. Z. d. I." S. 426, Kol. 1, Z. 10 von unten heißt es: „Am 26. März 1144, welcher Tag gerade mit dem ersten Peffachtage übereinstimmte u. s. w." Dies ist ein Jrrthum; dem 26. März 1144 entspricht der 20. Nissan 5904. Wahrscheinlich ist das, Jahr 1149 gemeint, in welchem Jahre beide Daten übereinstimmten. Außerdem geschah dieses im 12. Jahrhundert noch in den Jahren 1103, 1111, 1168 und 1187. Hochachtungsvoll Rees a. Rhein, 6. September 1897. L. Cohen, Lehrer. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. 61 bes Fr Lai Aej sar hie lat der vor jed der wa ver der hat al- Ju Js zu die Ir ers zier agc dar dik Th her Lei söh Sä sch' got uni M< Ag pur ord tan En hal gea Uel Mi sch „S gen 18! gef fest ber vor abe aus