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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-09-10 · Heft 37 (10.9.1897) · p. Seite 438

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 37 (10.9.1897)
Date
1897-09-10
Page
Seite 438 (sequence 6)
Language
German
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438 beschieden ist, hat ihre Berufsfreude erhöht. Das Bedürfniß, sich enger an einander zu schließen, machte sich geltend, nicht nur, um der Behörde die gemeinsamen Wünsche des Standes nach materieller Besserstellung in geeigneter Weise zu unterbreiten, sondern auch, um als Ganzes die idealen Bestrebungen des Einzelnen wirksamer zum Ausdruck bringen zu können. Einen Verein zu gründen, der sich die geistige und materielle Hebung des israelitischen Religionslehrerstandes und die Pflege des Religionsschulwesens zur Aufgabe machen und der alle israelitischen Religionslehrer Badens — nicht ausschließlich die an Religionsschulen angestellten, sondern alle an Schulen irgend welcher Art israelitischen Religionsunterricht ertheilenden Lehrer — umfassen sollte, war der oft ausgesprochene Wunsch vieler Kollegen aus allen Bezirken des Landes. Den ersten Schritt zur Erfüllung dieses Wunsches that die Religionslehrer-Konferenz der Bezirke Mosbach-Merchingen-Wertheim. Dieselbe betraute sechs ihrer Mitglieder damit, die Meinung sämmtlicher israelitischen Lehrer Badens über die Gründung eines Landesvereins einzuholen. Nachdem der weitaus größte Theil der Lehrer auf diese Umfrage seine freudige Zustimmung zur Konstituirung des Vereins ausgesprochen hatte, wurden sämmtliche israelitischen Lehrer des Landes auf Montag den 15. August zu einer Hauptversammlung nach Karlsruhe eingeladen. Die Tagesordnung war folgende: 1. Wahl eines Präsidiums für die Hauptversammlung. 2. Konstituirung des Landesvereins; Feststellung resp. Berathung eines Statutenentwurfs. 3. Wahl des Vereinsvorstandes. 4. Bestimmung der Zeit und des Ortes für die nächste Versammlung. 5. Festsetzung der Tagesordnung für dieselbe. Um 1 Uhr Nachmittags wurde die Versammlung eröffnet. Die aufgelegte Präsenzliste ergab die Anwesenheit von 48 Lehrern; 11 hatten ihr Nichterscheinen entschuldigt. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte Driesen-Tauberbischofsheim die Erschienenen und hob dankend hervor, wie der Großh. Oberrath den Bestrebungen der israelitischen Religionslehrer freundlich gegenüberstehe, und wie die väterliche Fürsorge unseres allverehrten Landesherrn für seine Unterthanen auch auf die israelitischen Religionslehrer sich erstrecke. Als äußeres Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit brachte die Versammlung unserem Landesfürsten ein begeistertes Hoch aus. Bei der Büreauwahl wurden Driesen-Tauberbischofsheim zum Vorsitzenden, Eichstetter-Eppingen zum Beisitzenden und Stahl-Ettlingen zum Protokollführer gewählt. Zu Punkt 2 der Tagesordnung beleuchtete der Vorsitzende nochmals den Zweck des zu gründenden Vereins und die zur Erreichung dieses Zweckes einzuschlagenden Wege. Dabei betonte er ausdrücklich, daß der Verein zu den beiden in Baden bestehenden Unterstützungsvereinen (Naphthali Epstein-Verein und israelitischer Pensionsfonds) in keinerlei Konkurrenz zu treten beabsichtige, daß er im Gegentheil die Bestrebungen jener Vereine fördern wolle, indem er seinen Mitgliedern es ans Herz legen werde, schon in ihrem eigenen Interesse wenigstens einem der beiden Unterstützungsvereine beizutreten, sofern dies nicht schon der Fall oder wegen des Alters noch zulässig ist. Bei der hieraus vorgenommenen Abstimmung wurde die Konstituirung des Landesvereins von 44 der Anwesenden ausgesprochen und der vorgelegte Statutenentwurf mit einigen Abänderungen angenommen. . Der ins Leben gerufene Verein führt den Namen „Landesverein für die israelitischen Religionslehrer in Baden". Der jährliche Beitrag eines Mitgliedes wurde auf Mk. 1.— festgesetzt. Punkt 3 der Tagesordnung fand seine Erledigung darin, daß Driesen-Tauberbischofsheim als Vorstand, Mayersohn-Rastatt und Eichstetter-Eppingen als Beisitzende, Müller-Müllheim als Schriftführer und Rosenberger-Sinsheim als Kassirer gewählt wurden. Als Versammlungsort für die erste, im Laufe des nächsten Jahres einzuberufende Landeskonferenz wurde Heidelberg bestimmt. Vorträge übernahmen: Rosenberger-Sinsheim, Rosenthal-Adelsheim und Schloß- Diersburg. Nach 4 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. Möchte der junge Verein, der schon jetzt ca. 70 Mitglieder zählt, auch die ihm noch Fernstehenden zu Freunden gewinnenl Möge er zum Besten der Lehrer und zum Segen für Schule und Gemeinde wirken! Brief aus Oesterreich. Ende August 1897. ie Saueregurkenauch Hundstagszeit nennt man bekanntlich jene, in welcher dreierlei eintritt: Auf dem Grünwaarenmarkte werden die so beliebten Gurken in großen Haufen feilgeboten, die Sonnenstrahlen scheinen erbarmungslos heiß hernieder auf Ungerechte und auch die wenigen Gerechten, so in diesem Jammerthal einherwandeln, und die sonst so geschwätzigen Zeitungsschreiber lassen die Flügel und die verrosteten Federn sinken, denn die Diplomaten schlafen, kein Wölkchen verdunkelt den politischen Horizont, man schläft in den Ministerien, wenn man nicht in der See badet, die schneeigen Alpengipfel ersteigt, eine der jetzt so modernen Nordlandsreisen unternimmt oder gar zufälligerweise über den Nordpol fliegt. Eine schwere Zeit, diese Saueregurkenzeit, für den vielgeprüften Zeitungsschreiber, die Zeit, welche die Seeschlange geboren und so manche arme Tagelöhnersfrau irgendwo in Sibirien oder weit unten im Süden mit Vierlingen hat niederkommen lassen. Und siehe, der Herr, welcher die Lilien auf dem Felde kleidet und die Spatzen nicht verhungern läßt, hat in dieser Hundstagszeit für unsere Zeitungsschreiber gnädiglich gesorgt, er hat ihnen „Stoff" gegeben in Hülle und Fülle. Da kam zuerst das Hochwasser, Brückeneinstürze, heldenmüthige Lebensrettungen, odysseeische Eisenbahnfahrten, verregnete Gebirgstouren — wahrlich, der schreiblustigste Journalist und der neugierigste Zeitungsleser 'konnten sich keine romantischeren, phantastischeren Schilderungen wünschen. — Wir wurden aber noch mit einer zweiten Hochfluth beschenkt; es war keine Fluth, welche Menschen gefährdet und ihre Güter zerstört, aber eine Fluth war's» welche einen furchtbaren Schlamm und Schmutz aufwühlte, allerlei Gerölle mit sich führte, eine Fluth, ähnlich der des fabelhaften Sawbation, von welchem der Reiseschriftsteller Eldad Ha-Dani — sein Angedenken sei gesegnet — seinen aufhorchenden Zuhörern erzählte. Was er berichtete, war freilich nicht immer ganz der Wahrheit entsprechend, was wir aber gehört, das entsprach nicht nur ganz der Wahrheit, es war vielleicht noch mehr wahr, was uns weise verschwiegen wurde; um es kurz zu sagen, die Hochfluth, von der wir sprechen, war der denkwürdige Vergani-Prozeß, der sich vor den Augen des sich über nichts mehr wundernden Oesterreichers vor den Schranken des Wiener Schwurgerichtshofes durch fünf Tage abspielte. — Wer Vergani ist, mit dem sich unsere Zeitungen in spaltenlangen Berichten, in mehr oder weniger geistreichen Leitartikeln beschäftigten? Ein antisemitischer Herostrat, ein Geschüftsantisemit,! welcher den Judenhaß weidlich ausschrotete, eine Zeitung gründete, genannt „Deutsches Volksblatt" (oh, deutsches Volk, welche Blätter umrauschen dich!), sich Geld „machte", und jetzt „mehrfach verstockter" Wiener Hausherr ist. Ein Wiener Hausherr! Wer weiß es zu fassen, wie viel Maß dummdreisten Philisteriums, gemeinem Materialismus, der sich um Backhendl und Gurkensalat dreht, von verbohrtem, bornirtem Eigendünkel mit diesem Begriffe verbunden ist. Nur Wiener Hausherren und von ihnen abhängige arme Teufel tonnten es geschehen lassen, daß ein Vergani in unserem zerrütteten politischen Leben eine Rolle spielte, ein Vergani und sein hoher Protektor, der Wiener Bürgermeister Herr Lueger. Soll ich hier noch einmal erzählen, wie viel sittlichen Schlamm die Vergaui-Hochfluth aufwühlte? Soll ich die Spalten Ihrer Zeitung I verunzieren durch die Schilderungen alle der Kniffe und Betrügereien, I der Schwindeleien und Jntriguen der zu so großer Berühmtheit ge-I langten „Mühldorfer Moral?" Wahrlich, die doch auch nicht so ganz I unbekannte Tarnopoler Moral läßt beschämt das Haupt sinken,! verb eben absp gleic denr wür denk und schin das und Der ruft solch die eifri eine« wermuß Mal Tra, daß und nossi ein ( als man von kurz Reiä griff Par, und Brut anin Wied aber öffne Parl tyrer und wird wird luerfc Die leide schul prüg ersch hau« in! woh und Tem Sta' die Syr staat läßt

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