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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-09-03 · Heft 36 (3.9.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 36 (3.9.1897)
Date
1897-09-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Wochen Gefängniß verurtheilt. Jetzt berichten die antisemitischen Blätter, er sei begnadigt worden, und fügen-"die aufreizende Bemerkung hinzu -. „Es wird ja wohl bald dahin kommen, daß nur noch Deutsche wegen Beschimpfung der jüdischen Religion, des Talmud, des Schulchan-Aruch und dergleichen bestraft werden, die Juden aber sich, wie auch Professor Rosenthal in Erlangen, über Christus nach Belieben lustig machen können." Nun ist eine Begnadigung vielmehr ausdrücklich abgelehnt worden, . und Heimann verbüßt zur Zeit seine Strafe im Gefängniß zu Meiningen. Diese Richtigstellung veröffentlichen zwar jetzt die antisemitischen Blätter auch, aber keinem fällt es ein, die, schändliche Schlußbemerkung zurückzunehmen. Das ist eben antisemitische Taktik! X Aus dem Grotzherzogthmn Hessen, im August. Am 25. d. M. fand in Frankfurt eine außerordentliche Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins statt. Dieselbe war durch den Austritt einer Anzahl Mitglieder (des Verbandsanschlusses wegen) nothwendig geworden. Der Verein zählt jetzt 54 Mitglieder. Einer von den Ausgetretenen angeregten erneuten gemeinschaftlichen Petition wurde nicht beigetreten, weil man es nicht für opportun hielt, gerade jetzt einen Punkt aus den Lehrerforderungen herauszugreifen. Man ist aber zu jedem gemeinsamen Rathen und Thaten gern bereit. Nachdem die Vorstandswahl erledigt und ein Antrag, Achawabeitritt betreffend, von der Tagesordnung abgesetzt worden war, erstattete Herr Dr. Goldschmidt-Offenbach ein Referat über sein „Urbild und Ebenbild". In kurzem, klaren Vortrage nannte er die Gesichtspunkte, welche ihn bei der Ausarbeitung seines Religionsbuches geleitet haben. Der Verein wird 50 Exemplare des Merkchens erwerben und den Vereinsmitgliedern zur Prüfung zusenden. Nachdem die Referate für die nächste Versammlung festgesetzt waren, wurde die statutengemäße Abhaltung von Provinzialkonferenzen der Verwirklichung entgegengeführt. D. Würzburg, 28. August. Hiesige Blätter und auch jüdische brachten die überraschende Nachricht von der Gründung eines „Israelitischen Radfahrervereins" dahier und dessen Anmeldung bei dem hiesigen Magistrat. An der ganzen Sache bezw. der Gründung des Vereins ist kein wahres Wort. Einige bis jetzt noch nicht ermittelte Persönlichkeiten haben unter Fälschung hiesiger israelitischer Namen bezw. Firmen einen solchen Verein angemeldet, die bei diesen Anmeldungen zu erlegende Gebühr aber nicht bezahlt und auch keine Statuten eingereicht. Demgemäß wurde auch in der letzten öffentlichen Magistratssitzung konstatirt, daß die neuerlich angezeigte Gründung eines israelitischen Radfahrervereins lediglich auf einem antisemitischen Ulk beruhe. Einem Blatt gefällt es, bei dieser Gelegenheit scharfe Ausfälle gegen hiesige junge Leute zu machen und ihnen die judenfeindliche Stimmung am hiesigen Platze in die Schuhe zu schieben. Jeder Würzburger weiß aber, daß norddeutsche Studenten diese häßliche Agitation hierher verpflanzt haben. X Stuttgart, 27. August. Eine Frage von prinzipieller Bedeutung wird nächstens die Gerichte beschäftigen. Im Jahre 1872 starb in X. ein sehr reicher Israelit, welcher sein Vermögen zu gleichen Theilen seinen zwei Neffen sowie einer Nichte seiner verstorbenen Frau vermachtem Doch wurde gleichzeitig im Testament bestimmt/ daß dieselben Sicherheit zu leisten haben, und eine endgiltige Entscheidung durch ein Kodizill, welches beim Gericht hinterlegt und erst am Todestage des Erblassers nach 25 Jahren eröffnet werde, getroffen wird. Am 20. v. M. wurde nun dies Kodizill eröffnet, und der Inhalt desselben besagt kurz und deutlich, daß die Erben des über 1000000 Mark betragenden Vermögens dasselbe nur dann endgiltig erhalten sollen, wenn diese oder ihre Nachkommen noch dem Judenthum angehören.' Das ist nun aber bei keinem einzigen der jetzt in London und Wien Lebenden der Fall; alle Nachkommen sind zum Christenthum übergetreten. Für diesen Fall hat der Erblasser bestimmt, daß der auf diese treffende Theil des Vermögens seiner Heimathsgemeinde zur Dotirung der Synagoge zufalle. Dort sind aber sämmtliche Israeliten verzogen oder ausgestorben, und das Gericht hat jetzt über die Auslegung des Kodizills zu bestimmen. Man ersieht daraus, wie vorsichtig man bei der Abfassung eines Testaments in den einzelnen Bestimmungen sein muß. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 30. August. Am 22. d. M. ist in Vöslau der Rabbiner in Ottakring und Religionslehrer der israelitischen Kultusgemeinde in Wien Dr. Moriz Deutsch gestorben. Das Leichenbegängniß fand am Mittwoch auf der israelitischen Abtheilung des Centralsriedhofes statt. Der Verblichene,, welcher in den Bezirken Hernals und Ottakring durch ein Dezennium gewirkt hat, war vordem in der Gemeinde Mährisch-Weißkirchen durch zwanzig Jahre thätig. Er besaß großes talmudisches Wissen, bedeutende rednerische Begabung und eine menschenfreundliche Gesinnung, die ihm über den Kreis seiner' Gemeinde hinaus Sympathien erworben. Seine Schlichtheit und Bescheidenheit waren sprichwörtlich und erinnerten an die jüdischen Seelsorger ältester Zeit. Oberrabbiner Dr.. Güdemann hielt die Leichenrede im Namen der Gemeinde, sodann widmete Rahbiner Dr. Jonathan Wolf dem Heimgegangenen Kollegen rührende Worte des Abschiedes. Sein Andenken bleibt gesegnet! — Dem eben erschienenen Hefte der statistischen Centralkommission über die Verhältnisse der österreichischen Strafanstalten im Jahre 1893 — wie man sieht, läßt sich die Kommission mit ihren Publikationen reichlich Zeit — entnehmen wir folgende Ziffern: Der Konfession nach gab es unter den männlichen Sträflingen 79,9 pCt. Katholiken. 11,5 pCt. Griechisch-Katholische, 2,3 pCt. Griechisch- Orientalische, 2 pCt. Evangelische, 4,1 pCt. Juden und 0,2 pCt. andere Glaubensgenossen. Unter den weiblichen Sträflingen waren 90,5 pCt. Katholiken, 6,1 pCt. Griechisch-Katholische, 2pCt. Griechisch-Orientalische, 1,4 pCt. Evangelische, 1 pCt. Juden. — In St. Pölten ist Dr. Adolf Schächter, Rabbiner in Horn, einstimmig zum Bezirksrabbiner gewählt worden. — Die Unruhen in Pilsen haben aufgehört, dagegen kam es noch in dem nahen Stenrowitz gleichfalls zu Unruhen, bei denen die Synagoge und das Gebäude, in dem die Gendarmerie untergebracht ist, bombardirt worden sein sollen. — In Bergreichenstein, wohin er sich zum Besuche seiner dort verheiratheten Tochter begeben hatte, ist der Advokat Dr. David Löwi aus Saaz in noch kräftigem Mannesalter gestorben. Derselbe hatte sich um die Kultusgemeinde Saaz und ihre religiösen Institutionen sehr verdient gemacht. Geboren 1838 in Weitentrebetitsch, absolvirte er feine juridischen Studien an der Prager Universität. Er eröffnete dann hier eine Advokaturs-Kanzlei. Seinem Bemühen war es zu verdanken, daß sich hier eine jüdische Gemeinde konstituirte. Als Dank dafür wurde er von der Gemeinde zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt. Er saß dann auch von 1871 bis 1893 im Kultusvorstande und bekleidete auch einige Male das Amt eines Präses. 1876 wurde er in den Stadtrath gewählt, und später gehörte er auch dem Ortsschulrathe an. Er fand so reiche Gelegenheit, für seine Mitbürger und auch für seine Glaubensgenossen ersprießlich wirken zu können. Friede seinem Andenken! — Infolge der neuen Eintheilung der Rabbinatsbezirke in Oesterreich wurde das ganze Küst enland Istrien in zwei solcher Bezirke geschieden: Görz mit der dazu gehörigen Grafschaft und Triest mit der Halbinsel Istrien. Zugleich hat die Statthalterei die Verordnung erlassen, daß von nun an im Küstengebiete nur solche Rabbiner angestellt werden, die auch das Obergymnasium besucht haben. Nur bei besonderen Umständen können auch gewöhnliche jüdische Gelehrte als Rabbiner angestellt werden. — Auch in Kroatien ist übrigens der Antisemitismus in neuerer Zeit importirt worden. In einer der letzten Landtagssitzungen in Agram erklärte einer der hervorragendsten Abgeordneten, Spevee, unter lebhaftem Beifall: Der Antisemitismus sei vor allem antichristlich. Er verwies dabei aus die Sittenlehre des Judenthums, die in ihrer Reinheit unübertroffen sei, und wies entschieden die vorgebrachten Angriffe auf das Judenthum zurück. — Ich schließe für heute mit der weniger wichtigen als interessanten Neuigkeit, daß der Prinz von Wales in der vorigen Woche in dem jüdischen Restaurant von Löwenthal in Marienbad ein koscheres Diner eingenommen hat. Beim Verlassen des Lokals sprach der Sekretär im Namen des Prinzen seine volle Zufriedenheit aus. Uebrigens soll auch der Herzog von Orleans ein Stammgast in dem anderen jüdischen Restaurant Marienbads, bei Baruch, sein. B. Budapest, 27. August. In Komorn konstituirte sich unter dem Namen „Transdanubischer Rabbinerverein" eine Vereinigung, deren Aufgabe es sein soll, in religiösen, das praktische Leben berührenden Fragen ein einmüthiges Vorgehen festzustellen, einen Universalplan des Religionsunterrichtes zu schaffen, konfessionelle Fragen zu behandeln und einen einheitlichen Gottesdienst in Vorschlag zu bringen. Den Vorstand des Vereins bilden die Herren Rabbiner Dr. Schnitzer-Komorn, Vorsitzender, Dr. Steinherz-Stuhlweißenburg, Dr. Klein-Veszpröm, Dr. Lövy-Gr. Atad und Dr. Bernstein- Steinamanger. — Das Reichskriegsministerium, dasseinen Sitz in

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