Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1897)
- Date
- 1897-09-03
- Page
- Seite 432 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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genauere Studien machen wollen, Anregung zu bieten, hat Strack außer den t Litteraturangaben Verweisungen auf das Targumische, das Syrische und ' die Inschriften hinzugefügt; außerdem ist die Ordnung wesentlich übersichtlicher. So werden wohl auch jüdische Studirende gar Manches aus dem sehr werthvollen Büchlein lernen können, das mit großem pädagogischen» Geschick uns das, aber auch alles das giebt, was zur Erlernung des biblischen Aramäisch unbedingt nothwendig ist. Im Verlage von Praeger u. Melier in Bremen sind erschienen: „Sechs hebräische Gesänge von Lord Byron nach jüdischen Melodien für eine Singstimme mit Pianofortebegleitung" von M. Henle, Kantor am israelitischen Tempel in Hamburg. Henle hat es vorzüglich verstanden, die herrlichen Lieder Byrons in musikalisches Gewand zu kleiden, und wir sind überzeugt, daß diese Gesänge vermöge ihrer ergreifenden Texte sowohl als auch durch die den Juden lieb gewordenen alten Melodien in dem vorliegenden neuen Gewände durch den schmeichelnden Mund der Kunst sicher auf die Hebung und Befestigung der in jetziger Zeit neu erwachenden Selbstschätzung in den jüdischen Kreisen befruchtend wirken werden. Professor Ignaz Brüll in Wien, der bekannte Komponist, richtete an Herrn Henle folgendes Schreiben: „Hochgeehrter Herr! . ■ ✓ Ich danke Ihnen für die freundliche Zusendung Ihrer „Hebräischen Gesänge". Es ist zu verwundern, wie vortrefflich Sie den Texten die altjüdischen Weisen anpaßten. Die Gesänge machen ganz den Eindruck von Originalkompositionen, so sehr decken. sich Text und Musik, und zwar: von herrlichen Originalkornpositionen. Wie tief und schön sind diese Weisen! Ihre Begleitung stets charakteristisch, interessant, die Melodie hebend und sie nie überwuchernd. Merkwürdig ist die Verwandtschaft einiger Melodien — dem Charakter nach — mit deutschen und schottischen Volksliedern. So könnte man Nr. 6 (das sich so schön zum Canon formt) für ein schottisches, Nr. 3 für ein (sehr schönes) deutsches Volkslied halten. Ist das eine Folge Ihrer Bearbeitung? Am spezifisch jüdischsten erscheinen mir die herrlichen Gesänge 1 und 4. Mir war von den Melodien nur der Anfang von Nr. 1 — die wunderbare Col nidre-Weise — bekannt, alles andere neu — so alt es auch ist. Ich bin Ihnen daher für Ihre Publikation sehr verbunden und wünsche ihr weiteste Verbreitung. Mit vorzüglicher Hochachtung Ignaz Brüll." — Die Verlagsbuch Handlung Caesar Schmidt in Zürich hat sich veranlaßt gefunden, den Preis des von dem kürzlich in Brüssel verstorbenen, allgemein beliebten und berühmten jüdischen Schriftsteller W. Herzberg vor drei Jahren herausgegebenen populären Werkes „Jüdische Familienpapiere" so zu ermäßigen, damit es auch unter dem großen Publikum allgemeine Verbreitung finde. Die neue, vierte Auflage (Volksausgabe) kostet jetzt broschirt nur noch 2,50 Mark und gebunden 3,50 Mark, gegen 4 Mark broschirt und 5 Mark gebunden des früheren Preises. Möge das Buch recht viel gekauft und gelesen werden! Sprerffsaal. fu jeder der drei Nummer» (28—28) der „Mg. Z. d. I." erlaube ich mir, hiermit einige Notizen zu machen: 1. Gegen Ende des Leitartikels „Reminiscenzen" in Nr. 26 heißt es: An der Privätschule des Dr. Stern unterrichteten mehrere christliche Lehrer; es ist hier aber jedenfalls die von A. 35—44 von Dr. S. Stern geleitete vormals Jostsche Schul- und Pensions-Anstalt gemeint, an der meines Wissens, da ich selbst 1% Jahre deren Zögling war, jüdische und christliche Lehrer, von welchen letzteren mir besonders Professor Burkhardt als Lehrer des Evangelischen im Gedächtniß geblieben, unterrichteten und in bester Harmonie mit einander verkehrten. Wer dachte in jenen antediluvianischen Tagen auch an eine Differenz und Scheidewand zwischen den beiden Konfessionen, und wer hätte es dazumal für denkbar gehalten, daß fin de siede noch eine neue, vermehrte und verbesserte Auflage der närrischen Hep-hep-Zeit erscheinen würde? Dr. Stern hatte u. a. einen Dr. med. Rasche als intimen Hausfreund und war von den Studienjahren her eng befreundet mit dem Sohne des damaligen Justizministers Mühler, dem nachherigen Kultusminister,- der ihn auch in seinem (Sterns) letzten Lebensjahre, Ende 66, behufs Dezision einer Angelegenheit der Frankfurter Realschule, deren Dirigent Stern war, in Audienz empfing. Die Schwester des Dr. Stern war noch in späteren Jahren stets entzückt, wenn sie von der Liebenswürdigkeit erzählte, mit der sie einst von der Frau Justizminister Mühler empfangen worden. Fürwahr tempora mutantur! — 2. In Nr. 27 war von der Grausamkeit des hochgefeierten Basco de Gama überhaupt und insbesondere gegen den unschuldigerweise von ihm als Spion verdächtigten und so lange erbarmungslos gefolterten Juden Gaspar, bis er ob seiner Seelenangst den Glauben der Väter abschwor, die Rede, und bald darauf brachte der „Zeitgeist" in einem Artikel „Columbus und Gama" die Bestätigung dessen und daß Gaspar, der auch seines Peinigers Namen „da Gama" annahm, sich um sein (neues) Vaterland Portugal große Verdienste erworben habe. Wer verdient da wohl die Palme, der große Vasco oder der mißhandelte Gaspar da Gama? Welch ein Spiegelbild en miniature auch der ganzen Leidensgeschichte des Volkes Israel und der Bewährung der seiner Lehre (!) entlehnten Maxime: „Liebet, die euch hassen, thut wohl denen, die euch Uebles thun." — 3. In Nr. 28 hebt Herr Chotzner bei der Besprechung der Jubelfeier der Königin Victoria hervor, daß den hierbei gehaltenen ebensowohl nichtjüdischen als jüdischen Festpredigten fast ausschließlich Texte aus unserer Bibel zu Grunde gelegen hätten, und sieht darin mit Recht ein -faktisches Dementi Derer, die jene und ihre Bekenner verunglimpfen. Das ist, wie hier konstatirt sein möge, durchaus keine vereinzelte, sondern eine durchgängige Wahrnehmung, die man bei allen öffentlichen freudigen und traurigen, friedlichen und kriegerischen Veranlassungen zu machen Gelegenheit hat. Aus den glorreichen Kriegen unseres siebenten Jahrzehnts ließen sich allein Hunderte von Beispielen anführen, wo Propheten und Hagiographen, vor allem Psalmen die Grundlage der Feld- und Siegesreden gebildet, und jedes Mal, wenn einem Fürsten besonders gehuldigt werden soll, welcher Sang ist da beliebter als Psalm 21: „Herr, Deiner Macht freuet sich der König, und wie sehr frohlocket er ob Deiner Hilfe." In Wort und That weht demnach, wo immer es Moral und Religion gilt, das Panier des Judenthums stets voran, und die es gleichwohl verkleinern und verhöhnen wollen, sie bekunden damit nur ihre — sei es Unwissenheit, sei es Böswilligkeit, das pure Widerspiel der Nächstenliebe, allein! — Im Anschluß hieran möchte ich nur noch in Bezug auf die jüngst hier mehrfach ventilirte Frage: ob „Jude", ob „Israelit"? auch eine kleine „Reminiscenz" aus früheren Jahren hinzuzufügen mir erlauben. In einer Versammlung wurde einmal die Frage aufgeworfen, was der Name „Jude" eigentlich zu bedeuten hätte, worauf ich erwiederte: Er hat seinen Ursprung von Jakobs viertem Sohne, bei dessen Geburt schon feine Mutter Leah ausrief: Diesmal will ich Gott danken! und den sein Vater auf dem Sterbelager, nachdem er die älteren Söhne abfällig behandelt, pathetisch anredete: „Du aber, Juda, Dir werden Deine Brüder huldigen und sich vor Dir bücken Deines Vaters Söhne; nicht soll weichen das Szepter von Juda re." Und in der That entstammte seinem Geschlechts das Davidische Königshaus, aus dessen Mitte nach der Verheißung der Propheten auch der Messias hervorgehen sollte, und dem entsprossen zu sein auch das Christenthum als besonderen Vorzug seines Heilands betrachtet. Seit dem Untergänge des Zehnstämme-Reichs konzentrirt sich im Stamme Juda auch das ganze Israel, und er hat durch die Jahrtausende den härtesten Kampf bestanden, den je ein Volk geführt, denn er hat einer ganzen Welt von Feinden widerstanden und besteht immer weiter, während alle mächtigen Nationen der alten Welt zu Grunde gegangen. Uvtheile dann getrost, ob es Ehre oder das Gegentheil sei, den Namen „Jude" zu tragen. Berlin, im August. Dr. M. Stern. * Briefkasten der Redaktion. Ein alter Leser in Stuttgart. Die Notiz ist gar nicht merkwürdig, da Pater Hyacinth Loyson 1872 mit einer Amerikanerin sich verheirathet und „christkatholischer" Prediger geblieben ist. Alter Abonnent in Krotoschin: Die Konkurrenz ist längst abgeschlossen. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. ,