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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-09-03 · Heft 36 (3.9.1897) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 36 (3.9.1897)
Date
1897-09-03
Page
Seite 424 (sequence 4)
Language
German
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monie stattfand, indem eine junge, vornehme Spanierin, die von einer ehemaligen jüdischen Familie abstammt, dort vor dem Oberrabbiner und vor der ganzen Gemeinde den christlichen Glauben ablegte und wieder zum Judenthum zurückkehrte. Seltsamerweise hat man bis jetzt absolut nichts davon gehört, daß in Barcelona eine jüdische Gemeinde mit einer Synagoge und einem Oberrabbiner existirt. Es wäre sehr interessant, wenn man über diese Angelegenheit von ortskundiger Seite genauere Aufklärungen erhalten könnte. Russische Blätter benutzen die Sauregurkenzeit, um retrospektive Betrachtungen über die letzten Judenkrawalle anzustellen. Ein Auszug aus der Birjewia Widomosti bezüglich der beklagenswerthen Vorgänge in Kantacuzene dient uns als Beweis dafür, daß, wenn die Lokalbehörden sich bei Zeiten daran geben und die nöthige Energie entwickeln, es ihnen auch in Rußland immer möglich ist, die Unruhen zu verhindern. Sobald in Spola die Unruhen ausgebrochen waren, hieß es in Wosnesensk, einer Stadt in der Nähe des Fleckens von Kantacuzene, daß die dortigen Juden demselben Schicksal entgegen gingen. Je mehr man sich dem Osterfest näherte, desto mehr Aergernisse wurden täglich den Juden bereitet. Aus geringfügigen Ursachen, zumeist ohne jeden Grund, warf sich der Pöbel auf die Juden und rief Zusammenrottungen hervor, bei denen der Pöbel die Angreifer offen bestärkte. Es handelte sich nicht mehr um Gerüchte, es waren Gewaltthaten, die man nicht unbeachtet lassen durfte. Zu den Roheiten des Pöbels kamen bald die unverhüllten Drohungen. Die Juden fingen bald an, sich ernstlich zu ängstigen; eine aus jüdischen Notablen bestehende Deputation begab sich nach Cherson, um von dem Gouverneur Hilfe und Schutz zu erbitten... Die Deputation kehrte nach Wosnesensk zurück, ohne irgend welches Resultat erreicht zu haben. Da nahm die Angst bei den Juden überhand; sie erinnerten sich der traurigen Begebenheiten von 1881 in Elisabethgrad, Beresofka, Balta und anderwärts, und die Juden fingen an, die Flucht zu ergreifen. Alle Tage begab sich eine Menge jüdischer Einwohner nach Nikolajef. Die Dampfschiffe zwischen Wosnesensk und Nikolajef wurden gestürmt. Den Tag vor dem russischen Osterfest war Wosnesensk fast ohne Juden. Die Stadt leer, alle Läden geschlossen, vollständige Stockung der Geschäfte, derart war der Anblick von Wosnesensk während und nach Ostern. Da wurde der Stadtrath unruhig über diesen Stand der Dinge, Patrouillen durchstreiften die Straßen Tag und Nacht, und nur Dank diesen Maßregeln erlitten die jüdischen Häuser von Wosnesensk so geringen Schaden. In dem Flecken von Kantacuzene wußte man lange vor den Unruhen, daß der Pöbel das Plündern der Juden beschlossen hatte. Aber die Schritte waren ebenso erfolglos als die der Juden von Wosnesensk... ' Da der Pöbel weder auf Widerstand noch auf Gewaltmaßregeln stieß, so machte er sich daran, in nichts behindert, die Juden zu mißhandeln, ihre Häuser und Läden zu plündern. Die 29. Jahresversammlung der israelitischen | Lehrerkonferen? Hessens. j tm Hanuschschen Saale zu Kassel fand am 5. Juli d. I. die j 29. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens! statt. In sehr großer Anzahl (die Präsenzliste weist nahezu 90 Theilnehmer auf) waren die Kollegen herbeigekommen, und schon die j gemüthlichem Beisammensein gewidmete Vorversammlung, welche am! Vorabend auf Eisengarthens Felsenkeller verabredet war, war eine stattliche zu nennen. Morgens gegen 10 Uhr begannen die Verhandlungen mit Choralgesang. Zum ersten Male seit der vor 29 Jahren durch Herrn Seminar-! direktor Dr. Stein zu Kassel erfolgten Begründung der Konferenz ver-' mißte man ihn, den bewährten treuen Leiter, am gewohnten Platze.! Eine schwere Erkrankung, die ihn schon im vorigen Jahre zu Bockenheim verhinderte, die Verhandlungen bis zum Schluffe zu leiten, und von der er leider erfolglos durch eine Badekur Linderung erhoffte, fesselt ihn seit Monaten ans Krankenlager, und unsere Hoffnung, daß ihm wenigstens die Weiterführung des Vorsitzes in unserer Konferenz möglich sein werde, hat sich leider nicht erfüllt. An seiner Stelle leitete Herr Gutkind-Kassel die Verhandlungen, die er mit einer herzlichen Ansprache eröffnete, allen Erschienenen, insbesondere auch den Gästen, ein „herzliches Willkommen" zurufend. Als Gäste waren erschienen: Herr Gemeindeältester Gustav Plaut, als Delegirter des D.-J. G.-B. und als Vertreter der Gemeinde Kassel, die Herren Dr. Rothfels, Dr. Arnthal und Bankier Blumenthal vom Borsteheramt der Israeliten zu Kassel, Herr Provinzialrabbiner Dr. Munk vom Vorsteheramt der Israeliten zu Marburg, Herr Lehrer Betting-Kassel als Vertreter des Gesammtvorstandes des hessischen Bolksschullehrervereins und Herr Kreisrabbiner Strauß-Rotenburg. Nach Bildung des Büreaus, in welchem, wie alljährlich, die Ausschußmitglieder Oppenheim-Treysa und Amram-Borken das Amt der Schriftführer übernahmen, erstattete Herr Gutkind den Jahresbericht des Ausschusses. Derselbe gab zunächst Kenntniß von der Ehrung unseres Vorsitzenden, "des Herrn Dr. Stein, bei Gelegenheit seines leider so früh nothwendig gewordenen Eintritts in den Ruhestand, sowie von einem ihm Namens des Ausschusses zu seiner Dekorirung (mit dem Rothen Adlerorden 4. Klasse) zugesandten Glückwunschschreiben und einem ihm bei Gelegenheit der Uebersiedelung aus seiner bisherigen Dienstwohnung überreichten Blumengewindes und theilte dann das Antwortschreiben mit. Ferner theilte der Jahresbericht mit, daß den beiden emeritirten Kollegen Katzenstein-Borken und Lion- Frielendorf zu ihrem 80. Geburtstage Glückwunschschreiben überreicht seien, und widmete Worte treuen Gedenkens dem im 90. - Lebensjahre verstorbenen Nestor der hessischen Lehrer, Herrn Rothschild-Treysa. Weiter gedachte der Jahresbericht des neuen Besoldungsgesetzes und erkennt dankbar die große Bedeutung desselben auch für die israelitischen Lehrer in Hessen an. Ueber die Schritte, die der Ausschuß hauptsächlich bezüglich des § 4 (Kirchendienst) gethan hat, sollte besonderer Bericht erstattet werden. Im Anschluß an den Jahresbericht verlas Herr Gutkind noch ein Begrüßungsschreiben des Herrn Dr. Stein. Dem in demselben ausgesprochenen Wunsch, einen neuen Vorsitzenden zu . wählen, entsprach die Versammlung nicht, da Herr Dr. Stein Vorsitzender sein und bleiben solle. Das Begrüßungsschreiben wurde durch ein Telegramm erwiedert. Auch den D.-J. G-B. begrüßte die Versammlung durch ein Telegramm. In die eigentliche Tagesordnung eintretend, hielt Herr Blumenkrohn-Spangenberg seinen Vortrag: „Das Bibellesen in der israelitischen Schule". Die aufgestellten Leitsätze lauten: 1. Der Bibelunterricht umfaßt biblische Geschichte und Bibellesen. Dem letzteren Unterrichtsgegenstande genügen die eingeführten „Biblische Geschichten" nicht, und ist daher dem gesammten Bibelunterrichte ein Bibelauszug, resp. eine Schulbibel zu Grunde zu legen. 2. Der Unterricht im Bibellesen beginnt auf der Oberstufe und kann, mit dem biblischen Geschichtsunterrichte verbunden, etwa auf die letzten 20 Minuten dieses Unterrichtsgegenstandes verlegt werden. 3. Gelesen werden historische, didaktische und poetische Stoffe, durch welche das Pensum in der biblischen Geschichte theils vorbereitet, theils erweitert und ergänzt wird. 4. Bei der Behandlung der Lektionen ist folgender Stufengang zu empfehlen: a) Vorlesen seitens des Lehrers, d) Einführung in das Verständniß, e) Nachlesen seitens des Schülers, ä) kurze Katechese. Als geeignetes Buch für diesen Gegenstand empfahl Redner den Bibelauszug von Dr. Jakob Auerbach. Mit dem Vortrage, der von der ganzen Versammlung mit der gespanntesten Aufmerksamkeit angehört wurde und der vollständig orientirte, stimmte das Korreferat des Herrn Levi-Hofgeismar überein. Die Debatte über die Leitsätze mußte aus Rücksicht auf weitere Gegenstände der Tagesordnung zurückgestellt werden. Nach Verlesung des nicht besonders erfreulichen Kassenberichtes folgte eine kurze Pause. Bei Wiederaufnahme der Verhandlungen waren telegraphische Begrüßungen vom D.-J. G.-B. und dem zu Norderney weilenden Herrn Landrabbiner Dr. Prager-Kassel eingetroffen. Eine längere und sehr erregte Debatte veranlaßte hierauf die Frage des Anschlusses unserer Konferenz an den „Verband der israelitischen Lehrervereine im Deutschen Reiche". Das Referat hierüber erstattete Kollege Amram - Borken, der ja als Delegirter der p. Delegirtenversammlung zu Berlin beigewohnt hatte, auch in diesem Jahre wieder in der denkbar sachlichsten Weise, mehr aus

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