Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Konstantinopel bis Alexandrien kern einziges größeres Bankhaus besteht,' durch das man Geld, ohne englische oder französische Vermittelung direkt? nach Deutschland senden oder von da beziehen könnte! Die Gesellschaft hat daher zunächst ein deutsches Bankgeschäft in Jerusalem errichtet, um unsere zahlreichen- ,und bereits bewährten Landsleute im Orient durch Herstellung einer gesicherten Verbindung , mit deutschen Kapitalkräften, zu' , fördern und dadurch auch dem Handel und Unternehmungsgeist der Deutschen in der - Heimath -neue Bahnen zu erschließen. Die sorgfältig; geführten Vorarbeiten sind nunmehr beendet; erfahrene und landeskundig^ Mitarbeiter sind,gewonnen, und-so-ist das Unternehmen denn ins Leben/ getreten, dem wir das beste Gedeihen wünschen, dem wir auch wünschen/? daß es eine rechtstarke Betheiligung ans den Kreisen der nationalgesinnten Wohlhabenden finden möge. Wir wollen daher noch bemerkenhaß der Geschäftsantheil mindestens 500 Mark beträgt, und jede Nach« schußverbindlichkeit ausgeschlossen ist." ö n. Steglitz/ 24. August. Es dürfte für Viele von Interesse sein, zu erfahren, daß der hiesige Religiöse Verein, einem schon längste vorhandenen Bedürfnisse nachkommend, hier, Düppelstraße 41, einen Betsaal für^Steglitz und Umgegend in einer sehr würdigen Weise erbaut hat, der zu den hohen Feiertagen seiner Bestimmung übergaben werden soll. n, Czarnikau, 20. August. Am letzten Sabbath konnte unser allveretzrter Rabbiner Dr. Freund zum ersten Male nach einem fast halbjährigen Krankenlager^ die Synagoge besuchen. In dem festlich mitz Guirlanden geschmückten Gotteshause bereitete ihm die Gemeinde einen feierlichen Empfang. Ein Damenchor begrüßte ihn mit dem Lewan« dowski'schen Liede „Der Herr ist mein Hirte", als er in Begleitung be§* Vorstandes die Synagoge betrat. In wenigen, aber tief empfundenes Worten drückte der Repräsentantenvorsitzende Herr Dr. Michelsohn ihm hier die Gefühle der Freude aus, welche die Gemeinde bewegen, dM ihren allverehrten Rabbiner wieder die Kanzel besteigen sieht. Iw wahrhaft meisterhafter Weise sprach nun der Herr Rabbiner seinen Dank aus für die Gnade des Höchsten, der ihn so wunderbar aus; schwerer Krankheit errettet, für das Mitgefühl der Gemeinde an seinem Geschicke und für ihre ihm bewiesene Liebe und Treue. Möge es dem verehrten Manne vergönnt sein, in voller Gesundheit noch lange züM Heile der Gemeinde zu wirken. / § Breslau, 22. August. Wenn die Ferien der reisebedürftigen Menschheit wieder zu Ende sein werden, also Anfangs September, dürfte es in unserer Gemeinde zu lebhaften Debatten kommen. Es handelt sich nämlich um'Einführung eines Sonntagsgottesdienstes in fce£ großen Synagoge, natürlich nur als Appendix zum Sabbathgottesdienst. Die Gottesdienstkommission hat in einer ihrer letzten Sitzungen, wie es heißt, nach langen Debatten beschlossen, , einen diesbezüglichen Antrag dem Vorstände zu unterbreiten. Ich zweifle nicht daran, daß er dort genehmigt und nach dem gegenwärtigen Stimmeilverhältniß auch' in der Repräsentantenversämmlung durchgehen würde. Gleichwohl wäre die Sache damit nicht abgemacht, denn in der Gemeinde selbst riefe ein solcher Beschluß große Opposition hervor. Der kleinen aber rührigen Partei, die auch hier gern.die augenblicklich in Berlin herrschenden Zustände einführen möchte, wäre ein solcher Beschluß sicher ein willkommenes Agitationsmittel, um Unfrieden in der Gemeinde zu stiften. Sie weiß ja. daß man mit dem Schlachtruf: „Der Sabbath ist in Gefahr!" gut in den Kampf ziehen kann. Aber auch von anderer und viel gewichtigerer Seith droht dem Antrag ernste Opposition. Auch unser verehrter Herr RabbineO Dr. Guttmann ist, wie es heißt, ein Gegner desselben und hat in einen der letzten Sabbathpredigten alle religiösen, sachlichen und praktische»; Bedenken ausführlich geschildert, die eine solche Institution gegen sich) habe. Und gleichwohl ist dieselbe ein Bedürfniß, ein dringendes? religiöses Bedürfniß — und wenn man den Sonntagsgottesdienst jetztz nicht freiwillig einführt, so wird man vielleicht schon nach einem JahrL zehnt ihn nothgedrungen einführen müssen. Hier in Breslau so gut) wie anderswo — aber hier ganz sicher. W. Aordhausen, 22. August. Gestern, am Sabbath Mens, hatleit' wir die Freude, den Herrn Prediger Dr. Leimdörfer aus Hamburgs welcher früher fast acht Jahre in 'unserer Gemeinde als Seelsorger g^ wirkt, in einer Gastpredigt über Psalm 19, B. 8 zu hören — und zwar auf besonderes Ersuchen seines Amtsnachfolgers und des' Vorstandes. Die Begeisterung über das Gehörte war eine große, und tief ergriffet verließ Jeder, das zu Ehren des. verehrten Gastes geschmückte Gottes» haus. Die Rede gipfelte hauptsächlich in der philosophischen Beleuchtung der Gegenüberstellung religiöser Ethik zu den Prinzipien her modernen ethischen Gesellschaft. . .. / * R. Dessau, 22. August. Das Vorstandsmitglied ' der hiesigen Gemeinde Herr Geheimrath E lkan feierte amletzten Freitag seinen 70. Geburtstag.. Der Dank für die Verdienste, dieser in seiner Wirksamkeit als Vorsteher sich erworben, wurde-Ihm--durch Ueberreichung eines Pokals ausgedrückt und dabei von der Gemeindevertretung der Wunsch ausgesprochen, ihn noch viele Jahre bei bester Gesundheit und Frische seines Amtes. walten zu sehen. Die „Gesellschaft der Barmherzigen Brüder" ernannte ' den Jubilar zum Ehrenmitgliede unter Darbringung einer kunstvoll gearbeiteten Adresse Die Beamten der Gemeinde brachten ebenfalls mit freudigem Herzen dem Manne, der ihnen stets ein treuer Berüther istihre aufrichtigsten Wünsche. Diesen Gratulanten folgten viele Freunde und Bekannte-?uiWbem Gefeierten ihre Verehrung kund zu. thun. Zahlreiche Telegramme- und Blumenspenden aus Nah und Fern zeugten ebenfalls von der Achtung.und Liebe, deren Herr Elkan auch s,über'die Grenzen unserer Stadt hinaus sich erfreut,- und Ihr Korrespondent fügt noch den Wunsch hinzu, den Herr Baron v. Cohn ihm gewidmet-: „Aus 70 werde 100".: Osnabrück, 23. August. Wir theilten seinerzeit mit, daß der-jüdische Schlächter und Viehhändler Gottschalk von dem Schöffengericht zu Osnabrück wegen Beleidigung des Gildenmeisters Lotze zu 100 Mark Geldstrafe eventl. 10 Tagen Haft verurtheilt worden/ ist. Zugleich knüpften wir an diese Thatsache die Bemerkung, haß Gottschalk gegen dieses Urtheil Berufung eingelegt hätte. Wie wir nun mittheilen können, fand in dieser Sache am 9. August in der Berufungsinstanz vor der hiesigen Ferienstrafkammer Verhandlung statt, in der Gottschalk freigesprochen wurde. Der Vertheidiger konstatirte ausdrücklich,.daß in der „Gottschalks-Hetze" nichts Anderes zu erblicken sei,, als ein Ausfluß antisemitischer Gesinnung, und verwies dabei auf . die unwahren Artikel, die in dieser Sache in den antisemitischen Blättern gestanden haben. Auch vom Richtertische aus wurden diesbezügliche Fragen an Zeugen gerichtet und von diesen bejaht. Alle Versuche der Gegner, Gottschalk zu verdächtigen, sind bis jetzt zerschellt. . Erst klagt man Gottschalk des Diebstahls an; die Klage wird vom Gericht zurückgewiesen. Dann strengt man einen Beleidigungsprozeß gegen ihn an; er wird freigesprochen. So fällt allmälig das ganze antisemitische Lügengewebe in' sich zusammen. a. Aus dem Rheinland, im August. Die „Akademischen Monatsblätter", das Organ des Verbandes der katholischen Studentenvereine Deutschlands, berichten aus dem Rheinland, welches zu 75 Prozent katholisch ist, daß im letzten Jahre (1895/96) 54,86 Prozent Katholiken, 38,88 Prozent Protestanten und 6,26 Prozent Juden die erste juristische Prüfung bestanden. „Geradezu verblüffend," schreibt das Blatt, „ist das Ergebmß desselben Prüfungsjahres. Von den Juden fiel Keiner durch, von den Protestanten 15,15 Prozent, von den Katholiken 31,57 Prozent. Wie ist diese Thatsache zu erklären? Voreingenommenheit der Kommissare ist ausgeschlossen. An dem Mangel an Einpaukern kann's allein auch nicht liegen! Auffällig bleibt's auf. jeden Fall." Wir meinen aber, daß die Sache ganz und gar nicht auffällig sei, wenn man das Studentenleben in Deutschland genauer kennt und beobachtet. 8. Goch (Rheinland), 23. August. Am 20. d. Mts. verschied Hierselbst nach kurzem Leiden der in jüdischen wie in christlichen Kreisen hochverehrte Rentner Philipp Schoenbach. 35 Jahre lang hat derselbe mit seltener Pflichttreue als Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde segensreich gewirkt; außerdem war er 18 Jahre lang Mitglied des Städtverordnetenkollegiums. In seinem Testamente hat derselbe ein Kapital zum Aufbau der israelitischen Schule bestimmt und ein größeres Grundstück zur Neuanlage eines Friedhofes geschenkt, ebenso die städtischen Armen in der humansten Weise ' bedacht. ' Die; große Betheiligung bei der-Beerdigung seitens der Bürgerschaft, sowie : der Stadtverordneten, des Bürgermeisters und des evangelischen Pastors in seiner Eigenschaft als Lokalschulinspektor, legte Zeugniß davon ab, welcher allgemeinen Beliebtheit der Verblichene sich erfreut hat. Sein : Andenken wird in der Gemeinde stets ein ehrenvolles bleiben. beric Stui Hau derer wur' zertr Das schw jeden Pari derl Geg, daß, inser einer Wäs in i Pub! 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