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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-27 · Heft 35 (27.8.1897) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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61. Jahrgang. Nr. 35. Lerlin, 27. Ängust 1887. Weikage zur „ALtgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Drutschlanü. 8. Berlin, 23. August.' Während der letzten Wahlagitation war von gegnerischer Seite, wie erinnerlich, behauptet worden, daß über 10 000 Mische Kinder hier ohne Religionsunterricht aufwachsen. Auf Grund dessen hat das Provinzialschulkollegium Erhebungen in den Schulen anstellen lassen. Vom Polizeipräsidium ist nun vor Kurzem als Resultat der Erhebung der jüdischen Gemeinde eine Liste mit dem Ersuchen, das Weitere zu veranlassen, zugegangen. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hat stch infolgedessen veranlaßt gesehen, den Eltern der in" der Liste aufgeführten Schüler und Schülerinnen folgendes Cirkular zu. übersenden: „Der Herr Polizeipräsident hat uns auf Veranlassung des königlichen Provinzial - Schulkollegiums ein Verzeichniß übersandt, aus welchem hervorgeht, daß der Schüler der.keinen Unterricht in der jüdischen Religion erhält, und uns ersucht, auf Grund des § 62 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 das Weitere zu veranlassen. Wir ersuchen Sie demnach ergebenst, uns gefälligst binnen 14 Tagen mittheilen zu wollen, 1. ob die obige Angabe den Thatsachen entspricht, 2. bejahenden Falles, aus welchen Ursachen die Theilnahme am jüdischen Religionsunterrichte unterbleibt. Zugleich weisen wir darauf hin, daß unsere Gemeinde vier Religions-Schulen unterhält, in welchen während der schulfreien Zeit Unterricht in der jüdischen Religion — an Unbemittelte unentgeltlich — ertheilt wird." Die Veröffentlichung des genauen Resultates ist insofern nicht möglich, als noch zahlreiche Antworten eintreffen. Erwähnt kann jedoch schon werden, daß die Zahl der betreffenden Kinder, soweit die Gemeindeschulen, Privatschulen und höheren Töchterschulen in Frage kommen, sich auf höchstens 1500 belaufen dürfte. Hierbei sind bereits mehr als 500 Kinder unter 9 Jahren mitgerechnet, in deren Schulen zwar Mischer Religionsunterricht ertheilt wird, aber erst in einer höheren Klasse, meist der sechsten, beginnt. Die Zahl,.die ja selbstverständlich niemals die Höhe der angegebenen Ziffer erreichen wird, vermindert sich ferner dadurch, daß sehr häufig falsche Angaben gemacht worden sind, deren Richtigstellung erst nach Eintreffen der Antworten möglich sein wird. Wir werden unsere Leser über den Fortgang der Angelegenheit auf dem Laufenden erhalten und hoffen, bald in der Lage zu sein, das endgiltige Resultat dieser Erhebung veröffentlichen zu können. Berlin, 22. August. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin sendet uns das Verzeichniß der im Wintersemester 4897/98 zu haltenden Vorlesungen. Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud stat.: (Jeruschalmi und Babli) P'sachim, Kap. I, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8 bis 10 Uhr. 2. Talmud Babli kursorisch : Baba Mesia Kap. II (Forts.), 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8 bis 10 Uhr. 3. Jore Dea (Tur und Schulchan Aruch XI bis XXII, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 10 bis 11 Uhr. 4. Eben ha-ezer XVII (Fortsetzung), 1 Stunde, Montags 11 bis 12 Uhr. 5. Mischne Tora, I. Buch (Forts.), 2 Stunden, Dienstags und Freitags 12 bis 1 Uhr. 6. Einleitung in den Talmud (Forts.), 1 Stünde, Donnerstags 11 bis 12 Uhr. Herr Dr. Maybaum wird lesen: 1. Lektüre des Bereschith rabba, 1 Stunde, Dienstags 8 bis 9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8 bis 10 Uhr. Herr Dr. Schreiner wird lesen: 1. Alte Pentateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags 11 bis 1 Uhr. 2. Erklärung der Psalmen, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10 bis 11 Uhr. 3. Geschichte der Schriftauslegung und der hebräischen Sprachwissenschaft, 1 Stunde, Mittwochs 11 bis 12 Uhr. 4. Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie, 1 Stunde, Dienstags 9 bis 10 Uhr. 5. Kuzari, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 11 bis 12 Uhr. 6. Geschichte der Juden, 2 Stunden , Sonntags und Mittwochs 10 bis 11 Uhr. Herr Professor Dr. Steinthal wird lesen: Vergleichung der Gesetze im Deuteronomium mit denen der vorangehenden Bücher der Tora, 1 Stunde, Donnerstags 6 bis 7 Uhr Nachmittags.. Die Eröffnung des Wintersemesters findet am 21. Oktober um 12 Uhr Mittags statt. Alle Vorlesungen an der Anstalt sind unentgeltlich. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Reihe die rite immatrikulirten Studirenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen theilnehmen. ££2 Berlin, 23. August. Der Bericht des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur an der Universität Berlin über die Sommer - Semester 1896, Winter - Semester 1896/97, Sommer-Semester 1897 zeigt, daß dieser Verein auf dem Wege der gedeihlichsten Entwickelung sich befindet. Im Sommer - Semester 1896 wurden im Ganzen 13 ordentliche Sitzungen abgehalten. Das Winter-Semester wurde am 29. Oktober eröffnet und am 27. Februar geschlossen. Es wurden 18 ordentliche Sitzungen abgehalten. Wie in früheren Semestern, betheiligte sich der Verein an fast allen Veranstaltungen der Studentenschaft. Die wissenschaftlichen Bestrebungen des Vereins wurden durch 11 Vorträge gefördert, darunter einer von Herrn Professor Dr. Philippson, dem der Verein seinen Dank für sein reges Interesse an der Entwickelung desselben ausspricht. Im Sommer- Semester 1897 wurden 13 ordentliche und 2 außerordentliche Sitzungen abgehalten. Die Aemter im Vorstande bekleideten Kand. jur. Graff als Vorsitzender, Kand. med. denl. Dallmann als Schriftführer, Stud. jur. Jacobsohn als Kassirer und Stud. jur. Levy als Bibliothekar. Am 26. Mai wurden die Sitzungen nach der Lothringerstraße 26 verlegt. Die Einweihung des neuen Vereinslokals, das von einer Kommission aufs Prächtigste geschmückt war, fand im Beisein vieler Gäste, auch der Vertreter der befreundeten Korporationen, statt. Nach außen hin betheiligte sich der Verein an der Feier des XXV jährigen Jubiläums der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums zu Berlin durch Entsendung von 3 Chargirten, denen sich alle Aktiven und eine große Anzahl alter Herren anschlossen. Im Sommer - Semester 1897 wurden folgende Vorträge gehalten: Stud. med. G. Arndt: Die" Kunst bei den Juden im Alterthum. Kand. med. dent. Dallmann: Das Asylrecht bei den Israeliten. Stud. jur. Levy: Das Familienrecht nach talmudischem Recht. Stud. med. dent. Salinger: Rabbi Akiba Egers Leben und Wirken. Kand. phil. Cohen: Rabbi Meier. Stud. techn. Wittenberg: Die Juden in England bis zum Tode des Königs Richard Löwenherz. A. H. Dr. Lucas: Kritik der jüdischen Geschichtsschreibung. Der Verein zählt 1 Ehrenmitglied, 44 alte Herren, 13 aktive und 9 auswärtige aktive Mitglieder. Diese können mit Befriedigung auf das rege Vereinsleben in den verflossenen Semestern zurückblicken. Treu den Prinzipien und Grundsätzen des Vereins, denen er seine Erfolge zu verdanken hat, wird er auch weiter in den Bahnen wandeln, die die Begründer und Förderer gewiesen haben, in dem Bewußtsein, daß die Wissenschaft, die er vertritt, ihre Berechtigung in sich selbst und in ihrer Stellung zur allgemeinen Geisteswissenschaft trägt. ££2 Berlin, 23. August. Eine „Deutsche Palästina- und Orient-Gesellschaft" hat sich in Berlin, den „Alldeutsch. Blatt." zufolge, gebildet. Ihre Hauptleitung wird von Angehörigen des Bankhauses von der Heydt u. Co. zu Berlin geführt. Gegenstand des Unternehmens ist die Förderung der deutschen und wirthschaftlichen Interessen in Palästina und dem Orient und der Betrieb aller hiermit in Zusammenhang stehenden Geschäfte, insbesandere der Erwerb, die Zerlegung und Bewirthschaftung von Grundstücken, der Betrieb von Bank- und Handelsgeschäften, namentlich zwischen Deutschland und dem Orient, sowie die Errichtung und Unterstützung von gewerblichen und dem Verkehr dienenden Anlagen und Betrieben , aller Art. Die „Alld. Bl." bemerken dazu: „Es ist ein weites Feld, das sich die Gesellschaft gesteckt hat, auf dem sich schöne Erfolge erzielen lassen; wie nothwendig aber ein solches Unternehmen ist, erhellt unter anderem daraus, daß von

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