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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-27 · Heft 35 (27.8.1897) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
Seite 419 (sequence 11)
Language
German
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419 Reduplikationen ein und derselben Sache. . . In Deinen so frischen Feuilletons machst Du nie derartiges, warum in Deinem Roman? - Da hast Du nun einige so unvollkommene wie vielleicht unwillkommene Anmerkungen,? aber Du bist ein braver Kerl, und wirst, wenn es Dich auch Anfangs verdrießt, doch sagen: der Auerbach meint es ehrlich mit mir unv Ich muß aufmerksamer auf mich sein. . . Dein alter Berthold Auerbach. --I,-II- : ---- II-II—-- iimrnnminraTI inwiiiwniigRi .* i MM!MW ~n—-h - — ----- —ii-—w—=i Meder Glück noch Ktern. Novelle von O. Bach. aß Eva Bernauer in der That daran dachte, ihn mit ihrer reizenden Person und der reichen Mitgift zu beglücken, erfuhr Klein durch eine Indiskretion ihres Bruders Louis. Der junge. Doktor der Philosophie, der feine neue Würde dazu benutzte, um so unphilosophisch als möglich sein Leben zu vergeuden und Thorheit auf Thorheit zu häufen, hatte in einer stark angeheiterten Stimmung zu Klein gemeint: „Wissen Sie, in unserem Hause finden jetzt oft Debatten. statt, wobei Ihr Name eine Rolle spielt. . Mein Papa hat die Absicht, meine Schwester Eva unter die Haube zu bringen. Die Schadchens laufen sich die Hacken ab, denn so ein hübsches, munteres Goldfischchen, wie Eva ist, will so Mancher angeln, aber Eva hat die für Papa unbegreifliche Schrulle, sich nicht als Waare betrachten lassen zu wollen, sie denkt daran, horribile äietu, aus Neigung zu heirathen. Papa hingegen meint, daß der Mann, den die Weisheit der Eltern aussucht, immer nach dem Herzen der Tochter sein müsse. Ihnen, meinem gestrengen wie geliebten Mentor, will ich anvertrauen, daß sie nun heute mit dem Muthe einer Porzia erklärt hat, daß sie bereits eine Wahl getroffen. Rathen Sie einmal, auf wen sie gefallen ist. Meinem Vater siel vor Schreck der Kurszettel aus der Hand, und ich selbst war ein wenig verblüfft. Nicht etwa, weil ich die Wahl mißbillige, au eontraire, sondern weil ich meiner etwas oberflächlichen, an allen möglichen Flitterkram gewöhnten Schwester, der die hübschesten, flottesten, schneidigsten Männer huldigend zu Füßen liegen, bildlich, lieber Doktor, bildlich gemeint, gar keinen so vernünftigen, ich möchte sagen gebildeten Geschmack zugetraut habe. ' Sind Sie gar nicht neugierig, den Namen des Glücklichen .zu erfahren?" schloß Louis seine Rede, welcher Klein mit fieberhafter Unruhe" gelauscht hatte. „Begehen . Sie keine Indiskretion, bester Louis," klang es. ernst ' von den Lippen Kleins. „Ich habe nicht das Recht, mich in das Geheimniß Ihrer liebenswürdigen Schwester einzudrängen' und, aufrichtig, auch kein Interesse daran," setzte er zögernd hinzu. „Hm!" Louis Bernauer stieß es verletzt hervor. Seine Augen richteten sich mit einem recht hochmüthigen Ausdruck auf den jungen Mann, der abgespannt, müde^ auf seinem ungepolsterten Sessellehnte, den blassen Kopf auf die Hand gestützt. „Sie scheinen mir etwas schwer von Begriff , zu sein, mein werther Herr Doktor, trotz Ihrer anerkannten Weisheit und Ihres grandiosen Erfolges." „Oder, mein lieber Louis Bernauer,. ich will nicht .begreifen," warf Klein ein. „Ihr Fräulein Schwester befindet sich wohl in ■timwnuan iMMW 1 FEUILLETON MIMM. ’iUEJImn 22 einem großen Jrrthum in Betreff ihres Herzens..:- Was bedeutet denn in ihren Kreisen überhaupt'Herz, Geist und Gemüth!' Junge, schöne und reiche Mädchen haben aber das Recht, einer Laune zu folgen, nur wird sich ein ernster, vom Schicksal hart geprüfter Mannniemals zum Spielball einer Laune machen lassen. Ich stehe ja der Angelegenheit.ganz objektiv gegenüber.. Daß Eva Bernauer mich nicht liebt, dessen bin ich ebenso sicher, als daß sich, die Namen Klein und Bernauer niemals verwandtschaftlich mischen können. Ihr Vater hat mir, als ich Knabe war, eine weise, sehr < harte Lehre gegeben. Sie ist auf guten Boden gefallen. Ehe ich zu Ihrem Vater Vater sagte, ehe ich die Hand freundlich drückte' die den bittenden, vertrauensvoll zu ihm aufblickenden Kinde, das nicht um Brod bettelte, sondern nach geistiger Nahrung verlangte, die Thüre gewiesen, hart, ohne Erbarmen, dem Armen selbst die Kraft, etwas.Besseres zu werden, absprach, lieber würde ich auf, jedes Erdenglück verzichten. Doch, wir streiten uns um des Kaisers Bart. Fräulein Eva Bernauer, ein ebenso reiches wie schönes und von mir aufrichtig verehrtes Mädchen, hat einen zu guten Geschmack, um mich mit anderen, freundschaftliche theilnehmendeu Augen zu betrachten, und ich, lieber Louis, habe mir die Wissenschaft als Braut erkoren. Ich heirathe aus doppelten Gründen nie. Das Mädchen, das ich liebe, kann ich nicht besitzen, weil wir Beide arm sind, und zweitens weiß ich seit Kurzem, daß ich ein kranker Mann bin. der kein Recht hat, eine Familie zu gründen." . , „Sie sprechen im Ernst?" „Sehr ernst," entgegnete Klein ruhig. . - „Mein Arzt hat mich untersucht. Lunge und Herz taugen nichts mehr. Ich habe zu lange gedarbt, meine Kräfte sind erschöpft. Ich muß die kurze Zeit, die mir zu leben noch vergönnt ist,, gut ansnützen. Bedauern Sie mich nicht. Das Werk, welches ich unter der Feder habe, werde ich noch vollenden können. 'Es wird meinen Namen weit in die Ferne tragen, vielleicht mich unsterblich machen. Es ist das höchste Ziel, das ich mir gesteckt; wenn ich es erreicht habe, wird mir die Ruhe, die ewige, wohl thun." Louis Bernauer blickte mit Bewunderung und Theilnahme in das blutlose Antlitz Kleins, das einen resignirten Ausdruck angenommen hatte. „Sie vermögen den Gedanken an einen nahen Tod zu ertragen, dem blaffen Gespenste muthvoll ins Auge zu blicken?" fragte er gepreßt.. ... „Dürfte ich mich sonst einen Philosophen nennen?" erwiederte Klein mit einem müden Lächeln. „Doch ich will mich nicht für größer hiustellen, als ich es in der That bin. Noch vor wenigen Tagen hätte mich der Ausspruch des Arztes erschreckt, betrübt, heute finde ich einen Trost darin. Ich entsage dadurch leichter dem Glück, das sich mir von Ferne verlockend gezeigt, mir aber unerreichbar ist. Grüßen Sie ihre holde Schwester von mir. Wenn sie, vielleicht schon recht bald, hört, daß ich gestorben bin, dann soll sie mir ein freundliches Andenken bewahren. Für Ihren Vater und Seinesgleichen wird möglicherweise mein früher Tod, dem angestrebten Ziele so nahe, eine Lehre sein. „Ich will nicht glauben, was Sie behaupten," sagte der junge Bernauer bewegt. „Gute Pflege, eine rationelle^ Behandlung wird Sie heilen, und als gesunder Mann werden Ihnen die Schwingen wachsen, die Sie jetzt muthlos sinken lassen." „Zu spät, mein lieber Louis, zu spät! Ich habe es Ihnen schon an jenem Tage gesagt, an dem Sie zum ersten Male zu mir gekommen sind." . / . Wie schlecht es um den jungen Gelehrtenstand, . ahnten selbst die Damen Milde nicht. ~

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