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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-27 · Heft 35 (27.8.1897) · p. Seite 418

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
Seite 418 (sequence 10)
Language
German
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vielmehr Lebenskleine, für die Freunde lithographirt, ist fertig und ich warte nur auf Gelegenheit, es cum aliis zu schicken. 1 .Die „Hökerin^ und den ,-Geheimrath" habe ich gelesen. Erster hat unter dem Theatermäßigen das spezifische Naturelldas ich mir dachte, eingebüßt. Der Geheimrath dagegen ist einfach gut in der Anlage unt» der Ausführung, nur scheinen mir die Farben etwas greller. Details möchte ich lieber besprechen,-als darüber schreiben. Kommen Sie doch einmal den Sommer zu uns. Es wird mich sehr freuen^auch des Verlegers wegen, wenn Sie meine gesammelten Schriften folgemäßig in der Vossischen Zeitung anzeigen. Ich habe diese Ausgabe sorgfältig gemacht und lasse mich keine Mühe dabei verdrießen. Zugleich lege ich hier eine Notiz über einen Freund bei, die Sie' gef. in die Vosstschen Z. bringen und mir baldigst unte^ Kreuzband die betreffende Nummer schicken. Von meinem Drama höre ich gar nichts mehr und trotz Ihrer freundlichen Mahnung komme ich doch nachgerade dazu, mich an dev Erzählung genügen zu lassen; da bin ich von Niemand abhängig, und je mehr ich das Theater näher ansehe, um so mehr sehe ich, was mir eigentlich in Gutem und Bösem dazu fehlt. Auch mir wäre es lieb, wenn ich Sie näher bei mir hätte, Ihre resolute Art thut wohl, und ich glaube, auch Ihnen etwas sein zu können. Aber jede Ortsänderung revolutionirt mein ganzes Wesen, darum kann ich auch nicht reisen, und ich habe noch viel vor, was ich in stetiger Weise gerne absolvirte. Ich habe noch bis tief in. den Sommer mit meinen gesammelten. Schriften zu thun und sehne mich danach — Neues produziren zu können.: Ich bin vollgeladen'mit Vielerlei, aber auch mit vielen herzlichen Grüßen an Euch und Eure Frau. Euer Dresden, 27. April 1658. Verth old Auerbach. Dein guter Brief, lieber Max Ring, hat mir gut gethan. Ich freue.mich des Bewußtseins treuzugehöriger Freunde, und da kann ein Ortswechsel nichts ändern. Daß Du frisch und allseitig thätig bist, ist erfreulich. Ich habe, in Wiesbaden, wo ich zum Abschluß für die englische Uebersetzung mit Tauchnitz eine Zusammenkunft hatte, das erste Kapitel Deines Romans in der Freien Presse gelesen. Wenn alles fertig ist, will ich Dir gerne das Manuskript durchsetzen und Notabenes machen. Wenn die Kalenderaffaire*) ganz aus und vorbei ist, könntest Du ein Wort darüber sagen. Ich kann Dir heute nicht viel schreiben, denn leider! nehmen die vielen Briefe noch immer einen großen Theil meiner Zeit in Anspruch. Ich grüße Dich und Deine Frau von Herzen Bonn, 26. Oktober 1866. Dein Bert hold Auerbach. * Ich glaube, ich bin Dir Brief schuldig, lieber Freund, aber es wird Dich freuen, wenn ich Dir sage, daß ich keine Briefe schreiben kann, ordentliche wenigstens nicht, denn ich bin in einer Arbeit, die eben jetzt heißflüssig ist, und da strömt alles Denken und Empfinden dahin,, und man ist in solcher Zeit gar kein Mensch für sich und auch nicht für seine Freunde. Ich sehe aus der Zeitung, daß der Vampyr öffentlicher Vorlesungen auch Dich vielfach ansaugt. Ich hoffe, daß Du bei Deiner elastischen, schnell von eins ins andere turnenden Natur nicht so davon ausgemolken wirft, wie ich es immer spürte. Laß Dich nur ja. nicht von Deiner eigentlichen Berufsarbeit ablenken; die Welt ist nicht undankbar, aber sie begreift nicht, welche Opfer wir bringen. Heute, lieber Freund, schreibe ich Dir, weil ich eine Freude habe, die über die italienische Uebersetzung, und da sollst Du mit schmausen. In nächster Woche wird's ein Jahr, daß Du und Deine liebe Frau bei uns an meinem Geburtstage wart. Wie gern hätte ich Euch wieder dabei! Der Frühling ist hier wundersam frisch und erquickend! ' Dein alter Bonn, 23. Febr. 67. : Berthold Auerbach. Die Polizei hatte am 12. Oktober 1666 einen von Auerbach herausgegebenen Kalender wegen einer Geschichte: „Auf Leben und Tod", konfiszirt. . Bonn, 8. März 67. Lieber- Freund! Vor allem erwidere ich Deinen Glückwunsch damit, daß ich Dir zum Abschluß Deines Romans in der „N. Fr. P." gratuliere. Ich kann aber, wie Du weißt, das nicht leer thun. Ich habe den Roman nur ab und zu gelesen. Der Schluß aber (abgesehen davon, daß er überhastet erscheint) darf auch nicht sachlich so bleiben. Valerian mit einer solchen Schuld darf nicht den ehrlichen Soldatentod auf dem Schlachtfeld wie soll ich sagen? empfangen. Das geht nicht; es ist eine Entweihung solch edlen Motivs und'es ist-ja wie auf der Hand liegend leicht zu wenden: er muß den Schlachtenlod suchen, aber er muß auch längst von dem Jankowski äbgemurkst werden. Dadurch hebt sich der Schluß neu, und es ist garnicht mühsam, da noch den gehörigen Drücker anzubringen. , Ueberhaupt -ermahne ich Dich nochmals, das Buch recht sorgfältig vor dem Neudruck durchzuarbeiten. Das ist ja der besondere Vortheil des Feuilletondrucks. Laß Dich keine Mühe verdrießen, sie kommt Dir und der Sache zügut. Ich habe, wie Du ja auch weißt, in meinem Leben viel Ungemach erfahren, weil, ich denen, die mir nahe wurden, etwas leisten wollte und ihnen durch Mahnungen unbequem wurde und durch Hülfe beschwerlich. Bei Dir bin ich überzeugt, daß Du mich nie verkennst, ich will Dich nicht beherrschen, aber ich müßte unehrlich sein, was ich bisher nicht konnte, wenn ich Dich nicht zu strenger Sorgfalt ermahnte und nicht eben das Aufgebot' Deiner vollen Kraft herausforderte. Punktum! - Du willst von meinem Leben und meiner Arbeit wissen? Ja, lieber Alter, da hätte ich eben zu viel zu schreiben, darum fange ich nicht an. Ein ewiges Auf und Ab in persönlicher Stimmung wie in Schaffenslust werde ich wohl nie los, ich"Niuß nun einmal so verbraucht werden, und wenn ich inmitten der Arbeit bin, vergesse ich alles und lebe nur in der Arbeit, zumal wenn sie wie die jetzige einen künstlerischen und zugleich idealen Zielpunkt hat. Ich hoffe in 2—3 Monaten die Geschichte auf dem Papier zu haben. Wir müssen uns im kommenden Sommer im südlichen Unterland sehen, und natürlich müssen Sie, liebe Freundin, der ich herzlich für den Zuruf danke, mit dabei sein. Ich bewundere Deine Kraft, daß Du so in Zerstreuung leben und doch arbeiten kannst. Ich war mit Frau, Tochter, und Student, zum Carneval in Köln und das tolle Leben hat mir so den Kopf eingenommen, daß ich viele Tage brauche, bis ich wieder zu mir, d. h. zu meiner Arbeit komme. Wie freue ich mich auf den Frühling hier!' Ich lebe hier ganz isolirt, nur mit meiner Frau und Ferd. Hiller in Köln, der jetzt bei euch ist, habe ich die innigste Beziehung. Ich arbeite bis zum Mittagessen, nach welchem ich spazieren gehe und dann wieder auf mein Zimmer, so Tag für Tag und das thut mir sehr gut. Ich lese auch mehr als sonst je. Leb wohl! Getreulich Dein Berthold Auerbach. * Rochusberg bei Bingen, 25. Juni 67. Du thust mir bitter Unrecht, lieber Max. Ring, wenn Du auch nur scherzweise wegen Nichtschreiben mich schiltst. Ich bin von so vielerlei im Leben beansprucht und habe nun endlich das seltsame Fieberglück, ganz in einer neuen Arbeit zu brennen, daß ich nur schwer die Briesfeder anfetze. Ich lebe hier mit einem Schreiber seit 1. Mai auf dem Rochusberge und sehe noch gar nicht ein, ob ich den Schwarm von dichterischen Gestalten, der mich auf Schritt und Tritt im Schlafen und Wachen begleitet, erlöse oder auch nur von mir ablöse.' So kann ich auch jetzt nichts lesen. Ich habe von Deinem Roman, für dessen Absendung ich Dir bestens danke, nur den ersten Band gelesen und muß doch davon weg. Ich habe also durchaus kein Recht zu urtheilen, aber das muß ich Dir doch sagen: Du hast, nach meiner Ansicht, den Fehler gemacht, uns keine Sympathie für den Helden einzuflößen. Ich weiß wohl, es giebt auch den anderen Hebel: Die Spannung, das Neugierigkeits-Jyteresse, aber — wenigstens ich kann nicht anders empfinden — das allein genügt nicht. Sodann hättest Du auch bei dem zweiten Abdruck etwas mehr Sorgfalt auf die formelle Fassung wenden können, ich meine z. B. die i-iii- '■.. .. m-i

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