Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 61 (1897)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
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414 if - iJi und böse zu unterscheiden weiß. Wer aber wird das unschuldige^ Kind glücklich oder vMommen nennen? Die'Bibel mußte uns doch wohl zeigen, wie die Sünde int Menschen - entsteht, und welche Folgen sie nach sich zieht. Der Mensch,' lehrt sie uns, ist im Ebenbilde Gottes erschaffen, also unschuldig/ sündenrein. Aber die. Möglichkeit, zu sündigen, ist ihm von Gott anerschaffen in den Sinnen. Und so kann leicht der Anreiz von außen her —die'schöue, wohlschmeckende Frucht — in ihm die böse Begierde, d. h. die Begierde nach - etwas Unerlaubtem, erwecken. Bisweilen sündigt der Mensch auch nur durch Verführung. (Die Schlange, Sinnbild der Verführung.) < Hat er gesündigt, so weiß er allerdings gut und böse von einander zu unterscheiden. Es ist dies jene Klugheit, durch welche sich auch schon schlecht erzogene Kinder von den harmlosen, edlen auszeichneu. Auch in der Geschichte von Kajin und Hebel ist uns di? Entstehung der Sünde mit ihren Folgen dargestettt. Hier hören wir noch das so bedeutsame Wort: Draußen lauert die Sünde, nach dir ist ihr Verlangen, du aber kannst sie beherrschen. Noch von einem anderen Gesichtspunkte aus kann man die ersten Kapitel unserer Bibel über die Sünde verstehen. Warum hat es Gott den Menschen so schwer gemacht, sich zu ernähren, warum ist gerade der Mensch so vielen Krankheiten ausgesetzt, und warum hat er das Bewußtsein, daß er beständig vom Tode bedroht ist? Weil der Mensch so leicht der Sünde verfällt. Darum soll er im Schweiße des Angesichts' sein Brot essen (Wenn bit deiner Hände Mühen genießest, heil dir, wohl dir), darum in allerlei Krankheit seine Schwäche, seine Abhängigkeit von Gott fühlen und darum, weil er weiß, daß sein Körper dem Staube verfällt, zumeist au die Entfaltung seines geistigen Wesens denken. (Siehe meine Anleitung, S. 22, 23, 24. Mein Neligionsbuch, 2. Aufl. S. 41, 43.) Jur Geschichte des Aetatorenwefeus und der Krrrnrnaljustiz unter den Juden im Mittelalter. Von Prof. Dr. D. Kaufmann. j-p II. (gjMie einzige Lücke, die uns in diesem über vier Jahrhunderte sich erstreckenden Zeugenverhöre sich zeigt, bildet das dreizehnte Jahrhundert. So gründlich hat die almohadische Verfolgung das geistige Leben der Juden in Spanien niedergetreten, daß auch in der Litteratur von der Mitte des zwölften bis weit über die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts eine gähnende Lücke klafft.. Gleichwohl haben wir auch für diesen Zeitraum Ein Denkmal wenigstens erhalten, das uns beweist, daß der fresiende Erbschaden der jüdischen Gesellschaft in Spanien, die Angeberei, auch in jener Epoche nicht aufgehört hat, .die Gemeinden zu ängstigen und zu beschäftigen und die jüdische Kriminaljustiz in Uebuug zu erhalten. Salomo Jbn Adret, der in seinen Responsen auch sonst die Fackel bildet, die auch den dunklen Zeitraum vor seinem Auftreten weithin erleuchtet, gebührt das Verdienst, diese geschichtliche Kunde uns erhalten zu Haben, die jedoch erst hier zum ersten Male ans Licht gezogen wird, weil mau offenbar Scheu getragen hat, das denkwürdige, handschriftlich gebliebene. Responsum unter seine, so viel gedruckten Rechtsgutachten uufzunehmen. Der ,an solch auserlesenen Stücken überreiche Codex Pococke 280 b in Oxford, jetzt Nr. 2218, . hat auch diese Quelle uns aufbewahrt. " Die Begebenheit, die wir daraus kennen lernen, war-reich an dramatischen Momenten, die freilich mehr angedeutet als geschildert werden. Noch herrschte über Aragonien der mächtige Eroberer And Staatengründer, - Jayme I. Seine lange Negierung war auch für die Juden seiner Reiche eine Zeit der Wohlfahrt und der Ruhe^). Wohl widerstand auch er nicht den Einflüsterungen der Geistlichkeit, wie schon jene Religionsdisputation von Barcelonas zeigt/ auf'der zwischen dem 20. und 31. Juli 1263 Mose b. Nachman so löwenmuthig gegen den Täufling Pablo Christians stritt, aber der König bewies seine Gerechtigkeit selbst bei dieser Gelegenheit, und Papst Clemens IV. mußte noch 1267 Anstrengungen machen, um Jayme 1. dazu zu vermögen, daß er den Juden nicht öffentliche Aemter anvertraueb). Wir sehen jetzt, daß neben den Feinden, die von außen schürten, der Verrath im Innern den Schadenstistern hilfreich entgegen kam. Aus Barcelona stammte der Unselige, der schon bei Lebzeiten König Jaymes, offenbar in seinen letzten Jahren^), den catalonischen Gemeinden durch seine Angebereien gefährlich wurde. Der Abkömmling einer angesehenen Familie aus begütertem Hause, aber früh um sein Vermögen gekommen, war er auf die abschüssige Bahn verbrecherischen Ehrgeizes gerathen, der selbst um den Preis der Schlechtigkeit Macht erwerben will und gefürchtet sein möchte, wenn er schon nicht geachtet sein kann. Vergebens hatte man ihn gewarnt und mit dem Ende, das allen Angebern damals bevorstand, bedroht; er konnte von dem einmal betretenen Wege nicht mehr lassen.- König Jayme I, hatte am 27. Juli 1276 nach einer dreiundsechzigjährigen Regierung zu Valencia seine Seele ausgehaucht und sein Sohn Pedro III. bestieg den Thron von Aragonien. Als die jüdischen Gemeinden seiner drei Reiche Catalonien, Valencia und Aragon plötzlich vor den neuen Herrscher beschieden wurden, witterten sie in ihrer Seelenangst sofort Verrath, der von keinem Andern als von dem Angeber in Barcelona ausgehen konnte. Vergebens beschworen sie ihn, wenigstens diesmal abzulaffen, aber wie ein Unglücksschatten heftete er sich an ihre Fersen. Der Muth war ihm gewachsen, offenbar hatte er bei den Behörden Unterstützung gefunden. Aber noch lebte in einflußreicher Stellung am königlichen Hofe das edle Brüderpaar Josef und Mose Abravalia^), deren Namen die jüdische Geschichte auf ihre Ehrentafel einzuzeichnen bisher verabsäumt hat. Besonders war es Josef Abravalia, der durch, das hohe Amt, das er bekleidete — er scheint Finauzminifier des Königs gewesen zu sein — den bösen Einfluß des Angebers zu brechen wußte. Beide Brüder hatten das Ohr des Königs, den sie jetzt auf die todeswürdigen Umtriebe des Schadenstifters von Barcelona aufmerksam machten. Auf könig- 0 Bergl. Steinschneider nach Tourtoulon, Jayme I. in Frankel-Graeh Monatsschrift 33, 498 f.; Sal. Kahn in Revue ' des etudes juives XIX, 261 ff.; Js. Loeb ib. XIII, 239; H. Schäfer, Gesch. von Spanien III, 281. 2) Js. Loeb, Revue des 6tudes juives XV, 1—18. 8) Ib. S. 18. 4) Darauf beziehen sich Jbn Adrets Worte: ^2 rr'-p jpm •5) Sollte dieser Familienname durch Dissimilation aus dem alten spanischen der Jbn Albalia entstanden sein? Die in der Litteratur vorkommenden Vertreter dieses Geschlechtes verzeichnet Steinschneider Hebr. Bibliographie XI, 135 n. 1, Die hebräischen Handschriften der königlichen Höf- und Staatsbibliotheken in München s cod. 228? n. 1. Ueber Samuel Abravalia, der spanisch Abravalla geschrieben .wird s. Graetz, Geschichte VIII 3, 60 und 128 n. 1. Die. Grabschrist ' Josef b. Baruch Abravalias in cod, Oxford 2157 lautet nach einer Mittheilung Dr. H.Brodys: ■ n'zbx nw&n it^k *12 spf 't S. Js.^Loeb in Berliners Magazin 6, 115.