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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-27 · Heft 35 (27.8.1897) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 35 (27.8.1897)
Date
1897-08-27
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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41'fr Versammlungen den Eindruck geweicht hätte, daß die Entschiedenheit, Reinheit und Einheit des Wollens, wie überhaupt die Erlösung aus allen. Zweifeln und Schwankungen lediglich bei ihnen zu finden sei. Diese^Einheit des Wollens sah in 15 von 45 Fällen folgendermaßen aus::■■■ M»^Mä^1696. stimmen 2 für, B gegen die schärfere Polizeiaufsicht über Schauspielunternehmer, 9 fehlen; — am 10. März 1896 stimmen 1 für, 7 geg^ew -Freigabe des Detailreisens in Wäsche u. s. rv., 8 fehlen; — am 24. April 1896stimmen 2 für, 3 gegen die Giltigkeit der Wahl des .Abgeordneten Holz .-in Schwetz, 11 fehlen; — am 5. Mai 18.96 stimmen 11 für, 1 gegen das Färbeverbot im Margarinegesetz, 4 fehlen; — am 6. Mai 1896 stimmen 10 für, 2 gegen die Trennung der Margarineverkaufsräume, 4 fehlen; — am 12. Mai 1896 stimmen 4 für, 6 gegen die Doppelbesteuerung der Melasse, 6 fehlen; — am 15. Mai 1896 stimmen 3 für, 4 gegen die niedrigere Bemessung der. Zuckerverbrauchsabgabe, 9 fehlen; — am 23. Juni 1896 stimmt einer gegen die Ersatzpflicht für Hasenschaden, 2 enthalten sich der Abstimmung, 13 fehlen; — am 24. Juni 1896 stimmen 3 für, 2 gegen die fakultative Civilehe, 11 fehlen; am 30. Juni 1696 stimmend für, 1 gegen die Erfatzpflicht für Hasenschaden. 4 enthalten sich, 7 fehlen; — am 1. Juli 1896 stimmt 1 für das Bürgerliche Gesetzbuch, 6 enthalten sich, 9 fehlen; - am 20. März 1897 stimmen 13 für, 2 gegen die Bewilligung des Panzerschiffes „Ersatz König Wilhelm", ebenso gegen die des Avisos „Ersatz Hyäne"; — am 7. Mai 1897 stimmen 9 für, 1 gegen die Trennung der Margarine- Verkaufsräume, 6 fehlen; — endlich am 24. Juni 1897 stimmen 2 für, 11 gegen die Handwerksorganisation, 3 fehlen.. — Man wird finden, daß hier alles Mögliche in Frage stand, was draußen in der antisemitischen Agitation behandelt wird, als könne es darüber nicht die mindeste Differenz unter „deutsch-sozialen Reformern" geben. Aber so wenig sie in wirtschaftlichen, insbesondere Mittelstandsfragen sich einigen konnten, so wenig vermochten sie gegenüber der wichtigsten Frage unserer Rechtseinheit, ja nicht einmal gegenüber der nationalen Aufgabe beim Streit um die Schiffsbauten eine einheitliche Stellung einzunehmen. Das nennt , sich Sozial- und Wirthschaftsreformer, Mittelstandspartei und Deutschpartei parexcellence! ■ * Die Nachwirkungen und Folgeerscheinungen des Vergcmi- Prozcffes in Oesterreich sind charakteristischer als der Prozeß selbst. Der Wiener Korrespondent des „Berliner Tageblatt" schreibt darüber: Wir sehen ein Sittenbild und Rechtsbegriffe, die geradezu erschreckend wirken: Ernst Vergani, auf dessen Gebühren in der Vergangenheit zum mindesten ein starker Schatten gefallen ist, erhält Vertrauenskundgebungen in Hülle und Fülle. Der Bürgermeister von Wien, Dr., Lueger, mitsammt der ganzen christlich-sozialen Partei versichern Vergani ihres ungeschmälerten Vertrauens und bedauern seine „übereilte" Mandatsniederlegung. Prinz Alois Liechtenstein stellt sich an die Spitze einer Deputation, die Vergani „Genugtuung" für das Geschworenenverdikt giebt. Eie alle stehen treu zu Vergani, der Prozeß hat ihm in ihren Augen nicht den geringsten Makel aufgelastet. Die Geschworenen, die Berganis Gegner freigesprochen, werden scharf angegriffen, ihr Urtheil wird auf das Herbste getadelt. Es sei nicht entscheidend, heißt es in einem - offiziellen 'Schreiben an Vergani, was „einige Männer, die zufällig Geschworene find", sagen und beschließen, den Ausschlag gebe die öffentliche Meinung, das heißt die Partei. Dr. Lueget und Prinz Liechtenstein und die ganze Menge der Christlichsozialen kümmern sich einen Pfifferling um das Verdikt des Schwurgerichts, für sie ist das Urtheil der Partei maßgebend. Die Christlichsozialen sind die höhere, entscheidende Instanz, und so bleibt Vergani trotz der Rolle, die er im Gerichtssaal gespielt, ihr Freund, ihr Vertrauensmann, ihr Bundes- -und Kampfgenosse auch .fernerhin. Es dürfte denn auch kaum eine allzu lange Frist verstreichen, bis Vergani wieder Erwählter des Volkes und Gesetzgeber in Oesterreich sein wird. Bisher hat man in Oesterreich das Schwurgericht hochgehalten. Es wurde als eine gewichtige Errungenschaft anerkannt undnach Gebühr gewürdigt. Zum ersten Mal hat man es jetzt, beleidigt, mißachtet, und es hat nicht den Anschein, als werde dieses frevlerische Beginnen eine Sühne finden. Es ist ein verhängnißvoller Präzedenzfall geschaffen -worden. Die sittliche Auffassung aber, der Respekt vor- , Gesetz und Recht, die Achtung vor den richterlichen Institutionen, wie sie. hier bei den Christlich-sozialen, die gegenwärtig Wien und Niederösterreich beherrschen, zu Tage treten, sie bilden Erscheinungen, die unsere vielgerühmten Kulturfortschritte gar traurig illustriren. Es giebt noch Richter in Oesterreich, aber die christlich-soziale. Partei ist doch der höhere Richter. Und diese Früchte hat der Antisemitismus gezeitigt. * ■ * . Eine bedauerliche Veränderung ist in der Ueberwachung der E-i-nwanderung nach Amerika eingetreten. An Stelle des bisherigen Einwanderungsinspektors Senner ist Mr. Terence V. Powderly, der frühere Chef des Ordens der Ritter der Arbeit, ernannt worden. Derselbe vertritt den Standpunkt der einheimischen Arbeiter, der alle fremde Einwanderung als Konkurrenz fern halten will. Auch Präsident Mac Kinley hat erklärt, daß er die Einwanderungsbill, welche sein Vorgänger Cleveland abgelehnt hatte, seinerzeit acceptiren würde. Diese Bill schränkte bekanntlich die Einwanderung aufs Wesentlichste ein, und ihre Ablehnung durch Cleveland war ein 6esolideres Glück für die russischen und polnischen Juden. w Protokoll der 33. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover ' am 9. und 10. Juni 1897 im Saale des Restaurateurs Falk zu Hannover. . A. Anwesende Ehrenmitglieder: Landrabbiner Dr. Gronemann- - Hannover; Landrabbiner Dr' Löb - Emden. B. Anwesende Mitglieder:; Bachenheimer - Harburg, Spanier - Stolzenau, Blumenfeld - Adelebsen, Stern - Hildesheim, Weinberg - Bodenfelde, Levy - Norden, Wertheim- Münden, Stern-Einbeck, Stein-Gleidingen, Fabisch-Göttingen, Löwenstein- Celle, Apt-Pattensen, Mansbacher-Hoya, Frankenstein-Osnabrück, Bach- Hildesheim, Waller-Moringen, Scheuer-Lemförde, Rosenblatt-Barenburg, Nagel - Diepholz, Hofmann - Twistringen, Federlein - Neustadt a. Rbg., Meyer-Hannover- Capell-Wunstorf, Rothschild-Achim, Haas-Sülingen, Sußmann - Oelde (Westfalen), Levy - Hannover, Cohen - Barsinghausen, Löwenstein - Scharmbeck, Cahn - Sarstedt, Heilbrunn - Gronau, Eckmann- Nienburg, Seminardirektor Dr. Knoller - Hannover, Italiener - Peine, Lomnitz-Eldagsen, Adler-Hemmendorf,. Braunsberg-Verden, Löwenstein- Burgdorf, Ginsberg-Gehrden, Lorge-Wolfenbüttel. Erste Sitzung, Mittwoch, den 9. Juni. Der zeitige Vorsitzende, Herr Lehrer Blumenseld-Adelebsen, eröffnete Nachmittags 4 Uhr die erste Hauptversammlung mit einer kurzen Ansprache. Auf den 33 jährigen Bestand des Vereins hinweisend, führte der Vorsitzende aus,. daß her Verein stets das Bestreben gehabt habe, neben Förderung idealer Bestrebungen auch die materielle Lage der Lehrer zu bessern und auf sichere Grundlage zu stellen. Durch eine gesicherte äußere Stellung! werde auch die ümere gehoben. Das habe auch die königliche Regierung erkannt und deshalb ihren Einfluß aufgeboten, um das im verflossenen Jahre; erstandene Besoldungsgesetz bei den maßgebenden , Körperschaften durchzubringen. Redner schloß: „Lasset uns weiter - arbeiten an unseren hohen Zielen, für das Wohl und Heil unseres : Vaterlandes streben in dankbarer Erinnerung und treuer Hingebung an - unsere hohe Regierung, die der Lehrerschaft wohlwollend gesinnt ist.; Stimmen Sie ein, meine Herren, in den Ruf: Se. Majestät, der König 1 und Kaiser, unser allergnädigster Landesherr, Wilhelm II., er lebe hoch!" i Die Versammlung stimmte dreimal begeistert in diesen Ruf ein. .; In die Tagesordnung eintretend, erstattete der Vorsitzende eingehenden Bericht über das verflossene Vereinsjahr. Derselbe berührte i auch die Thätigkeit des Verbandes im Laufe des. Jahres. Der Vorsitzende wies auf die Angriffe und Verdächtigungen hin, die der i Deutsch-Israelitische Gemeindebund und auch der Vorstand des Verbandes i der Lehrervereine von gewisser Seite erfahren haben, um Unfrieden

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