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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1897-08-20 · Heft 34 (20.8.1897) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
61 (1897)
Issue
Heft 34 (20.8.1897)
Date
1897-08-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Ileberschwemrnten in Szene gesetzt. Die Bade-Direktion g^.b den L^»:rsaal bereitwilligst her, und die Vorträge, ausgeführt von christlichen und jüdischen Damen und Herren, fanden bei dem zahlreich erschienenen Publikum allgemeinen Beifall. Der Reinertrag für die Unglücklichen war ein namhafter. a. Breslau, 16. August. In seinem Bestreben, die Organisation der deutschen Judenheit durch Schaffung von lokalen Verbänden immer mehr auszugestalten und so eine noch wirksamere Vertretung wie der allgemeinen so auch der örtlichen Interessen zu ermöglichen, hat der Ausschuß des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes einen neuen werthoollen Erfolg zu verzeichnen. In einer durch den Vorstand der Synagogen-Gemeinde Breslau am 27. Juni d. I. nach der Hauptstadt Schlesiens einberufenen Versammlung von Gemeinde - Deputirten wurde der „Verband der Synagogen-Gemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liestnitz" konstituirt. Dem neuen Verbände, dessen Ausschuß sich zusammensetzt aus den Herren: Stadtrath Pringsheim (Vors.), Amtsgerichts-Rath Wollstein (stellv Vors), Rabbiner Dr. Guttmann (Schriftf.), Dr. med. C. Reich (Schatzm.), sämmtlich in Breslau, sowie £>. Cohn in Liegnitz, Justiz - Rath Friedmann in Glogau, Em. Katz in Görlitz, Justiz-Rath Ledermann in Hirschberg und Lomnitz in Schweidnitz, haben sich bereits die nachfolgenden 29 Gemeinden angeschlossen: a) Im Regierungsbezirk Breslau: Bernstadt, Breslau, Brieg, Canth, Freiburg, Glatz, Guhrau, Löwen, Militsch, Münsterberg, Namslau, Neumarkt, Ohlau. Prausnitz, Reichenbach, Schweidnitz, Strehlen, Striegau, Trachenberg, Waldenburg, Martenberg und Wohlau. h) Im Regierungsbezirk Liegnitz: Bunzlau, Glogau,. Görlitz. Hirschberg, Liegnitz, Löwenberg und Sagan. Das Verdienst der eifrigen und hochherzigen Männer, denen das Gelingen des schönen, aber schwierigen Werkes zu danken ist, wird dadurch gesteigert, daß sie im Sinne der Beschlüsse des VII. Gemeindetages vom Jahre 1896 in § l der Statuten des neubegründeten Verbandes zum Ausdruck bringen, daß dieser sich als Zweigverband des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes betrachtet und demgemäß sich verpflichtet, efn Zehntel der jährlichen Mitgliederbeiträge an den D -I. G -B. in Berlin abzuführen. In dieser regen Bethätigung der Hingabe an das große Ganze erblicken wir die sicherste Gewähr auch für das Gelingen der besonderen Ziele des Verbandes, dem wir. im Interesse der Gesammtheit des deutschen Judenthums nicht minder wie in seinem eigenen Wachsthum, Blüthe und fröhliches Gedeihen und — baldige Nachahmung wünschen. □ Gart; a. O., 18. August. Am Trauertage des 9. Ab ist unsere Gemeinde von einem schweren Verlust heimgesucht worden. Der weit über die Grenzen seiner Heimathgemeinde durch sein wohlthätiges und frommes Wirken bekannte Herr R. I. Karger ist an diesem Tage nach kurzer Krankheit im 78. Lebensjahre sanft entschlafen. Derselbe hat sich namentlich auch um unsere Gemeinde große Verdienste erworben, an deren Spitze er als Vorsteher viele Jahre gestanden, die ihm hauptsächlich ihre Synagoge verdankt, deren Dienste er sich bis an sein Lebensende an den hohen Festtagen als Bal Tefllla geweiht, und der er mit dem Einsätze seiner ganzen Kräfte den religiösen Sinn zu erhalten gesucht hat. Die Blüthe seiner Frömmigkeit aber war seine Wohlthätigkeit; sie füllte in seinen letzten Jahren, wo er sich von ' Geschäften ganz zurückgezogen hatte, bei ihm den ganzen Tag aus; hierin kannte er keine Ruhe und keine Rast, arbeitete unaufhörlich und schaffte zu dem, was er selbst in unübertrefflicher. Weise that, aus nächster Nähe und weiter Ferne Mittel herbei. Kinder zu erziehen, Bräute auszusiatten u. s. w. Die durchreisenden Armen sind ihm aber buchstäblich Hausgenossen gewesen; für sie hatte er auf seinem Grundstück einen Raum errichtet, in dem sie alle beherbergt wurden, und es gab für ihn keine größere Freude, als einen Armen bei sich aufnehmen zu können. In seiner Geburtsstadt Obersitzkow hatte er noch bei Lebzeiten eine Stiftung zur Unterhaltung eines Gelehrten, der in der dortigen Beth Hamidrasch lernen und namentlich andere Kinder in der Thora unterrichten soll, ins Leben gerufen. Der zeitige Gelehrte, Herr Rabbiner Caspar, hielt während der Trauertage im Trauerhause eine Rede, in der er die Wohlthätigkeit des Verblichenen, trefflich schilderte und auch seine große Demuth hervorhob. Am Grabe selbst entwarf der Stiefsohn des Verstorbenen, den derselbe von frühester Kindheit an erzogen hat, in beredten Worten ein Charakterbild des Heimgegangenen. Möge das Andenken des Gerechten zum Segen forlwirken! N. Hamburg. 15 August. Die Ausstellung der Erzeugnisse der palästinensischen Kolonien auf der Allgemeinen Gartenbau- Ausstellung erfreut sich nach wie vor eines äußerst regen Besuches. Vor kurzer Zeit weilte Herr E. Scheid aus Paris, der verdienstvolle General-Inspektor der unter dem Protektorat des Herrn Baron Rothschild stehenden Kolonien, zur Besichtigung der Ausstellung hier. Er sprach sich sehr günstig über das Arrangement aus. Auch in materieller Beziehung dürfte der Erfolg nicht ausbleiben, denn wie uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, laufen bei dem hiesigen Komitee zahlreiche Bestellungen auf Holzschnitzereien ein, so u. a von einem evangelischen Geistlichen aus Holstein eine größere Ordre auf Holzschnitzereien, die ja in der That Kunstwerke sind. Von den ausgestellten Produkten erregen namentlich die gut gerathenen Kartoffeln, die in drei verschiedenen Sorten ausgestellt sind, sowie der vorzügliche Spargel die Aufmerksamkeit der Sachkenner. Beide Produkte stammen aus der Kolonie Ekron und sind erst seit vier Jahren aus Europa (der Spargel aus Frankreich) nach dort gepflanzt. Es ist namentlich der letztere, der die Konkurrenz mit den besten Sorten aushält. Als Beweis dafür, wie sehr die ausgestellten Produkte von Sachkennern geschätzt werden, diene die Thatsache, daß ein Landmann aus der Umgegend, der die Ausstellung besuchte, sich vom Komitee Kartoffeln zum Einpflanzen erbat, was demselben natürlich bereitwilligst gewährt wurde. Der Landmann hofft, noch in diesem Herbst eine Ernte zu erzielen, und hat dem Komitee versprochen, demselben die ersten Früchte einzusenden; auch von verschiedenen anderen Seiten gehen dem Komitee zahlreiche Anerkennungsschreiben zu. Die auf dem Transport vom Seewasser beschädigten großen Bäume haben sich hier merkwürdigerweise bedeutend erholt, und stehen jetzt drei Cedrasbäume in voller Blüthe. In diesen Tagen sind wiederum eine Anzahl Produkte neuester Ernte von Palästina nach hier gelangt. Von diesen Früchten erregt vor allen Dingen der aus der Kolonie „Rischon le Zion" stammende Honig von Orangeblüthen unsere Aufmerksamkeit. Ferner bemerken wir dort eine große Anzahl von Cedrasfrüchten (Esrogim). Diese Frucht, die sich insbesondere durch ihre schöne goldgelbe Farbe und ihre Wohlgestalt auszeichnet, wird auch bei uns in Deutschland vielfach in Scheiben geschnitten und konservirt als Delikatesse geschätzt. Dann bemerken wir dort tudergins (sogenannte Eiergurken) welche, mit Fett zubereitet, im Orient als Gemüse geschätzt werden, ebenso wie die in Stauden wachsenden Gombos. Sehr schön sind auch die dort ausgestellten halblangen Tomaten sowie die Bananen und Zuckergurken. Eine große Zierde der Ausstellung bilden ferner die drei verschiedenen Sorten Aprikosen sowie die Cactusfrüchte. Die meisten der ausgestellten Früchte stammen aus der Kolonie Ekron (Naslieretd Baihjath), die sich durch ihren fetten Boden auszeichnet. Bei Beurtheilung aller P odukte der palästinensischen Ausstellung muß man immer bedenken, daß alle diese Kolonien, von russischen und rumänischen Juden gegründet, erst seit 15 Jahren bestehen. Die Geschichte dieser Kolonien besitzt ein kulturhistorisches Interesse. Wo Tausende non Jahren unter glühendem Himmel rings alles in Oede starrte, ziert Berg und Thal jetzt eine üppige Vegetation. In 25 Dörfern wohnen über 6000 zufriedene Einwohner, die sich ihrer Freiheit freuen und Zeugniß davon oblegen, daß die Berufung und Qualifikation zur Landwirthschaft, die einst den Juden in bevorzugter Weise eigen waren, trotz mehrtausendjähriger Unterdrückung in ihnen wieder ausleben, sobald ihnen unter geeigneten Verhältnissen die Wege dazu geebnet werden. 8. Pirmasens (Pfalz), 13. August. Kaum sind die Trauerwochen vorüber, so beklagt unsere Gemeinde wieder den Tod eines ihrer ivürdigsten und frommsten Männer. Herr Abrahm Cahn ist im 76. Lebensjahre von seinem kurzen, aber schweren Krankenlager zu einem besseren Dasein am 11. Ab abgerufen worden. Wer den Dahingeschiedenen kannte, weiß, was er während seines Lebens gearbeitet und geschaffen hat. Abrahm Cahn war ein braver und frommer gelehrter Jude im wahren Sinne des Wortes. Ganz besonders aber ist ihm seine Wohlthätigkeit nachzurühmen. Gar oft konnte man sehen, wie. er trotz seines hohen Alters immer der Erste in der Synagoge zum Gottesdienst war und durch nichts davon sich abhalten ließ. An der großen Theilnahme bei der Beerdigung konnte man recht deutlich erkennen

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